1.1. Definition des sexuellen Missbrauchs
Beteiligung noch nicht ausgereifter Kinder und Jugendlicher an sexuellen Aktivitäten, denen sie nicht verantwortlich zustimmen können, weil sie deren Tragweite noch nicht erfassen. Dabei benutzen Erwachsene Kinder zur eigenen sexuellen Stimulation und missbrauchen das vorhandene Macht- und Kompetenzgefälle zum Schaden des Kindes. Def. schließt Pädophilie, Notzucht und Inzest ein. (Engfer ,1992)
à D.h.: - Kind kann niemals den gleichen Informationsstand über Sexualität haben wie ein Erwachsener
à D.h.: - durch Abhängigkeit vom Erwachsenen ist keine freie Entscheidung zu einer sex. Beziehung möglich
à D.h.: - die im Missbrauch enthaltende Bez. Basiert in allen Fällen auf ein Ungleichverhältnis , das immer auch ein Machtgefälle u. Machtmissbrauch beinhaltet. à D.h.: sexueller Missbrauch nicht nur in der Familie sondern auch in Institutionen wie Kindergarten, Schule, Heim etc.
1.2. Häufigkeit und Dunkelfeld
à Täter-Opfer- Analyse(1993): 7,2 % mit Opfer verwandt / 18,4% mit Opfer bekannt à Aber: hohe Dunkelziffer durch Nichterinnern , Scham und Furcht (bes. bei innerfamiliären Missbrauch)
à in derzeitigen nationalen und internationalen Ausmaßuntersuchungen (nichtrepräsentativ) hinsichtlich des erfahrenen sexuellen Mißbrauchs pendelt Ausmaß bei den Frauen zwischen 8% und 46%, bei den Männern zwischen 3% und 18% à Untersuchungen durchgeführt mittels Fragebogen und / oder Tiefeninterview / Telefoninterview
à unterschiedliche Definitionskriterien: Altersunterschied zwischen Opfer und Täter, Alterseinschränkungen ( vor dem14., 16. U. 18 Lebensjahr), sexuelle Handlungen mit und ohne Körperkontakt , nur sex. Handlungen mit Körperkontakt
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Im Vergleich dieser Studien mit Repräsentativstudien erscheint es realistisch, daß in Deutschland etwa jedes vierte bis fünfte Mädchen und jeder zwölfte Junge sexuelle Gewalt erlebt.
1.3. Täter
à 85-95% männlich / 10-15% weiblich (40% als Mittäterinnen in pädagogischen Einrichtungen)
à Mädchen werden etwa zu ¼ durch Familienangehörige, zur Hälfte durch Bekannte und zu 15 - 25% durch Fremde mißbraucht, bei Jungen weniger aus Familie (10-20%) und mehr Fremdtäter
1.4. Erklärungsversuche zur Ursache:
(1) soziologisch - ökologische Theorien: alle Ansätze , die ihr Hauptaugenmerk auf die gesellschaftlichen Bedingungen, Normen und Werte richten, die ganz allgemein Gewalt begünstigen.
(2) psychologische Theorien: Ursache liegt in der Persönlichkeit des Täters und seinen spezifischen Erfahrungen (biologistische , klinische Erklärungsvariante) à Modelle nicht absolut relevant aber davon abgeleitete (Partial-)Hypothesen werden berücksichtigt:
à daraus ergeben sich relevante Variablen:
• Demographische Variablen: Alter, Geschlecht, Sozioökon. Status
• Sozialisations- Faktoren: als Kind mißhandelt, delinquent / kriminell, gelernte Aggressivität, gewalttätige Modelle, demoralisiert
• Persönlichkeits- Faktoren: Persönlichkeitsstörungen, emotionale Deprivation, Impulsivität, neuropsychologische Abnormitäten, Alkohol- und Drogenprobleme, Angst, Stress
(3) Interaktive Modelle(soz.-situat.Mod.): das Kind und dessen Interaktionen mit seinen Eltern spielen wichtige Rolle bei der Hervorbringung von Misshandlung und Vernachlässigung (das „leichte“ und „schwierige“ Kind)
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2.1. Allgemeine Definition:
Handlungen und Phantasien, in denen sexuelle Aktivitäten mit präpubertären Kindern wiederholt bevorzugt werden oder diese ausschließlich als Methode zum Erreichen sexueller Erregung dienen. (amerik. DSM,1994)
2.2. Typologie (nach Holmes & Holmes):
Unterteilung Burgess, Groth & Holmstrom (1978) in:
I. Täter aus Gelegenheit - „situational child molester“
à hat kein wirkliches Interesse an Kinder
à Sex. Mißbrauch nicht nur mit Kindern, sondern auch mit älteren, physisch oder psychisch beeinträchtigten Menschen à nach Burgess et al. (1978) 4 Subkategorien:
1. Regressiv, 2. Moralisch wahllos, 3. Sexuell wahllos und 4. Naiv / inadäquat
1. Regressiv (regressive):
• wenden sich Kindern unter best. Stressbedingungen zu - Kinder = Objekt der sexuellen Befriedigung
• Opfer sind typischerweise Opfer aus Situationen heraus à gerade verfügbar
• bei extremen Streßsituationen (Scheidung, Job...) empfindet Täter Kinder als Pseudoerwachsene
• Opfer meist weiblich , Jungen Ausnahme
• führt generell normale (Partner-)Beziehungen
• sucht Befriedigung bei Kindern nur auf temporärer Basis
2. Moralisch wahllos (morally indiscriminate)
• mißbraucht alle in Frage kommenden Personen
• bevorzugt nicht Kinder als Sexualpartner
3. Sexuell wahllos ( sexually indiscriminate)
• probiert alles aus in Richtung sexuellen Experimentierens
• kann einbezogen sein in allen möglichen sexuellen Praktiken (Partnertausch,SM, Bondage etc.)
• kann Kinder (Stiefkinder) in diese Praktiken mit einbeziehen à bevorzugt diese aber nicht
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Arbeit zitieren:
Manja Weber, 2001, Pädophilie, München, GRIN Verlag GmbH
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