Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 3
2. Der Jugendstil - Ein Überblick 4
3. Die Motive 6
3.1. Gabriele Klöterjahn - der Typus der femme entfant 6
3.2. Detlev Spinell 8
3.2.1. Der Jugendstilästhet 8
3.2.2. Modelle für den Literaten 10
3.3. Die Springbrunne nszene 11
4. Zusammenfassende Betrachtungen 14
4.1. Thomas Manns Bezugspunkte zum Jugendstil 14
4.2. Der Versuch einer Einschätzung 15
5. Schlussbemerkung 16
6. Literaturverzeichnis 17
6.1. Primärliteratur 17
6.2. Sekundärliteratur 17
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1. Einleitung
Die Rückbesinnung auf die Bedeutung des Jugendstils für die Entwicklung der modernen bildenden Kunst in den letzten Jahrzehnten hatte zur Folge, dass auch in der Literaturwissenschaft die Frage aufgeworfen wurde, ob das Wesen von Literatur um 1900 durch den Begriff des Jugendstils erfasst werden könnte. 1 Bei dem Versuch eines Vergleichs zwischen bildender Kunst und Literatur sah man sich jedoch mit einer Vielzahl methodischer Probleme konfrontiert. Da schon allein über die Begrifflichkeiten dieser Auseinandersetzung Unklarheit bestand 2 und auch nach umfangreichen Forschungen immer noch besteht, scheint es unabdingbar den hier gewählten Untersuchungsgegenstand und die verwendeten Termini klar zu umreißen. Unter Jugendstil in der Literatur - speziell um die Jahrhundertwende - ist im Kontext dieser Auseinandersetzung die konkrete Übernahme bildnerischen Jugendstils anhand von typischen Motiven in die Literatur zu verstehen. Denn die Tatsache, dass bildnerischer Jugendstil als Gegenstand in Form von Motiven, Symbolen, Vorstellungsweisen und Stimmungen in die Literatur eingegangen ist, steht außer Frage und ist in zahlreiche n Fällen nachgewiesen. 3 Im Folgenden soll nun der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich auch in Thomas Manns 1903 veröffentlichten Novelle Tristan solche Einflüsse des Jugendstils ausmachen lassen. Dabei wird vornehmlich auf die Untersuchungen von Wolfdietrich Rasch Thomas Manns Erzählung Tristan, Paul Requadt Jugendstil im Frühwerk Thomas Manns und Joachim Wich Thomas Manns frühe Erzählungen und der Jugendstil Bezug genommen.
1 Dotzauer, Diane. Motive des Jugendstils in Thomas Manns Novelle Tristan. In: Studien zur Germanistik. Bd. 8. 2002. S. 23.
2 „Jugendstil in der Literatur“ (die Übernahme von Motiven) vs. „literarischer Jugendstil“ (innere, strukturelle Übereinstimmung mit dem bildnerischen Jugendstil - die Sprachgestaltung selbst ist jugendstilhaft) nachzulesen bei: Hajek, Edelgard. Literarischer Jugendstil. Vergleichende Studien zur Dichtung und Malerei um 1900. In: Literatur in der Gesellschaft. Band 6. Düsseldorf 1971.
3 Ebd. S. 34.
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2. Der Jugendstil - Ein Überblick
Zu Beginn soll versucht werden, eine Vorstellung davon zu vermitteln, was jene n Stil zwischen Impressionismus und Expressionismus, der mit dem Begriff Jugendstil bezeichnet wird, ausmacht - welche Motive und Stimmungen 4 sein Wesen allgemein bestimmen. Aufgrund der enormen Komplexität dieser Stilrichtung kann hier natürlich kein erschöpfendes Bild ge geben werden. Daher beschränkt sich die Darstellung lediglich auf die für die weitere Auseinandersetzung relevanten Gesichtspunkte.
Wie so viele Epochenbezeichnungen stammt der Begriff Jugendstil aus der Kunstgeschichte und war zunächst ausschließlich für die „dekorativen Künste“ gebräuchlich. 5 Erst recht spät wurde versucht ihn auch auf andere Kunstbereiche wie etwa die Literatur zu übertragen. Die ganze Spielbreite des Jugendstils in allen Formen der Kunst auf einen Nenner zu bringen ist kaum möglich 6 . Wohl aber lassen sich einige durchgehende Merkmale erkennen, die auf wenigen, gemeinsamen Stilprinzipien beruhen. Der Jugendstil interessiert sich hauptsächlich für die Linie, die reine Linie, die sich so weit vom Gegenständlichen entfernt, dass sie zum bloßen Sinneseindruck wird. Es ist ein Stil, bei dem alles gleitet, ausweicht, sich windet, schlängelt oder verdreht 7 - er stilisiert bis hin zur Ungegenständlichkeit. Vor allem Ornamente und Arabesken sind wesensbestimmende Verwendungen der Linie. Auch in der Literatur zeigen die Künstler des Jugendstils eine Neigung zu symbolischer Verrätselung, Entrealisierung, und ästhetischer Ver- und Überfeinerung der Realität 8 . Man findet Strukturelemente der Rauchkringel, der Blumen, der Einzelleralles, was reiches Blätter- und Rankenwerk hat und sich dadurch leicht in eine schwingende Linearität überführen lässt, wurde zum Motiv. 9 Die Vorliebe für Schilf, Seerosen, Orchideen und Mohn darf bereits als erster Hinweis auf einen
4 Rasch, Wolfdietrich. Thomas Manns Erzählung Tristan. In: Hermand, Jost (Hg.). Jugendstil. Darmstadt 3 1992. S. 415.
5 Hermand, Jost. Lyrik des Jugendstils. In: Ders.. Der Schein des schönen Lebens. Frankfurt am Main 1972. S. 402.
6 Mathes, Jürg (Hg.), Theorie des literarischen Jugendstils. [Primärtextanthologie]. Stuttgart (RUB) 1984. Einleitung S.7.
7 Hamann, Richard und Jost, Hermand. Stilkunst um 1900. München 1973. S. 243.
8 Mathes. Theorie des literarischen Jugendstils. S. 26.
9 Hermand, Jost. Lyrik des Jugendstils. S.404.
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ausgeprägten Hang zur Nachtseite der Natur verstanden werden. 10 Bis zur Berauschung preist der Jugendstil die Kraft des freien, unabhängigen Individuums, genießt jedoch gleichzeitig mit narzisstischem Schwelgen die Lust an Verfall und Untergang. Er glaubt an Erlösung durch die Schönheit und hofft auf Reform und frühlingshaften Neubeginn 11 . Daher zieht er sich motivisch gern in künstliche Paradiese und Enklaven der Sicherheit und des schönen Scheins zurück. 12 Als weiterer Motivkreis sind stilisierte Elementarbewegungen des Wassers, des Feuers und der Luft anzuführen. 13
Sein literarisches Medium fand der Jugendstil in den neu entstehenden Zeitschriften wie dem Pan, der Insel, dem Simplicissimus und der 1896 gegründeten Wochenzeitschrift Jugend. Doch blieb es nicht bei der Produktion von Zeitschriftenbeiträgen, sondern es wurden auch eigenständige Publikationen hervorgebracht. Der Pan verwirklicht nach englischem Vorbild (The Studio) erstmals in Deutschland den Jugendstilgedanken des druckgraphischen Gesamtkunstwerks. In ungewöhnlich bibliophiler Aufmachung vereint er auf handgeschöpftem Papier eine ausgewogene Ordnung von Wort und Graphik. Als das literarische Gesamtkunstwerk in der Literatur fungiert das neue Verständnis vom Buch, das die vollendete Einheit eines jugendstilgemäßen Inhalts auf die künstlerische Gestaltung mit Schrift, Buchschmuck, Papierbeschaffenheit, und Einband ausdehnt. 14 Wichtig ist es weiterhin festzuhalten, dass der Jugendstil lediglich eine unter verschiedenen Varianten der „Stilkunst um 1900“ 15 in Deutschland ist, und dass die meisten deutschen Dichter zwischen 1890 und 1910 zwar mit unterschiedlicher Stärke am Jugendstil Anteil gehabt haben, sich jedoch keiner von ihnen ausschließlich in ihm erfüllt hat. 16 Auch außerhalb Deutschlands hielten Motive und Ideen des Jugendstils, unter anderem Namen, in die nationale Kunst und Kultur Einzug. B eispielhaft zu nennen sind die Art Nouveau in Frankreich, sowie der Modern Style in Großbritannien. 17
10 Jost, Dominik. Zum literarischen Jugendstil. In: Hermand, Jost (Hg.). Jugendstil. Darmstadt 3 1992. S. 463.
11 Mathes. Theorie des literarischen Jugendstils. Einleitung S. 22.
12 Ebd. S. 10.
13 Hermand, Jost. Lyrik des Jugendstils. S.404.
14 Mathes. Theorie des literarischen Jugendstils. Einleitung S. 22.
15 So lautet der Titel der Gemeinschaftsarbeit: Hamann, Richard und Hermand, Jost. Stilkunst um 1900. München 1973.
16 Wich, Joachim. Thomas Manns frühe Erzählungen und der Jugendstil. Ein Forschungsbericht. In: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch. Bd. 16. Berlin 1975. S. 258.
17 Mathes. Theorie des literarischen Jugendstils. Einleitung S. 6.
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Arbeit zitieren:
Anke Engler, 2005, Die Motive des Jugendstils in Thomas Manns Novelle Tristan, München, GRIN Verlag GmbH
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