Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Adornos und Horkheimers Medienkritik 4
3 Das theoretische Konzept hinter der Kultur- und Medienanalyse der
Cultural Studies 7
4 Vergleich 12
5 Fazit 14
6 Literaturangabe 16
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1 Einleitung
Die Erkenntnis, dass Medien heute eine große Bedeutung für gesellschaftliche, wie politische Prozesse haben ist nicht neu. Schon im Grundgesetz ist mit der Pressefreiheit eine wichtige Voraussetzung dafür gegeben. Auch sind die Rezipienten in hohem Maße in ihrer Meinungsbildung davon beeinflusst, was die Massenmedien wie etwa das Fernsehen ihnen in welcher Gestalt auch immer vermitteln.
Dieser Zusammenhang ist bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts den Frankfurter Soziologen Theodor Wiesengrund Adorno und Max Horkheimer aufgefallen. Sie unterzogen die damalige kulturelle Entwicklung einer scharfen Kritik und prägten den Begriff der Kulturindustrie (vgl. Gebur 1998, S. 95). Ihr Urteil über die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung hin zum Kapitalismus und der massenmedialen Produktion von Massenkultur mündet in einem extremen Kulturpessimismus.
Auch gegenwärtige populärkulturelle Phänomene werden von intellektuellen Medienkritikern immer wieder aufs schärfste verurteilt oder lösen hitzige Diskussionen in der Öffentlichkeit aus. Prominente Beispiele dafür sind reality-shows wie „Big Brother“ oder reißerisch aufgemachte Boulevard-Magazine. Bisweilen scheinen auch sogenannte „seriöse“ Formate angegriffen zu werden, wie etwa Polit-Talk-Shows wie „Sabine Christiansen“ oder „Berlin Mitte“. Diese kritischen Stimmen scheinen unmittelbar an die Medienkritik der Frankfurter Schule um Adorno anzuknüpfen.
Im angelsächsischen Raum hat sich jedoch eine andere kritische interdisziplinäre Forschungsrichtung entwickelt, die, obwohl kritisch, dennoch diesen Kulturpessimismus nicht teilt (vgl. Krotz 2000, S.169). Dieses - nach eigener Definition - „Projekt“ (Hepp 1999, S. 15) wird Cultural Studies genannt. In den letzten zehn Jahren gewinnen die Ergebnisse der Cultural Studies jedoch auch hierzulande zunehmend an Bedeutung.
In der vorliegenden Arbeit sollen nun die jeweiligen Spezifika der verschiedenen zugrundeliegenden Theorien verdeutlicht werden. In welchem Kulturverständnis ist der Kulturpessimismus der Frankfurter Schule begründet? Warum teilen die Anhänger der Cultural Studies trotz kritischer Position diesen nicht? Welche wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Ansätze zeigen sich bei genauerer Betrachtung?
Zur Klärung dieser Fragen wird im ersten Kapitel zunächst auf die Medienkritik der Frankfurter Schule einzugehen sein. Dabei können hier nur die in dem genannten
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Zusammenhang sehr bedeutsamen Annahmen thematisiert werden, denn alle geäußerten Thesen in ihrem Entstehungszusammenhang zu erläutern würde den Rahmen dieser Arbeit um ein vielfaches sprengen. Nach dieser Darstellung geht es dann um einen Abriss des Kulturverständnisses der Cultural Studies, sowie den daraus folgenden Bewertungen der Massenmedien. Dabei ist es auch hier aus dem oben genannten Grund nicht möglich, die gesamte Komplexität dieses „Projekts“ darzustellen.
Die ersten beiden Kapitel dienen vornehmlich der Darstellung der Ansätze, weniger einer Verknüpfung beider, unter Bezugnahme auf die Fragestellungen.
Im dritten Kapitel werden dann die beiden theoretischen Konzepte miteinander in Verbindung gebracht und verglichen. Dabei werden nun verstärkt die eingangs gestellten Fragen berücksichtigt. Mit dem letzten Kapitel schließt sich ein Fazit mit der eigenen Beurteilung der Autorin an.
Ziel dieser Arbeit ist es nicht, einen allumfassenden, kritischen Vergleich der Thesen der Frankfurter Schule und derer, der Cultural Studies zu liefern. Ziel ist es vielmehr einen ersten Einstieg in das Thema der kritischen Medienanalyse am Beispiel der beiden unterschiedlichen Konzepte zu geben. Die Komplexität dieses Themas lässt sich dabei anhand bestehender Unterschiede und auch Gemeinsamkeiten der beiden Theorien erkennen. Des weiteren ist hier noch darauf hinzuweisen, dass die Beschäftigung mit der Medienanalyse auch immer trotz bestehender Gemeinsamkeiten historische Relativierung erfahren muss. Schließlich ist das Konzept der Frankfurter Schule in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden, das der Cultural Studies im angelsächsischen Raum in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Man führe sich dabei die jeweils unterschiedlichen Gegebenheiten vor Augen.
2 Adornos und Horkheimers Medienkritik
Zum Verständnis, warum die damaligen Entwicklungen im Bereich der Medien bei Adorno ein solches Unbehagen verursacht haben, muss man sich zunächst einmal vor Augen führen, welche grundlegende Veränderungen eine Erfindung wie z.B. das Radio und dessen Verbreitung in private Haushalte mit sich brachten:
Das Radio erreicht viel mehr Leute, als z. B. ein Marktschreier in der Stadt, oder ein Orchester in einem spezifischen Konzertsaal. Ebenso können Redner und Zuhörer nicht mehr auf direktem Wege miteinander kommunizieren. Radio war damals noch von einer reinen
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Einweg-Kommunikation gekennzeichnet. Über das Radio bestand die Möglichkeit Musik immer zu hören, es musste dazu nicht mehr extra ein Opernhaus aufgesucht werden. Und schließlich determinierte diese technische Entwicklung auch den Produktionsprozess von Kultur, denn nun war es möglich Kulturgüter als Massenware herzustellen.
Horkheimer betont die Bedeutung der Einzigartigkeit von Kunst für ihren Gehalt, den Widerstand zu gegenwärtigen Machtverhältnissen: „Individuality, the true factor in artistic creation and judgement, consists [...] in the power to withstand the plastic surgery of the prevailing economic system[...]“ (Horkheimer 1980, S. 290). Auch Adorno selbst hat ein Verständnis von Kultur als Hochkultur und sieht in ihrer mit Konventionen brechenden Art stets ein gesellschaftskritisches Moment. Thomas Gebur, der sich ebenfalls mit der Theorie Adornos auseinandersetzt beschreibt dies sehr treffend: „Der Wahrheitsgehalt der Kunst lebt von ihrer Kraft zur Negativität, indem sie der Realität deren eigene Möglichkeit des Andersseins vorspiegelt“ (Gebur 1998, S. 98).
Der Aspekt des Widerstandes gegen herrschende Konventionen scheint also ein wesentliches Kriterium in der qualitativen Bewertung Adornos und Horkheimers von Kunst zu sein. Ebenso zeichnet sich ein Kunstwerk durch innere Geschlossenheit und einer gewissen Distanz zu herrschenden Machtverhältnissen aus. Unterliegt nun aber die Kunst durch ihre Massenproduktion gegenwärtiger kapitalistischer Werte, verliert sie eben diese Kraft zur Negativität, zum Widerstand. Immer muss sie unter ökonomischen Gesichtspunkten dem Geschmack einer breiten Hörerschaft gehorchen (muss folglich offen für verschiedene Rezeptionsweisen sein), darf diese nicht provozieren oder gar verschrecken. „Ihr kritisches Moment, das häufig als Schock erfahren wird [also ggf. von den Radiohörern - M.W.], besteht darin, anerkannte Wirklichkeitskonstruktionen in Frage zu stellen“ (Dauß 1998, S. 74). Mit der Unterordnung unter kommerzielle Produktion wird sie aber vielmehr der gegebenen „Wirklichkeitskonstruktion“ angepasst und soll die Konsumenten gerade nicht schockieren.
Adornos Publikationen „Zur gesellschaftlichen Lage der Musik“ und „Fernsehen als Ideologie“ zeugen von einer intensiven Beschäftigung seinerseits mit dem Thema der kulturellen Entwicklung. So stellt er trotz der Kommerzialisierung eine gewisse Vielfalt der Kulturgüter fest. Diese Vielfalt ist für ihn jedoch lediglich von quantitativem Charakter: „Die zur Populärkultur transformierte Kunst ist konventionell und bloße Verdopplung der Realität“ (Müller-Doohm 1998, S. 80). Das Radio spielt keine gehaltvolle Musik. Die fehlende Live-
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Arbeit zitieren:
Monika Wehner, 2002, Die Kulturkritik der Frankfurter Schule und das medienanalytische Konzept der Cultural Studies, München, GRIN Verlag GmbH
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