3
1.1 Einleitung .......................................................................................................... 3
1.2 Schriftliche Quellen......................................................................................... 4
1.3 Forschungsgeschichte und Rekonstruktion .................................................. 4
1.4 Allgemeines zu Lage, Architektur, Ormnamenten und Datierung ............. 5
2. Metopen.............................................................................................................. 7
2.1 Allgemeines....................................................................................................... 7
2.2. Theseustaten.................................................................................................... 9
2.2.1. Mythos .......................................................................................................... 9
2.2.2 Beschreibung ............................................................................................... 10
2.2.3 Charakteristisches ...................................................................................... 15
2.3 Amazonomachie ............................................................................................. 16
2.3.1 Beschreibung ............................................................................................... 16
2.3.2 Charakteristisches ...................................................................................... 19
2.4. Herakles......................................................................................................... 20
2.4.1 Mythos ......................................................................................................... 20
2.4.2 Beschreibung ............................................................................................... 21
2.4.3 Charakteristisches ...................................................................................... 27
2.5. Unidentifizierte Metopen............................................................................. 28
3. Anordnung der Metopen, politische Aussage .............................................. 29
4. Schlusswort....................................................................................................... 31
Literatur- und Abkürzungsverzeichnis ............................................................. 32
Abbildungen......................................................................................................... 32
1.1 Einleitung
Das Athenerschatzhaus im Apollon-Heiligtum in Delphi steht stilistisch und architektonisch am Wendepunkt zwischen Archaik und Klassik. Diese Zeit stellt für das antike Griechenland eine bedeutende Zäsur sowohl in künstlerischer als auch in politischer Hinsicht dar, die sich auch an dem Bau ablesen lässt. Dieser Umstand macht es zu einem Objekt der Diskussion, da sich hier unterschiedlich „moderne“ Stilformen besonders in der plastischen Ausgestaltung des Metopenschmucks zu mischen scheinen. Die Bildplatten des Athenerschatzhauses stellen somit nicht nur eine bedeutenden Wegmarke in der Entwicklung der Reliefmetope dar 1 , sondern sie scheinen auch eine politische Botschaft des nun demokratischen Athens um die Zeit zwischen den Reformen des Kleisthenes und den Perserkriegen zu transportieren.
Die Diskussion in der Forschung befasst sich hauptsächlich mit der Frage der genauen Datierung des Baus, der aufgrund oben genannter Eigenschaften den Aussagen der Schriftquellen zu widersprechen scheint. Dies kann aber im Rahmen dieser Arbeit nicht geklärt werden. Ziel der Abhandlung ist es, die Charakteristika
1 Maass 171.
3
4
der Metopenfriese des Schatzhauses sowohl in stilistischer als auch in
interpretativer Hinsicht herauszustellen. Dabei werden zunächst über schriftliche Quellen, Forschungsgeschichte, Architektur- und Ornamenteigenschaften, sowie Aussagen zur Datierung gegeben. Der Hauptteil befasst sich mit den Metopen des Baus, die hinsichtlich Komposition, Stil, Ikonologie und Parallelen in der bildenden Kunst und Vasenmalerei dargestellt werden; dem folgt ein Teil über die Anordnung der Metopenfriese und politischer Gesamtaussage des Dargestellten. Dazu wurden vor allem die Arbeiten zu dieser Thematik von P. De La Coste-Messeliere, H. Knell, und K. Hoffelner herangezogen 2 .
1.2 Schriftliche Quellen
Erwähnung findet das Schatzhaus der Athener bei Pausanias, der als Anlass der Errichtung die Schlacht von Marathon nennt. Diese Information liefert auch eine Inschrift 3 , die noch heute auf der oberen Stufe eines zweistufigen Sockels vor der Südwand des Schatzhauses steht; wahrscheinlich beruht auf ihr die Informatio n des Periegeten. Xenophon berichtet von einer von ihm und seinem Freund Proxenos getätigten Stiftung in das Schatzhaus, nachdem die Griechen nach ihrem Zug gegen Artaxerxes den Zehnten Teil ihrer Gefangenenlösegelder der ephesischen Artemis und dem delphischen Apollon gelobt hatten 4 . Eine Inschrift im phokischen Dialekt vor dem Schatzhaus selbst gibt den Bau als Schatzhaus der Athener aus 5 .
1.3 Forschungsgeschichte und Rekonstruktion
Gefunden wurde das Gebäude im April 1893. Anhand von zahlreichen Funden an Metopen, Architekturteilen und der oben genannten Inschrift, das den Bau als Schatzhaus der Athener ausweist, wurde der Bau schnell identifiziert. Die für die vorgenommene Rekonstruktion nötigen Bauteile sind in Verfüllungen aufgefunden worden. Die Grabung wurde von Th. Homolle 1894 publiziert. Der Wiederaufbau wurde mit Unterstützung der Stadt Athen unter A. Tournaire/ J.
2 Siehe Literaturverzeichnis.
3 Paus. X 11, 5: Aqenaioi t[o]i Apollov[i apo Med]on ak[roq]inia tej Maraq[o]vi m[axej] vgl.
W. Gauer, Das Athenerschatzhaus und die marathonischen Akrothinia in Delphi, in: F.
Krinzinger u.a. (Hrsg.), Forschungen und Funde. Festschrift Bernhard Neutsch (1980).
4 Xen. an. 5, 3, 4-5
5 Maass 168.
4
5
Replat nach vielen Vorstudien 1903 ins Werk gesetzt und 1906 vollendet. Die Architektur wurde 1933 von J. Audiat publiziert; Die Bauplastik 1957 von P. De La Coste-Messeliere.
1.4 Allgemeines zu Lage, Architektur, Ormnamenten und Datierung 6 Das Schatzhaus, ein ganz in Marmor gehaltener Bau, wurde in der Form eines zweisäuligen dorischen Antentempels auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus errichtet. Der Thesauros ist nach Osten hin ausgerichtet und wird nach Süden und Osten hin von zwei dreieckförmigen Terrassen flankiert, welche entlang der Prozessionsstrasse liegen. Das felsige Terrain, auf dem es steht, ist mit einem in nordsüdliche Richtung verlaufendem 18-prozentigem Gefälle äußerst
abschüssig.Die Grundfläche des Baus beträgt 6,62 x 9,69 m. Die rekonstruierte Gesamthöhe misst 7,59 m. Er steht auf einem Fundament aus grau-weißem, rötlich anmutendem Parnasskalk.
Der ursprünglich ganz aus kostbarem parischem Marmor errichtete Bau, dessen rekonstruierten und restaurierten Bauglieder durch Poros (Mauerblöcke) und pentellischem Marmor (Säulen, Kapitelle und Anten) ersetzt wurden, weist in seiner Gesamterscheinung Formen der dorischen Tempelarchitektur auf: So ist eine Krepis angedeutet, die durch drei schmale Stufen an der Frontseite in Erscheinung tritt. Die Dicke der Mauern variiert leicht und misst, 0,493 m im Süden, 0,49 m an Ost- bzw. Westmauer und 0,487 m an der Nordseite. Von d en 4,128 m hohen, fünf- gliedrigen Säulen sind lediglich 3 Bauglieder erhalten, der Rest ist rekonstruiert. Erhalten sind eine restaurierte Säulentrommel, ein besser sowie ein schlechter erhaltenes Kapitell. Die sich nach oben hin verjüngenden Säulen ohne Entasis weisen zwanzig Kanneluren auf und haben einen unteren Durchmesser von 0,754 m und einen oberen Durchmesser von 0,575 m 7 . Das Interkolumnium beträgt von Achse zu Achse 2,184 m. Die Anten sowie die Antenkapitelle bestehen weitgehend aus der ursprünglichen Bausubstanz und haben insgesamt dieselbe Höhe wie die Säulen. Ursprünglich schloss ein Gitter den Freiraum zwischen Säulen, Anten und
6 J. Audiat, Le trésor des Athéniens, Fouilles de Delphes II (1933) 7-50; G. Gruben, Griechische
Tempel und Heiligtümer (2001) 89ff. ; M. Maass. Das antike Delphi. Orakel, Schätze und
Monumente (1993) 168-175
7 ermittelt anhand von Spuren der Säulen am Stylobat sowie durch den unteren Durchmesser an
den Säulenkapitellen
5
6
Interkolumnium ab. Spuren eines solchen Gitters finden sich in Form von Befestigungslöchern am untersten Stein der Nordante, den Antenkapitellen und an den Abaki der Säulenkapitelle. Des weiteren weist der Stylobat im Bereich der Nordsäule Spuren zweier ehemals existenter Pfosten aus Bronze auf, an denen eine Tür befestigt gewesen sein muss, die sich zum Pronaos hin öffnete. Tür und Gitter waren vermutlich ebenfalls aus Bronze. Dass der Fußboden von Pronaos und Cella mit Marmorplatten bedeckt war, zeigen einige erhaltene Fragmente aus weißem, parischem Marmor. Wie auch beim kanonischen dorischen Tempel weist der Bau ein Triglyphon auf, das jedoch den dorischen Eckkonflikt völlig ignoriert; das Eckjoch wird bei gleichmäßiger Triglyphenaufteilung nicht kontrahiert. Die Nord- und Südseiten des Schatzhauses weisen 10 Triglyphen und 9 Metopen, die West- und Ostseite 7 Triglyphen und 6 Metopen auf und stehen im Breiten- und Längenverhältnis von 2:3. Durch die Wiederholung wird hier im Gegensatz zur Eckkonfliktignorierung ein gewisses Proportionierungsmuster erkennbar.
Die beiden Giebel und Giebelfelder sind teilrestauriert 8 . Die Dachbedeckung ist nicht erhalten. Hier wäre eine ursprüngliche Marmorbedeckung denkbar, wofür gefundene marmorne Akroterfiguren sprechen würden, ebenso aber auch eine tönerne. Das Athenerschatzhaus muss ursprünglich an jeder Fassade zwei und auf den Giebeln je ein Akroter getragen haben. Spuren für die Seitenakrotere finden sich in der Südecke und in der Nordwestecke über der Cella in Form von Eintiefungen zur Befestigung der Akrotere 9 .
Farbliche Ornamentreste an Antenkapitellen, in der Cella und am inneren Türsturz sind unterschiedlich zu datieren. Bis auf ein Anthemion 10 am Türsturz sind alle Ornamente sicher vor 490 datierbar 11 , während das Anthemion in die Zeit des strengen Stils gehört 12 .
8 Fragmente der Giebelplastik legen zumindest für den Ostgiebel eine ruhige frontale Gruppe aus
fünf Personen mit Athena in der Mitte, flankiert von zwei Wagengespannen nahe; vgl. De La
Coste-Messeliere 167-181.
9 diese waren an beiden Seiten berittene Amazonen; davon sind noch drei rekonstruierbar.,
während der Rest aus Bruchstücken besteht; vgl. De La Coste-Messeliere 182-187.
10 H. H. Büsing, Ein Anthemion in Delphi, in: G. Kopcke - M. B. Moore (Hrsg.), Studies in
Classical Art and Archaeology. A Tribute to Peter Heinrich von Blanckenhagen (1979) 29-36.
11 Maass 174.
12 Büsing 35.
6
7
2. Metopen
2.1 Allgemeines
Die 30 Metopenreliefs am Triglyphon des Athener Schatzhauses waren wie der Gesamtbau aus parischem Marmor gefertigt. Die Überreste dieser Bildplatten befinden sich heute im Museum von Delphi, während im Zuge der Rekonstruktion des Schatzhauses Abgüsse dieser in eher willkürlicher Anordnung am Triglyphon angebracht wurden. Die annähernd quadratischen Reliefs weisen eine Höhe von 67 cm und eine Breite von 63 cm auf. Die Dicke variiert zwischen 4 cm und 10,5 cm. Die Höhe der schmalen Kopfleiste am oberen Metopenrand misst im Durchschnitt 7 cm, d ie des Plinthenstreifes am unteren Metopenrand liegt zwischen 2 cm und 4 cm.
Der Erhaltungszustand der Reliefs zeigt bei einem Großteil starke Zerstörungen, so dass bei manchen nicht mehr zweifelsfrei gesagt werden kann, welche Thematik ursprünglich dargestellt war. Da die abgebildeten Figuren besonders an den Extremitäten oftmals freiplastisch gearbeitet waren, sind diverse exponierte Körperpartien nicht mehr erhalten oder gefundene rundplastische Fragmente nicht eindeutig zuordenbar. Die Erhaltung der O berflächenbearbeitung variiert beträchtlich, einige Reliefbruchstücke weisen starke Erosionsschäden auf.
Thematisch befassen sich die Metopen mit den Taten des Theseus und des Herakles, sowie einer nicht näher identifizierbaren Amazonomachie. Es bestehe n allerdings Unklarheiten über die Zuordnung einiger Metopen zu den jeweiligen Heldenzyklen 13 . Zuordenbar zum Theseuszyklus sind mindestens acht Metopen 14 . Neun Metopen sind mit großer Sicherheit dem Herakleszyklus zuzuordnen. Sechs Metopen zeigen den genannten Amazonenkampf.
Zu den Reliefs, die eine Abfolge in sich geschlossener Episoden abbilden, zählen die Metopen 1-8. Ebenso die Metopen 15-22, die Heraklestaten zuordenbar sind. Anders verhält es sich mit den Metopen 9-14, die in ihrer Gesamtheit die oben genannte Amazonomachie abbilden, ebenso mit den Metopen 23-27, welche den Verlauf des Geryoneus-Abenteuers des Herakles in einer Bildserie wiedergeben. Die weiteren lassen sich zum einen aufgrund der ähnlichen Thematik im Sagenkreis um die beiden Helden schwer zuordnen, zum anderen erlaubt ihr
13 Maass 173.
14 FdD IV 24.
7
8
oftmals sehr fragmentarischer Erhaltungszustand keine sichere Identifizierung 15 . Trotz des starken Zerstörungsgrades vieler Metopen lassen sich über die abgebildeten Szenen, sofern die Fragmente ausreichend Anhaltspunkte bieten, spezifische Aussagen hinsichtlich Geschlecht, Größe der Figuren, Ikonographie, Bewegungsschema und Anordnung treffen.
In der Regel befinden sich die Figuren, in Zweierpaaren in Interaktion miteinander, meist kämpfend, angeordnet auf dem Reliefgrund. Dabei vollzieht sich die Komposition dieser in charakteristischen Bewegungsmustern: Die Bewegungen der Dargestellten erscheinen in gleich- und gegengerichteten Schemata, die einen klaren, die Symmetrieachsen von Bildfeld und Handelnden betonenden Aufbau bewirken.
Die Figuren wirken einerseits durch den nüchternen Aufbau der Gesamtkomposition einer Metope vom Reliefgrund- und Rahmen eingegrenzt, zum anderen scheinen sie aber auch den vorgegebenen Rahmen zu sprengen. Diesen Eindruck bewirkt einerseits die Größe der Figuren, deren Körperpartien sich gelegentlich über das Kopfband der Metope hinaus erstrecken, andererseits aber auch die freiplastische Gestaltung, welche durch ihre Raumwirkung den Eindruck von Losgelöstheit der Gestalten vom Bildgrund erweckt 16 . Den Anschein der Loslösung vermittelt auch der hier zu den Figuren
kontrastierende, dezente und größtenteils frei gelassene Reliefhintergrund, der durch seine Nüchternheit das Dargestellte in den Vordergrund rückt und auch die jeweils abgebildete Szene mit ihren Bild- und Handlungsachsen klar strukturiert.
Es wurde nach Vorlagen gearbeitet 17 . Stilistisch gleicht das Dargestellte auf den Metopen stark den Abbildung auf spätarchaischen, überwiegend rotfigurigen attischen Vasen des ausgehenden 6. Jahrhunderts; Kähler vermutet daher, dass Vasenmaler und Bildhauer eine gemeinsame Schule besucht hätten 18 . In der Plastik sind am ehesten die Figuren des älteren West-Giebels vom Aphaia-Tempel auf Ägina mit den Schatzhausmetopen vergleichbar 19 . Jedoch sind w eitere Vergleiche schwierig, da die Reliefs ältere und jüngere Stilelemente aufweisen 20 .
15 Dazu unten mehr.
16 Kähler 55.
17 Boardman 159.
18 Kähler 57f.
19 Maass 174.
20 Knell 62.
8
9
Hinsichtlich der Ikonologie müssen primär, sofern vorhanden, zeitgenössische Vasenbilder zum Vergleich herangezogen werden.
2.2. Theseustaten
Die Metopen 1-8 behandeln thematisch sowohl die Taten des Theseus auf seinem Weg von Troizen nach Athen, als auch drei Abenteuer des Heros, die er nach der Ankunft in Athen erlebte.
2.2.1. Mythos 21
Dem Mythos zufolge begab sich Theuseus, der Sohn des athenischen Königs Aigeus, nachdem er durch seiner Mutter Aithras von seiner königlichen Abkunft erfahren hatte, von Troizen aus zu seinem Vater nach Athen. Auf dieser Reise besiegte er eine Reihe von Schurken und Wegelagern mit ihren eigenen Waffen, die sie gegen Vorbeiziehende einsetzen. Der Route von Troizen nach Attika folgend begegnet Theseus seinen Gegnern in der Reihenfolge von Nord nach Süd: Zuerst dem Keulenschwinger Periphetes bei Epidauros, dem er nach dessen Erschlagung die Keule abnimmt. Es folgt am Isthmos von Korinth d er Fichtenbieger Sinis, den er durch das Anbinden an eine von ihm heruntergebogene Fichte zu Tode schleuderte (oder durch das Anbinden zwischen zwei Fichten zeriss). Ein kampflustiges und gefährliches Wildschwein erlegte Theseus in der Nähe der Ortschaft Kremmyon bei Korinth. Dann tötete er bei Megara den Schurken Skiron, der Wanderer zwang diesem an einer Klippe die Füße zu waschen, um sie dann herunterzustoßen. Bei Eleusis tötete Theuseus den Ringer Kerkyon. In Attika bezwang Theseus schließlich Prokrustes, der Reisende zunächst scheinheilig bewirtet, um sie anschließend auf eines von zwei Betten zu zwingen, die entweder zu lang oder zu kurz für die Reisenden waren. Entweder wurde der zu kurze Reisende gestreckt oder dem zu langen wurden die Beine mit eine m Hammer abgeschlagen. Theseus tötete ihn vermutlich auf die gleiche Weise mit einem Hammer. Die erste Tat nach der Ankunft in Athen war die Besiegung des Marathonischen Stieres. Eine weitere am Athenerschatzhaus gezeigte Episode ist die Tötung des Minotauros im Labyrinth von Knossos auf Kreta. Die letzte der Theseus-Sage zugeschriebene Metope bildet Theseus im Kampf mit der Amazonenkönigin Antiope ab, der Mutter seines Sohnes
21 Tripp 509-518.
9
10
Hippolytos.
2.2.2 Beschreibung
Metope 1 22 : Das in fünf Fragmentteilen erhaltene Relief zeigt einen frontalen, nackten männlichen Torso, dessen ursprüngliche Oberflächenbearbeitung weitgehend erhalten ist. Er steht in Ausfallstellung nach rechts, mit frontalem rechten Bein, das freiplastisch gearbeitet war und von dem nur noch der Ansatz erhalten ist. Das linke Bein fehlt vom Oberschenkel abwärts und ist seitlich gestellt. Von einer zweiten, ehemals im Profil ansichtigen Person ist nur noch der rechtwinklig gebeugte linke Arm links oberhalb des Torsos, sowie Standspuren auf der Plinthe erhalten. Der untere Teil eines Baumstammes am rechten Bildfeldrand, neben dem der Torso steht, erlaubt eine Interpretation des Bildthemas als das Abenteuer des Theseus, in dem er den Fichtenbieger Sinis bezwingt. Die Komposition kann nach einem Schalenbild in Florenz 23 folgendermaßen rekonstruiert werden: Der Sinis darstellende Torso neben der Fichte wird von dem links stehenden Theseus festgehalten, während Theseus mit dem anderen Arm den Baum beugt.
Von Metope 2 24 ist nur noch ein größeres Fragment des mittleren Bildfeldes erhalten; hierbei besteht das Problem, dass die dargestellten Figurenfragmente nicht genau im Bildfeld platziert werden können, da weitere Anhaltspunkte hierfür fehlen. Zu sehen sind die Oberkörper zweier Personen. Eine eher links zu sehende, wohl zu Boden gegangene, nackte Person männlichen Geschlechts, die ihrem Gegenüber zugewandt ist, hält Oberschenkel und Knie im rechten Winkel zur Körperachse, während sie den Oberkörper leicht nach vorn krümmt. Ihr erhaltener linker Oberarm ist leicht vom Körper nach unten abgestreckt. Eine Art Umhang ist schemenhaft im Schulterbereich wahrzunehmen. Von der rechten, wohl stehenden Person ist nur noch der Faltenwurf seines Obergewandes und sein linkes Bein erkennbar, das im Profil erscheint und etwa genau rechtwinklig zum Oberkörper angezogen ist. Der Unterschenkel wird vom Oberschenkel der rechten Person überlagert. Dieses Relief ist nicht eindeutig zuordenbar. Weil eindeutige ikonologische Bezüge fehlen und die Position der Figuren im Bildfeld nicht ermittelbar ist, kommen als Deutungsmöglichkeit die Theseusabenteuer mit
22 FdD IV, 37ff.
23 Hoffelner 78.
24 FdD IV, 39-43.
10
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Jörg-Ludwig Erdtmann, 2004, Die Metopen des Athenerschatzhauses, München, GRIN Verlag GmbH
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