Gliederung
1. Allgemeines 4
a) Lage 4
b) Geschichte und Wirtschaft 5
c) Forschungsgeschichte 6
Topographie 6
a) Kleine und Große Akropolis 6
b) Häfen 7
c) Stadtmauern 7
d) Felsgräber 8
e) Agora 9
f) Stoa und Schrein der Aphrodite Euploia 9
g) Brunnenhaus 10
h) Monopteros 11
i) Demeter-Heiligtum 12
j) Therme 13
k) Palästra-Terrasse 13
l) Korinthischer Tempel 14
m) Theater 14
n) Rundbau (Vermessungsplattform) 15
o) Tempelterrasse 16
p) Apollon-Heiligtum 17
Literaturauswahl 19
Abb. 2: Detailplan (eigene Anfertigung nach: B. Schmaltz, Kaunos 1988 – 1991, AA 1994, 186)
1. Allgemeines
a) Lage
Kaunos liegt im karisch-lykischen Grenzland an der kleinasiatischen Küste unweit der modernen Stadt Marmaris. Das Hauptsiedlungsareal ist in hügeligem Gelände gelegen und befand sich ursprünglich einst direkt am Meer. Aufgrund einer starken Verlandung befindet sich Kaunos heute 2 km landeinwärts von diesem entfernt. Zwei markante Akropolishügel flankieren das Siedlungsareal, wovon der kleinere Hügel einst zwischen den zwei Häfen der Stadt lag, wovon heute nur noch einer als See erhalten ist 1 . Der Fluss Dalyan, der frühere Kalbis, fließt östlich und südlich des Ortes und verband einst die Stadt mit dem Hinterland.
1 Dazu unten mehr.
b) Geschichte und Wirtschaft 2 Die ältesten Besiedlungsspuren im Stadtareal gehen bis ins 10. Jh. v. Chr. zurück. Laut Herodot sind die Kaunier Ureinwohner Anatoliens, von denen er schreibt, dass sie einen dem karischen ähnlichen Dialekt sprächen. Die Perser gewannen die Stadt im Zuge der Eroberung Kleinasiens um 545 v. Chr., jedoch erhielt sie Autonomie. Seit dieser Zeit schien die Stadt rasch anzuwachsen. Kaunos beteiligte sich 500 v. Chr. am Ionischen Aufstand, blieb aber nach der Niederschlagung beim Perserreich, bis es nach dem griechischen Sieg über die Perser Mitglied des Delisch-Attischen Seebundes wurde, bei dem es ab 425 v. Chr. 10 Talente Mitgliedsbeitrag leistete, also mit Milet gleichzog. Nach dem Königsfrieden 387 v. Chr. war es wieder unter persischer Hoheit. Vielleicht kam Kaunos nach diesem Datum unter die Satrapie der Hekatomniden; in dieser Phase scheint die offenbar sehr prosperierende Stadt stark gräzisiert worden zu sein, wovon zahlreiche Baustrukturen, Inschriften und insbesondere die Felsgräber zeugen. Alexander eroberte die Stadt 334 v. Chr. und übergab sie an die Schwester des Maussollos. In den Diadochenkriegen eroberte Antigonos 313 v. Chr. die Stadt. Die Stadt wechselte in hellenistischer Zeit mehrfach die Zugehörigkeit zwischen den Diadochenreichen, blieb letztlich aber bis Anfang des 2. Jhs. v. Chr. unter ptolemaischer Herrschaft. Rhodos beherrschte die Stadt ab 190 v. Chr. 37 Jahre lang, danach wurde die Stadt bis 129 v. Chr. selbständig und kam anschließend unter römische Verwaltung. In Opposition zu Rom kämpfte Kaunos 88-84 an der Seite von Mithridates von Pontos. Als Bestrafung überstellten die Römer Kaunos der rhodischen Herrschaft. Kaunische Bittgesuche um Tributabgabe an Rom statt an Rhodos führten die Stadt unter römische Verwaltung zurück. Die Römer schienen unter der kaunischen Bevölkerung ein hohes Ansehen zu genießen, wovon zahlreiche Statuenbasen auf der Agora zeugen. Rege Bautätigkeiten aus der frühen Kaiserzeit deuten auf reiche finanzielle Unterstützung durch Rom hin. In byzantinischer Zeit erlebte Kaunos eine erneute Blüte; Es wurde unter dem Namen „Hagia“ ein bedeutender Bischofssitz. Der Niedergang setzte seitdem allmählich ein, worauf die Stadt nach dem Ausbruch der Malaria sukzessive verlassen wurde und spätestens im 11. Jh. vollständig entvölkert war. Ein großes Problem war seit alters her die stetige Verlandung, die so viele Städte Kleinasiens betraf, und mit der sich die Malaria stetig ausbreitete, von der die antiken Autoren berichten.
Die zweifellos bedeutsame Handelsfunktion der Stadt muss aufgrund der Verlandung stark gelitten haben. Davon zeugt eine Inschrift aus römischer Zeit am Brunnenhaus, nach der die Bürger der Stadt einen Betrag von 60.000 Denaren für die Anwerbung fremder Kaufleute zur
2 G.E. Bean, Kleinasien 3 (1974) 175 ff.: Im folgenden abgekürzt: Kleinasien 3; C. Isik, Die
Ergebnisse der Ausgrabungen in Kaunos bis zur Entdeckung der Bilingue, Kadmos 37,1998, 184 ff.:Im
folgenden abgekürzt: Isik 1998.
Hafenbenutzung sammelten. Auf der Inschrift sind auch Handelswaren notiert, wobei es sich vorwiegend um Sklaven und Salz handelt. Des weiteren wurden Pinienharz und Pech gehandelt, die aus dem Inneren Kariens stammten. Strabon erwähnt kaunische Schiffswerften 3 , wonach dem Schiffbau und der Seefahrt eine bedeutende Rolle zukam. Diese Werften wurden bisher noch nicht gefunden.
c) Forschungsgeschichte
Nach diversen Vorerkundungen im späten 19. und im Verlauf des 20. Jhs., darunter eine Publikation der sehr zahlreichen kaunischen Inschriften durch G. E. Bean 4 , dessen Arbeit seit 1991 von Chr. Marek fortgesetzt wurde, erfolgten ab 1966 gezielte Ausgrabungen und Rekonstruktion 5 in ausgewählten Bauabschnitten der Stadt unter Leitung von Baki Ögün. Später auch in Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Studenten C. Isik. Ab 1987 nimmt ein deutsches Team unter der Leitung von B. Schmaltz an den Grabungen teil.
Topographie
a) Kleine und Große Akropolis 6
Die südwestlich des Ruinengeländes gelegene, beide Hafenbecken abtrennende Kleine Akropolis ist etwa 50 m hoch. An ihrem felsigen NO-Abhang führt eine in den Stein gehauene, getreppte Strasse zu ihr herauf. Für die Überwachung und Verteidigung der beiden Häfen bot die günstige Geländeformation einen bedeutenden strategischen Aspekt. Die weiter unten genannte Befestigungsmauer und die dort gelegenen zwei Türme zeugen davon. Möglicherweise ist in diesem Hügel das in der Literatur erwähnte Herakleion zu sehen. Die weiter östlich gelegene Große Akropolis ist mit 152 m wesentlich höher. Sie weist im S, SO und O äußerst steile, unzugängliche Abhänge auf, während sie im NW und W wesentlich weniger steil ausläuft. Der einzige Zugang erfolgte über einen östlich des Theaters beginnenden Pfad, der zu der auf der Spitze gelegenen Terrassierung führt. Die dortigen Baureste stammen aus dem Mittelalter. Die unten erwähnte Befestigungsmauer geht auf die Antike zurück, während die weithin sichtbare, doppelte Mauer aus dem Mittelalter stammt.
3 Strab. 14, 651 f.
4 G.E. Bean, Notes and Inscriptions from Caunus, JHS 73, 1953, 10-35: Im folgenden abgekürzt Bean
1953; JHS 74, 1954, 85-110.
5 Mehr dazu unter den einzelnen Unterpunkten im Abschnitt Topographie.
6 Kleinasien 3 175 ff.; Isik, 1998, 187 f.
Quote paper:
Jörg-Ludwig Erdtmann, 2004, Kaunos, Munich, GRIN Publishing GmbH
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