Inhaltsverzeichnis
I.) Einleitung
II.) Hauptteil
1.) Entstehung aggressiven Verhaltens und devianter Karrieren
2.) Die Indikation des Anti-Aggressivitäts-Trainings
3.) Die Methode des Anti-Aggressivitäts-Trainings
4.) Die Entwicklung jugendlicher Gewalttaten seit 1995
III.) Ausblick: Wirksamkeit des Anti-Aggressivitäts-Trainings
und mögliche Alternativen
IV.) Anhang 1
V.) Literaturverzeichnis
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I.) Einleitung
In unserer Gesellschaft wird es immer Konflikte geben. Auf dem Weg durch Kindheit und Jugend können sie sogar durchaus konstruktiv und anregend sein. „Konflikte entwickeln sich immer nur dann zu einem Problem, wenn sie nicht entsprechend gelöst werden oder sich sogar zu Beleidigungen, Verletzungen und Gewalt aufschaukeln“ (Extranet 2005, S. 3). Allerdings sind Schlagzeilen in den täglichen Nachrichten über Jugenddelikte jedem bekannt. Insofern haben wir es nicht mit einem neuen Thema zu tun. Zwar wurden in den vergangenen Jahren Gewaltdelikte vo n und an jungen Menschen immer häufiger angezeigt, dennoch sind nach wie vor nur wenige Jugendliche gewaltbereit oder gewaltgefährdet. Auf exaktere Zahlen und der Entwicklung wird im Laufe der Arbeit noch genauer eingegangen. Diese Feststellung hält auch vor der Tatsache stand, dass ein Teil der tatsächlich begangenen Gewaltdelikte gar nicht erst angezeigt wird, sondern im sogenannten Dunkelfeld verbleibt. Zumeist handelt es sich dabei um weniger schwere Gewalttaten. Die Dunkelziffer sowie die unterschiedlichen Auffassungen, was genau unter Gewalt zu verstehen ist, erschweren es jedoch, das tatsächliche Ausmaß festzustellen. „Wo Gewalt und Aggressionen beginnen darüber gehen die Meinungen auseinander. Für die Einen fangen sie schon bei Hänseleien, ironischen Bemerkungen und Beleidigungen an. Für andere zählen zumindest Mobbing, Rangeleien oder Raufereien dazu. Und für wieder Andere liegt Gewalt erst dann vor, wenn eine Person verletzt, eine Sache beschädigt worden ist oder ganz allgemein gesagt, wenn ein Gesetz gebrochen wurde“ (vgl. Extranet 2005, S. 4). In diesem Sinne sind typische Gewaltdelikte von und an Jugendlichen - in der Sprache des Strafrechts - Körperverletzungen, Bedrohungen, Nötigungen, Erpressungen und Raubdelikte, aber auch Beleidigungen. Richtet sich Gewalt gegen Sachen, spricht man von Sachbeschädigung. Für die Entstehung und die unterschiedlichen Formen von Jugendgewalt gibt es keine simplen und eindeutigen Erklärungen. „Allerdings lässt sich - wie überhaupt für einen großen Bereich der Jugendkriminalität - auch für die Gewaltkriminalität festhalten, dass die entscheidenden Ursachen im Jugendalter selbst begründet liegen. So vor allem im Prozess des Erwachsenwerdens, der grundsätzlich Probleme und Unsicherheiten mit sich bringt. Die Gefahr, dass Kinder besonders aggressiv oder sogar gewalttätig werden, besteht vor allem dann, wenn verschiedene
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problematische Einflüsse zusammentreffen und über einen längeren Zeitraum andauern“ (vgl. Extranet 2005, S. 8). Als Ursachen können zum Beispiel die Gesellschaft, die familiären Erziehungsbedingungen, Gewalt im sozialen Nahraum, die Wohn- und Lebensbedingungen, der Gruppeneinfluss aber auch der Medieneinfluss genannt werden. Auf weitere Ausführungen zu diesen Gegebenheiten wird im späteren Verlauf noch genauer eingegangen. Häufig sind also solche Straftaten entwicklungsbedingte Erscheinungen, die sich mit zunehmendem Alter und veränderten Lebensbedingungen - Freund oder Freundin, Ende der Pubertät, Eintritt ins Berufsleben - wieder verlieren. Auf viele Faktoren, die das Entstehen von Jugendkriminalität begünstigen, haben Jugendliche und Institutionen keinen Einfluss. „Sie sind beispielsweise nicht für die Veränderung von Normen und Werten oder für den Verlust informeller sozialer Kontrolle in unserer Gesellschaft verantwortlich; ebenso wenig ist es ihnen anzulasten, wenn sie in ein soziales Umfeld mit ungünstigen Rahmenbedingungen - wie etwa hinsichtlich der Einkommenslage der Familie, der Erziehung oder des Wohnumfeldes - hineingeboren werden“ (vgl. Extranet 2005, S. 8). Die Folge ist aber dann leider oft dennoch dieselbe, nämlich, dass sich die Jugendlichen strafbar machen und nach dem Strafgesetzbuch verurteilt werden.
Hier greift nun das Anti-Aggressivitäts-Training, das als Grundlage für seine Durchführung erst einmal die oben genannte Zielgruppe benötigt, um mit dieser arbeiten zu können.
In der folgenden Arbeit wird also auf das Anti-Aggressivitäts-Training als Behandlungsmaßnahme für Mehrfachauffällige eingegangen, mit Ausführungen zu Indikation, Methoden und einer abschließenden Reflexion über seine Wirksamkeit bzw. möglichen Alternativen. Des weiteren enthält die Arbeit allgemeine Ausführungen zum Entstehen aggressiven Verhaltens und devianter Karrieren sowie einem Bericht zu der Entwicklung jugendlicher Gewalttaten in den letzten Jahren mittels aktuellen Zahlen aus dem Freistaat Thüringen.
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II.) Hauptteil
1.) Entstehung aggressiven Verhaltens und devianter Karrieren
„Ungefähr jeder Dritte bei der Polizei registrierte Tatverdächtige ist unter 21 Jahre alt, der überwiegende Teil davon ist männlich. Junge Täter begehen ihre Straftaten überwiegend am Wohnort oder in der Nähe davon, es handelt sich also regelmäßig um örtliche Kriminalität. Schwerpunkte liegen im Bereich von Eigentums- und Gewaltdelikten sowie Sachbeschädigung“ (vgl. PKS 2005, S. 13). Delinquentes Verhalten von jungen Menschen während der Zeit des körperlichen und geistigen Wachstums und Reifens ist durchaus nichts Ungewöhnliches, sondern in aller Regel Ausdruck entwicklungsbedingten Spiel-und Problemverhaltens, das seine Ursachen in kindlicher und jugendlicher Abenteuerlust, manchmal in pubertärer Aggressivität hat. Die Kriminalität der meisten Kinder und Jugendlichen hat dabei eher episodenhaften Charakter. „Da frühzeitige Delinquenz aber auch den Beginn einer kriminellen Karriere bedeuten kann, müssen Kindern und Jugendlichen durch eine angemessene Reaktion und Intervention die Grenzen der Rechtsnormen deutlich und rechtzeitig aufgezeigt werden“ (Extrapol 2005, S. 1). Das Risiko der Fortsetzung der Straffälligkeit noch im Erwachsenenalter ist gerade bei den Personen hoch, die bereits im Kindesalter mehrfach auffällig waren.
„Jugenddelinquenz ist keine gleichförmige Erscheinung monokausalen Ursprungs“ (Extrapol 2005, S. 1). Deshalb kann es auch kein einfaches Patentrezept geben, mit dessen Hilfe sie eingedämmt werden könnte. Gefragt ist eine differenzierte Reaktion, die auf möglichst genauer Diagnose beruht. Hierzu bedarf es zunächst des gezielten Hinschauens, aber auch einer breiten Vielfalt von Reaktionsmöglichkeiten.
Die gesetzlichen Regeln ermöglichen es den staatlichen Behörden, nach den Erfordernissen des Einzelfalls handeln zu können. Maßnahmen nach dem Jugendhilferecht („Jugendhilfe: Ziel der Jugendhilfe ist es, die jungen Menschen bei der Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu fördern und zu unterstützen“ (Extrapol 2005, S. 3)) sind nicht vom Alter der Betroffenen abhängig. Für eine angemessene Reaktion auf jugendliches Fehlverhalten verfügt die Jugendhilfe über einen breiten Spielraum.
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Strafrechtliche Sanktion kommt erst in Betracht, wenn Strafmündigkeit vorliegt, also ab 14 Jahren. Den Staatsanwaltschaften und Gerichten steht hier nach dem Jugendgerichtsgesetz ein abgestuftes System von Maßnahmen zur Verfügung. „Dazu zählen die sogenannten Erziehungsmaßregeln (zum Beispiel Weisungen zu Aufenthaltsort, Wohnort, gemeinnützige Arbeit, Täter-Opfer-Ausgleich etc.), die sogenannten Zuchtmittel (Verwarnung, Jugendarrest, Auflagen etwa zur Schadenswiedergutmachung oder zur Teilnahme am Anti-Aggressivitäts-Trainings) und die Jugendstrafe“ (Extrapol 2005, S. 1). Jugendstrafe darf nur bei besonders schwerer Schuld oder schädlichen Neigungen verhängt werden. Für die Ursachen und Erklärungsansätze von aggressivem Verhalten und devianter Karrieren können mehrere Faktoren genannt werden. Eine von Gewalterfahrung geprägte Erziehung im Elternhaus, unkontrollierter und häufiger Konsum gewaltbetonter Medieninhalte, negative Einflüsse gewaltbereiter Peer-Groups, allgemeine Zukunftsängste und Perspektivenlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt, Frustration im Alltag und Alkoholmißbrauch sowie Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhaß können neben vielen anderen Faktoren Ursachen für aggressives und gewalttätiges Verhalten von Jugendlichen sein. Im Folgenden sollen einzelne Aspekte näher beleuchtet werden, die ein solches Verhalten entstehen läßt und sogar fördert.
„Unsere Gesellschaft tendiert zu mehr Anonymität. Dadurch gehen wichtige soziale Bindungen verloren. Traditionelle Werte wie Solidarität, Hilfsbereitschaft und Mitempfinden werden in den Hintergrund gedrängt, während Konsumorientierung, Gewinnstreben und Ellenbogenmentalität an Bedeutung gewinnen“ (vgl. Lamnek 2001, S.108ff). Die Familienstrukturen verändern sich. Immer mehr Familien weisen nur einen Elternteil auf und auch Ein-Kind-Familien nehmen immer mehr zu. Vor diesem Hintergrund kann Zeitmangel der erziehenden Person ebenso zum Problem werden wie ein zu hoher Erwartungsdruck, dem sich Kinder als Mittelpunkt oder gar Projektionsfläche elterlicher Wünsche und Lebenserwartungen gegenüber sehen. „Die Erziehung zu sozialem Verhalten - früher vorrangige Aufgabe der Familie - wird mehr und mehr auf andere Institutionen, wie zum Beispiel Schule, verlagert“ (Extranet 2005, S. 11). Ein weiterer Faktor für die Herausbildung aggressiven Verhaltens ist die Gewalt im sozialen Nahraum. Häufig sind gewaltbereite Menschen in ihrer Jugend selbst Opfer von Gewalt geworden. Studien belegen dies eindrucksvoll:
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Arbeit zitieren:
M.A. Quirin Bauer, 2005, Das Anti-Aggressivitäts-Training als Behandlungsmaßnahme für Mehrfachauffällige: Indikation – Methode – Reflexion, München, GRIN Verlag GmbH
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