Logistik in R/3 Enterprise
- Das Modul QM
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in das Qualitätsmanagement. 5
1.1 Was ist Qualitätsmanagement? 5
1.2 Die Entwicklung des Qualitätsmanagements. 5
1.3 QM in der logistischen Kette 8
1.3.1 Aufgaben des Qualitätsmanagements in der Beschaffung 10
1.3.2 Aufgaben des Qualitätsmanagements in der Produktion 10
1.3.3 Aufgaben des Qualitätsmanagements im Vertrieb und Kundendienst. 10
1.4 Total Quality Management - ein Qualitätsmanagementkonzept 11
2 Qualitätsmanagement im SAP R/3 System 12
2.1 Funktionsumfang des Qualitätsmanagements in SAP R/3. 12
2.2 Stammdaten und Funktionen des Q-MModuls 13
2.2.1 Anwendungsübergreifende Funktionen 13
2.2.2 Modulübergreifende Stammdaten. 14
2.2.3 Q-Mspezifische Stammdaten 15
3 Qualitätsplanung als Ausgangspunkt für die Qualitätssicherung. 17
3.1 Aufgaben und Ziele. 17
3.2 Der Prüfplan als Instrument der Qualitätsprüfung 19
4 Qualitätsprüfung auf Basis der Qualitätsplanung. 22
4.1 Prüflosabwicklung. 22
4.1.1 Prüfloseröffnung 23
4.1.2 Prüfung mit Ergebniserfassung. 25
4.1.3 Prüflosabschluss. 27
4.2 Schnittstellen zu Fremdsystemen und Messgeräten 30
5 Qualitätslenkung zur Erfüllung der Qualitätsforderungen. 32
5.1 Qualitätsmeldung. 32
5.2 Lieferantenbeurteilung 35
5.3 Statistische Prozessregelung (SP)C 39
5.4 Dynamisierung von Prüfschärfe und Prüfhäufigkeit. 41
5.5 Qualitätslage 43
5.6 Qualitätsbezogene Kosten 44
5.7 Qualitätsinformationssystem 46
6 Prüfmittelverwaltung. 48
7 Kritische Würdigung des Moduls QM 50
Literaturverzeichnis. 51
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- Das Modul QM
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Modell eines prozessorientierten Qualitätsmanagementsystems.
Abbildung 2: Qualitätsverständnis im Wandel.
Abbildung 3: QM in der Beschaffungslogistik.
Abbildung 4: Integration des Q-MSystems in die logistische Kette.
Abbildung 5: Struktur Qualitätsprüfplan.
Abbildung 6: Stufen der Prüflosabwicklung.
Abbildung 7: Prüfloseröffnung.
Abbildung 8: Prüfergebnisse.
Abbildung 9: Prüflosabschluss.
Abbildung 10: Fehlerkosten.
Abbildung 11: Struktur der Qualitätsmeldung.
Abbildung 12: Dynamisierung des Prüfumfangs.
Abbildung 13: Übersicht qualitätsbezogene Kosten.
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1 Einführung in das Qualitätsmanagement
1.1 Was ist Qualitätsmanagement?
„Wenn der Kunde zurückkommt und nicht das Produkt, so nennt man das Qualität.“ 1
Genauer gesagt, kann von Qualität gesprochen werden, wenn die Produkteigenschaften oder die Arbeitsergebnisse mit vorher getroffenen Vereinbarungen übereinstimmen. 2 Die Tätigkeiten zur Erfüllung dieser festgelegten Forderungen sowie Maßnahmen zur Aufrechterhaltung und Bewahrung von Qualität werden als Qualitätssicherung bezeichnet.
Qualitätsmanagement ist somit als Führungsaufgabe zur Festlegung der Qualitätspolitik, der Qualitätsziele und der Verantwortung für Qualitätsziele zu verstehen. 3 Aufgabe des Qualitätsmanagements ist die Erfüllung von Anforderungen, denen die Produkte und Prozesse unterliegen. 4
Das Aufgabenspektrum des Qualitätsmanagements umfasst dabei die Qualitätsplanung, Qualitätsprüfung, Qualitätslenkung, Qualitätsverbesserung und das Qualitätsaudit sowie die Qualitätsmanagementdarlegung. 5
1.2 Die Entwicklung des Qualitätsmanagements
Die Zertifizierung von Qualitätsmanagementsystemen war bis vor einigen Jahren kaum verbreitet. Nur wenige Industrieunternehmen hatten Qualitätsmanagementsysteme eingeführt und dokumentiert. Damals waren es vor allem Unternehmen der Automobilbranche, die sich ihr Qualitätsmanagement zertifizieren ließen. Inzwischen ist die Anzahl der Unternehmen mit einem Qualitätsmanagementsystem deutlich gestiegen. Heutzutage sind Bauunternehmer, Handel, Dienstleistungsunternehmen, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Handwerksbetriebe und
1 Wenzel, Betriebswirtschaftliche Anwendungen mit SAP R/3, S. 515.
2 Vgl. Weber, Total Quality Management, S. 26.
3 Vgl. Technische Fachhochschule Berlin, http://www.vorgehensmodelle.de/giak/arbeitskreise/
vorgehensmodelle/themenbereiche/qualitaetsmanagement.html, 29.11.2004.
4 Vgl. Keller/Teufel, SAP R/3 prozessorientiert anwenden, S. 91.
5 Vgl. DGQ-Schrift 11-04, Begriffe für Managementsysteme, Kap. 2.2.
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sogar Behörden nach DIN EN ISO 9000:2000 zertifiziert und das Qualitätsmanagement ist aus der betrieblichen Praxis nicht mehr wegzudenken.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich zu dem Qualitätsmanagementsystem weitere Managementsysteme. Viele Unternehmen lassen sich heute ihr Umweltmanagement zertifizieren und müssen Normen zur Arbeitssicherheit einhalten. Diese unterschiedlichen Systeme wachsen immer mehr zusammen und werden unter dem Begriff Managementsysteme zusammengefasst. Existierte früher z.B. j eweils ein eigenes Handbuch für das Umweltmanagement und das Qualitätsmanagement, so sind diese heute in einem gemeinsamen Managementhandbuch enthalten. Aus der Zusammenführung der Handbücher ergibt sich ein deutlich geringerer Pflege-und Verwaltungsaufwand. Diese Art von Entwicklungen werden durch die Pro-zessorientierung der ISO 9000:2000 gefördert (vgl. Abb. 1). 6
Abbildung 1: Modell eines prozessorientierten Qualitätsmanagementsystems.
6 Vgl. Hölzer/Schramm, Qualitätsmanagement mit SAP R/3, S. 21ff.
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Logistik in R/3 Enterprise - Das Modul QM
In einem Markt, der durch Verdrängungswettbewerb und konsequente Kundenorientierung charakterisiert ist, wird die Wettbewerbskomponente Qualität neben den traditionellen Wettbewerbsfaktoren Kosten und Zeit immer wichtiger. Das Qualitätsverständnis hat sich von einer Produktorientierung zu einem unternehmensübergreifenden Denken in Wertschöpfungssystemen gewandelt. Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit, Haltbarkeit, Funktionalität und Wertbeständigkeit beschreiben die Qualität und sind somit Basis für Kaufentscheidungen. Eine Studie von PIMS (Profite Impact on Market Strategy) hat bereits Anfang der 80er Jahre ergeben, dass die Qualität bei der Kaufentscheidung wesentlich entscheidender ist als z.B. der Kostenaspekt. 7
Folglich ist die Unternehmensentwicklung abhängig von einem leistungsfähigen Qualitätsmanagement. Qualität wird zu einem entscheidenden Faktor für das Wachstum und den Bestand der Unternehmen. Unterstrichen wird diese Aussage durch eine Studie des White House Office of Customer Affairs. Nahezu 90 % der Kunden meiden ein Produkt, wenn sie mit dessen Beschaffenheit einmal unzufrieden waren. Von diesen unzufriedenen Kunden beschweren sich gerade einmal vier Prozent, aber jeder von ihnen erzählt mindestens neun bis teilweise über 20 potenziellen Kunden von der schlechten Qualität. Somit führt ein Fehler, der über dem akzeptablem Durchschnitt liegt, zu einem Rückgang der Absatzzahlen von mindestens drei bis vier Prozent. 8
Die steigende Bedeutung der Qualität wird in einer Umfrage unter Führungskräften von 500 bedeutenden europäischen Industrieunternehmen deutlich (nach McKinsey, Top 500 CEO’s Survey). Davon sehen 91 % der Befragten Qualität als sehr wichtig an.
Qualität bezieht sich nicht nur auf Produkte, sondern inzwischen auch auf ganze Prozesse. Das bedeutet, dass die Qualität der Leistungserstellung in den Vorder-grund rückt und somit die Kundenorientierung gewährleistet. 9
7 Vgl. Pfeifer, Qualitätsmanagement, S. 3.
8 Vgl. Desatnik, Long live the king, S. 24ff.
9 Vgl. Pfeifer, Qualitätsmanagement, S. 4f.
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Die beschriebene Weiterentwicklung des Qualitätsdenkens wird durch folgende Abbildung veranschaulicht.
Abbildung 2: Qualitätsverständnis im Wandel.
Quelle: Pfeifer, Qualitätsmanagement, S. 3.
1.3 QM in der logistischen Kette
Qualitätsmanagement ist als integraler Bestandteil der logistischen Kette anzusehen und sollte nicht als abgegrenzter Bereich realisiert werden. Nach DIN EN ISO 9000 wird diese Einbindung des QM-Sys tems in das betriebswirtschaftliche Gesamtsystem gefordert. 10 Um maximale Effizienz und Transparenz zu erreichen, müssen die Qualitätsmanagementsysteme alle Abläufe im Unternehmen durchdringen (vgl. Abb. 3). 11
10 Vgl. Möhrlen/Kokot, SAP R/3 Kompendium, S. 467.
11 Vgl. SAP AG, Funktionen im Detail, Kap. 1, S. 1.
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Abbildung 3: QM in der Beschaffungslogistik.
Quelle: SAP AG, Funktionen im Detail, Kap. 3, S. 1.
Qualitätsmanagement beginnt bereits bei der Produktpl anung und -entwicklung und kommt während der kompletten Nutzungsdauer zum Einsatz. Von der Entstehung bis zum Lebensende kommt jedes Produkt mit allen logistischen Bereichen in Kontakt. Folglich hat das Qualitätsmanagement Einfluss auf die Beschaffung, die Produktion, den Vertrieb und den Service und ist somit zu einem wichtigen Erfolgsfaktor für die Unternehmen geworden. 12
Hieraus wird ersichtlich, dass Qualitätsmanagement eine unternehmensweite Querschnittsfunktion darstellt und jeder logistische Bereich Einfluss auf die Qualität hat (vgl. Abb. 4).
Abbildung 4: Integration des QM-Systems in die logistische Kette.
12 Vgl. Möhrlen/Kokot, SAP R/3 Kompendium, S. 467.
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Logistik in R/3 Enterprise - Das Modul QM
1.3.1 Aufgaben des Qualitätsmanagements in der Beschaffung
Das Qualitätsmanagement begleitet in der Materialwirtschaft alle logistischen Prozesse von der Anfrage bis zum Wareneingang und konzentriert sich dabei vor allem auf die Lieferantenbeziehungen. 13
Zu den Hauptaufgaben des Qualitätsmanagements im Rahmen der Beschaffung zählen die Lieferantenanfrage, die Lieferantenauswahl, Bestellungen bzw. Abrufe und die Qualitätsprüfungen im Wareneingang. 14
1.3.2 Aufgaben des Qualitätsmanagements in der Produktion
Die Aufgaben des Qualitätsmanagements in der Produktion sind in die Fertigungsaufgaben integriert. Die Prüfvorgänge sind in den Arbeitsplänen der Fertigung enthalten, d.h. es existieren keine separaten Qualitätspläne. Alternativ hierzu können fertigungsbegleitende Prüfungen zu bestimmten Stellen im Produktionsprozess festgelegt werden. Diese so genannten Prüfpunkte stellen Meilensteine für die Qualitätsprüfung dar.
In der Produktion werden allerdings nicht nur die Produkte, sondern auch die Prozesse auf Qualität überprüft. Dies wird mit einer integrierten Planung realisiert und über die Prozesslenkung gesteuert. 15
1.3.3 Aufgaben des Qualitätsmanagements im Vertrieb und Kundendienst
Die Hauptaufgabe des Qualitätsmanagements im Vertrieb ist die Sicherstellung der Kundenzufriedenheit. Um dieses Ziel zu erreichen, muss eine umfassende Steuerung der Qualitätsprüfungen implementiert sein, die eine einwandfreie Qualität der ausgelieferten Waren und Materialien gewährleistet. Sollten dennoch Kundenreklamationen auftreten, müssen diese rasch behoben werden, um die Kundenzufriedenheit nicht zu gefährden. Dies ist die Hauptaufgabe des Servicemanagements. 16
13 Vgl. Möhrlen/Kokot, SAP R/3 Kompendium, S. 469ff.
14 Vgl. CIMAP Consulting, Integrierte Konzepte für das Qualitätsmanagement mit SAP R/3, S. 14.
15 Vgl. SAP AG, http://help.sap.com/saphelp_45b/helpdata/de/80/a8b43446a1c564e10000009b38f
83b/frameset.htm, 29.11.2004.
16 Vgl. Möhrlen/Kokot, SAP R/3 Kompendium, S. 469ff.
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1.4 Total Quality Management - ein Qualitätsmanagementkonzept
Eines der bekanntesten Qualitätssicherungskonzepte stellt das Total Quality Management (TQM) dar.
Die DIN EN ISO 8402 (August 1995) definiert TQM folgendermaßen: „Auf die Mitwirkung aller ihrer Mitglieder beruhende Führungsmethode einer Organisation, die Qualität in den Mittelpunkt stellt und durch Zufriedenstellung der Kunden auf langfristigen Geschäftserfolg sowie auf Nutzen für die Mitglieder der Organisation und für die Gesellschaft zielt.“
Qualität ist somit nicht mehr nur Aufgabe der Qualitätssicherung, sondern aller Beteiligten am Wertschöpfungsprozess. 17 TQM muss folglich als umfassendes Qualitätsmanagement gesehen werden, welches ausgehend von den tatsächlichen Anforderungen der Kunden die gesamte Prozesskette sicherstellt. Der Hauptfokus liegt hierbei auf der Qualität und der darauf basierenden Kundenzufriedenheit. Qualität beschränkt sich dabei nicht nur auf Produkte, sondern bezieht sich vielmehr auf alle Unternehmensprozesse.
Daneben sind in der Praxis noch viele andere QM-Konzepte wie z.B. das EFQM-Modell (European Foundation for Quality Management), KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) und die Balanced Scorecard im Einsatz.
17 Vgl. Benz/Becker-Flügel, Qualitätscont rolling, S. 2.
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2 Qualitätsmanagement im SAP R/3 System
Die steigende Kundenorientierung und die Notwendigkeit einer immer engeren Abstimmung in der Logistik erfordern einen systemgestützten Ausbau des betrieblichen Instrumentariums. Hierzu tragen auch die Forderungen der ISO 9000ff., gesetzliche Vorschriften und der Umweltschutz bei. Die Elemente eines integrierten Qualitätsmanagementkonzeptes können nur mit modernen und zukunftssicheren EDV-Anwendungen realisiert werden. Hierbei müssen folgende betriebswirtschaftliche Eigenschaften und Anforderungen berücksichtigt werden: 18
• Planungs-, Steuerungs- und Durchführungsfunktionen für QM-Geschäftsprozesse.
• Einheitliche Unterstützung aller QM-Aufgaben eines Unternehmens. • Einheitliche Vorgehensweisen und Instrumente in allen Fachabteilungen.
2.1 Funktionsumfang des Qualitätsmanagements in SAP R/3
Qualitätsmanagement ist eine unternehmensweite Querschnittsfunktion, die den gesamten logistischen Prozess begleitet. Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen, darf das Qualitätsmanagement nicht als isoliertes Modul umgesetzt werden, sondern muss Schnittstellen zu den anderen Anwendungssys temen von Produktion und Logistik besitzen (vgl. Kap. 1.3). 19
Auf dieser Sichtweise wurde das R/3 -Qualitätsmanagement entwickelt. Berücksichtigt sind hierbei folgende Funktionen: • Computer Integrated Quality Management (CIQ): Qualitätsmanagement stellt eine anwendungsübergreifende Funktion dar, welche die Geschäftsprozesse der Materialwirtschaft, Produktion und Vertrieb unterstützt. • Computer Aided Quality Management (CAQ): Das Modul QM übernimmt mit dieser Anwendung die internen Funktionen (Qualitätsplanung, Qualitätsprüfung und Qualitätslenkung). Diese Kernfunk-
18 Vgl.CIMAP Consulting, Integrierte Konzepte für das Qualitätsmanagement mit SAP R/3, S. 3
19 Vgl. Gronau, Management von Produktion und Logistik mit SAP R/3, S. 187.
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Dieter Pfaff, Georg Böhmler, 2005, Das Modul Qualitätsmanagement im System SAP R/3, München, GRIN Verlag GmbH
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