1. Einleitende Bemerkungen 1
2. Theoretisch-methodische Grundlagen und begriffliche Bestimmungen 2
2.1. Die Soziolinguistik 2
2.2. Die Sprachkontaktforschung 2
2.3. Das Phänomen des Sprachkontakts 3
2.3.1. Der Begriff des Bilingualismus 3
2.3.2. Die Entstehung des Sprachkontakts 4
2.3.3. Die Interferenz und ihre Auswirkungen 4 2.3.4. Die Sprachmischung 5 2.3.5. Der Sprachbund 5 2.3.6. Der Sprachwechsel 6
3. Einige Aspekte zur lettischen Sprache 6
3.1. Die baltischen Sprachen 6 3.2. Das Lettische 8
4. Schlaglichter der historischen Entwicklung der Beziehungen zwischen Deutschen und Letten 9
4.1. Die deutsche Einwanderung nach Livland 10
4.2. Deutsche und Letten im mittelalterlichen Riga 11
II
Seite
5. Ausgewählte Aspekte der niederdeutschen und der lettischen Sprache im Baltikum 12
5.1. Das Eindringen des Niederdeutschen nach Livland 12
5.2. Das baltische Niederdeutsche als Standessprache 13
5.3. Der Niedergang des baltischen Niederdeutschen 15
5.4. Die Neuordnung des baltischen Sprachraums durch das Hochdeutsche 18
5.5. Der Gebrauch des Niederdeutschen bei der lettischen Bevölkerung Rigas 19
6. Abschließende Betrachtungen 21
Literaturverzeichnis 22
III
1. Einleitende Bemerkungen
Die vorliegende Hausarbeit gliedert sich in vier Hauptabschnitte, deren Reihenfolge so konzipiert wurde, daß sie aufeinander aufbauen und zum hauptsächlichen Gegenstand der Untersuchung hinführen. Im ersten Hauptabschnitt werden einige wissenschaftstheoretische Überlegungen angestellt und methodische Grundfragen der Abhandlung geklärt. Hier geht es in erster Linie auch um begriffliche Erhellung in Bezug auf jene linguistische Meta-Disziplin, die sich der Beschäftigung mit Fragen zu Beziehungen zwischen zwei unterschiedlichen Sprachen vor allen anderen angenommen hat: der Soziolinguistik. Damit einher geht die Bestimmung der soziolinguistischen Unterdisziplin, die für eine Untersuchung der Sprachbeziehungen zwischen dem Niederdeutschen und dem Lettischen näher in Betracht kommt. Es ist dies insbesondere die Sprachkontaktforschung, deren zentrale Begriffe des Sprachkontakts, des Bilingualismus, der Interferenz, der Sprachmischung, des Sprachbunds und des Sprachwechsels ebenfalls thematisiert werden. Die Aufgabe des zweiten Hauptabschnitts besteht darin, grundsätzliche Fragen zum Lettischen zu klären; wie seine Stellung innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie und sein Verwandtschaftsverhältnis zu anderen Sprachen. Hierher gehören auch einige ausgewählte Aspekte zur sprachgeschichtlichen Entwicklung des Lettischen. Aus dem Gegenstand und der soziolinguistischen Methodik der Untersuchung erwächst die Legitimation für die Thematik des dritten Hauptabschnitts, in dem der soziokulturelle und historische Kontext des niederdeutsch- lettischen Sprachkontakts beleuchtet wird. Hierbei werden einige Gesichtspunkte der deutschen Einwanderung nach Livland zu nennen sein, ebenso wie ausgewählte Betrachtungen zum Zusammenleben von Deutschen und Letten im Riga des Mittelalters, da nirgends die Beziehungen zwischen diesen beiden Völkern so eng waren wie hier. Im vierten Hauptabschnitt schließlich geht es um die historische Entwicklung des Sprachkontakts zwischen dem Niederdeutschen und dem Lettischen. Thematisiert werden hierbei das Vordringen des Niederdeutschen nach Livland, die Entwicklung des baltischen Niederdeutschen zu einer Standessprache, das Vergehen des Niederdeutschen und die damit verbundene Zunahme des Hochdeutschen. Die Arbeit schließt mit einigen Aspekten zum Gebrauch des Niederdeutschen bei der lettischen Bevölkerung Rigas und einer abschließenden Zusammenfassung der Ergebnisse.
1
2. Theoretisch-methodische Grundlagen und begriffliche Bestimmungen
2.1. Die Soziolinguistik
Die Soziolinguistik ist jene wissenschaftliche Disziplin, die sich mit den Beziehungen zwischen den Bereichen Gesellschaft und Sprache beschäftigt. Aufgrund der Komplexität dieser Beziehungen und dem Problem der Abgrenzung von Aspekten der Sprache, die als nicht gesellschaftlich bedingt anzusehen sind, oder nicht mit gesellschaftlichen Sachverhalten zusammenhängen, umfaßt die Soziolinguistik eine beträchtliche Anzahl von Methoden, Theorieansätzen und Fragestellungen. Die Soziolinguistik ist in einem hohen Maße durch Interdisziplinarität gekennzeichnet. 1 Wie die Bezeichnung „Soziolingustik“ bereits andeutet, bilden dabei jedoch die beiden Wissenschaften Linguistik und Soziologie die zwei Eckpunkte, zwischen denen der wissenschaftliche Diskurs stattfindet. Hie rbei ist kennzeichnend, daß Sprache primär als soziales Phänomen betrachtet wird, welches sich demzufolge auch nur unter Bezugnahme auf die sozialen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen ihrer Sprecher beschreiben läßt. In methodischer und theoretischer Hinsicht bedeutet dies aber zugleich, daß der Empirie ein entscheidender Stellenwert zugestanden wird, wobei die Erforschung der innerhalb einer bestimmten Sprachgemeinschaft konkret vorhandenen Sprachrealität einerseits die Basis, andererseits der Verifikationsort für die wissenschaftlichen Aussagen über Sprache darstellt. 2
2.2. Die Sprachkontaktforschung
Die Sprachkontaktforschung, wie sie vor allem von WEINREICH Anfang der 1950er Jahre entwickelt wurde, wird entweder als eine der historischen Vorläuferinnen der Soziolinguistik, als eine Teildiziplin eben dieser, oder aber als eine eigenständige Disziplin der Linguistik angesehen. Sie befaßt sich mit dem Phänomen des Sprachkontakts, seinen Bedingungen und seinen Auswirkungen. 3
1 AMMON, S. 645.
2 LINKE, S. 294.
3 GIPPERT, S. 662.
2
Die Sprachkontaktforschung untersucht neben rein linguistischen auch spezifisch soziolinguistische Aspekte wie etwa die Phänomene des Spracherhalts und Sprachwechsels, das Prestige von Sprachen und die Domänen ihrer Verwendung. 4 Somit hat die Sprachkontaktforschung neben der Soziolinguistik auch enge Beziehungen zur Psycholinguistik, hier besonders zur Spracherwerbsforschung, zur Sprachtypologie und zur Kontrastiven Linguistik. 5
2.3. Das Phänomen des Sprachkontakts
Unter dem Phänomen des Sprachkontakts ist das Aufeinandertreffen z weier oder mehrerer Sprachen meist durch geographische Nachbarschaft ihrer Sprecher zu verstehen. Hierbei ist allerdings Voraussetzung, daß die Kommunikation über die Grenzen der jeweiligen einzelnen Sprachgemeinschaft hinweg erfolgt. Die Erscheinungsform des Sprachkontakts ist im Bilingualismus 6 zu erblicken. Unter dem Begriff des Sprachkontakts werden eine Reihe von Erscheinungen subsumiert, die im Folgenden erörtert werden sollen.
2.3.1. Der Begriff des Bilingualismus
Dieser Begriff bezeichnet den Zustand einzelner Personen oder sozialer Gemeinschaften, die sich bei der täglichen Kommunikation zweier unterschiedlicher Sprachen bedienen. Ein bilingualer Zustand tritt normalerweise unter der Bedingung ein, daß Angehörige verschiedener Ethnien in engem Kontakt miteinander leben und kommunizieren. Besteht dabei ein soziales Gleichgewicht, kann sich der Bilingualismus auf beide Ethnien erstrecken, wie etwa in bestimmten Gegenden des Balkans. Ist eher ein soziales Ungleichgewicht vorherrschend, bleibt der Bilingualismus auf die Sprecher der weniger prestigeträchtigen Sprache beschränkt, wie im Falle des Verhältnisses zwischen dem Mittelniederdeutschen und dem Lettischen. 7 Bilinguale und multilinguale Zustände sind oftmals verantwortlich für Sprachveränderungen, bei denen lexikalische, phonologische und morphologische Elemente der einen auf die andere Sprache übertragen werden.
4 AMMON, S. 645.
5 GIPPERT, S. 662.
6 Dt.: Zweisprachigkeit.
7 GIPPERT, S. 110.
3
Je nachdem, ob solche Interferenzen von der sozial höherstehenden Sprache auf die tieferstehende, in umgekehrter Richtung oder zwischen gleichwertigen Sprachen verlaufen, spricht man von Superstrat, Substrat oder Adstrat. Kommt es bei den gegenseitigen Beeinflussungen in erkennbarer Weise zu einer Angleichung der grammatischen Systeme, wird von einem Sprachbund gesprochen. Zu unterscheiden ist der Bilingualismus von der Diglossie, bei der sich die Zweisprachigkeit nicht auf zwei unterschiedliche Sprachen erstreckt, sondern auf zwei Varietäten innerhalb derselben Sprache. Hierbei ist allerdings der Übergang zwischen Bilingualismus und Diglossie oftmals fließend, da die gegenseitige Abgrenzung von der nicht immer sicher zu bestimmenden Definition unterschiedlicher Sprachen abhängt. Dies ist insbesondere bei dem Verhältnis vom Hochdeutschen zum Niederdeutschen der Fall. 8
2.3.2. Die Entstehung des Sprachkontakts
Die oberflächlichste Form von Sprachkontakt wird durch die Beziehungen zwischen Händlern und ihren anderssprachigen Kunden hervorgerufen. Mit den Handelswaren werden häufig auch die Bezeichnungen für diese übernommen, insbesondere, wenn sie zuvor unbekannt waren. Hier ist der Spracheinfluß eine Folge des Kultureinflusses und wird sich auf lexikalische Entlehnungen, besonders von Substantiven, beschränken. 9 Demgegenüber ist die intensivste Form des Sprachkontaktes in der oben bereits thematisierten zweisprachigen Gemeinschaft zu erblicken, deren Auswirkungen auf das gesamte sprachliche System letztlich zu einem Sprachverlust führen können. 10
2.3.3. Die Interferenz und ihre Auswirkungen
Die Erforschung der Interferenzen, 11 denen die miteinander in Sprachkontakt stehenden Sprachen ausgesetzt sind, ist Gegenstand der Kontaktlinguistik, die eine Teildisziplin der Kontrastiven Linguistik bildet. 12
8 GIPPERT, S. 110.
9 JORDAN, S. 12.
10 Ebd.
11 Dt.: wechselseitige Einflüsse.
12 GIPPERT, S. 662.
4
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Ruben von der Heydt, 2003, Sprachgeschichtliche Betrachtungen zum Verhältnis zwischen dem Niederdeutschen und dem Lettischen zur Zeit des Mittelalters, München, GRIN Verlag GmbH
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