I N H A L T S V E R Z E I C H N I
1. Einleitende Bemerkungen 1
2. Die Einleitung zum § 7 2
2.1. Die Überschrift des Paragraphen 2
2.2. Das Verhältnis von Gegenstand und Methode 2
2.3. Phänomenologie als reiner Methodenbegriff 3
3. Der Begriff des Phänomens (A.) 5
3.1. Die Bedeutung des Wortes „Phänomen“ 5
3.2. Die drei Phänomen-Begriffe 5
3.3. Die Bedeutung des phänomenologischen Phänomen-Begriffs 6
4. Der Begriff des Logos (B.) 7
5. Der Vorbegriff der Phänomenologie (C.) 8
5.1. Der formale Phänomenologie-Begriff 8
5.2. Der vulgäre Phänomenologie-Begriff 9
5.3. Das Sein des Seienden 10
5.4. Die Verdeckung des Seins 11
5.5. Der phänomenologische Phänomenologie-Begriff 12
5.6. Das Verhältnis zwischen Phänomenologie und Ontologie 12
5.7. Die phänomenologische Zugangsmethode 13
6. Abschließende Betrachtungen 16
Literaturverzeichnis 17
II
1. Einleitende Bemerkungen
Die vorliegende Arbeit hat die phänomenologische Methode Heideggers zum Thema. So soll es im folgenden darum gehen, einige zentrale Merkmale dieser Herangehensweise herauszustellen. Grundlage der Abhandlung bildet hierbei der § 7 im zweiten Kapitel der Einleitung zu Sein und Zeit, der überschrieben ist mit „Die phänomenologische Methode der Untersuchung“. Da angestrebt wurde, nah am Originaltext zu arbeiten, orientiert sich die Gliederung der Arbeit am Aufbau des primär zu untersuchenden Paragraphen. Im ersten Abschnitt wird die Einleitung zum § 7 thematisiert, wobei sich hier das Interesse besonders auf die Frage richtet, in welchem Fundierungsverhältnis der zu untersuchende Gegenstand und die anzuwendende Methode zueinander stehen und welche Position die Phänomenologie in diesem Zusammenhang einzunehmen hat. Sodann wird es im zweiten Abschnitt um den Begriff des Phänomens gehen, dessen Klärung von grundlegender Bedeutung für das Verständnis der phänomenologischen Methode ist. Hier wird zu zeigen sein, welche Phänomen-Begriffe voneinander zu unterscheiden sind und wie aus einem weitgehend unbestimmten Phänomen-Begriff der vorrangig thematisierte zu gewinnen ist. Der dritte Abschnitt befaßt sich mit dem Begriff des Logos, dessen Verständnis für die Klärung der phänomenologischen Untersuchungsmethode nicht unwichtiger ist, als das Verstehen des Begriffs Phänomen. Nur auf Grund der bis hierher angestellten Überlegungen ist überhaupt das Weitergehen zum vierten Abschnitt, der sich mit dem Vorbegriff der Phänomenologie beschäftigt, möglich. Auf diesem Abschnitt ruht der Schwerpunkt der Arbeit. Es wird herauszustellen sein, welche Phänomenologie-Begriffe in Analogie zu den verschiedenen Phänomen-Begriffen zu unterscheiden sind. Dabei spielt die Vergegenwärtigung der Seinsproblematik selbst eine entscheidende Rolle, da nur hierdurch die phänomenologische Zugangsmethode in ihren drei Grundstücken illustriert werden kann. In diesem Zusammenhang wird auch auf den § 5 von Heideggers Marburger Vorlesung aus dem Sommersemester 1927 zurückzugreifen sein, da in diesem die in Sein und Zeit lediglich genannten Grundstücke der phänomenologischen Methode klar erläutert werden. Die Arbeit schließt mit einem Abschnitt, in dem kurz einige rekapitulierende Überlegungen zu Heideggers Vorgehen angestellt werden.
1
2. Die Einleitung zum § 7
2.1. Die Überschrift des Paragraphen
Die „Exposition der Frage nach dem Sinn von Sein“ ist als die Aufgabe der Einleitung von Sein und Zeit anzusehen. Zu dieser einleitenden Exposition gehört neben der „vorläufigen Charakteristik des thematischen Gegenstandes der Untersuchung“, die in den §§ 1 und 6 erfolgte, auch eine vorläufige Erörterung der Methode, die auf den thematischen Gegenstand zur Anwendung kommt. Diese Erörterung übernimmt nun der § 7, der auch als Methoden-Paragraph von Sein und Zeit bezeichnet wird. 1 Der Titel des Paragraphen zeigt an, um welche Methode es sich hier handelt: um die phänomenologische Methode. Hier knüpft Heidegger zwar an die von Husserl erstmals in den „Logischen Untersuchungen“ entworfene Idee der phänomenologischen Methode an, doch kommt es bei dieser Anknüpfung im Hinblick auf den in Sein und Zeit zu untersuchenden thematischen Gegenstand zu einer Neubestimmung dieser Methode. Weil sich bei Heidegger das Thema der Philosophie von dem Husserls grundlegend unterscheidet, ist auch das Selbstverständnis der phänomenologischen Methode ein anderes. Schon hier deutet sich an, daß die Methode nicht über den Untersuchungsgegenstand verfügen kann, sondern daß umgekehrt das methodische Vorgehen vom zu untersuchenden Gegenstand bestimmt wird. 2
2.2. Das Verhältnis von Gegenstand und Methode
Die Aufgabe der Ontologie ist „die Abhebung des Seins vom Seienden und die Explikation des Seins selbst [...]“ 3 Unter „Abhebung“ ist die Rückführung des thematischen Blickes vom Seienden auf dessen Sein zu verstehen. Dieser Vorgang wird später „phänomenologische Reduktion“ genannt. Die „Explikation“ ist die enthüllende Entfaltung des thematisierten Seins selbst hinsichtlich seiner Struktur.
1 HERRMANN, S. 277.
2 Ebd., S. 277 f.
3 HEIDEGGER, S&Z, S. 27.
2
Dies wiederum wird später als „phänomenologische Konstruktion“ bezeichnet. 4 Im zweiten Absatz wird betont, daß in Sein und Zeit nicht der Aufgabe einer vorgegebenen Disziplin genügt werden solle, sondern daß umgekehrt sich allenfalls eine Disziplin ausbilden könne aus den sachlichen Notwendigkeiten bestimmter Fragen und der aus den „Sachen selbst“ geforderten Behandlungsart. 5 Hier scheint wieder jene Überlegung durch, auf die bereits im Zusammenhang mit der Überschrift des P aragraphen hingewiesen wurde: Die Untersuchung ist thematisch und methodisch an jene Sache gebunden, die Thema der Untersuchung werden soll. Es ist die Sache selbst, die der Untersuchung die Fragen vorgibt und die zudem die Methode für ihre Behandlung fordert. Eine Untersuchung, die dergestalt nach dem Sein des Seienden fragt, daß sie den Sinn des Seins überhaupt erfragt, macht sich frei von allen Grenzen und Traditionen einer vorgegebenen Disziplin. 6
Im dritten Absatz wird die Behandlungsart der Fundamentalfrage der Philosophie als „phänomenologische“ bezeichnet. 7 Im vorhergehenden Absatz wurde bereits herausgestellt, daß es sich bei der phänomenologischen Methode um eine solche handelt, die sich aus den „Sachen selbst“ ergibt. Die „Sachen selbst“ sind das Sein des Seienden, der Sinn von Sein überhaupt. Demgemäß sind es das Sein des Seienden und der Sinn von Sein, die von sich aus eine phänomenologische Behandlung fordern. Das bedeutet, daß sie überhaupt nur in dieser Behandlungsweise thematisiert werden können und jede andere Methode an ihrer Thematisierung scheitern würde. 8 Die fundamentalontologische Frage nach dem Sinn von Sein ist nicht anders denn phänomenologisch anzugehen.
2.3. Phänomenologie als reiner Methodenbegriff
Trotz der Bestimmung der Methode durch den Gegenstand, ist Phänomenologie weder als ein thematisch umrissener Standpunkt noch als eine thematisch bestimmte Richtung zu verstehen.
4 HERRMANN, S. 279.
5 HEIDEGGER, S&Z, S. 27.
6 HERRMANN, S. 281.
7 HEIDEGGER, S&Z, S. 27.
8 HERRMANN, S. 282.
3
Wenn sich die Phänomenologie selbst versteht, darf sie auch keines von beiden werden. Sie versteht sich nur solange selbst, wie sie sich als einen reinen „Methodenbegriff“ versteht. Sich als einen Methodenbegriff verstehen heißt, sich nicht als eine thematisch bestimmte Philosophie zu verstehen, da hinsichtlich der „philosophischen Forschung“ zwischen dem „sachhaltigen Was der Gegenstände“ und dem „Wie“ zu unterscheiden ist. 9 Die Phänomenologie als Methodenbegriff betrifft ausschließlich das Wie der philosophischen Forschung, nicht aber das sachhaltige Was der thematischen Gegenstände. In der Fundamentalfrage ist das sachhaltige Was der thematischen Gegenstände das Sein des Seienden und der Sinn von Sein. Hierbei ist die phänomenologische Behandlungsart der Frage lediglich die Weise, wie nach dem Sinn von Sein gefragt wird. Durch diese phänomenologische Behandlungsweise verschreibt sich die Untersuchung der Fundamentalfrage keinem thematischen Standpunkt und keiner thematischen Richtung, weil die phänomenologische Methode allein das Wie der Untersuchung betrifft. 10
Im letzten Abschnitt der „Einleitung“ des Paragraphen wird im Vergleich zu den Wortbildungen anderer Wissenschaften in Anlehnung an das zuvor Gesagte betont, daß Phänomenologie zwar die Wissenschaft von den Phänomenen sei, nicht jedoch in thematischer, sondern in methodischer Hinsicht. Das Phänomen nennt dann nur die Weise, wie der thematische Gegenstand der Philosophie für die philosophische Untersuchung, den Logos, gegeben sein muß. Der Ausdruck „ - logie“ in den Wissenschaftsbezeichnungen, die „Wissenschaft von (...)“ unterscheidet sich in ihrem Charakter jeweils nach dem thematischen Gegenstand der betreffenden Wissenschaft. In der „Phänomeno- logie“ bestimmt sich der spezifische Charakter der „-logie“ von dem aus, was „Phänomen“ besagt. 11 So soll denn der Vorbegriff der Phänomenologie als eines reinen Methodenbegriffs so herausgestellt werden, daß zunächst der Sinn des ersten Wortbestandteils und anschließend der des zweiten entfaltet wird, um dann die Bedeutungseinheit „des aus ihnen zusammengesetzten Namens“ 12 bestimmen zu können. 13
9 HEIDEGGER, S&Z, S. 27.
10 HERRMANN, S. 284.
11 Ebd., S. 291 f.
12 HEIDEGGER, S&Z, S. 28.
13 HERRMANN, S. 292.
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Ruben von der Heydt, 2003, Überlegungen zur phänomenologischen Methode im Denken Martin Heideggers, München, GRIN Verlag GmbH
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