Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Großdeutsche oder kleindeutsche Lösung? 6
2.1. Das deutsche Volk zwischen Nation und Nationalismus 6
2.1.1. Die Anfänge der deutschen Nation. 6
2.1.2. Das „historische Staatsrecht“ 7
2.2. Begriffsklärung - Die zwei Nationalen Konzepte. 7
2.2.1. Entstehung der Worte „großdeutsch“ und „kleindeutsch“ 7
2.2.2. Kleindeutschland - kleindeutsch. 8
2.2.3. Großdeutschland - großdeutsch 9
2.3. Behandlung der nationalen Frage durch das Paulskirchenparlament. 11
2.3.1. Die Wahl Erzherzogs Johann zum Reichsverweser 11
2.3.2. Gegenrevolution in Österreich 12
2.3.3. Die „Frage an Österreich“ - Die §§ 2 und 3 13
2.3.4. Die Erklärung von Kremsir 15
2.3.5. Heinrich v. Gagerns Konzept des „Engeren und weiteren Bundes“ 16
2.3.6. Der „Simon-Gagern“ Pakt. 17
2.4. Welche Faktoren begünstigten die kleindeutsche Lösung? 18
2.4.1. Einfluss der Schleswig-Holsteiner auf den Entschluss des Plenums der
Paulskirche 18
2.4.2. Kompromiss der Linken mit Heinrich von Gagern. 19
Schluss 21
Quellen - und Literaturverzeichnis. 22
Anhang. 24
2
1. Einführung
„Von der Maas bis an die Memmel, von der Etsch bis an den Belt“ 1 , so stellte sich Hofmann von Fallersleben die natürlichen Grenzen der deutschen Nation vor. Das damals bestehende Staatsgebilde des Deutschen Bundes wurde diesem Ideal, welches zweifellos tief in der deutschen Bevölkerung verwurzelt war, jedoch nicht im Mindesten gerecht. Als im März 1848 die revolutionäre Welle der Ereignisse aus Frankreich nach Deutschland herüberschwappte, die Fürsten und die alten Regierungen erschreckt zurückwichen, standen ihnen ein geschlossene Front des Volkes gegenüber 2 . Diese verlangte, neben der Beseitigung der letzten Feudalrechte und Ratifizierung von Grundrechten, die Bildung eines einheitlichen, deutschen Nationalstaates. Mit der Umsetzung dieses Postulates wurde eine, vom Volk selbst gewählte Institution - die konstituierende Frankfurter Nationalversammlung - betraut. Diese stellte sich selbst vor die schwierige Aufgabe, den Willen des Volkes mit den machtpolitischen Erwägungen der deutschen Fürsten, besonders den Großmächten Preußen und Österreich, in Einklang zu bringen. Die Hoheitsgebiete beider Staaten umfassten sowohl deutsche als auch anders-nationale Territorien. Dabei stellte vor allem die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn ein Problem dar, da eine Ablösung der rein deutschen Gebiete für das Hause Habsburg außer Frage stand. Die Tatsache, dass die Mehrheit der Abgeordneten in der Paulskirche den neu zu bildenden Staat mit einer monarchischen Spitze versehen wollten und somit die deutschen Dynastien mit einzubinden gedachten, versperrte dem Volk den Weg zu einer republikanisch regierten Demokratie. Zudem wurde es somit dem Monarchen leicht gemacht den Herrschaftsanspruch der Nationalversammlung zu „untergraben“ und in der Konterevolution die alten Machtverhältnisse wieder zu festigen.
Die Arbeit wird darstellen, welche nationalen Konzepte von der Frankfurter Nationalversammlung in Betracht gezogen wurden und welche Faktoren und Ereignisse letztendlich den Ausschlag für eine kleindeutsche Nationalstaatsgründung gaben. Dabei begrenzt sie sich rein auf die Tätigkeit der Nationalversammlung und die konterrevolutionären Kräfte in Österreich. Die preußische Führung, sowie das deutsche
1 Fallersleben, Hofmann von: Das Deutschlandlied (26.08.1841
2 Vgl. Griewank, Karl: Ursachen und Folgen des Scheiterns der deutschen Revolution von 1848. In: HZ
170 (1950), S.498
3
Volk hatten auf den Verlauf der Ereignisse, wenn überhaupt, nur indirekten Einfluss und sollen daher in der Darstellung vernachlässigt werden. Als verwendete Literatur soll hier im speziellen auf drei Werke hingewiesen werden. Einerseits die Arbeit von Heidrun Möller, „ Großdeutsch und kleindeutsch. Die Entstehung der Worte in den Jahren 1848/49“, auf die sich der Abschnitt „Begriffsklärung“ stützt. Die Überblicksdarstellung, „1848. Die ungewollte Revolution“ von Wolfgang Momsen, welche auf das Scheitern der Frankfurter Verfassung eingeht und dabei die nationale Frage als Schwerpunkt mit einbezieht. Die Arbeit von Gunther Wollstein, „Das Großdeutschland der Paulskirche“, welche die verschiedenen nationalen Modelle und die österreichische Problematik beleuchtet. Der Forschungsstand spiegelt sich vor allem in dem Aufsatz von Manfred Botzenhart, „ Die österreichische Frage in der deutschen Nationalversammlung“ und in Dieter Heins Buch, „ Die unvollendete Revolution von 1848/49“ wider. Beide kommen zu dem Ergebnis, dass das Scheitern der nationalen Frage hauptsächlich der österreichischen Regierung anzulasten ist. In Eugen F. Schneiders Buch, „Großdeutsch oder kleindeutsch?. Eine quellenkritische Analyse zu Karl Biedermanns Erinnerungen aus der Paulskirche“ wird auch der Einfluss verschiedener Interessensgruppen in der Paulskirche für den Ausgang der nationalen Frage verantwortlich gemacht. Obwohl diese Thematik in den neueren Arbeiten vernachlässigt ist, wird sie hier dennoch miteinbezogen, da Schneiders Ausführungen an Quellen belegt sind und zeigen, dass das Scheitern der Revolution multikausal bedingt war.
In der Methodik gält sich die Arbeit an den chronologischen Ablauf der Ereignisse im Zeitraum zwischen dem Zusammentritt der Nationalversammlung im Mai des Jahres 1848 und der Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV am 27. März 1849. Zudem wird die Entstehung der Worte großdeutsch und kleindeutsch vergleichend betrachtet, da ihre Entwicklung in direktem Zusammenhang zueinander steht.
Um einen Einstieg in die Arbeit zu gewährleisten werde ich zunächst einen kurzen Überblick über die Beziehung des deutschen Volkes zum Begriff der Nation geben. Die darauf folgende Begriffsklärung dient dazu, die beiden nationalstaatlichen Konzepte näher zu beleuchten und auf die Entstehung der Worte „großdeutsch“ und „kleindeutsch“ sowie deren Gebrauch zur Zeit der Revolution vorzustellen. Danach wird Exemplarisch, anhand der wichtigsten Ereignisse, auf die Behandlung der „nationalen Frage“ durch die Nationalversammlung eingegangen. Zuletzt werden
4
Faktoren und Personenkreise vorgestellt, die Einfluss auf den Entscheidungen des Paulskirchenparlamentes hatten und diesem nutzten, um den Anspruch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV als „Kaiser der Deutschen“ geltend zu machen.
5
2. Großdeutsche oder kleindeutsche Lösung?
2.1. Das deutsche Volk zwischen Nation und Nationalismus
2.1.1. Die Anfänge der deutschen Nation
Was ist eine Nation? Der französische Religionswissenschaftler Ernest Renan beantwortete diese Frage folgendermaßen:
„Eine Nation ist ein geistiges Prinzip, dass aus tief greifenden Verbindungen der
Geschichte resultiert, eine spirituelle Verbindung (…) Die Existenz einer Nation
ist ein Plebiszit, das sich jeden Tag wiederholt.“ 3
Die spirituelle Verbindung der deutschen Nation, die mit der Ernennung Karls des Großen zum Schutzpatron des Christentums und Oberhauptes des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation ihren Anfang nahm, war stets durch die „Kleinstaaterei“ der deutschen Fürsten unterbrochen. Jede Nation strebt danach, das bestehende Staatsgebilde auf den Umfang der ganzen Nation auszudehnen und somit einen einheitlichen Nationalstaat zu schaffen. In Folge der Befreiungskriege wurde dieses Postulat noch verstärkt, der Zusammenschluss der deutschen Einzelstaaten hatte das erreich, was weder der Großmacht Preußen, noch Österreich allein gelungen war, den Sieg über Napoleon. Die Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress rückte das Ziel des Bundesstaates in greifbare Nähe, wurde durch die Restauration der alten Machtverhältnisse abermals enttäuscht.
In der Vormärzbewegung wurde die nationale Einheitsidee vor allem von dem neu entstehenden Bürgertum und den Studentenbewegungen getragen. Kundgebungen für Freiheit, Gleichheit und Einigkeit, wie zum Beispiel das Wartburgfest (1817) oder der Marsch auf das Schloss Hambach (1832), wurden stets von der „schwarz-rot-goldenen Fahne“ begleitet. Doch erst durch die Initialzündung im März 1848 wurde auch die Breite Masse der Bevölkerung mitgerissen und begann demokratische Grundrechte und die so lang ersehnte Einheit der Nation von den deutschen Fürsten zu fordern.
3 Ramm, Thilo: Die Deutschen - eine Nation?. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B39 (2004), S.32
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Arbeit zitieren:
2005, Großdeutsche oder kleindeutsche Lösung?, München, GRIN Verlag GmbH
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