Inhaltsverzeichnis
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Einleitung 3
1. Phase der frühen Lager, 1933/34 5
1.1 Juristische Grundlage für Schutzhaft 5
1.2 Terror gegen Regimegegner 5
2. Zeit der Zentralisierung, 1934/35 7
2.1 Dachau als Vorbild 7
2.2 Inspektion der Konzentrationslager und Reorganisation der Lager 8
2.3 Entscheidung zur Beibehaltung der Lager 8
3. Entstehung eines Systems, 1936-1939 10
3.1 Von der Bekämpfung politischer Gegner zur Bekämpfung von
unerw ünschtem Leben 10
3.2 Errichtung eines KZ-Systems 11
3.3 Innere Struktur der Konzentrationslager 12
3.4 Verfolgung und Häftlinge 1937 - 1939 13
4. Zusammenfassung 16
5. Quellen- und Literaturverzeichnis 18
5.1 Quellenverzeichnis 18
5.2 Literaturverzeichnis 18
Einleitung
Konzentrationslager für Regimegegner und unerwünschte Gruppen standen lange vor der Machtergreifung im Januar 1933 auf dem Programm der NSDAP. Die Drohung der Lagerunterbringung richtete sich vornehmlich gegen Kommunisten und Juden. Nicht nur Hitler, auch andere NSDAP-Mitglieder und SA-Angehörige machten vor 1933 immer wieder deutlich, was die Feinde der Nationalsozialisten nach einer Machtübernahme erwarten konnten. Aus der geplanten Wegsperrung und Beseitigung ihrer Feinde machten die Nationalsozialisten kein Geheimnis, im Gegenteil. Trotz dieser Rhetorik scheint es vor der Machtergreifung keine Planung eines KZ-Systems gegeben zu haben. Diese Tatsache führte dazu, dass in den ersten Monaten der NS-Diktatur wilde Jagd auf Regimegegner, vor allem auf Kommunisten, aber auch Sozialdemokraten und andere gemacht und so der SA die Möglichkeit gegeben wurde, ihren Aggressionen freien Lauf zu lassen. Diese Zeit des systemlosen Terrors 1933 -1934 wird im ersten Abschnitt dieser Arbeit näher beleuchtet. Die Jahre 1934 - 1939, als das NS-Regime den Versuch unternahm, die Konzentrationslager zu organisieren und eine Struktur aufzubauen, werden anschließend anhand der Frage untersucht, ob es ab 1934/35 ein System mit Konzept gab: Hatte die NS-Führung ein Programm, einen Plan für ihre Konzentrationslager, und wenn ja, wie sah es mit der Umsetzung und Gestaltung aus? War die Entwicklung trotz eines eventuell vorhandenen Programms geprägt durch ungeplanten Wandel, oft abhängig von Einzelpersonen und deren Machtkalkül?
Viele Arbeiten, die sic h mit der Frage nach einem KZ-System beschäftigen, entstanden erst nach 1990/91. Dies hängt hauptsächlich mit zwei Aspekten zusammen. Zum einen war die Quellenlage vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion eher dürftig, die SS vernichtete in den letzten Kriegstagen viele Dokumente. Erst nach 1990/91 konnten viele osteuropäische Archive ausgewertet werden und die Ergebnisse in neue Forschungen einfließen. Zum anderen sind die nationalsozialistischen
Konzentrationslager in der heutigen Wahrnehmung „Symbol und Inbegriff des Verbrecherischen“ 1 was dazu führte, dass „lange Zeit kein spezifisch historisches Interesse“ 2 am Thema vorhanden war und wir es mit einer großen Zahl an Häftlingsberichten zu tun haben, deren Bedeutung für die Forschung deswegen nicht
1 Ulrich Herbert u.a. (Hrsg.): Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Entwicklung und Struktur,
2 Bde. Göttingen 1998, S. 19.
2 Ebd.
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übersehen werden darf. Aus dem zweibändigen Werk, das diesen Punkt anführt, herausgegeben von Ulrich Herbert, Karin Orth und Christoph Dieckmann, das sich dem Untertitel gemäß mit Entwicklung und Struktur der nationalsozialistischen Konzentrationslager befasst, waren die Aufsätze von Johannes Tuchel 3 und Ulrich Herbert 4 zur Zeitspanne 1933 - 1939 für diese Arbeit relevant. Beide gehen konkret auf den Konflikt zwischen Gestapa und Ministerialbehörden ein, der für die Beantwortung meiner Leitfrage von Interesse ist. Karin Orth hat 1999 selbst eine Darstellung zum System der Konzentrationslager verfasst. 5 Ihrer nachvollziehbaren Dreiteilung der Zeit von der Machtergreifung bis zum Kriegsausbruch folgt meine Gliederung. Ihre vergleichsweise knappe und dichte Darstellung i ntegriert die wichtigsten Ergebnisse
bisheriger Forschungsarbeiten. Eine der wenigen Arbeiten aus der Zeit vor 1990/91 spielt immer noch eine zentrale Rolle in der Forschung. Martin Broszats nun schon vierzig Jahre alte Darstellung 6 ist chronologisch klar strukturiert, nicht zuletzt deshalb für Einsteiger gut verständlich, und bietet viele in die Studie eingebundene Quellen, die seine Thesen stützen. Zudem war sie wohl für die Analysen in den Neunzigerjahren einer unentbehrlichen Grundlage. Einen wichtigen Beitrag zu den bis dahin stark unterrepräsentierten frühen Lagern haben Klaus Drobisch und Günther Wieland geleistet. 7 Ihre Einteilung unterscheidet sich nur unwesentlich von der Karin Orths. Zudem tragen die zahlreichen Tabellen und Abbildungen viel zur A nschaulichkeit des Themas bei.
Aufgrund meiner Themenstellung zeigten sich Mitteilungen, Briefe, Protokolle u.ä. der verschiedenen Ebenen und Teile des NS-Regimes als geeignetes Quellenmaterial, das sich in den „Akten der Reichskanzlei“ 8 sowie in den Bänden „Ursachen und Folgen“ 9 befindet. Aus ihnen lässt sich das Machtgerangel zwischen Himmler und Justiz in der
3 Johannes Tuchel: Planung und Realität des Systems der Konzentrationslager. In: Herbert u.a.:
Entwicklung, S. 43 - 59.
4 Ulrich Herbert: Von der Gegnerbekämpfung zur „rassischen Generalprävention“. „Schutzhaft“ und
Konzentrationslager in der Konzeption der Gestapo-Führung 1933-1939. In: Ders. u.a.: Entwicklung, S.
60 - 86.
5 Karin Orth: Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Eine politische
Organisationsgeschichte. Hamburg 1999.
6 Martin Broszat: Nationalsozialistische Konzentrationslager 1933 - 1945. In: Hans Buchheim u.a.
(Hrsg.): Anatomie des SS-Staates, Bd. 2, Olten, Freiburg im Breisgau 1965.
7 Klaus Drobisch und Günther Wieland: System der NS-Konzentrationslager 1933 - 1939. Berlin 1993.
8 Akten der Reichskanzlei. Regierung Hitler 1933 - 1938, hrsg. für die Historische Kommission bei der
Bayerischen Akademie der Wissenschaften von Konrad Repgen, für das Bundesarchiv von Hans Booms.
Die Regierung Hitler, T. I: 1933/34, Bd. 2: 12. September 1933 - 27. August 1934, Dokumente Nr. 207
bis 384, bearb. von Karl-Heinz Minuth, Boppard am Rhein 1983.
9 Ursachen und Folgen. Vom deutschen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen Neuordnung
Deutschlands in der Gegenwart. Eine Urkunden- und Dokumentensammlung zur Zeitgeschichte, hrsg.
Von Herbert Michaelis und Ernst Schraepler. Bd. 12: Das Dritte Reich. Das sudetendeutsche Problem.
Das Abkommen von München und die Haltung der Großmächte.
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zweiten Phase, der Zeit der Zentralisierung 1934/35 ablesen. Davor stand die Zeit des systemlosen Terrors 1933/34, in der vor allem Jagd auf Kommunisten und Sozialdemokraten, also politische Gegner, gemacht wurde, und in der auch das KZ Dachau errichtet wurde, das zu einem Modell für weitere Lager werden sollte.
1. Phase der frühen Lager, 1933/34 1.1 Juristische Grundlage für Schutzhaft
Ihren pseudolegalen Kurs hielten die Nationalsozialisten auch im Hinblick auf die Verfolgung ihrer politischen Gegner bei: Mit der „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28. Februar 1933, der so genannten Reichstagsbrandverordnung, hatte das Regime jenes Instrument zur Hand, das auf legalem Weg die Beschränkung der persönlichen Freiheit erlaubte. Auf diese Weise konnten politische Gegner in Schutzhaft genommen werden, wenn auch konkret dieser Begriff in der Verordnung nicht vorkam. Der Verordnung entsprechend, in der von Maßnahmen „zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte“ 10 die Rede war, wurden in den ersten Monaten meist Mitglieder der Kommunistischen Partei in Schutzhaft genommen, auch wenn Sozialisten, Sozialdemokraten und Gewerkschaftsmitglieder als politische Gegner dasselbe Schicksal ereilte. Weder die Schutzhaft, also eigentlich Schutz des Häftlings vor dem Volk, noch die Unterbringung dieser Häftlinge in Lager war eine Erfindung der Nationalsozialisten. 11
1.2 Terror gegen Regimegegner
Unmittelbar nach der Machtübernahme begann das NS-Regime mit der Verfolgung seiner Feinde, die nun zu Staatsfeinden geworden waren. In der Phase, in der das neue Regime dabei war, sich zu etablieren, mussten in seinem Sinne alle politischen Gegner bekämpft werden, um in Zukunft keinen Widerstand mehr befürchten zu müssen. Dieser Zeitraum, der etwa ein Jahr umfasst - Frühjahr 1933 bis Frühjahr 1934 - zeichnete sich besonders durch fehlende Planung und Koordination aus, so dass durchaus von einer wilden Zeit gesprochen werden kann.
10 Dokumente der deutschen Politik, hrsg. von Paul Meier-Benneckenstein, Bd. 1, Die
nationalsozialistische Revolution 1933, bearb. von Axel Friedrichs, Berlin 1935.
11 Vgl. Drobisch, Wieland: System, S.16 - 21.
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Im gesamten Reichsgebiet entstanden Lager, Gefängnisse in Justizanstalten, Haftstätten der Gestapo und Folterstätten. 12 Vor allem in letzteren, oft in Kellern improvisierten Einrichtungen, terrorisierten Gestapo, Stahlhelm, SA und SS die Häftlinge. Die extrem unterschiedliche Zahl der Schutzhaftfälle in den einzelnen Regierungsbezirken unterstützt die These der unklaren Kompetenzaufteilung und bestätigt das eigenmächtige Vorgehen von SA und SS. 13 Auch die Bezeichnungen der ersten Lager waren sehr zahlreich, beispielsweise wurde Arbeitsdienst-, Schutzhaft-, oder Sammellager verwendet. 14 In den ersten beiden Monaten der NS-Herrschaft stieg die Zahl der Inhaftierten auf geschätzte 40.000 - 50.000 Menschen. 15 Mangelnde Planung und Koordination bedeutete jedoch nicht, dass die Nationalsozialisten in den ersten Monaten kein klares Ziel vor den Augen gehabt hätten. Die Regimegegner sollten isoliert, ihr Widerstand gebrochen, und möglicher zukünftiger Widerstand durch Abschreckung vermieden werden. Im Gegensatz zu später berichtete die in- und ausländische Presse immer wieder über die Lager, und den Nationalsozialisten genehme Journalisten konnten selbst einen Blick auf die - entsprechend präparierten - Lager werfen. Die Öffentlichkeit konnte sich über die Inhaftierung der Staatsfeinde informieren. Noch im Sommer 1933 kam es zu einer großen Entlassungswelle. 16 Mehrere Gründe spielten dabei eine Rolle: Erstens waren nicht wenige Nationalsozialisten der Ansicht, das Regime hätte sich gefestigt und die politische Lage hätte sich beruhigt. Zweitens waren hunderttausende Deutsche als Angehörige indirekt von der Schutzhaft betroffen, was zu Unruhe und auch Protesten führte. Schließlich sollten entlassene Häftlinge von den Zuständen in den Lagern berichten, und somit abschreckend auf diese Kreise einwirken. Entlassen wurden freilich nur jene, von denen man erneuten Widerstand nicht annahm, führende Kommunisten blieben weiter in Haft. Am 31. Juli 1933 waren knapp 27.000 Menschen inhaftiert. Im Sommer und Herbst kam es zur Auflösung und Schließung etlicher Haft- und Folterstätten, während dieser Zeit und noch einmal zu Weihnachten 1933 kam es zu weiteren Entlassungen, was die NS-Propaganda als großzügige Amnestie darstellte. Mit diesem Vorgehen einher ging
12
Eine genaue Auflistung in tabellarischer Form findet sich bei Drobisch, Wieland: System, S. 73 - 75.
13 Broszat: Konzentrationslager, S. 21.
14 Diese Bezeichnung führte das Lager Nohra bei Weimar, das in der Forschung als erstes NS-
Konzentrationslager gilt. Vgl. Drobisch, Wieland: System, S. 11f. sowie Udo Wohlfeld: Das
Konzentrationslager Nohra in Thüringen. In: Wolfgang Benz und Barbara Distel: Terror ohne System.
Die ersten Konzentrationslager im Nationalsozialismus, Berlin 2001. S. 105 - 121, S. 110.
15 Drobisch, Wieland: System, S. 38.
16 Zu folgenden Ausführungen vgl. Drobisch, Wieland: System, S. 132 - 134.
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Arbeit zitieren:
Vaclav Demling, 2005, Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager 1933 - 1939, München, GRIN Verlag GmbH
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