Mareike Hanisch: Lehrerbildung in Deutschland 2
Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung 3
2 Zum Beruf des Lehrers 4
2.1 Was ein Lehrer können muss 7
2.2 Professionalisierung 10
3 Zur Ausbildung des Lehrers 12
3.1 Die 1. Phase: das Studium 13
3.2 Die 2. Phase: das Referendariat 16
4 Wege aus der Krise 19
5 Schlusswort 22
6 Literaturverzeichnis 24
Mareike Hanisch: Lehrerbildung in Deutschland__________________________________________ 3
1 Einleitung
Wie bereits angegeben studiere ich die Fächer Englisch und Pädagogik auf Lehramt für die Sekundarstufen I und II. Ich habe mich für den Beruf der Lehrerin entschieden, weil er mir die Möglichkeit bietet, durch meine Tätigkeit, nämlich die Arbeit mit und Bildung von Kindern und Jugendlichen, den Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, der mir persönlich am sinnvollsten erscheint und mit dem ich mich am ehesten identifiziere. Da meine Eltern ebenfalls beide Lehrer sind, kenne ich zwar die Annehmlichkeiten dieses Berufes (z.B. zwölf Wochen Ferien im Jahr), bin mir aber genauso dessen bewusst, dass Lehrer nachmittags eben nicht ‚immer frei’ haben und glaube auch, einen guten Einblick in die psychischen Belastungen zu haben, die der Beruf mit sich bringt, auch wenn ich sie konkret bis jetzt durch meine Praktika nur bedingt am eigenen Leib erfahren habe.
Nicht nur bei der Berufswahl, sondern auch während des Studiums bleibt es nicht aus, dass man das Berufsbild, die eigenen Vorstellungen, Fortschritte und eben auch die Vorbereitung durch die Ausbildung immer wieder reflektiert und evaluiert. Hierbei bin ich leider nicht die einzige, die feststellen muss, dass das Studium mich bis jetzt meiner Meinung nach nicht ausreichend auf meine zukünftige Tätigkeit als Lehrerin vorbereitet hat und ich fürchte, dass sich dies auch in den verbleibenden Semestern bis zum 1. Staatsexamen nicht ändern wird. Was das Referendariat bringt, bleibt abzuwarten. Diese Erkenntnis war mein Beweggrund, das Seminar ‚Lehrerbild und Lehrerbildung im internationalen Vergleich’ zu besuchen und mich im Rahmen dieser Hausarbeit mit der Situation der Lehrerausbildung in Deutschland zu beschäftigen. Hierbei werde ich jedoch nicht auf die Geschichte der Lehrerausbildung in Deutschland eingehen können und auch die dritte Phase der Ausbildung („Lernen im Beruf“ 1 ) außer Acht lassen, da die Ausarbeitung sonst den von mir angestrebten Rahmen sprengen würde.
1 Vgl.: Terhart, Ewald: Perspektiven der Lehrerbildung in Deutschland. Abschlussbericht der von der Kultusministerkonferenz eingesetzten Kommission. Weinheim 2000. S. 21.
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2 Zum Beruf des Lehrers
Lehrer: manche lieben sie, manche erdulden sie, manche hassen sie - aber jeder kennt sie. Denn jeder geht in die Schule und lernt während seiner Schulzeit eine Vielzahl an Lehrern kennen - ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten, Motivationen, Einstellungen, Lehr- und Unterrichtsmethoden. Jeder weiß, was ein guter Lehrer können muss und woran man schlechte Lehrer erkennt. „Es gibt keinen vergleichbaren Beruf, der so im Leben aller Menschen eine Rolle spielt.“ 2 Als Schüler sieht man jedoch nur die eine Seite der Medaille, wenn man es so ausdrücken möchte, und von daher glaube ich, dass nur die Minderheit von ihnen sich der gesamten Bandbreite von Anforderungen, die der Beruf des Lehrers mit sich bringt, bewusst ist.
Man kann es kurz fassen, wenn man sagt: ein Lehrer muss bewirken, dass „in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Schüler möglichst viel Richtiges und Wichtiges möglichst gründlich möglichst selbstständig möglichst gern lernen“ 3 .
Die folgende Auflistung zeigt deutlicher die unterschiedlichen Facetten dieses Berufes: 1. Be im Lehrerberuf handelt es sich um einen akademischen Beruf, der eine Hochschulausbildung mit fachwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Kenntnissen verlangt.
2. Der Lehrerberuf ist ein ‚Kulturberuf’ für die Enkulturation und Bildung der heranwachsenden Generation.
3. Der Lehrerberuf ist ein ‚Gesellschaftsberuf’, der politische, ökonomische und soziale Implikationen enthält und von daher unter der Interessenwirkung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen steht.
4. Der Lehrerberuf ist ein ethisch ausgerichteter ‚Sozialberuf’ mit pädagogischen und psychologischen Implikationen: Lehrer nehmen Einfluss auf die Schüler. 5. Der Lehrerberuf ist weiter ein ‚didaktischer Beruf’ für die Organisation und Durchführung von Unterricht mit dem Zweck des Lernens der Schüler. 6. Schließlich ist der Lehrerberuf ein ‚bürokratischer Beruf’, da er neben seiner Erziehungsaufgabe auch bürokratisch-kustodiale Tätigkeiten enthält. 4
2 Vgl.: Ulich, Klaus: Beruf: Lehrer/in. Arbeitsbelastungen, Beziehungskonflikte, Zufriedenheit. Weinheim 1996. S. 18.
3 Vgl.: Schreckenberg, Wilhelm: Der Irrweg der Lehrerausbildung. Über die Möglichkeit und die Unmöglichkeit, ein „guter“ Lehrer zu werden und zu ble iben. Düsseldorf 1984. S. 16.
4 Vgl.: Ulich, S. 17/18.
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Daraus ergeben sich grundlegende Anforderungsstrukturen, die die Lehrtätigkeit bestimmen: curriculare Vorgaben, der Zwang zur Benotung von Schülerleistungen, Kooperation, sowie Wissensvermittlung und Erziehung 5 (im 45-Minuten-Takt und bei einer Klassenstärke von 25-36 Schülern wohlgemerkt).
Neben den hier nur kurz und allgemein angerissenen Aufgaben, auf die im weiteren Verlauf noch genauer eingegangen wird, bietet der Lehrerberuf auch Arbeitsbedingungen und Vorzüge, die die Belastungen zumindest teilweise ausgleichen: - Umgang mit jungen Menschen, nicht mit toter Materie - selten direkte Kontrolle durch Vorgesetzte - eigene und Schülerinteressen können berücksichtigt werden - zeitliche und räumliche Disponibilität eines Teils der Tätigkeit - sicherer und konjunkturunabhängiger Arbeitsplatz 6 (jedoch zunehmend weniger)
Diese Vorzüge sind sicherlich den meisten Studierenden des Lehramts bekannt. Fraglich ist nun, ob jeder auch mit dem Wissen um die Belastungen und „Grenzenlosigkeit der Ansprüche“ 7 , die später an ihn gestellt werden, ins Studium geht. Sieht man sich die Gründe an, die Schüler, Studierende und Lehrer bewegen oder bewegt haben, diesen Beruf zu wählen, findet man unterschiedliche, mehr oder weniger erbauliche Motive. Sie reichen von der Begründung, man habe soviel Ferien, man brauche sich wenig Mühe zu geben, denn man wiederhole sich ja, über den Wert der sozialen und wirtschaftlichen Sicherheit (regelmäßige Bezahlung, Rente) bei verhältnismäßig kurzem Studium bis hin zu dem Wunsch, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, ihnen zu helfen, sie zu fördern; in den besten Fällen inspiriert Schulzeit. 8 durch Lehrervorbilder aus der eigenen Leider zeigen
Untersuchungsergebnisse auch, dass für viele das Lehramtsstudium eine Verlegenheitslösung aus Mangel an Alternativen oder nach enttäuschten Studienerfahrungen darstellt. 9 Wissen Letztere nicht, was auf sie im Berufsleben zukommt oder sind sie der festen Überzeugung, dass sie es ‚schon irgendwie hinkriegen’ werden?
5 Vgl.: ebd. S. 23.
6 Vgl.: ebd. S. 25.
7 Vgl.: ebd. S. 27.
8 Vgl.: Schreckenberg, S. 116-118.
9 Vgl.: ebd. S. 117.
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Es wäre zumindest angebracht, dass sie sich auch mit der Erkenntnis auseinandersetzten, dass sich Schule auf Grund gesellschaftlich-kultureller Wandlungsprozesse zunehmend verändert und mehr als nur Unterrichtsanstalt im traditionellen Sinne sein muss. 10
Durch die angesprochenen Wandlungsprozesse [u.a. die Instabilitäten individueller Lebensplanung, die Individualisierung mit ihren ambivalenten Erscheinungsformen sowohl autonomerer Urteils- und Handlungskompetenz wie zunehmender Vereinzelung und Vereinsamung, die Auflösung tradierter Lebensformen, die Pluralisierung der Lebensziele, Multikulturalität auf der einen, die Tendenz zur Vereinheitlichung von Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensmustern auf der anderen Seite, die gewachsene Distanz, Abstraktheit, Realitätsferne und Anonymität der Wirklichkeitsbezüge und die mangelnde Fähigkeit der Gesellschaft, ‚Schlüsselprobleme’ der Menschheit zu lösen (z.B. Rassismus, Gewaltbereitschaft, Nationalismus)] sind nicht nur die subjektiven Lernbedürfnisse, Wertorientierungen und Einstellungen, sondern auch die objektiven Lernbedingungen der Kinder und Jugendlichen heterogener geworden. 11 Forderungen werden laut, Schule müsse darauf reagieren, indem sie sich mehr denn je als Erziehungsstätte verstehe und zunehmend pädagogische bzw. erzieherische Aufgaben übernehme. „Lehrer aller Schulstufen sehen sich vor die Herausforderung gestellt, verstärkt Erziehungs- und Beziehungsaufgaben übernehmen zu müssen.“ 12 Fühlen sie sich dieser Herausforderung gewachsen? Ein Spiegelleser antwortet in seinem Leserbrief: „Wer von Lehrern nicht nur Vermittlung von Grundlagenwissen erwartet, sondern darüber hinaus, dass sie der Bildung den ihr zukommenden Stellenwert verschaffen, vernachlässigte Sozialisation der Kinder und Jugendlichen nachholen sowie den Erziehungsauftrag des Elternhauses übernehmen und nebenbei auch noch psychologisch oder gar therapeutisch tätig sind, ruft nach der Eier lege nden Wollmilchsau.“ 13
10 Vgl.: Terhart, Ewald: Lehrerbildung und Professionalität. Strukturen, Probleme und aktuelle Reformtendenzen. In: Bastian, Johannes u.a.: Professionalisierung im Lehrerberuf. Von der Kritik der Lehrerrolle zur pädagogischen Professionalität. Opladen 2000. S. 77/78.
11 Vgl.: Die Kommissionen Schulpädagogik/Lehrersausbildung und Schulpädagogik/Didaktik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE): Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. In: Bayer, Manfred: Lehrerin und Lehrer werden ohne Kompetenz? Professionalisierung durch eine andere Lehrerbildung. Bad Heilbrunn 2000. S. 20/21.
12 Vgl.: Terhart, Ewald: Lehrerbildung und Professionalität. S. 78.
13 Vgl.: Bellinghausen, Jürgen (Leserbrief). In: DER SPIEGEL. Wie unsozial darf (muss) die SPD sein? Nr. 47/17.11.03. S. 14.
Arbeit zitieren:
Mareike Hanisch, 2003, Was ein Lehrer können muss - Lehrerbildung in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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