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Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung 3
2 Familie - was ist das? Versuch einer Definition 3
2.1 Die Familie in der vorindustriellen Agrargesellschaft 4
2.2 Die Entstehung der modernen Kleinfamilie 5
3 Ehe und Familie in der Krise? 6
3.1 Alternative Lebensformen 7
3.2 Konsequenzen für Staat und Gesellschaft 9
4 Schlusswort 10
5 Literaturverzeichnis 13
1 Einleitung:
‚Warum kommt Papa uns nur so selten besuchen?’
Diese Frage wurde neulich einer Freundin von ihrem Babysitter-Schützling gestellt. Dessen Eltern leben geschieden, die Mutter hat das Sorgerecht erhalten. Ein Ausnahmefall oder mittlerweile eine geläufige Erscheinungsform der Institution Familie? ‚Ich bin 34 und immer noch Single!’
So stellt sich ein Teilnehmer unserer Reisegruppe vor und erntet Unverständnis. Hat er ein Problem damit oder seine Umwelt? Enttäuscht er damit vielleicht die Erwartungen anderer? Oder haben sich Erwartungen verändert? ‚Meine Freundin studiert in Dortmund, arbeitet in Hamm und wohnt in Münster.’ Ein Bekannter ist über diese Beziehungssituation nicht sehr erfreut. ‚Leider schafft man es heute oft nicht mehr, zwei Alltagsleben unter ein Dach zu kriegen.’
Das war früher anders. Wann und warum hat sich diese Situation geändert? Die Diskussionen, die durch diese Aussagen und durch aktuelle Pressemeldungen (z.B. über die ‚Homo-Ehe’) innerhalb meines Bekanntenkreises angeregt wurden, waren für mich der Anlass, mich etwas intensiver mit Fragestellungen zu Familie und Ehe zu beschäftigen und sie zum Thema dieser Hausarbeit zu machen.
2 Familie - was ist das? Versuch einer Definition
‚Der Mensch ist ein Herdentier.’
Interpretiert man dieses geflügelte Wort unserer Alltagssprache, könnte man daraus entnehmen, dass jedes menschliche Individuum von Natur aus eine dauerhafte Gemeinschaft mit anderen Individuen seiner Art sucht. Dies scheint schon vor drei Millionen Jahren der Fall gewesen zu sein. Es mag nun durchaus sein, dass es dem Betrachter widerstrebt, den N eandertaler als ‚Familienmenschen’ zu bezeichnen. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass sich familienähnliche Lebensformen schon zu Beginn der Menschheitsgeschichte
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finden lassen, die sich zumindest seit den Ackerbaukulturen (30 000 bis 10 000 Jahre vor Christus) als Sozialverbände institutionell manifestiert haben. 1 Was verstehen wir also unter dem Begriff ‚Familie’?
Zieht man ein handelsübliches Lexikon zu Rate, findet man den Eintrag ‚Ehepaar mit unverheirateten Kindern - die Kernfamilie oder Gattenfamilie’ mit dem Zusatz, dass dies das Idealbild der Familie im westlichen Kulturkreis sei, und dem Verweis auf andere Lebensformen (z.B. die des ‚ganzen Hauses’ in der vorindustriellen Gesellschaft oder die anderer Kulturen). 2 Die Erscheinungsform und das gesellschaftliche Verständnis von Familie scheint sich also im Laufe der Zeit maßgeblich verändert zu haben. Die Gründe für diesen Wandel sind leichter nachzuvollziehen, indem man zunächst die Familienstruktur der vormodernen, „statischen Gesellschaft“ 3 betrachtet.
2.1 Die Familie in der vorindustriellen Agrargesellschaft
Die Familie der vorindustriellen Gesellschaft zeichnete sich dadurch aus, dass diese Form des Zusammenlebens eine Einheit von Produktionsstätte und Familienleben darstellte und eine Vie lzahl gesellschaftlich notwendiger Funktionen (Produktion, Rechtsprechung, Sozialisation, Alters- und Gesundheitsvorsorge) in einem Sozialverband vereinte und erfüllte. Mitglieder dieser Wirtschaftsgemeinschaft, des ‚ganzen Hauses’, waren nicht nur die Familienangehörigen im heutigen Sinne (d.h. Eltern, Kinder und allenfalls nahe Verwandte), sondern ebenso das Gesinde als nichtverwandte Angehörige. 4 Ein weiteres Merkmal des Hausverbandes war die patriarchalische Herrschaftsstruktur: sämtliche Arbeitskräfte, einschließlich Hausmutter und Kindern, unterstanden der dominanten Autorität des Hausvaters, der als einziger politisch-rechtlich handlungsfähig und nach außen verantwortlich für das Handeln seiner Hausgenossen war. 5
1 Vgl.: Hettlage, Robert: Familienreport. Eine Lebensform im Umbruch. München 1992. S.17. (= Beck’sche Reihe. BsR. 483.)
2 Vgl.: Seibert, Gerd und Erhard Wendelberger: Lexikon 2000. Die große Farb-Enzyklopädie in
12 Bänden. München 1975. S. 1830. (Band 5.)
3 Rerrich, Maria S.: Balanceakt Familie.
Zwischen alten Leitbildern und neuen Lebensformen. Freiburg im Breisgau 1990. S. 34.
4 Vg l.: Peuckert, Rüdiger: Familienformen im sozialen Wandel. Opladen 1996. S. 21.
5 Vgl.: Eickelpasch, Rolf: Ehe und Familie im Umbruch. In: Geisen, Richard: Grundwissen Soziologie. Ausgangsfragen - Schlüsselthemen - Herausforderungen. Stuttgart 1999. S. 54.
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Die Beziehungen der Hausgenossen untereinander waren bestimmt vom Beitrag jedes einzelnen zur Produktionseinheit. Selbst die Kinder genossen keine Sonderstellung, sondern wurden als potentielle Arbeitskräfte behandelt, standen somit mit dem Gesinde auf einer Stufe, oder waren lediglich als künftige Erben von besonderer Bedeutung. „Erziehung“ meinte hauptsächlich Ernährung und Erziehung zur Arbeit. Die Kinder wuchsen durch Nachahmung und Mitarbeit in die bäuerliche Lebensweise hinein. 6
Auch die Ehe lässt sich als eine solche „sachlich- nützliche“ Beziehung beschreiben, die von ökonomischen Kriterien wie der Mitgift, Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Frau bestimmt wurde und in erster Linie als Arbeitsgemeinschaft den Erhalt der Existenzgrundlage garantieren sollte. 7 Nach dem Familienleitbild der vormodernen Gesellschaft hatten Motivationen wie Liebe oder Sexualität für die Ehe keinerlei Bedeutung. Der eheliche Beischlaf diente lediglich der Erzeugung von Nachkommen, Liebe zwischen Eheleuten galt als Risikofaktor für den Fortbestand der Hausgemeinschaft und die Befriedigung sexueller Bedürfnisse stellte keine Erwartung an eine erfolgreiche Ehe dar. 8
2.2 Die Entstehung der modernen Kleinfamilie
Mit dem Beginn der Industrialisierung Mitte des 18. Jahrhunderts übernahm die Erfüllung einzelner Funktionen (Religion, Produktion, Recht, Bildung, Alters-und Krankenversorgung) zunehmend der Staat in eigenständigen gesellschaftlichen Teilbereichen, welche somit dem Zuständigkeitsbereich des multifunktionalen ‚ganzen Hauses’ mehr und mehr entzogen wurden. Dies hatte zur Folge, dass die sich nun herausbildende bürgerliche Familie vornehmlich zum Bereich privater Intimsphäre wurde, einen Ausgleich zur Unpersönlichkeit der Erwerbstätigkeit schaffen sollte und somit erstmals die Erfüllung emotionaler Funktionen übernahm.
Die Liebe zum Partner löste die von ökonomischen Anforderungen geprägten Kriterien der Partnerwahl als ehestiftendes Motiv ab. Liebe, Sexualität,
6 Vgl.: Rerrich, Maria S.: Balanceakt Familie. Zwischen alten Leitbildern und neuen Lebensformen. Freiburg im Breisgau 1990. S. 32-34.
7 Vgl.: Schenk, Herrad: Freie Liebe - wilde Ehe.
Über die allmähliche Auflösung der Ehe durch die Liebe. München 1987. S. 67.
8 Vgl.: Eickelpasch, Rolf: Ehe und Familie im Umbruch. In: Geisen, Richard: Grundwissen Soziologie. Ausgangsfragen - Schlüsselthemen - Herausforderungen. Stuttgart 1999. S. 55.
Arbeit zitieren:
Mareike Hanisch, 2000, Ehe und Familie im Umbruch, München, GRIN Verlag GmbH
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