Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 3-4
II Das Frauenbild im amerikanischen Western Film
am Beispiel von John Fords STAGECOACH
1. Mythos und Realität des Genres 5
1.1. Der Mythos Frau 5-6
2. Filmanalyse STAGECOACH
2. 1. Weibliche Hauptfiguren 7
2.1.1. Die Psychologisierung von Figuren 7-8
2.2.1. Mrs. Mallory- die konservative Ehefrau 8
2.2.2. Die Einführung der Figur Lucy Mallory- eine Analyse 8-10
2.3.1. Dallas- die Prostituierte 10-11
2.3.2. Einführung der Figur Dallas- eine Analyse 11-12
3. Dress Code und Gesellschaft 12-13
4. Funktion der Frau
4.1. Frauen als Handlungsmotivatoren 13-14
4.2 (männliche) Aktivität und (weibliche) Passivität 15-16
5. Männliche vs. weibliche Interessen 16-17
III Fazit 18
IV Literaturnachweis 19
3
I. Einleitung
Die Form und die Struktur des klassischen Western scheint simpel zu sein: Der maskuline Westerheld reitet mit einem Revolver bewaffnet auf einem Pferd durch raue und weite Landschaften auf der Suche nach Etwas. In einer Stadt oder auf einer Ranch angekommen, gerät er in einen Konflikt, der ihn zum Handeln zwingt. Der Westernheld ist nun gezwungen, seine Überlegenheit und Geschicklichkeit gegenüber Rivalen durch ritualisierte Kämpfe zu demonstrieren. 1 Angesichts der äußeren Struktur und Merkmale wird der Western als ein männliches Genre bezeichnet:
Erdacht von männlichen Autoren, inszeniert von männlichen Regisseuren zielt er auf ein männliches Publikum ab. Der männliche Held wird fokussiert und steht im Mittelpunkt.
Dem Western liegt eine primitive Gesellschaftsordnung zugrunde, in der die Frau gut ist und der Mann böse. Es gilt die Frau zu beschützen, denn sie ist Trägerin von sozialen Tugenden und Familiensinn, die in der männlichen Welt des Western ohne die Frau keinen Platz haben. 2 Die Frauenfigur scheint dabei nebensächlich und für die Handlung sekundär zu sein. Ihnen fehlt es offenbar an den notwendigen Fähigkeiten, eine aktive Rolle in dieser Männerwelt zu spielen. Sie werden an den Rand der Handlung gedrängt ohne eigenständig in das Geschehen eingreifen zu können. Weiblichkeit wird mit Passivität verknüpft. Der Kritiker Frederick Woods fasst die Rolle der Frau wie folgt zusammen:
“Time after time, one can detach the females without endangering the structure of the main plot. The west is a man’s world, and the women are relegated to mere decoration and distraction. Sometimes they are released from the unwelcome attentions of the undiserable, sometimes they are helped in fighting off a rival and illegal claim to their land; but most of the time they are prizes only, to be gathered in by the handsome hero when the gunsmoke
1 Esders-Angermund, Karin: Weiblichkeit und sexuelle Differenzen im amerikanischen Genrekino, wissenschaftlicher Verlag Trier, 1997, S.9
2 Rieupeyrout, Jean- Louis: Der Western, Schünemann, Paris, 1953, S.12
4
has drifted away. They always remain onlookers to the main action.” 3
Ausgehend von diesem Frauenbild untersuche ich in der vorliegenden Arbeit, inwieweit dieses passive und vom Mann abhängige Frauenbild zulässig ist.
Untersuchungsgrundlage ist dabei John Fords Western STAGECOACH (1939). Angesichts der beiden konträren weiblichen Hauptfiguren ist es Ziel meiner Arbeit, das Frauenbild in STAGECOACH nicht nur
oberflächlich zu betrachten, sondern die Funktion der Frauenfiguren in Bezug auf den männlichen Helden zu untersuchen. STAGECOACH bietet eine gute Grundlage für die Analyse weiblicher Stereotypen im Western. Der Film bietet einen Vergleich zwischen dem good girl und dem bad girl an 4 , den ich in Kapitel 2 anführen werde. Nachdem eingangs die Figuren Lucy Mallory und Dallas kurz charakterisiert worden sind, folgt eine Szenenanalyse, die die vorangegangenen Charakterisierungen konkretisieren. Neben
bildkompositorischen und inhaltlichen Faktoren, gehe ich in Kapitel 3 insbesondere auf die Kleidung der weiblichen Figuren ein, den so genannten „Dress Code“, den ich in Verbindung mit dem unveränderbaren gesellschaftlichem Status in Verbindung bringe. Darauf aufbauend erläutere ich in Kapitel 4 die Funktion der Frau und untersuche den Aspekt der Aktivität bzw. Passivität der Frau im Western. Schließlich werden im Kapitel 5 die Spannungen bzw. unterschiedlichen Interessen von Frauen und Männern anhand einer konkreten Szene thematisiert, sodass ein Fazit gezogen werden kann.
3 Woods in Esders-Angermund, Karin, Weiblichkeit und sexuelle Differenzen im amerikanischen
Genrekino, wissenschaftlicher Verlag Trier, 1997, S.9
4 Auch wenn die Termini gängige Begriffe des Film Noir sind, bringe ich diese in meiner Arbeit mit dem
Western Genre in Verbindung. Ich finde die Termini passend, um die Gegensätzlichkeit der Frauenbilder zu
verdeutlichen.
5
II. Das Frauenbild im amerikanischen Western Film
am Beispiel von John Fords STAGECOACH
1. Mythos und Realität des Genres
Bazin bezeichnet den Western nicht ohne Grund als das „amerikanische Kino par exellence“ 5 :
Den Western auf seine äußeren Attribute und Merkmale 6 zu reduzieren, wäre nicht ausreichend, um die vom Genre bis in die Mitte der 40er Jahre ausgegangene Popularität und Beliebtheit zu erklären. „Der Western wurde geboren aus dem Zusammentreffen einer Mythologie und einer Ausdrucksform“ 7 ; die Mythologie gründete in der schon in Liedern, Märchen, Romanen und Legenden verklärten amerikanischen Geschichte zwischen 1776 und 1900, und der Ausdrucksform des Kinos, der fotografischen Objektivität in der Zeit.
Es ist also vielmehr die historische Wahrheit, die das Genre auszeichnet. Geschichte, die zum Mythos wurde.
1.1. Der Mythos Frau
Der männliche Held begegnet einem unberührten Mädchen, in das er sich verliebt. Der Zuschauer erkennt, dass die Frau seine Liebe trotz ihrer Zurückhaltung erwidern wird. Beide können nur unter erschwerten Umständen zueinander finden. Um trotzdem die Liebe seiner Auserwählten zu erlangen, muss der Held gefährliche Abendteuer bestehen, um sie schließlich aus einer gefährlichen Situation zu retten. Am Ende des Films belohnt die Auserwählte ihren tugendhaften Retter selbstverständlich.
Oft wird dieser Frauenfigur zusätzlich eine gegensätzliche Frau gegenübergestellt: die Prostituierte. In der Regel ist auch sie in den Filmhelden verliebt. Sie opfert ihr Leben für den Cowboy und ihre
5 Bazin, André: Was ist Film, Alexander Verlag Berlin, Berlin, 2004, S. 255
6 z.B. die Landschaftsaufnahmen. Allerdings wird dieses Merkmal auch in anderen Filmgenres benutzt (siehe
schwedischer Stummfilm)- ohne dass das Merkmal das Überleben des Genres gesichert hat.
7 Bazin, André, S. 257
6
aussichtslose Liebe zu ihm. Für den Zuschauer sühnt sie somit für ihren Lebenswandel. 8
Fenin und Everson beschreiben den Mythos Frau wie folgt:
„The image of the western women, as rendered by hollywood, stands confused, between the sentimental and mythological conception of the pure but weak and defenseless female, without any personality of her own, essentially dependent on the hero, and the titillatingly sexual and agressive heroine.“ 9
John Fords hält sich in STAGECOACH nicht an die vorgegebenen Schemata. Zwar werden in STAGECOACH zwei konträre Frauenbilder entworfen: Das unberührte Mädchen (good girl) und die Prostituierte (bad girl), allerdings stehen die Prostituierte Dallas und der männliche Held Ringo im Mittelpunkt An dieser Stelle ist anzumerken, dass die Prostituierte Dallas die eigentliche Hauptperson ist: Kitses bestätigt die These in seinem Buch Horizons West: “Dallas can be seen as the very soul of the film“ 10 . Beide letztgenannten Figuren haben ihre Außenseiterposition (so genannte Outlaws) gemein, die ihnen das Leben in der städtischen Gesellschaft erschwert bzw. unmöglich macht. Im Verlauf des Films wird immer klarer, dass die Prostituierte Dallas eigentlich das good girl ist. Äußerlich repräsentiert sie zwar das bad girl, allerdings schafft sie es besonders durch Mrs. Mallorys Schwangerschaft, ihre innere Schönheit und Menschlichkeit, die die Gesellschaft in ihr auf Grund ihrer fragwürdigen Vergangenheit nicht sehen kann, zu demonstrieren. 11 Ihr „Leidensgenosse“ Ringo ist der Einzige, der sich von Dallas Erscheinungsbild und Ihrer Vergangenheit nicht blenden lässt. Er sieht in ihr die Frau, die Person, ihren im Kern edlen Charakter, sodass beide ihr
8 vgl. Bazin, André, S. 259-260
9 Fenin, Georg N. and Everson, William K.: The western, from silents to cinerama, Bonanza Books, New
York, 1962, S. 40/41
10 Kitses, Jim: Horizons West, British Film Institute, 2004, S. 50
11 Ich gehe sogar soweit und behaupte, dass Mrs. Mallory in Bezug auf Dallas als eine Art Hilfsmittel und
Instrument funktioniert, um dem Publikum ihre Persönlichkeit zu demonstrieren.
7
Arbeit zitieren:
Karin Pyc, 2005, Das Frauenbild im amerikanischen Western-Film, München, GRIN Verlag GmbH
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