Gliederung
I. Vorbetrachtungen. 4
II. Der italienische Raum bis zum Anfang des 8. Jahrhunderts. 5
II.1 Das Langobardenreich im nördlichen Italien 5
II.2 Die Herzogtümer Benevent und Spoleto 6
II.3 Das byzantinische Einzugsgebiet. 7
II.3.1 Das Exarchat von Ravenna. 7
II.3.2 Das römische Dukat 7
II.3.3 Das südliche Italien von Neapel bis Sizilien 9
III. Die Annäherungen an die Franken in der ersten Hälfte des 8. Jahrhundert und dessen
Ursachen. 9
III.1 Der sich auf religiöser Ebene anbahnende Bruch zwischen der byzantinischen Schutzmacht
und dem Papsttum 9
III.2 Der Langobardenherrscher Luitprand und dessen Bedeutung. 11
III.3 Das Hilfegesuch des Papstes Gregor III. an Karl Martell. 12
IV. Pippin und Italien. 13
IV.1 Die Königssalbung Pippins 751 und deren Hintergründe 13
IV.2 Der Vertrag von Ponthion und die Heereszüge gegen die Langobarden 754/756 16
V. Die Situation Italiens zur Zeit Karls des Großen. 19
V.1 Die beiden Söhne Pippins und die Verständigungspolitik Bertradas. 19
V.2 Die Fortsetzung des väterlichen Erbes. Die endgültige Niederringung der Langobarden. 22
V.3 Die weitere Italienpolitik Karls des Großen bis zur Kaiserkrönung 26
VI. Zusammenfassung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der pippinischen Heereszüge
gegen über dem Heereszug Karls des Großen gegen die Langobarden. 28
VI.1 Gemeinsamkeiten. 28
VI.2 Unterschiede 28
VII. Schlussbemerkungen. 29
VIII. Literaturverzeichnis 31
IX. Quellenve rzeichnis. 34
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I. Vorbetrachtungen
Die Krönung Karls des Großen 800 in Rom zum Kaiser vom Okzident bildete den Höhepunkt einer Reihe von Annäherungen zwischen Rom und den fränkischen Königen. Die wechselseitige Verbindung zwischen dem nordalpinen Kaiser und dem Papst, insbesondere aber die Frage nach der höchsten Macht auf Erden, sollte das ganze Mittelalter prägen. Die Fragen, welche dabei einen besonderen Stellenwert einnehmen, sind: Wie konnten die Beziehungen der beiden Mächte zueinander zustande kommen? Wie konnte sich ein von der byzantinischen Schutzmacht unabhängiger Kirchenstaat entwickeln und welche Folgen musste dieses Bündnis für den italienischen Raum haben?
Diese Arbeit möchte diesen Problemen nachgehen und die Ursachen als auch die sich ergebenden Konsequenzen der verschiedenen Annäherungsschritte zwischen dem fränkischen Herrscher und dem Dukatus Romanus offen legen.
Insbesondere das Langobardenreich, welches räumlich die Anbindung des römischen Dukates an den fränkischen Einflussraum behinderte, soll Bestandteil der Arbeit sein. Die Schwerpunkte liegen dabei in dem Heereszügen gegen die Langobarden 754/56 durch König Pippin und in der Herrschaftszeit Karls des Großen, welcher 774 das nördliche Italien besetzte und den Untergang des langobardischen Königtums einläutete. Unumgänglich ist es dabei, die beiden Heerzüge zu vergleichen, deren Ursachen zu ermitteln, die veränderten Ausgangsituationen darzustellen und auf die Folgen derer, die kaum unterschiedlicher sein können, hinzuweisen. Es soll gezeigt werden, dass 774 weitgehend andere Verhältnisse vorherrschten als noch 754. Dabei spielen Faktoren im Inneren des langobardischen Königtums , im Verhältnis des fränkischen König zum Papst und seinen Großen, als auch die veränderte Stellung der Herzogtümer Benevent und Spoleto zum langobardischen König , eine Rolle.
Zu Beginn wird die Arbeit die verschiedenen Mächte und ihre Beziehungen zueinander im italienischen Raum kurz betrachten, die noch im 8. Jahrhundert den Stiefel prägen sollten. Im weiteren Verlauf soll versucht werden, die entstehenden Beziehungen der fränkischen Herrscher zum Papsttum einzeln aufzuschlüsseln und deren Ursachen zu erläutern. Im Mittelpunkt stehen dabei die beiden Heereszüge 754 und 774 gegen die Langobarden, als zentrales Ergebnis dieser Annäherungen. Im Anschluss werden dann die Ergebnisse der Darstellung, also die Gemeinsamkeiten und wichtiger noch die Unterschiede dieser beiden Kriegszüge dargelegt. Ein kurzer Ausblick bis zur Kaiserkrönung Karls des Großen rundet dann die Arbeit in ihrer Gesamtheit ab.
Die Literaturrecherche hat gezeigt, dass Werke zur fränkischen und auch zur byzantinischen Geschichte im größeren Maße, als auch in neueren Ausgaben zur Verfügung stehen. Wogegen spezielle Werke zur Geschichte Italiens oder den Langobarden schwerlich zu finden bzw. selten neueren Datums sind. So wird die Literatur des beginnenden 20. Jahrhunderts genauso Bestandteil der Arbeit sein, wie Werke des 21. Jahrhunderts.
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Zur Quellenlage ist zu sagen, dass fränkische Quellen in größeren Umfang vorhanden sind, da wären zu nennen die Annales Regni Francorum, welche den Zeitraum 741- 829 umfassen und die Einhardi Annales, die vorwiegend auf den Lorscher Annalen beruhen. Die Einhardi Vita Karoli Magni des Biographen Karls, als auch die Fredegarschen Continuitationes, geben einen guten Einblick in die Zeit Pippins.
Anderseits sind Quellen der päpstlichen Kanzlei des 8. Jahrhunderts recht schwer zugänglich und beschränken sich hier mehr die verschieden Briefe und Viten der Päpste. Die grundlegendste langobardische Quelle ist die des Paulus Diakonus, die so genannte Historia Langobardorum. Ansonsten liegen leider keine anderen langobardischen Quellen der Arbeit zugrunde und bedingen somit eine einseitigere Betrachtung der Ereignisse, die dann erst recht kritisch hinterfragt werden müssen.
II. Der italienische Raum bis zum Anfang des 8. Jahrhunderts
Der italienische Raum Anfang des 8. Jahrhunderts ist durch eine räumliche Zerstückelung geprägt. Das sich im Norden befindende Langobardenreich mit dem Königssitz in Pavia war territorial von den beiden Herzogtümern Benevent und Spoleto, durch den byzantinischen Einflussraum den Exarchat von Ravenna und den Ducatus Romanus getrennt. Darüber hinaus befand sich fast der ganze südliche Raum Italiens unter byzantinischer Herrschaft.
II.1 Das Langobardenreich im nördlichen Italien
Der langobardische Germanenstamm, welcher im 4. Jahrhundert erste Südwertsbewegungen aus seinen Siedlungsgebiet in Nordostdeutschland machte, formte bald ein Stammeskönigtum im besetzten Böhmen. Unter dem Druck der Awaren fielen sie dann aber im Zuge der Völkerwanderung 568 in Italien ein. 1
Sie errichteten ein Königreich in Oberitalien und drangen bis in den Süden vor, wobei sie sich die beiden Herzogtümer Benevent und Spoleto einverleibten. 2 Der spätere Königssitz Pavia, konnte von ihnen erst nach dreijähriger Belagerung eingenommen werden. 3 Das 6. Jahrhundert soll hier nur in aller Kürze bilanziert werden. So folgten auf den Paviabezwinger Alboin (um 560- 572) Authari (584-590), welcher die katholisch bajuvarische Herzogstochter Theodelinda heiratete und König Agiluf (590- 615), der 593 das erste Mal Rom belagerte. 4
1 TOBACCO, Giovanni: Langobarden, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. V, München, Zürich 1988, S. 1692.
2 ARNOLD, Klaus: Italien im Übergang, in: Wolf Gruner, u. Günter Trautman(Hg.): Italien in Geschichte und Gegenwart, Hamburg 1991, S. 38.
3 SEIDLMAYER, Michael: Geschichte Italiens. Vom Zusammenbruch des Römischen Reiches bis zum ersten Weltkrieg, 2. erw. Aufl., Stuttgart 1989, S. 51.
4 SCHUMANN, Reinhold: Geschichte Italiens, Berlin, Köln, Mainz 1983, S. 19-21.
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König Rothari (636-652) unter dem der Katholizismus einen arianischen Charakter annahm, war dann auch der, der die ligurische Küste samt Genua hinzugewann. Sein Nachfolger König Grimoald (662-671) war der erste Herzog Benevents der den Thron bestieg. Nach einer längeren Zeit ohne Königsherrschaft im Langobardenreich, kam 712 Luitprand an die Macht und betrieb eine erneute Expansionspolitik. 5
Die Kriegszüge Liutprands sind eine logische Schlussfolgerung aus dem langobardischen Machterhaltungsprinzip des Königtums. Dieses bedingt, dass die Herrscher stets, zum Erhalt ihrer Stellung, sich die Untergebenheit der Großen des Reichs durch Vergabe von neuen oder eigenen Gebieten „erkaufen“ mussten. Die Verschiebung von Besitztümern konnte den Königen neue Stützen bringen, zwang sie aber auch ständig neue Gebiete hinzu zu gewinnen. 6
II.2 Die Herzogtümer Benevent und Spoleto
Im Zuge des Einfalls der Langobarden nach Italien Ende im 6. Jahrhundert zogen relativ selbstständig vorgehende Truppen unter der Führung von Herzögen nach Mittel - und Unteritalien. Im Zeitraum von 570 bis 580 eroberten sie vor alle m zwei wichtige Territorien: die Herzogtümer Benevent und Spoleto. Demnach war das Langobardenreich kein geschlossenes Ganzes, denn neben dem Königtum, das vor allem Oberitalien und die Toskana umfasste, standen Herzöge, die dem König zwar theoretisch unterworfen waren, aber praktisch vielfach freie Hand hatten. 7
Benevent wurde im Zuge der langobardischen Eroberungen 570 Herzogtum. Seit der Königsherrschaft Grimoalds besaßen sie fast immer dieselben Rechte wie die Könige und waren weitgehend unabhängig von den Langobardenherrschern. Deshalb gingen sie auch öfters Bündnisse mit den Byzantinern, aber auch mit den Päpsten ein, um ihren Machtbereich zu erweitern bzw. zu erhalten. 8 Ebenso wie Benevent war Spoleto eine ständige Bedrohung für das römische Dukat. Die äußere Anerkennung der Einheit unter dem König, wie sie durch die Datierung in Königsjahren zum Ausdruck kommt, sollte in Spoleto erst in den letzten Jahren des Reichs und in Benevent niemals zum Durchbruch kommen. Die Sonderstellung der beiden Herzogtümer sollte durch eine relativ selbständige Politik besonders im 8. Jahrhundert hervorstechen. 9
5 SEIDLMAYER, Michael: Geschichte Italiens. Vom Zusammenbruch des Römischen Reiches bis zum ersten Weltkrieg, 2. erw. Aufl., Stuttgart 1989, S. 54-55.
6 HARTMANN, Ludo Moritz: Die Geschichte Italiens im Mittelalter, Bd. II, 2. Hälfte, Gotha 1903, S. 36, 51-52.
7 SEIDLMAYER, Michael: Geschichte Italiens. Vom Zusammenbruch des Römischen Reiches bis zum ersten Weltkrieg, 2. erw. Aufl., Stuttgart 1989, S. 52.
8 GIRGENSOHN, Dieter: Benevent, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. I, München 1990, S. 1907-1908.
9 HARTMANN, Ludo Moritz: Die Geschichte Italiens im Mittelalter, Bd. II, 2. Hälfte, Gotha 1903, S. 34- 35.
6
II.3 Das byzantinische Einzugsgebiet
Der byzantinische Besitz zerfiel geografisch in zwei Hauptgebiete, von denen sich das eine um Ravenna gruppierte und bis nach Istrien reichte, während in dem anderen Rom lag. Beide waren durch eine schmale Etappenstraße über den Appenin verbunden und der Verkehr von und nach Konstantinopel konzentrierte sich für den nördlichen Teil auf Ravenna, während das Einzugsgebiet des Handels für Byzanz im Süden lag und den zentralen Hafen in Neapel hatte. Der unmittelbare griechische Einfluss war deshalb in Ravenna, Neapel und Süditalien immer stärker als in dem Gebiet um Rom. 10
II.3.1 Das Exarchat von Ravenna
Ravenna stieg schon in der römischen Zeit aufgrund ihrer Nähe zur Flottenbasis Cassis zu einer wichtigen Handelsstadt auf. Zentrale Bedeutung dabei hatte ihre gute Verkehrsanbindung zu Land und zu Wasser an Venetien, Arminium und zur Poebene. 11 Nach dem Einfall der Langobarden konnte der oströmische Kaiser nur geringe Teile des byzantinischen Italiens schützen. Dazu gehörten einerseits das römische Dukat, andererseits das Gebiet von Bologna bis Ravenna und der Süden Italiens mit den südlichen Apulien und Kalabrien. Statt Patrizier entsandte Konstantinopel jetzt Oberkommandierende nach Ravenna, sogenannte Exarchen, die als byzantinische Statthalter für Italien, für den Erhalt dieser Besitzungen zu sorgen hatten. Gegen Ende des 6. Jahrhunderts wurde so das Exarchat von Ravenna gegründet. 12
Die Geschichte dieses Gebietes im 7./8. Jahrhundert ist dagegen geprägt durch einen ständigen Wechsel der politischen Positionen und Machtverhältnisse, von dem Versuch ein byzanzfreies Kaisertum zu errichten unter Eleutherius (619) und Olympius (649/652), bis hin zur Zusammenarbeit mit den Langobarden zur Zeit des Langobardenherrschers Luitprand.
Auch wenn ab diesen Zeitpunkt die Bedeutung des Exarchen von Ravenna geschmälert wurde, spielt das Gebiet um Ravenna, schon aufgrund seines wichtigen Zuganges zum Meer, eine bedeutende Rolle bei den weiteren Geschehnissen auf den italienischen Festland. 13
II.3.2 Das römische Dukat
Der Bischof von Rom war direkt dem Kaiser von Ostrom unterstellt , denn er galt als Oberhaupt der ganzen Christenheit in Tradition der römischen Kaiserzeit. Die gesamte Kirche lebte nach römischen Recht. Sie erkannte den Kaiser von Konstantinopel und dessen Vertreter auf italienischen Boden, den
10 HARTMANN, Ludo Moritz: Die Geschichte Italiens im Mittelalter, Bd. II, 2. Hälfte, Gotha 1903, S. 64- 65.
11 VASINA, Augusto: Ravenna, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. VII, München 1995, S. 481.
12 SCHUMANN, Reinhold: Geschichte Italiens, Berlin, Köln, Mainz 1983, S. 17.
13 SEIDLMAYER, Michael: Geschichte Italiens. Vom Zusammenbruch des Römischen Reiches bis zum ersten Weltkrieg, 2. erw. Aufl., Stuttgart 1989, S. 59-61.
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Exarchen von Ravenna an. Der Bischof von Rom galt als der Untertan des Kaisers, folgte den kaiserlichen Auforderungen und nahm an Synoden des Kaisers teil. 14
Die gemeinsamen Bemühungen der Kaiser und Päpste für die Glaubenseinheit , schmiedeten die beiden Parteien eng zusammen. Die Verbindung zwischen Beiden wurde durch die Völkerwanderung verstärkt, da der Papst auf den Schutz des Kaisers bzw. des Exarchen von Ravenna angewiesen war. Der Papst sah Rom immer als Hauptstadt der Christenheit. Die Bezeichnung Apostolischer Stuhl lässt sich dadurch begründen, dass in Rom der erste Apostel Petrus verurteilt und hingerichtet worden war. Aus diesem Anspruch heraus, Alleinvertreter der Christenheit und Beschützer des wahren Glaubens zu sein, ist ersichtlich warum sich der römische Bischof von der byzantinischen Schutzmacht im 6. und 7. Jahrhundert immer mehr entfernte. 15
Erste Anzeichen einer Entfremdung waren schon auf dem Konzil von Chaldecon zu erkennen, als dem Patriarchen von Konstantinopel, derselbe Titel des „ökumenischen Patriarchen“, wie dem Papst verliehen wurde. Auch der Einspruch von Papst Leo den Großen (440-461) blieb dabei ohne Wirkung. 16
Ursache für eine weitergehende Distanzierung voneinander, war ein anderes Verständnis in speziellen Glaubensfragen. Immer wieder waren durch hellenistische Einflüsse geprägte Kaiser in Konstantinopel an der Macht, welche insbesondere der Verehrung von Christusabbildungen kritisch gegenüber standen. Den Versuchen der Kaiser einfachere, monistische Formen des christlichen Glaubens im 7. Jahrhundert durchzusetzen, widersetzten sich die Päpste. Ein Bruch schien sich anzubahnen, auch wenn die schutzbedingte Verbindung zum Kaiser von Konstantinopel nicht vollends abbrach.
Der vollkommene Bruch zwischen Ost- und Westkirche, als auch zwischen römischen Bischof und byzantinischen Kaiser sollte sich im Verlaufe des 8. Jahrhunderts vollziehen. 17
Bedingt wurde dies noch dadurch, dass zum Ende des 7. und zum Beginn des 8. Jahrhundert die byzantinische Verwaltung in großen Teilen Italiens zersetzt worden war und es dem Papst ermöglichte mit gewissen Freiheiten zu agieren. Noch aber war der direkte Einfluss des Exarchen im römischen Dukat groß genug um mögliche politische Alleingänge des Papstes zu verhindern. 18
14 PIRENNE, Henri: Geburt des Abendlandes. Untergang der Antike am Mittelmeer und Aufstieg des germanischen Mittelalters, Leipzig 1939, S. 208-209.
15 SCHUMANN, Reinhold: Geschichte Italiens, Berlin, Köln, Mainz 1983, S. 21-22.
16 HARTMANN, Ludo Moritz: Die Geschichte Italiens im Mittelalter, Bd. II, 2. Hälfte, Gotha 1903, S. 72.
17 PIRENNE, Henri: Geburt des Abendlandes. Untergang der Antike am Mittelmeer und Aufstieg des germanischen Mittelalters, Leipzig 1939, S. 208-215.
18 HARTMANN, Ludo Moritz: Die Geschichte Italiens im Mittelalter, Bd. II, 2. Hälfte, Gotha 1903, S. 65, 69.
8
II.3.3 Das südliche Italien von Neapel bis Sizilien
Das byzantinische Süditalien umfasste Kalabrien (modern: südliches Apulien) und Brutium (modern: Kalabrien). Dieses Gebiet war ein wichtiger Standort um den Zugang zum Mittelmeer zu kontrollieren und dazu galt es als ein rohstoffreiches Gebiet. Darüber hinaus gehören Sizilien, Sardinien und Korsika noch zum Einzugsgebiet des byzantinischen Reiches. 19
Wichtig sollte dieser Raum beim Vordringen der Araber in den Mittelmeerraum sein. So scheint es, dass Sizilien schon in der Mitte des 7. Jahrhundert einen eigenen Kommandobezirk gebildet hatte, dessen Aufgabe die Abwehr der Sarazenen war. 20
Von tragender Bedeutung für den Einfluss der Byzantiner auf italienischen Boden war die Küste des alten Kampanien, die an Benevent grenzte und dem dux von Neapel unterstand. Aufgrund seines Meereszuganges war die Nähe und Abhängigkeit Neapels zu Byzanz ein gewichtiger Moment, der eine Begründung geben kann, warum Neapel auch im 8. Jahrhundert meist ein treuer Partner zu den Griechen bleiben sollte. 21
III. Die Annäherungen an die Franken in der ersten Hälfte des 8. Jahrhundert
und dessen Ursachen
III.1 Der sich auf religiöser Ebene anbahnende Bruc h zwischen der byzantinischen Schutzmacht und dem Papsttum
Die Ursachen für die Annäherungen an die Franken liegen in der Entfremdung der Päpste von den Byzantinern einerseits und in dem wachsenden Druck durch die Langobaren andererseits. Darüber hinaus spielt das seit jeher vorzufindende Streben nach territorialer Erweiterung des römischen Dukates eine Rolle.
Die schon erwähnte Entfremdung des römischen Dukates von seiner Schutzmacht Byzanz nahm zu Beginn des 8. Jahrhunderts schärfere Konturen an und führte zu einem vorwiegend religiösen Bruch mit Byzanz.
Einer der Gründe der Streitigkeiten zwischen dem Papst und seinem byzantinischen Schutzherrn war die von Kaiser Leo III. (717- 741) auferlegte Steuer für das byzantinische Italien und den Klerus, welche von Papst Gregor II. (715-731) verweigert wurde. 22
19 SEIDLMAYER, Michael: Geschichte Italiens. Vom Zusammenbruch des Römis chen Reiches bis zum ersten Weltkrieg, 2. erw. Aufl., Stuttgart 1989, S. 54-55.
20 HARTMANN, Ludo Moritz: Die Geschichte Italiens im Mittelalter, Bd. II, 2. Hälfte, Gotha 1903, S. 65.
21 HARTMANN, Ludo Moritz: Die Geschichte Italiens im Mittelalter, Bd. II, 2. Hälfte, Gotha 1903, S. 66.
22 SEIDLMAYER, Michael: Geschichte Italiens. Vom Zusammenbruch des Römischen Reiches bis zum ersten Weltkrieg, 2. erw. Aufl., Stuttgart 1989, S. 59-61.
9
Der Kaiser, der selbst in viele bulgarische und arabische Konflikte verwickelt war und sich so recht wenig um den italienischen Raum kümmern konnte, wollte so das zerrüttete Finanzsystem der Byzantiner ordnen. 23
Der Hauptgrund aber war der wieder neu aufflammende Konflikt um die Verehrung der religiösen Christenabbildungen. Der Streit spitzte sich soweit zu, dass Kaiser Leo III. ein Edikt im Jahre 726 erließ in welchen ein Bilderverbot ausgesprochen wurde. Seiner Meinung nach hätte alle in Gottes Wort und Sakramente Heilwirkung, nicht aber das Bild Christi. 24 Stattdessen verteidigte Papst Gregor II die Bilderverehrung, denn gerade in „barbarischen“ Ländern brächten sie den christlichen Glauben den Menschen viel leichter näher. Seiner Meinung nach bete man ja nicht das Bild direkt an, sondern nutzte es nur um die Erinnerung an das Heiland zu bewahren. 25
Ein zweites Edikt von 730 ordnete sogar die Zerstörung aller Bilder an. Papst Gregor II. antwortete darauf mit einer römischen Synode und zwei Briefen an den Kaiser in denen er die Bilderverehrung verteidigte und die Edikte nochmals ablehnte. Sowie sich die Bischöfe nicht in die Angelegenheiten des Kaisers einmischen sollten, genauso wenig dürften sich diese in die in neren Angelegenheiten der Kirche einmischen, so jedenfalls die Worte des Papstes. Der Papst lehnte die Zerstörung von Christusabbildungen mit Entrüstung ab: „Se pontifex hoc facere contempsit...“ 26 In diesem Vorgehen des Papstes spiegelt sich das neue Selbstbewusstsein als auch das veränderte Verständnis der Beziehung zu Byzanz wieder.
Unter den darauf folgenden Papst Gregor III. (731-741) nahm der Bruch neue Konturen an. Papst Gregor sprach auf einer Synode allen Bilderfeinden das Anathem aus. Daraufhin gab es eine Flottenexkursion des Kaisers gegen ihn, die zwar scheiterte, aber doch die verschärfte Situation erkennen lässt.
Darüber hinaus erhöhte der Kaiser die Steuern noch einmal und übergab gleichzeitig die Jurisdiktion über Süditalien, Illyrien und Griechenland an den Patriarchen von Konstantinopel. 27 Der Papst stie ß die Autorität des Kaisers einfach bei Seite, erklärte die Trennung der beiden Gewalten und drohte sich mit den Völkern des Abendlandes zu verbünden.
Infolge dieses Konfliktes entzog sich das römische Dukat fast vollends in dogmatischen Fragen dem oströmischen Einfluss. Ein vollkommener Bruch ist jedoch noch nicht ersichtlich, da eine völlige
23 SEPPELT, Franz Xaver, u. SCHWAIGER, Georg: Geschichte der Päpste. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1964, S. 75-76.
24 SCHUMANN, Reinhold: Geschichte Italiens, Berlin, Köln, Mainz 1983, S. 22-23.
25 HARTMANN, Ludo Moritz: Die Geschichte Italiens im Mittelalter, Bd. II, 2. Hälfte, Gotha 1903, S. 91.
26 Pauli Historia Langobardorum, in: MGH SS rerum Langobardorum 48, Hannover 1878, S. 234-235.
27 SEPPELT, Franz Xaver, u. SCHWAIGER, Georg: Geschichte der Päpste. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1964, S. 76-77.
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Björn Schmalz, 2005, Die Heereszüge gegen die Langobarden 754/56 und die Niederringung des langobardischen Königtums im nördlichen Italien 774 im Vergleich., München, GRIN Verlag GmbH
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