Die Entmachtung von Herzog Heinrich dem Löwen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die Entmachtung Heinrichs in der Forschung 3
3. Quellenkritik - Die Gelnhäuser Urkunde 4
4. Vorgeschichte 5
5. Der Prozess gegen Heinrich den Löwen
5.1 Auslöser für die Anklage 7
5.2 Der Prozess 8
5.3 Die Folgen für Heinrich 11
6. Resümee 12
7. Literatur- und Quellenverzeichnis S 14
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit soll die Entmachtung Heinrichs des Löwen näher behandelt werden. Heinrich, aus dem Geschlecht der Welfen, war und ist einer der bekanntesten Persönlichkeiten des deutschen Mittelalters. Aufgrund seines Wirkens und seiner Taten ist er stets ein umstrittener Herrscher gewesen. Fest steht jedoch, dass der Herzog von Sachsen und Bayern einer der mächtigsten Landesherren seiner Zeit war. Heinrich gelang es, durch geschickte Politik und Verwaltung ein großes Herrschaftsgebiet zu errichten. Aber diese gezielte Machtpolitik und die fast königliche Stellung, die er genoss, wurde ihm zum Verhängnis. Der Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa, der zugleich Heinrichs Vetter war, sah in dem immer mächtiger werdenden Heinrich eine Bedrohung gegen seine eigene Person und empfand ihn als Sicherheitsrisiko im Reich. So kam es dann schließlich zu dem berühmt gewordenen Prozess gegen den Löwen, der Heinrich die Herrschaft über seine Herzogtümer kostete.
Nun habe ich mir die Aufgabe gestellt, diesen Prozess der Entmachtung Heinrichs näher darzustellen. Dabei gehe ich kurz auf die Vorgeschichte ein, in der erläutert wird, wie der Löwe ein so hohes Machtpotential erstreben konnte. Neben Heinrich dem Löwen, wird auch Kaiser Friedrich I. Barbarossa einen hohen Stellenwert einnehmen, da dieser doch eine entscheidende Figur im Kampf gegen Heinrich darstellt. Danach komme ich zum eigentlichen Schwerpunkt, wobei ich mich explizit mit der Entmachtung Heinrichs auseinander setzten werde und die konkreten Stationen und Ereignisse, welche zu der eigentlichen Entmachtung Heinrichs geführt haben, darstellen möchte. Die daraus resultierenden Folgen sollen ebenfalls, aber nur am Rande beleuchtet werden.
Als historische Quelle soll die sogenannte ,,Gelnhäuser Urkunde“ dienen. Denn auf dem Reichstag zu Gelnhausen am 13. April 1180, wurde die Entmachtung und die Aberkennung der Reichslehen Heinrichs durch Friedrich I. Barbarossa beurkundet. Weiterhin ist in dieser wichtigen Urkunde die Aufteilung der Herzogtümer Heinrichs dokumentiert. Ebenso wie die Quellenproblematik, soll auch der Stand in der Forschung zu diesem Ereignis näher dargestellt werden.
2. Die Entmachtung Heinrichs in der Forschung
,,Das Nachleben Heinrichs des Löwen ist im 20 Jahrhundert durch die politische Indienstnahme in den Jahren 1914-1918 bzw. 1933-1945 und durch die kommerzielle Verwertung in den 1920er Jahren bzw. nach 1945 geprägt.” 1 Dies gilt vor allem für das Verhältnis zwischen Barbarossa und Heinrich. In der Zeit vor und während des Ersten Weltkriegs ist der Sturz des Löwen als eine Tat angesehen worden, die von persönlichen Gründen Friedrichs herrührte. Ferdinand Güterbock und Johannes Haller kamen zu dem Urteil, dass sich seit Chiavenna der Herzog mehr und mehr selbst entmachtete, eben durch seine extreme Machtpolitik, welche dann schließlich durch den Kaiser gestoppt wurde. 2 In der Zeit der Weimarer Republik brach die Forschung um Heinrich nicht ab, jedoch befassten sich nun vermehrt populärwissenschaftliche Schriftsteller mit dieser Thematik, aus kommerziellen Gründen.
Mit der sogenannten Machtergreifung durch Adolf Hitler 1933, kam es nun zu einer regelrechten Heldenstilisierung des Herzogs. Heinrich der Löwe wurde völlig von der nationalsozialistischen Ideologie für ihre Zwecke eingespannt. Gerade die Ostkolonialisierung und das große Machtstreben dieses ,,deutschen” Herzogs wurde oft thematisiert und instrumentalisiert. Die Umgestaltung des Braunschweiger Doms und die Grablege Heinrichs wurde als nationales Ereignis gefeiert. Der Prozess gegen Heinrich geriet in den Hintergrund. Die Nationalsozialisten mussten aber schließlich den opponierenden und eigensinnigen Herzog erkennen, der gegen die Autorität des Kaisers ankämpfte. Deshalb sich dann anderer Deutschen des Mittelalters. 3 Neben vielen bediente man
nationalsozialistischen Geschichtsschreibern, stellte sich Karl Jordan als relativ neutraler Historiker heraus, der auch nach 1945 an seine spezielle Arbeit über den Löwen anknüpfen konnte.
1979 brachte dieser eine umfangreiche Biographie über den Herzog heraus. 4 Jordan vertrat dann als einer der ersten die Meinung, dass Heinrich nicht durch den Kaiser allein entmachtet
1 Zitiert nach: Otte, W.: Zur politischen Rezeption Heinrichs des Löwen im 20. Jahrhundert: Zwischen
politischer Instrumentalisierung und Kommerz. In: Luckhardt, J. (Hrsg.)/ Niehoff, F. (Hrsg.): Heinrich der
Löwe und seine Zeit. Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125- 1235, Bd. 3. Braunschweig, 1995. S.96
2 Vgl. Güterbock, F.: Der Prozess Heinrichs des Löwen. Berlin, 1909.; Haller, J.: Der Sturz Heinrichs des
Löwen. In: Archiv für Urkundenforschung 3, 1911. S. 295-450
3 Man bemerke hierbei die Bez. für den Überfall auf die Sowjetunion, 1941: ,,Unternehmen Barbarossa“
4 Vgl. Jordan, K.: Heinrich der Löwe. Eine Biographie. München, 1979.
wurde, sondern er sprach den Fürsten einen hohen Anteil daran zu. Anlässlich des achthundertsten Jahrestages der Entmachtung des Löwen, im Jahre 1980, brachte Wolf Dieter Mohrmann eine umfangreiche Darstellung des Herzogs heraus. 5 Stefan Weinfurter vertritt die Meinung, dass die weltlichen und geistlichen Fürsten einen größeren, wenn nicht sogar den größten Beitrag dazu leisteten, Heinrich zu entmachten, als Barbarossa selbst. 6 Zum achthundertsten Todestag Heinrichs, veröffentlichten Jochen Luckhardt und Franz Niehoff 1995, eine äußerst erschöpfende Darstellung Heinrichs des Löwen. In mehreren Bänden wird über die Urkunden, Kunst, Politik, Leben und die Entmachtung des Löwen berichtet. 7
3. Quellenkritik - Die Gelnhäuser Urkunde
,,Die Gelnhäuser Urkunde ist die wichtigste Quelle, die wir über den Prozess gegen Heinrich den Löwen besitzen.“ 8 Die Gelnhäuser Urkunde hat in verschiedener Weise eigenartige Schicksale gehabt. Sie wurde mit einer rötlichen Tinte geschrieben, der manche Gelehrte zerstörende Einflüsse zuschrieben, so dass schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit ganze Sätze kaum noch lesbar waren. Andere Fachleute waren wieder der Meinung, dass diese Zerstörungen des Pergaments auf unsachgemäße Lagerung zurückzuführen wären. Deshalb gab es lange Zeit heftige Auseinandersetzungen in der Fachwelt, wie manches Wort und wie manche Stelle gelesen werden müssten. Man kann wohl den Text im wesentlichen nach dem Original und der ersten Abschrift zu Grunde legen, die zu Anfang des 14. Jahrhunderts für das Domstift zu Köln angefertigt wurde, während bereits der nächste Kopist aus den Siebzigerjahren des 14. Jahrhunderts manche Stellen nicht mehr wiedergeben konnte, weil sie nicht mehr zu entziffern waren. Schon daher rühren nicht zu übersehende Schwierigkeiten im Hinblick auf ihre Übertragung und Auslegung.
Im Jahre 1912 gelang es dann, durch eine fachgerechte Behandlung mit Gallustinktur große
5 Vgl. Mohrmann, W.D. (Hrsg.): Heinrich der Löwe. Göttingen, 1980.
6 Vgl. Weinfurter, S.: Die Entmachtung Heinrichs des Löwen. In: Luckhardt, J. (Hrsg.)/ Niehoff, F. (Hrsg.):
Heinrich der Löwe und seine Zeit. Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125 - 1235, Bd. 2.
Braunschweig, 1995. (Künftige Abk.: Weinfurter, Entmachtung)
7 Vgl. Luckhardt, J. (Hrsg.)/ Niehoff, F. (Hrsg.): Heinrich der Löwe und seine Zeit. Herrschaft und
Repräsentation der Welfen 1125 - 1235, Bd. 1-3. Braunschweig, 1995.
8 Zitiert nach: Weinfurter, S.: Urkunde Kaiser Friedrichs I. Barbarossa für das Erzbistum Köln, sogenannte
Gelnhäuser Urkunde. In: Luckhardt, J. (Hrsg.)/ Niehoff, F. (Hrsg.): Heinrich der Löwe und seine Zeit.
Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125 - 1235, Bd. 1. Braunschweig, 1995. S. 266
Arbeit zitieren:
Steffen Seidenkranz, 2005, Die Entmachtung von Herzog Heinrich dem Löwen, München, GRIN Verlag GmbH
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