Inhaltsverzeichnis
Teil A: Einführung in die Thematik 5
1 Einleitung 5
2 Risikokapital im deutschsprachigen Raum - eine Analyse von K. R.
(österreichischer BA) 7
Teil B: Rahmenbedingungen von Venture Capital 12
3 Begriff und Bedeutung von Venture Capital 12
4 VC-Finanzierungsanlässe in den verschiedenen Unternehmensphasen 16
5 Ablauf beim Einstieg eines VC-Gesellschafters 19
5.1 Von der Erstbewertung bis zum Notartermin 19
5.2 Verträge beim Einstieg von Risikokapitalgebern 22
6 Exitvarianten - der Ausstieg des VC-Gesellschafters 23
Teil C: Besondere Aspekte 27
7 Basel II und seine Rolle in Bezug auf Venture Capital 27
8 Die Lissabon Initiative 31
8.1 Intensivierung der Forschung und Entwicklung 31
8.1.1 Allgemeine Information 31
8.1.2 Auswirkungen auf die VC-Industrie 32
2
8.2 Förderung unternehmerischer Initiative 33
8.2.1 Allgemeine Information 33
8.2.2 Auswirkungen auf die VC-Industrie 33
8.3 Zukunftsaussicht 34
Teil :D Schwierigkeiten und momentane Marktsituation- Literaturstudium 35
9 Allgemeine Problematiken der VC-Industrie 35
9.1 Gründer und VC-Gesellschafter - ein schwieriges Verhältnis 35
9.1.1 Allgemeine Interessen und Motive von Unternehmensgründern 35
9.1.2 Allgemeine Interessen und Motive von VC-Gebern 36
9.1.3 Spezielle Problematiken im deutschsprachigen Raum 36
9.2 Exit-Schwierigkeiten und Risikoaversion 40
Ein psychologisches Phänomen nach dem Einbruch der New Economy 40
10 Die österreichische Venture Capital Szene 43
11 Die deutsche Venture Capital Szene 47
Teil E: Schwierigkeiten und momentane Marktsituation - Expertenmeinungen
51
12 Expertenmeinungen 51
12.1 Die derzeitigen Schwierigkeiten der VC-Industrie in Österreich und
Deutschland 51
3
12.2 Wiederherstellung des verlorengegangenen Vertrauens der Anleger in den
Risikokapitalmarkt als wichtigsten Ansatzpunkt 53
12.3 Chancen und Risiken in Bezug auf Basel II 55
12.4 Prognosen über die Entwicklung des deutschsprachigen VC-Marktes in den
n ächsten 5 Jahren 56
Teil F: Zusammenfassendes Conclusio 57
13 Conclusio 57
14 Schlussbemerkung 63
15 Literaturverzeichnis 64
16 Abbildungsverzeichnis 69
Teil G: Anhang 70
17 Transkription der Interviews 70
17.1 Interview mit .U G., European Investment Fund 70
17.2 Interview mit I. J. - deutscher Venture Capitalist 74
17.3 Interview mit M. P. - österreichischer Venture Capitalist 79
17.4 Interview mit F. S. - deutscher Venture Capitalist 85
4
1 Einleitung
Problemstellung
Beim Studium der umfassenden Literatur über Venture Capital stieß man bis zum großen Einbruch der New-Economy in den Jahren 2000/2001 fast ausschließlich auf positive Aussagen und eine sehr optimistische Zukunftsaussicht, was Venture Capital im deutschsprachigen Raum betrifft. Wie in den Jahren des Goldrausches, waren viele Unternehmer oft ohne ausreichende Vorbereitung in eine Zukunft aufgebrochen, von der sie sich schnelles Geld, Erfolg und unbegrenztes Wachstum versprachen. Mittlerweile ist man in der Branche deutlich vorsichtiger geworden. Der Exit via IPO ist für Venturefinanzierte Unternehmen in den nächsten Jahren keine breite Option und die Renditeerwartungen mussten stark zurückgeschraubt werden.
Die folgende Arbeit basiert auf einem sehr kritischen Statement von R. K., einem Business Angel in Österreich, der durch seine Einblicke in die europäische Venture Capital Szene zu dem Schluss kommt, dass der deutschsprachige VC-Markt im Gegensatz zum amerikanischen Markt in den nächsten zehn Jahren, wenig Chancen haben wird. Begründet wird diese Aussage durch Argumente, die ich in der folgenden Arbeit kritisch betrachten und durch Interviews mit bedeutenden VC-Gesellschaftern und Unternehmensgründern im deutschsprachigen Raum uberprüfen werde. Ziel der Arbeit ist es durch eingehendes Studium einschlägiger Literatur und Einholung diverser Expertenmeinungen R. K.s Aussage mit den geeigneten Argumenten entweder verifizieren oder falsifizieren zu können. Vorgehensweise
Nach der Darlegung der kritischen Position von R. K., werde ich im zweiten Teil der Arbeit eine kurze Einführung in die Materie geben, welche die wichtigsten Informatio-
5
nen und offenen Fragen in Bezug auf Venture Capital kurz zusammenfassen soll. Danach folgt der dritte Teil meiner Arbeit. Er zeigt die Geschichte des Marktes in Deutsch-land und Österreich und die momentane Situation in den erwähnten Ländern auf und prüft Zukunftsprognosen kritisch. Außerdem gehe ich auf die zahlreichen Probleme ein, die sowohl durch unterschiedliche Erwartungen von VC-Gesellschaften und Unternehmen, als auch durch rechtliche Barrieren bestehen. Im vierten Teil kommen Experten zu Wort, die ich im Rahmen meiner Recherche interviewt habe. Um dem Leser ein möglichst breites Bild geben zu können habe ich für den Interviewteil einen österreichischen und zwei deutsche Venture Capitalisten, sowie den EU Verantwortlichen für VC und den Venture Capital Verantwortlichen der Europäischen Investmentbank ausgewählt. Am Ende der Arbeit werde ich nochmals die erwähnten Problematiken zusammenfassen und auf einige Lösungsvorschläge und deren mögliche Durchsetzung eingehen. Eine kurze Schlussbemerkung rundet die Arbeit ab.
6
2 Risikokapital im deutschsprachigen Raum - eine Analyse von K. R. (österreichischer BA)
Eine systemische Betrachtung einer Industrie in der Krise
Der folgende Text wurde von R. K. verfasst und dem Autor als internes Arbeitspapier im Rahmen ihrer Diplomarbeit zur Verfügung gestellt. Dipl. Ing. R. K. ist Business Angel, Investor in VC Funds sowie VC Fund of Funds und Mitglied des Supervisory Board eines österreichischen VC Funds.
“Nach den Boomjahren 1997 -2000 befindet sich die VC Industrie in einer schweren Krise, die sich in einer steigenden Anzahl von "disstressed Funds" in einer sinkenden Zahl von Neuinvestitionen sowie immer weniger am Markt aktiven Fonds äußert. Ist dies nur eine Marktbereinigung wie sie in vielen Industrien nach Boomphasen regelmäßig vorkommt, oder handelt es sich hier um eine grundlegendere Problematik? Ich bin der Meinung, dass die Hintergründe dieser Krise vielschichtig sind und wesentliche ganz fundamentale Komponenten enthalten, welche teilweise tiefe kulturelle, strukturelle und systemische Wurzeln haben. Während der Hype-Phase wurden diese nicht nur überdeckt, sondern es entstand danach noch massiver und sehr nachhaltig wirkender Schaden. Ich habe aus meiner Sicht die wichtigsten Gründe für diese Krise, die nicht als normale Marktbereinigung anzusehen sind, zusammengefasst: 1. Unternehmer/Unternehmen, die mit Venture Capital arbeiten Unternehmer von Hightech Unternehmen und nur für diese macht eine VC-Finanzierung überhaupt Sinn, haben in ihrer früheren Tätigkeit kaum einschlägige Erfahrung sammeln können. So genannte "Serial Entrepreneurs" wie sie in den USA oft vorkommen gibt es im deutschsprachigen Raum so gut wie nicht. Die unternehmerische Aufgabe überfordert daher fast alle Jungunternehmer. Es gibt eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem für die Aufgabe notwendigen Skillsets und den real vorhandenen. Dies trifft insbesonders auf die so wichtigen Bereiche wie strategisches Management,
7
Marketing, Controlling, Financial Engineering, Organisationsentwicklung und Leadership zu, die in unserem Kulturkreis allgemein nicht besonders gut entwickelt sind. Ein zweiter oft auftretender Problembereich ist der Hintergrund warum Unternehmer überhaupt Untenehmer werden. Häufig spielt ein hohes Maß an Autismus (Ich will tun wie ich will und mich vor keinem Chef mehr rechtfertigen müssen) eine wichtigere Rolle als Teamfähigkeit und die Herausforderung das unternehmerische Handwerk zu erlernen und zu praktizieren. Gerade diese Eigenschaft macht die effektive Zusammenarbeit mit VC - Investoren schwierig und nicht selten wird ein Unternehmer zum " Unguided Missel". Ein dritter eher systemischer Grund liegt im viel zu hohen finanziellem Engagement des Unternehmers der meist Privathaftungen im unzumutbarem Ausmaß eingegangen ist um sein Unternehmen aufzubauen. Fast alle Kapitalgeber sind der Meinung dass ein Unternehmer mit seinem Geld nur dann gut umgeht wenn er selbst entsprechend massiv exponiert ist. Subsequent ergibt sich daraus für den Unternehmer ein sehr hoher Geschäftsanteil (30% -80%), der dessen Austausch weder juridisch (Gesellschaftsvertrag) noch moralisch (Haftungsverpflichtung) möglich macht. Nach meiner Erfahrung eignen sich bestenfalls die Hälfte der Unternehmer die gut in der ersten Aufbauphase sind für die weiteren Entwicklungsphasen des Unternehmens. Die Folge sind Insolvenzen und vor allem Unternehmen die stagnieren und aus VC - Sicht als "Living Dead" bezeichnet werden. Als vierten Themenbereich sehe ich den mentalen Zugang vieler Unternehmer zum Venture Capital. Ein VC - Geber ist Teilhaber am Unternehmen und muss als solcher auf eine jährliche Verzinsung von 30% - 50% hinarbeiten um seinem Risikoprofil seiner Kapitalbindungsdauer und seinen Betreuungsaufwendungen gerecht zu werden. Der Unternehmer sieht primär nur die Kapitalzufuhr in sein Unternehmen, nicht jedoch die Verpflichtung eine entsprechende Kapitalrendite durch Wertsteigerung und Exit (Verkauf oder IPO) des Unternehmens herbeizuführen. Alle angeführten Gründe führen letztlich zu einer schlechten Effizienz des eingesetzten Risikokapitals.
2. Die Rolle der Boards und Investment Manager
Boards (Wirtschaftsbeiräte, Aufsichtsräte oder informelle Lenkungsgremien) haben meiner Meinung nach die Aufgabe gemeinsam mit dem Unternehmer erfolgsverspre-
8
chende Wachstumsstrategien zu entwickeln, wesentliche Entscheidungen zu treffen und die Arbeit der Unternehmers und seines Management Teams zu überwachen. Eine der daraus sich ergebenden Aufgaben kann durchaus der schnelle und möglichst reibungslose Austausch des Unternehmers oder eine Ergänzung in der ersten Ebene sein. Um diese Aufgabe ausführen zu können braucht es Mitglieder in Boards die Fachkompetenz, unternehmerische Erfahrung interpersonelles Einschätzungsvermögen und Geschick, entsprechende Netzwerke und vor allem ein Mindestmaß an Zeit und Entscheidungswillen.
Bei uns sind die Mitglieder dieser Boards so gut wie immer die Investment Manager der VC - Funds, welche die oben angeführten Eigenschaften nur sehr selten mitbringen. Daraus ergibt sich, dass die, an sich sehr sinnvolle, Einrichtung der Boards ihre Aufgabe nicht oder nur schlecht erfüllt und meist dem Unternehmen mehr Schaden wie Nutzen bringt. Aus dem im Punkt 1 unter drittens angeführten Grund fehlt dem Board meist auch die Macht als ultima ratio den Unternehmer auszutauschen. Allein diese Möglichkeit würde viele Unternehmer zu wesentlich disziplinierterem Arbeiten anhalten. Letztlich verfehlen die Boards ihre Aufgabe das unternehmerische Risiko durch kompetente und effektive Kontrolle zu senken und umsichtig entwickelte Wachstumsstrategien zu entwickeln. Damit verschlechtert sich weiter die Effizienz des eingesetzten Risikokapitals 3. Exit Möglichkeiten
Risikokapital erwirtschaftet seine Rendite über einen möglichst erfolgreichen (teuren) Verkauf der Unternehmensanteile und üblicherweise nicht über Dividenden. Dies setzt voraus, dass es einen gut funktionierenden Markt für Hightech Unternehmen oder deren Anteile gibt. Solche Märkte sind Technologiebörsen (IPO) und größere Unternehmen (Tradesale). Die Technologiebörsen sind im deutschsprachigem Raum vollständig zusammengebrochen und eine Wiederbelebung ist in den nächsten zehn Jahren nicht zu erwarten. Auch allgemeine Börsen reagieren extrem zurückhaltend auf Technologieunternehmen, womit diese Möglichkeit im Gegensatz zu den USA (Nasdaq) ausscheidet. Der Tradesale an ein größeres Unternehmen ist prinzipiell zwar nach wie vor möglich, jedoch ist der Appetit hierfür vor allem wegen schlechter Erfahrungen bei der Integra-
9
tion der gekauften Unternehmen deutlich zurückgegangen. Der Exit - Markt war nach dem Hype für drei Jahre praktisch nicht vorhanden. Heute und auch in mittlerer und längerer Zukunft rechne ich damit dass nur mehr reifere cashstabile und ertragsstarke Unternehmen über Tradesale verkaufbar sein werden. Die Bewertung dieser Unternehmen wird sich eher an moderaten cashflow oder EBIT Multiplen anlehnen als an Umsatzmultiplen. Allgemein werden dadurch nur wenige Unternehmen eines Fondportfolios nach langer Investitionsphase (7 - 10 Jahre) zu niedrigen Bewertungen verkaufbar sein. Es liegt auf der Hand, dass diese Entwicklung sich massiv und nachhaltig auf die Rendite des Risikokapitalfonds auswirkt. 4. Hebeleffekte durch Banken und die öffentliche Hand
Ein von VC - Fonds in Unternehmen eingebrachtes Eigenkapital hat in der Vergangenheit bei anderen Kapitalgebern Vertrauen geschaffen. So haben Banken und öffentliche Förderstellen weitere teils erhebliche Geldmittel den Unternehmen zu sehr günstigen Konditionen bereitgestellt. Hierdurch entstand ein Hebeleffekt der die Renditemöglichkeit des Risikokapitals wesentlich erhöht hat. Bedingt durch Basel II und sehr schlechte Erfahrungen sind Banken mit Kreditfinanzierungen fast vollständig ausgefallen. Die Förderstellen leiden unter erheblichen Budgetproblemen und müssen sich mehr und mehr selbst finanzieren. Selbst finanzieren heißt letztlich mehr Geld als bisher aus den Unternehmen zurück zu bekommen. Dies senkt wiederum die Renditemöglichkeit für das Risikokapital. 5. Investment - Gap
Ein in der europäischen Risikokapitalindustrie bekanntes Phänomen ist das Investment Gap zwischen der Seed- und der Wachstumsphase. In dieser Phase ist es für Unternehmen besonders schwierig Finanzmittel zu bekommen. Aus den oben angeführten Gründen verbreitert und vertieft sich diese Lücke und immer weniger Unternehmen schaffen es diese zu überwinden. Wurde vorher Risikokapital zugeführt bedeutet dies zusätzliche Ausfälle. Weiters stehen für VC - Fond die in reifere Unternehmen investieren weniger Unternehmen zur Verfügung was die Auswahl einschränkt und die Rendite ebenso senkt.
10
6. VC - Investoren
Geld fließt dorthin, wo sich seine Anleger eine in Bezug auf Risiko und Kapitalbindungsdauer überdurchschnittliche Rendite erwarten. Hierbei sind Risikokapitalinvestitionen generell eine besonders kritische Asset-Klasse, da Kapital besonders langfristig gebunden und gleichzeitig hoch riskant veranlagt ist. Hinzu kommt noch, dass die Managementgebühren mit 2.5% p.a. und de facto 10 Jahren Fondlaufzeit eine zusätzlich hohe Bürde für eine gute Rendite darstellen. Eine zweite erhebliche Problematik ist psychologischer Natur. Viele Großanleger Versicherungen, Pensionsfonds, Banken..) haben in der Hypezeit 0.5% bis 2% ihrer Veranlagungen in Risikokapitalfonds getätigt und diese wurden lautstark als sehr innovativ und aussichtreich dargestellt. Nach der Hypezeit kam es zu fatalen Ausfällen und ein teilweise verantwortungsloser Umgang mit diesem Kapital durch Unternehmer und Fondmanager kam an die Oberfläche. Dadurch entstand ein Vertrauensverlust auf der Seite vieler Investoren der nach meiner Meinung noch mindestens zehn Jahre nachwirken wird.
Zusammenfassend meine ich dass die Risikokapitalindustrie im deutschsprachigen Raum in mittlerer und längerer Zukunft überwiegend negative oder zu geringe positive Renditen für ihre Investoren erwirtschaften wird. Trotz allgemein niedriger werdenden Renditeerwartungen der Anleger erwarte dadurch, dass deren Investitionen weiter zurückgehen werden. Eine Stabilisierung auf sehr niedrigem Niveau sehe ich erst wenn zumindest einige Risikokapitalfond zeigen, dass sie nachhaltig eine adäquate Rendite (5%-15% über dem Niveau der Aktienmärkte) erwirtschaften können.
Ich stelle die hier angeführten Thesen und Prognosen im Rahmen einer Diplomarbeit zu Diskussion und bitte um deren eingehende kritische Analyse unter Einbeziehung von anderen Expertenmeinungen.
R. K., Februar 2004
11
3 Begriff und Bedeutung von Venture Capital
Das folgende Kapitel definiert den Begriff Venture Capital und grenzt ihn von den anderen unterschiedlichen Finanzierungsinstrumenten ab, die Unternehmern in den verschiedenen Unternehmensphasen zur Auswahl stehen. Family and Friends
Familie und Freunde sind meist die einzig erschließbaren Risikokapitalquellen während der Gründungsphase. 1 Business Angels (BAs)
Business Angels sind private Venture-Kapitalgeber, die ihren Teil ihres eigenen Vermögens in junge Unternehmen investieren. Meistens handelt es sich um ehemalige Unternehmer, die neben Kapital auch Know-how, Unterstützung und Beratung einbringen. Durchschnittlich betreut ein Business Angel etwa drei bis sechs Investments. 2 Durch ihre unterschiedlichen Persönlichkeitsprofile agieren BAs sehr unterschiedlich und auch ihre finanziellen Renditeerwartungen können stark variieren. Neben finanziellen Zielsetzungen können auch persönliche Motive, wie Freude oder Selbstverwirklichung eine Rolle spielen. 3 Im Regelfall sind die Investmententscheidungen des privaten Risikokapitalgebers weit subjektiver und unbürokratischer, als jene des institutionellen Risikokapitalgebers. Business Angels steigen meist in den früheren Phasen der Unternehmensentwicklung ein und schließen eine wichtige Finanzierungslücke zwischen der
1 vgl. Grabherr Oliver, Hrsg. Wilfried Stadler, Venture Capital und Private Equity, Deutscher Wirt-
schaftsdienst, Köln 2000, S. 34
2 vgl. Grabherr Oliver, Hrsg. Wilfried Stadler, Venture Capital und Private Equity, Deutscher Wirt-
schaftsdienst, Köln 2000, S. 38
3 vgl. Taga Karim, Forstner Anton K., Erfolgreiche Unternehmensgründungen mit Venture Capital,
Wiley, Ulm 2003, S. 99 ff
12
Seed und Early Stage Phase, wo ein Einstieg für Venture Capital Gesellschaften meist von geringen Interesse ist. Venture Capital (VC) Gesellschaften und Fonds
Der, aus dem Englischen kommende Begriff „Venture Capital“ wird, wörtlich ins Deutsche übersetzt, mit Wagnis- oder Risikokapital gleichgesetzt. Die VC-Finanzierung unterscheidet sich von der üblichen Bankenfinanzierung dadurch, dass sich der Venture Capitalist ohne Stellung von Sicherheiten durch den Venture Capital Nehmer langfristig zur Finanzierung in Form haftenden Eigenkapitals bereit erklärt und zu dessen Rückzahlung oder Verzinsung der Beteiligungsnehmer nicht verpflichtet ist. Der VC-Geber wird mit seiner Einlage ein haftender Partner des Gründers und ist nicht, wie eine darlehensgebende Bank, Gläubiger des Unternehmens. 4 Venture Capital genau wie Private Equity wird nur dort investiert, wo eine erfolgreiche Veräußerung der Beteiligung durch einen späteren Börsengang in Aussicht steht. Im Gegensatz zu Business Angels beteiligen sich Venture Capitalisten meist erst ab einer zweiten Finanzierungsrunde am Unternehmen. VC-Fonds sind Minderheitsinvestoren, das heißt ihre Beteiligung beträgt selten mehr als 50%. Inkubatoren
„Das Konzept eines Inkubators ist eine konsequente Weiterentwicklung der typischen Innovations-, Technologie- und Gründerzentren.“ 5 Neben Infrastruktur und einem, dem wachstumsstarken Jungunternehmer angepassten Umfeld, stellt der Inkubator auch Beratung und Finanzierung zur Verfügung. Im Gegensatz dazu erhält er Anteile an dem Unternehmen. Besonders erfolgreich sind Inkubatoren bei Unternehmen, die ein sehr starkes Wachstum aufweisen können.
4 Vgl. Weitnauer Wolfgang, Handbuch Venture Capital, Von der Innovation zum Börsengang, C.H. Beck,
München 2001, S. 5
5 Oliver Grabherr, Hrsg. Wilfried Stadler, Venture Capital und Private Equity, Deutscher Wirtschafts-
dienst, Köln 2000, S. 38
13
Corporate Venture Capital (CVC) Gesellschaften und Fonds
Beim Corporate Venture Capital operieren etablierte Unternehmen als Venture Capital Investoren. Dabei nützen die Investoren die vielen Vorteile, die die Unternehmen der New Economy auszeichnen wie etwa flexible und unbürokratische Organisation, schnellere Entscheidungsprozesse und ein innovatives Umfeld. Außerdem spielen andere Faktoren, wie etwa die Nachfragesteigerung für die eigenen Kernprodukte oder der gute Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften eine große Rolle. In Europa gewinnt CVC zunehmend an Bedeutung, obwohl das vermehrte Engagement der Großunternehmen oftmals nicht ganz freiwillig passiert, sondern vielmehr als notwendige Reaktion auf die Konkurrenz, die verschlechtere Ertragslage und die Abwanderungsgefahr der besten Mitarbeiter zu sehen ist. Häufig sind die Unternehmen in die CVC investiert auch Spinoffs der eigenen Firma, wie zum Beispiel das dot.com Unternehmen „Start-up“, die vormalige Internetabteilung von British Airways. 6
„Bei den Corporate Venture Capital-Fonds der Investmentbanken und Beratungsunternehmen steht vor allem der Spill-over in das eigene Kerngeschäft und der dafür nötige Know-how-Erwerb in der New Economy im Mittelpunkt.“ 7 Private Equity
Während Venture Capital in junge innovative High-Tech Unternehmen investiert, finanziert Private Equity hauptsächlich etablierte Unternehmen sehr oft im Rahmen eines Buy Outs oder Buy Ins. 8 Außerdem steigen sie meist erst in späteren Phasen in das Unternehmen ein und haben dadurch auch geringer Renditeerwartungen als klassische Venture Capital Investoren.
6 vgl. Mittendorfer Roland, Hrsg. Wilfried Stadler, Venture Capital und Private Equity, Deutscher Wirt-
schaftsdienst, Köln 2000, S. 49 f
7 Mittendorfer Roland, Deutscher Wirtschaftsdienst, S. 50
8 vgl. Strascheg, Falk / Geigenberger, Isabel, Hrsg. Wilfried Stadler, Beteiligungsfinanzierung- neues
Chancenkapital für Unternehmen, MANZ Wirtschaft, Wien 1999, S. 27
14
Mezzanine-Finanzierung
Mezzanine ist als „Zwischengeschoss“ (aus dem Italienischen) zwischen reinem Eigenkapital und Fremdkapital zu sehen. 9 Mezzanine-Kapital bietet sich insbesondere für mittelständische Unternehmen an, die Beteiligungskapital suchen, aber weder die bisherige Eigenkapitalstruktur durch Aufnahme von Fremdkapital schwächen noch Einflussnamerechte abgeben wollen. Öffentlich-rechtliche Förderungsfonds
Unter diese Kategorie subsumieren sich die finanziellen Gründungs-Förderungs-Programme, die der Bund und die Länder vorwiegend in Deutschland (tbg) und auch Österreich (Innovationsagentur, FGG) anbieten. Regionale Non-Profit-Inkubatoren
Non-Profit Inkubatoren sind öffentlich-rechtliche Unterstützungsangebote, die im Wesentlichen die gleichen Eigenschaften wie Inkubatoren aufweisen, jedoch von der öffentlichen Hand getragen werden. Außerdem steht bei regionalen Non-Profit Inkubatoren nicht die Gewinnabsicht an erster Stelle. Vielmehr geht es darum gewisse, lokale Sektoren zu fördern und sie beim Aufbau zu unterstützen.
9 vgl. Martin Stringfellow, Hrsg. Wilfried Stadler, Venture Capital und Private Equity, Deutscher Wirt-
schaftsdienst, Köln 2000, S. 119
15
4 VC-Finanzierungsanlässe in den verschiedenen Un-ternehmensphasen 10
Auf seinem Weg von der Unternehmensidee zum Börsengang (IPO- Initial Public Offering) durchläuft ein technologiebasiertes Unternehmen in einem dynamischen Wachstumsmarkt verschiedene Phasen. Dabei kommen unterschiedliche Finanzierungsinstrumente zum Einsatz. Idealtypischerweise sehen diese Phasen folgendermaßen aus: 11 0 - Seed
Hier entstehen die Ideen und Vorbereitungen zur Unternehmensgründung, die einen entscheidenden Schritt zu einer erfolgreichen Unternehmensgründung ausmachen. Die Dauer der Vorbereitungsphase kann, abhängig von der jeweiligen Branche, sehr unterschiedlich ausfallen. Ist die jeweilige Dauer im Internetbereich eher kurz, kann sie im Biotechnologiebereich schon einmal einige Monate bis hin zu einigen Jahren brauchen. Das Investitionsvolumen in dieser Phase beträgt bis zu 150.000 Euro, wobei die Summe stark variieren kann. Diese hängt vor allem von der Vorarbeit des Gründerteams und natürlich von der jeweiligen Branche ab. In der Seed-Phase wird das bereitgestellt Venture Kapital primär dazu benötigt, das Firmenkonzept zu entwickeln und zu prüfen. Typische Seed Investoren sind Business Angels oder Angel-Networks, staatliche Förderungen oder CVCs und Early Stage Venture Capitalists. 12
10 Im Folgenden wird ein spezielles Modell betrachtet. Der Ablauf ist nicht streng sequentiell und die
genannten Investitionsvolumina nur als Richtwert zu betrachten. In der Praxis werden häufig Phasen
übersprungen, bzw. von Unternehmen niemals erreicht. Auch der Beginn einer Internationalisierung ist
branchen- und unternehmensabhängig und muss nicht zwangsläufig in der Expansionsphase 2 stattfin-
den.
11 Es handelt sich hierbei um das 6-Phasen Wachstumsfinanzierungsmodell aus Stadler Wilfried, Venture
Capital und Private Equity, Deutscher Wirtschaftsdienst, Köln, 2000, S. 33 ff
12 vgl. Taga Karim, Forstner Anton K., Erfolgreiche Unternehmensgründungen mit Venture Capital,
Wiley, Ulm, 2003, S. 101
16
1- Start-Up
Die Start-Up Phase ist die Gründungsphase eines Unternehmens. Das Investitionsvolumen beträgt in dieser Phase durchschnittlich 500.000 Euro, wobei der Betrag hier auch durchaus höher ausfallen könnte. Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn bereits andere Venture Capital Geber mitfinanzieren. 13 2- Early Stage
In dieser Phase wird das Unternehmen erstmals voll operativ tätig. Hier wird auf alle Fälle eine weitere Finanzierungsrunde nötig. Zwar werden in der Early Stage Phase meist erste Umsätze, nicht jedoch Gewinne erzielt und die Markteinführung und Produktion erfordern einen hohen Kapitalbedarf. Idealtypischerweise steigen in dieser Phase die Business Angels aus und überlassen den Venture Capitalists und CVC das Feld. 14 „Das typische Finanzierungsvolumen liegt nun bei ca. 1,5 Mio. Euro.“ 15 3- Second Stage oder Expansion 1
Das Unternehmen befindet sich in einer Expansionsphase, die üblicherweise von Venture Capital mitgetragen wird. Das unternehmerische Ziel dieser Phase ist es nachhaltig profitabel zu werden, nachdem zunächst die Gewinnzone erreicht wurde. Idealerweise beginnt das Management in der Expansionsphase das Unternehmen auf einen Börsengang beziehungsweise auf den Verkauf an einen strategischen Investor vorzubereiten. 4- Third Stage oder Expansion 2
Während in der ersten Expansionsphase die Eroberung des Heimmarktes angestrebt wurde, blickt das Unternehmen in dieser Phase über die Grenzen hinaus und setzt erste Internationalisierungsschritte. Da für die Bearbeitung neuer Märkte selbstverständlich auch ein großer Kapitalbedarf nötig ist, ist vor allem in dieser Phase eine neue Finanzie-
13 vgl.Oliver Grabherr, Hrsg. Stadler Wilfried, Beteiligungsfinanzierung- neues Chancenkapital für Un-
ternehmen, MANZ Wirtschaft, Wien 1999, S. 34
14 vgl. Taga Karim, Forstner Anton K., Erfolgreiche Unternehmensgründungen mit Venture Capital,
Wiley, Ulm, 2003, S. 103
15 Oliver Grabherr, Hrsg. Stadler Wilfried, Venture Capital und Private Equity, Deutscher Wirtschafts-
dienst, Köln, 2000, S. 35
17
rungsrunde nötig, die meistens von großen Private Equity Fonds, oft in Kombination mit Mezzanine Kapital getragen wird. 16 5- Fourth Stage oder Bridge (auch Pre-IPO-Stage)
Die Bridge-Phase erfüllt, wie der Name schon sagt, eine Überbrückungsfunktion. In dieser Phase wird in den meisten Fällen entschieden, ob ein Börsengang angestrebt wird oder nicht. Typische Pre-IPO-Investren sind Mezzanine-Finanzierungs-Gesellschaften oder Investmentbanken, die sich meistens zwischen 6 und 12 Monaten am Unternehmen beteiligen. 6- Börsengang (IPO)
Der IPO beendet idealerweise das geschäftliche Verhältnis zwischen Investor und Unternehmen. Es ist aber auch möglich, dass das Unternehmen an einen anderen Investor oder in seltenen Fällen an den Unternehmer selbst veräußert wird. In jedem Fall wird mit dem Exit die bisher erziele Unternehmenswertsteigerung realisiert. 7- Post-IPO-Phase
In dieser Phase sind in der Regel keinen gravierenden Wachstumssprünge mehr zu erwarten. Die Zielsetzung des Unternehmens wird von Grund auf neu überdacht. Da das Unternehmen an einem oder mehreren Aktienmärkten notiert ist, ändern sich auch die Anforderungen an das Unternehmen. Es ist nicht mehr das Ziel eine Steigerung des Unternehmenswertes zu erzielen, sondern das Hauptaugenmerk liegt nun auf den Investoren. Hohe Erträge sowie hohe Dividendenzahlungen werden durch Etablierung der Technologie am Markt und Internationalisierung des Unternehmens erreicht. In der folgenden Graphik werden die Unternehmensphasen und die passenden Investoren nochmals zusammengefasst:
16 vgl. Oliver Grabherr, Hrsg. Stadler Wilfried, Venture Capital und Private Equity, Deutscher Wirt-
schaftsdienst, Köln, 2000, S. 35
18
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Katharina Pieber, 2004, Venture Capital in Österreich und Deutschland - Probleme, Konflikte und Zukunftsprognosen, München, GRIN Verlag GmbH
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