Inhaltsverzeichnis
1. Die Welt im Sitzen erobern? 3
2. Ein kurzer Abriß der habsburgischen Geschichte 4
3. Friedrich III.: Die „Erzschlafmütze“ legt den Grundstein 5
habsburgischer Weltgeltung
3.1. Die schwere Hypothek: Friedrich III. und sein Mündel Ladislaus 5
5
3.1.1. Der Kampf um Österreich
8
3.1.2. Ein schwieriges Erbe: Böhmen und Ungarn
9
3.2. Tirol, die Vorlande und die Schweiz
11
3.3. Friedrichs Kirchenpolitik im Dienste des „Haus Österreich“
11
3.4. Ausgriff nach Westen: Die Habsburger und Burgund
4. Zum Begriff „Haus Österreich“ - das habsburgische 13
Selbstverst ändnis
5. Friedrich III.: Der dynastische Kolumbus des Hauses Habsburg 15
6. Literaturverzeichnis 16
2
1. Kann man die Welt im Sitzen erobern?
Wenige Kaiser sind von ihren Zeitgenossen und von späteren Historikern - zumindest bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts - so negativ beurteilt worden wie Friedrich III. War er ein melonenessender Phlegmatiker, der die Türen mit dem Fuß zuzustoßen pflegte, und ansonsten darauf wartete, daß seine Widersacher starben, also: Langlebigkeit als einziges Erfolgsrezept der Reichs-Erzschlafmütze? Auch der Ausspruch seines langjährigen Beraters Enea Silvio Piccolomini (später: Papst Pius II.) über Friedrich III., da wolle wohl einer die Welt im Sitzen erobern, scheint dieses Bild, das sich nach einer oberflächlichen Betrachtung Friedr ichs ergibt, zu bestätigen.
Bei gründlicherer Beschäftigung mit dem Habsburger entpuppt sich dieser Kaiser von der traurigen Gestalt als Zerrbild. Gerade für seine Dynastie kann Friedrich unbestreitbare Erfolge vorweisen. Deswegen will ich mich mit dieser Arbeit auf die Ergebnisse von Friedrichs Herrschaft für die Habsburger-Dynastie konzentrieren. Selbstverständlich sollte Friedrichs Handeln für das Haus Habsburg nicht losgelöst von dem seiner Vorgänger und auch dem seiner Nachfolger, hier insbesondere seines Sohnes Maximilian, betrachtet werden, aber aus praktischen Gründen beschränke ich mich auf die Regierungszeit und die Person Friedrichs III.. Er ist weder der Habsburger, derbildlich gesprochen - begonnen hat, das „Haus Österreich“ zu bauen, noch hat er den europäischen Durchbruch seiner Dynastie selbst miterlebt. Doch er ist es, der - um im Bild zu bleiben - das Dach des „Hauses Österreich“ gezimmert hat und die Weichen stellte für die neue europäische Großdynastie Habsburg.
Zu Beginn soll die Lage der Familie zu Friedrichs Regierungsantritt kurz skizziert werden, verbunden mit einem sehr knapp gefaßten Abriß der habsburgischen Geschichte seit Rudolf I. Danach möchte ich in thematischer Gliederung nach einzelnen Territorien beschreiben, wie sich Friedrich um die Wiedervereinigung bzw. Mehrung der Herrschaft des „Hauses Österreich“ bemüht. Dabei sollen folgende Fragen im Vordergrund stehen:
Welche Erfolge, aber auch welche Niederlagen waren unvermeidlich, besser gesagt: außerhalb Friedrichs Einflußmöglichkeiten angesiedelt, welche kann oder muß sich Friedrich als eigene Leistung bzw. Fehlleistung zuschreiben lassen? Konkret heißt das: Wie gelang Friedrich III. die Überwindung der Linienspaltung, die die Habsburger in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bis weit ins 15. Jahrhundert hinein geschwächt hattte? Aber auch: Wo mißlang ihm diese Einigung des „Hauses Österreich“? Wo sollten erst nachfolgende Generationen von seiner Politik profitieren? Und was bedeutete der Ausgriff der Habsburger auf Burgund, wie brachte Friedrich diesen „Griff nach der Weltmacht“ zustande?
In einem eigenen Kapitel gegen Ende möchte ich die begriffsgeschichtliche Entwicklung von „Haus Österreich“ untersuchen und darin auch kurz auf das habsburgische Selbstverständnis eingehen.
2. Ein kurzer Abriß der habsburgischen Geschichte bis 1439
Mit der Königswahl Rudolfs I. von 1273 mußte sich das habsburgische Expansionstreben vom Oberrhein weg verlagern und fand im siegreichen Kampf gegen Ottokar II. Przemysl um Österreich und die Steiermark ein neues Betätigungsfeld 1 . Dies war - zumindest im Ansatz - „die Neugründung einer Macht, die der untergegangenen staufischen gleich war, einer europäischen Großmacht, aber ohne [...] unheilvolle Rivalität mit der unbesiegbaren Universalmacht des Papsttums“ 2 . Schon Rudolfs Sohn Albrecht I. versuchte, die habsburgische Herrschaft auf Böhmen und Ungarn auszudehnen, wenn auch erfolglos. Sein früher, gewaltsamer Tod 1308 (Attentat durch seinen Neffen Johann Parricida) beendete seine hochfliegenden Pläne. 3
Das folgende 14. Jahrhundert war kein Jahrhundert der Habsburger. Es war bestimmt von ihrem Kampf gegen Wittelsbacher und Luxemburger. Die Niederlage Friedrichs „des Schönen“ gegen König Ludwig „den Bayern“ bedeutet für lange Zeit den Ausschluß von der Königswürde, auch eine erste Niederlage gegen die Eidgenossen erfuhren die Habsburger 1315 in der Schlacht von Morgarten. Auf regionaler Ebene konnten die Habsburger aber Erfolge verbuchen: Albrecht II. „der Lahme“ gewann 1335 Kärnten und Krain, sein Nachfolger Rudolf IV. „der Stifter“ konnte 1363 Tirol erwerben. Mit dem privilegium maius Rudolfs beginnt gleichzeitig die Überhöhung Österreichs und damit der Habsburger über die anderen Reichsfürsten hinaus - zum einen die Reaktion auf den entgangenen Kurfürstentitel, zum anderen ein indirekter Anspruch auf die Königs- und Kaiserwürde. 4 Trotzdem war Rudolf Realist genug, um den Ausgleich mit dem luxemburgischen Kaiser Karl IV. zu suchen. Das Ergebnis war ein Erbvertrag zwischen den Luxemburgern und Habsburgern bezüglich Böhmens sowie ein Vertrag zwischen den Habsburgern und den ungarischen Anjou 5 . Nach dem frühen Tod Rudolfs kam es 1379 trotz erlassenen Hausordnungen zur Linienspaltung der Habsburger in die Albertiner und die Leopoldiner, wobei sich letztere noch einmal in die tirolische und die innerösterreichische Line aufspalten sollten. Wegen seiner schmalen Hausmachtbasis stand die Herrschaft Albrechts II., der 1438 wieder die römisch-deutsche, aber auch die böhmische und die ungarische Königswürde erringen konnte, auf töneren Füßen. Hinzu kamen die massiven Herausforderungen und Probleme wie chronische Leere in den königlichen Kassen und der Kampf gegen äußere Feinde wie Hussiten und Türken. 6 Der trotz der sich auftürmenden Schwierigkeiten vielversprechende König Albrecht II. fiel aber schon 1439 im Kampf gegen die Türken.
1 Dort konnten „im Kampf gegen Ottokar das Reichsinteresse und das habsburgische Streben nach Erwerb einer
geschlossenen Territorialmacht in Einklang gebracht werden“, Wandruszka, Adam, Das Haus Habsburg.
Geschichte einer europäischen Dynastie, 2. Ergänzte und verbesserte Auflage, Stuttgart 1956, S. 55.
2 Rill, Bernd, Friedrich III. Habsburgs europäischer Durchbruch, Graz, Wien, Köln 1987, S.11.
3 Vgl. ebenda, S. 11-14.
4 Vgl. ebenda, S. 15 f.
5 „Dabei sah es nach dem damaligen Stand der Dinge eher so aus, als könnten die Luxemburger gegenüber den
Habsburgern von dieser Regelung profitieren“; Wandruzska, S. 137.
6 Vgl. Krieger, Karl-Friedrich, Die Habsburger im Mittelalter.Von Rudolf I. bis Friedrich III., Stuttgart, Berlin,
Köln 1994, S.164.
4
3. Friedrich III.: Die „Erzschlafmütze“ legt den Grundstein
habsburgischer Weltgeltung
3.1. Die schwere Hypothek: Friedrich III. und sein Mündel Ladislaus
Nach dem Tod Albrechts II. 1439 wurde Herzog Friedrich V. 7 als ältester männlicher Habsburger zum Senior des Hauses Österreich und wollte deswegen die vorläufige Regentschaft in den albertinischen Ländern und in Tirol antreten. Dies führte zu einem ersten Konflikt mit seinem jüngeren Bruder Albrecht VI. Während Friedrich auf den Senioratsgedanken im privilegium maius pochte, argumentierte Albrecht auf der Basis früherer Familien- und Teilungsverträge, nach denen der jüngere Bruder grundsätzlich gleichberechtigt war 8 . Die österreichischen Stände sprachen sich für Friedrich aus, als aber die Witwe Albrechts 1440 die Interessen ihres Sohnes Ladislaus Postumus in Ungarn und Böhmen von Friedrich nicht deutlich genug vertreten sah, übertrug sie die Vormundschaft auf Albrecht VI., womit der Bruderstreit wieder aufflammte. Erst 1443 gelang ein Ausgleich zwischen Friedrich V. und Albrecht VI., der eine Aufteilung der Herrschaft vermied, Albrecht aber die Einkünfte aus Innerösterreich für die Dauer zweier Jahr zusprach. 9 Bald wurde klar, daß Friedr ich III. „mit der Vormundschaftsführung über den jungen Erben Albrechts II. eine schwere Hypothek übernommen hatte“ 10 . Noch weit über die Lebenszeit Ladislaus‘ (+ 1457) hinaus sollten die Konflikte um Österreich, Ungarn und Böhmen die Regierungszeit Friedrichs III. (1439-1493) prägen.
3.1.1. Der Kampf um Österreich
Zeitlebens hatte Friedrich ein distanziertes Verhältnis zu den Österreichern, die ihn als Steirer mißachteten 11 . Ein erster schwerer Konflikt mit den österreichischen Ständen trat auf dem Landtag von 1441 im Wiener Augustinerkloster auf. Wegen ausstehender Soldzahlungen an Truppen, die noch Albrecht II. ausgehoben hatte, bedrängten die ständischen Vertreter ihren Landesherrn in einer wüsten Szene, in der sie ihn als König der Juden beschimpften und Kreuziget ihn! gerufen wurde. Dieser für Friedrich III. „beschämende Vorgang [...] wirft ein bezeichnendes Licht auf den erschreckenden Autoritätsverlust, den der Habsburger sowohl als römisch-deutscher König als auch als Senior des Hauses Österreich [...] zu diesem Zeitpunkt bereits erlitten hatte“ 12 . Zum nächsten, noch weit schwereren Zusammenstoß mit den österreichischen Ständen kam es, als diese forderten, Ladislaus solle in Wien und nicht in Wiener Neustadt, am Hof Friedrichs, aufgezogen werden. Die Weigerung Friedrichs stärkte einer ständischen Oppositionsbewegung um Ulrich Eytzinger von Eytzing den
7 Zur Zählweise: Als Habsburg war Friedrich der fünfte seines Namens, als römischer König zählte er sich aber
als Friedrich III.
8 Vgl. ebenda, S. 173f.
9 Vgl. ebenda, S. 175.
10 Ebenda, S. 177.
11 Hödl, Günther, Habsburg und Österreich 1273-1493. Gestalten und Gestalt des österreichischen
Spätmittelalters, Wien, Köln, Graz 1988, S. 203.
12 Vgl. Krieger, a.a.O., S.178.
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Arbeit zitieren:
Martin Bauch, 2000, Friedrich III. - Der Vollender des Hauses Österreich und Habsburgs Durchbruch als europäische Großdynastie, München, GRIN Verlag GmbH
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