Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1. Fragestellung Vorgehen 4
1.2. Forschungsstand 5
2. Methodische Anmerkungen 6
2.1. Prosopographie in der Mediävistik 6
2.2. Proble me und Grenzen der Prosopographie 8
2.3. Datenerhebung für diese Arbeit 9
3. Die beobachteten Personengruppen 10
3.1. Familienangehörige des Bischofs 10
3.2. Die bischöfliche Kurie 15
3.2.1. Die Offiziale 15
3.2.2. Die Generalvikare 16
3.2.3. Die bischöflichen Notare und Protonotare 17
3.2.4. Die Knappen am bischöflichen Hof 18
3.2.5. Tendenzen 19
3.3. Der Diözesanklerus 20
3.3.1. Die Pröpste 20
3.3.2. Die Pfarrer 21
3.3.3. Die Altaristen 22
3.3.4. Tendenzen 23
3.4. Die Mitglieder des Domkapitels 24
3.4.1. Die Dompröpste 24
3.4.2. Sonstige Domherren 26
3.4.3. Tendenzen 26
3.5. Querverbindungen zwischen den untersuchten Gruppen 27
4. Vergleich zu anderen Bistümern 28
5. Resümee 29
6. Literatur- und Quellenverzeichnis 30
6.1. Literatur 30
6.2. Quellen 32
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1. Einleitung
Aus meinem Werkvertrag über die Erstellung von Regesten zu verschiedenen brandenburgischen Bischöfen des 14. Jahrhunderts wollte ich weiteren Nutzen ziehen als allein die finanzielle Entlohnung. Einige Vorarbeiten zu meinem Referat im Hauptseminar „Glaube und Macht: Bischöfe als Landesherrn“, die auf den entstandenen Regesten basierten, haben mich auf den Geschmack gebracht, einen mir bisher unbekannten methodischen Ansatz zu wählen: die Prosopographie. Schließlich versprach diese Methode nicht weniger als „die Analyse der sozialen und wirtschaftlichen Affiliationen politischer Gruppierungen, die Aufdeckung der Funktionsweise eines politischen Apparats und die Identifizierung jener, die die Hebel bedienen.“ 1 Diese Methode schien eine gangbare Möglichkeit zu sein, mit den vielen Personen umzugehen, die mir in den Zeugenlisten der bischöflichen Urkunden wieder und wieder begegnet waren. Je öfter mir ein bestimmter Name begegnete, desto mehr drängte sich mir die Vermutung auf, dass die Person in einem besonderen Verhältnis zum jeweiligen Bischof stehen könnte. Dieser Vermutung musste wissenschaftlich untermauert oder widerlegt werden.
Im übrigen habe ich während meines Praktikums am Deutschen Historischen Institut in Rom auch einige Zeit für Andreas Rehberg gearbeitet, der selbst prosopographisch über die Kapitel von S. Giovanni in Laterano und S. Maria Maggiore in Rom gearbeitet hat. 2 Ihn habe ich mehrfach ins Kapitolinische Archiv begleitet und Zuarbeiten zum Repertorium Germanicum erledigt. Zwar hat der Kampf gegen spätmittelalterliche Notarshandschriften meine Energie fast gänzlich absorbiert, aber es blieb ein Interesse für diese etwas Furcht einflößende, weil so endlos scheinende Arbeit, die Gesamtheit einer Personengruppe zu erfassen und alles über sie zusammenzutragen, was nur zu finden ist. Lawrence Stone hat in seiner durchaus wohlmeinenden Vorstellung der Prosopographie als Methode diese psychologische Motivation boshafter gefasst: „...diese besessenen Sammler biographischer Informationen [gehören] zur selben Kategorie von Anal -Erotikern wie Schmetterlings-, Briefmarken- oder Zigarettenschachtelsammler; alle sind Nebenprodukte der protestantischen Ethik.“ 3 Zum einen und in erster Linie gilt es also in dieser Arbeit mit einem prosopographischen Ansatz den Bischöfen von Brandenburg und den mit ihnen verflochtenen Personengruppen näher zu kommen und sie so endlich besser fassen zu können. Zum anderen soll bewiesen werden, dass man für prosopographische Studien weder anal-erotischer Briefmarkensammler noch Protestant sein muss.
1 Vgl STONE, LAWRENCE , Prosopographie - englische Erfahrungen, in: Jarausch, Konrad H. (Hg.), Quantifizierung in der Geschichtswissenschaft. Probleme und Möglichkeiten, Düsseldorf 1976, S. 64-97 (im Original: STONE, LAWRENCE, Prosopography, in: Daedalus 100 (1971), S. 46-79) (künftig zitiert als: Stone).
2 Vgl. REHBERG, ANDREAS, Die Kanoniker von S. Giovanni in Laterano und S. Maria Maggiore im 14. Jahrhundert. Eine Prosopographie, Tübingen 1999 (Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom, 89) (künftig zitiert als: Rehberg).
3 Stone, S. 67.
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1.1. Fragestellung & Vorgehen
Diese Arbeit soll klären, wie sich die unmittelbare Umgebung der Brandenburger Bischöfe im 14. Jahrhundert zusammensetzte und im Laufe dieser Zeit entwickelte, d.h. wie sich die personelle Verflechtung mit der Person des Bischofs als Bindeglied darstellte. Dazu werden Personengruppen wie die Familie des entsprechenden Bischofs, das Domkapitel, die bischöfliche Kurie und im weiteren Sinn der Klerus der Diözese ins Auge gefasst und ihre wechselnden Beziehungen zum Bischof analysiert: Welche Gruppen bindet der Bischof an sich, welche fördert er, kann man Karrierewege innerhalb des Bistum verfolgen, die vielleicht auf bischöflichen Einfluss zurückzuführen sind? Lassen sich Aussagen z.B. über eine zunehmende Akademisierung des ‚Führungspersonals’ der Diözese treffen? Oder entscheidet Familienzugehörigkeit? Dazu habe ich Personenlisten auf der Basis eines prosopographischen Ansatzes erstellt (vgl. Kap. 2.3., Datenerhebung).
Der Untersuchungszeitraum umfasst die Zeit von 1327 bis 1393 und damit die Episkopate von Bischof Ludwig von Neindorf (1327 bis 1347), Bischof Dietrich (I.) Kothe (ca. 1349 bis 1364) und Bischof Dietrich (II.) von der Schulenburg (1365 bis 1393). Die Beschränkung auf diesen Zeitraum ist aus praktischen Gründen gewählt - mehr konnte ich an Arbeitsaufwand nicht bewältigen -, aber auch aus dem Gedanken heraus, dass in diesen Zeitraum verschiedene einschneidende Ereignisse fallen: Die schleichend beginnende Landsässigkeit des Bistums 4 , die Anfänge Ziesars als bischöfliche Residenz 5 und die turbulente Zeit wittelsbachischluxemburgischer Landesherrschaft in der Mark Brandenburg zwischen Askaniern und Hohenzollern.
In einem ersten Teil soll die Prosopographie als mediävistische Methode beleuchtet werden und ihre Möglichkeiten und Grenzen im Allgemeinen wie im besonderen Fall, dem Gegenstand meiner Untersuchung, dargestellt werden. Ausführlich soll erläutert werden, wie die Daten für diese Untersuchung erhoben wurden.
Nach der Methodendiskussion werde ich die Ergebnisse für die genannten Personengruppen präsentieren und in einem eigenen Unterpunkt Querverbindungen zwischen den Gruppen suchen. Soweit möglich, soll ein Vergleich mit anderen Bistümer im Reich angestellt werden, um die Ergebnisse für Brandenburg als Regel oder Ausnahme einordnen zu können. Im Ergebnis sollen die Erkenntnisse wenn nötig resümiert werden und in ihrer Aussagekraft kritisch eingeschätzt werden.
4 Vgl. MORAW, PETER, Dietrich II. von der Schulenburg, in: LexMA Bd 3, Sp. 1025 (künftig zitiert als: Moraw).
5 Vgl. ABB, GUSTAV UND WENTZ, GOTTFRIED, Das Bistum Brandenburg, T. 1, Berlin 1929, ND 1963 (Germania Sacra 1,1), S. 18 (künftig zitiert als: GS 1/1); Vgl. KURZE, DIETRICH, Ludwig von Neindorf: Bischof von Brandenburg 1327 bis 1347, in: KURZE, DIETRICH, Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte. Neun ausgewählte Beiträge, hg. v. MARIE-LUISE HECKMANN, SUSANNE JENKS U. STUART JENKS, Berlin 2003 (Bibliothek der Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, 9), S. 337-380, hier: S. 367 (künftig zitiert als: Kurze 2003).
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1.2. Forschungsstand und Quellen
Prosopographische Untersuchungen zum Bistum Brandenburg existieren nicht. Mit einer Bischofsliste und Personenlisten des Domkapitels bzw. Listen von Angehörigen der bischöflichen Kurie (Offiziale, Generalvikare, Notare) wartet der unentbehrliche Germania -Sacra-Band zum Bistum Brandenburg 6 auf. Dort sind auch Listen der Pfarrer der bischöflichen Patronatskirchen im Bistum aufgeführt. Damit kommen Abb/Wentz den Anforderungen einer prosopographischen Untersuchung entgegen, natürlich ohne ausdrücklich einen solchen Ansatz zu verfolgen. Die Datenbasis musste also im Wesentlichen neu erarbeitet werden (dazu mehr im Kapitel 2.3. Datenerhebung für diese Arbeit). Als ‚Steinbruch’ wurden dafür der Codex Diplomaticus Brandenburgensis von Adolph Friedrich Riedel 7 , der Codex Diplomaticus Anhaltinus 8 und die Regesten der Urkunden im Domarchiv Brandenburg von Wolfgang Schößler 9 genutzt. Damit sind die wesentlichen Quelle neditionen für die Geschichte des Bistums Brandenburg ausgewertet worden. Trotzdem ist die Quellenlage mehr als dürftig. Dies liegt sicherlich an der bekannten Quellenarmut für das ostelbische Mittelalter allgemein, und ganz besonders für das Bistum Brandenburg. Insbesondere das bischöfliche Archiv ist kaum mehr vorhanden. 10 Mit den Bischöfen Dietrich II. von der Schulenburg und Ludwig von Neindorf sind immerhin zwei der besser dokumentierten Brandenburger Bischöfe im 14. Jahrhundert Gegenstand der Untersuchung geworden. Trotzdem kann ein solch reduzierter Quellenbestand keine statistisch belegten Ergebnisse zeitigen, sondern bestenfalls Tendenzen aufzeigen. Was die untersuchten Bischöfe angeht, so hat sich Dietrich Kurze in einem Aufsatz mit Ludwig von Neindorf beschäftigt 11 , und Dietrich II. von der Schulenburg ist Gegenstand einer älteren Dissertation von Ludwig Köhler 12 . Bischof Dietrich I. Kothe hat bisher noch keine wissenschaftliche Zuwendung erfahren, wenn man von den wenigen Zeilen in der Bischofsliste von Abb/Wentz 13 absieht. Diese Einzeluntersuchungen der Bischöfe sind zur Einordnung der Ergebnisse ebenso notwendig wie der Gesamtüberblick Dietrich Kurzes über
6 Vgl. GS 1/1.
7 Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Geschichtsquellen für die Geschichte der Mark Brandenburg, hg. Von ADOLPH FRIEDRICH RIEDEL, 1.-4. Hauptteil, 41 Bde., Berlin 1838-1869 (künftig zitiert als: CDB mit Teil, Band, Seite, Nr. der Urkunde, z.B. CDB I 10, S. 41, Nr. 2).
8 Codex diplomaticus Anhaltinus, bearb. v. OTTO V. HEINEMANN, 6 Bde. Dessau 1867-1883 (künftig zitiert als: CDA).
9 Regesten der Urkunden und Aufzeichnungen im Domstiftsarchiv Brandenburg, T. 1: 948-1487, bearb. v. WOLFGANG SCHÖßLER, Weimar 1998 (Veröff. d. Brandenburgischen Landeshauptarchivs, 36) (künftig zitiert als: Schößler).
10 Vgl. GS 1/1, S. 1.
11 Kurze 2003; vgl. auch: Kurze, Dietrich, Ludwig von Neindorf, Bischof von Brandenburg, in: LexMA Bd 5, Sp. 2201, CD-ROM -Ausgabe 2000 (künftig zitiert als: Kurze 2000).
12 KÖHLER, LUDWIG, Dietrich von der Schulenburg, Bischof von Brandenburg, Univ. Diss., Halle-Wittenberg 1911 (künftig zitiert als: Köhler); vgl. auch Moraw.
13 Vgl. GS 1/1, S. 40.
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die Kirchengeschichte Brandenburgs während des wittelsbachisch-luxemburgischen Interregnums 14 . S ehr ergiebig war auch das genealogische Werk von Johann Friedrich Danneil zur Familiengeschichte derer von der Schulenburg 15 wie die etwas jüngeren drei Bände von Georg Schmidt 16 , das die Zuordnung der Verwandten ermöglichte 17 . Eine Gesamtdarstellung der Geschichte des Bistums Brandenburg bietet, neben dem Germania -Sacra-Band von Abb/Wentz, noch Fritz Curschmann 18 , der sich aber zeitlich auf das Hochmittelalter beschränkt und so wenig zu meiner Fragestellung beitragen konnte.
2. Methodische Anmerkungen
Im folgenden ist zu klären, was eigentlich eine Prosopographie ist, wie sie bisher in der mediävistischen Forschung angewandt worden ist und wo ihre Stärken und Schwächen liegen. In einem letzten Punkt will ich erklären, wie ich die prosopographischen Notizen für diese Arbeit angefertigt habe.
2.1. Prosopographien in der Mediävistik
‚Prosopographie’ und ‚Personenforschung’ werden oft gleichberechtigt benutzt. Die beiden Begriffe sind aber keine Synonyme und deuten so schon die Schwierigkeiten an, die sich bei Versuch der Definition von ‚Prosopographie’ ergeben. Die Sektion auf dem Historikertag von 1974 hat versucht, ‚Prosopographie’ als „Sammlung und Verzeichnis aller Personen eines nach Raum und Zeit abgesteckten Lebenskreises“ 19 zu definieren. Im Gegenzug sollte der von Gerd Tellenbach geprägte Begriff ‚Personenforschung’ die „Auswertung prosopographischen Materials nach unterschiedlichen Gesichtspunkten historischer Interpretation“ 20 bedeuten. Diese terminologische Trennung scheint auf den ersten Blick sauber und logisch - hier die
14 KURZE, DIETRICH, Das Mittelalter. Anfänge und Ausbau der christlichen Kirche in der Mark Brandenburg (bis 1535), in: Tausend Jahre Kirche in Berlin-Brandenburg, hrsg. v. GERD HEINRICH, mit Beiträgen von Peter Buhl, Berlin 1999, S. 15-146, besonders: S. 63-79 (künftig zitiert als: Kurze 1999).
15 Vgl. Danneil, Johann Friedrich, Das Geschlecht der von der Schulenburg, 2 Bd.e, Salzwedel 1847 (künftig zitiert als: Danneil).
16 Schmidt, Georg, Das Geschlecht von der Schulenburg, 3 Bd.e, Beetzendorf 1899 (künftig zitiert als: Schmidt).
17 Enttäuschend, weil nur eine sehr knappe Nacherzählung der alten, aber umfangreichen Werke zu den Schulenburgs war: VON DER SCHULENBURG, DIETRICH WERNER; WÄTJEN, HANS, Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg. 1237 bis 1983, Wolfsburg 1984.
18 Curschmann, Fritz, Die Diözese Brandenburg. Untersuchungen zur historischen Geographie und Verfassungsgeschichte eines ostdeutschen Kolonialbistums, 2 Bd.e, Leipzig 1906 (künftig zitiert als: Curschmann).
19 Jürgen Petersohn, zitiert nach: Bulst, S. 471, Anm. 22.
20 Ebenda.
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Sammlung des Materials, dort die Interpretation desselben. Ernste Bedenken ergeben sich aber nicht nur aus einer internationalen Perspektive - weder die englische noch die französische Geschichtswissenschaft können, rein sprachlich, eine solche Trennung mit gehen -, sondern vor allem aus der Annahme, es ließe sich die Materialsammlung so säuberlich von den Fragen trennen, die der Historiker dem Material anschließend stellen will. 21 Diese Fragen bestimmen, und so war es auch meine Erfahrung beim Zusammenstellen meiner Listen, ganz wesentlich die Auswahl der Daten. Das Problem des Historikers, der mit alten prosopographischen Katalogen arbeitet, ist ja gerade, dass die Kriterien, nach denen diese Kataloge erstellt wurden, oft nicht klar definiert sind. Damit ist z.B. nicht zu erkennen, ob Lücken in einem solchen Katalog auf mangelhafte Überlieferung oder ein anders definiertes Auswahlinteresse zurückzuführen sind.
Insgesamt lässt sich sagen: Eine prosopographische Sammlung beantwortet zuverlässig nur die Fragen, für die sie geschaffen wurde. Eine terminologische Trennung von Materialsammlung und -interpretation ist deswegen nicht angebracht. ‚Prosopographie’ ist als alleiniger Begriff beizubehalten.
Im Gegenzug muss der Begriff relativ weit definiert werden. Lawrence Stone hat das überzeugend geleistet:
„Prosopography is the investigation of the common background characteristics of a group of actors in history by means of a collective study of their lives.“ 22 Damit wird klar, dass das Interesse am Individuum in seinem Verhältnis zur Gesamtheit der untersuchten Personengruppe gründet. Es kommt also auf ein gemeinsames Kriterium an, dass alle untersuchten Personen an einander bindet. Als Methode soll die Prosopographie „das Individuum in seinen Bezügen, die Einbindung in die Gruppe und deren soziale Struktur sichtbar [...] machen, also über Ermittlung von [beispielsweise] Herkunft, Besitzbildung, Konfession und persönlichem Umfeld das Gefüge von Gruppen [...] erfassen.“ 23 Als großer Vorteil der Prosopographie lässt sich also nennen, dass politische und soziale Strukturen, Kontinuität und Diskontinuität, Aufstieg und Fall politischer Systeme, soziale Mobilität, etc. sich kaum analysieren lassen, ohne die Personen zu untersuchen, die diese Phänomene ausmachen. Und erst ein Blick, der über den Einzelfall hinausgeht, ermöglicht fundierte Aussagen über die oben genannten Erscheinungen. Individuen, die sich Wirkungskreis mehrer Gruppen aufhielten, geben dem Historiker erst die Gelegenheit, Aussagen über das Verhältnis zwischen diesen Gruppen zu treffen. 24
21 Vgl. Bulst, S. 473.
22 Stone, im englischen Original, S. 46.
23 SCHULZ, KNUT , Rückblick und Ausblick nach 125 Jahren Herold, in: Vierteljahrsschrift Herold N.F. 14 (1994), S. 217f..
24 Vgl. Bulst, S. 479.
7
2.2. Probleme und Grenzen der Prosopographie
Bei allen Möglichkeiten der Prosopographie sollte der Historiker nicht glauben, durch sie einen besonders unverfälschten, direkten Zugang zu bestimmten Aspekten der historischen Realität zu bekommen. 25 Werner Eck hat fünf Punkte herausgearbeitet, die Probleme und Grenzen der Prosopographie aufzeigen 26 . Als Althistoriker hat er diese grundlegenden Folgerungen über Verwendung und Auswertung prosopographischen Quellenmaterials zwar an antiken, römisch-kaiserzeitlichen Prosopographien demonstriert, aber vier seiner generellen Einwände gelten ebenso für die mittelalterliche Geschichte 27 :
• Fraglich ist immer die Repräsentativität des prosopographisch ausgewerteten
• Die zufällige Häufung einiger Phänomene verleitet schnell zur Annahme falscher
• Wichtig ist es, die Ergebnisse der Prosopographie immer in einen angemessenen
• Das Quellenmaterial ist darauf hin zu überprüfen, ob es in seiner Eigenart
25 Vgl. ECK, WERNER, Überlieferung und historische Realität, in: Prosopographie und Sozialgeschichte: Studien zur Methodik und Erkenntnismöglichkeit der kaiserlichen Prosopographie, hg. v. Werner Eck, Köln 1993, S.365-396 (künftig zitiert als: Eck), hier: S. 365.
26 Vgl. ebenda, S. 395f..
27 Zu ganz ähnlichen Einschränkungen kommt : FREED, JOHN B., The prosopography of ecclestiastical elites: some methodological considerations from Salzburg, in: Medieval prosopography 9/1 (1988), S.
33-59 (künftig zitiert als: Freed).
28 Vgl. ebenda, S. 396.
29 Vgl. Bulst, S. 480f.
30 Vgl. Freed, S. 38.
31 Vgl. Bulst, S. 480.
32 Vgl. Eck, S. 396.
33 Vgl. Freed, S. 52.
34 Vgl. Bulst, S. 481.
35 Vgl. Eck, S. 396.
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Martin Bauch, 2004, Die personelle Verflechtung der Bischöfe vonBrandenburg im 14. Jahrhundert. Eine prosopographische Beobachtung, München, GRIN Verlag GmbH
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