Inhalt
1. Einleitung. 1
2. Die Frontier-These Frederick Jackson Turners. 1
2.1. Arten der frontier. 2
2.2. Bedeutung der frontier für die amerikanische Geschichte. 4
3. Charles A. Beard's ökonomische Interpretation
der amerikanischen Verfassung. 6
3.1. Arten des Eigentums und Eigentumsinteressen. 7
3.2. Folgerungen. 9
4. Die Gesamtkonzeption der Progressive History. 11
4.1. 'Progressive History, Present and Reform' 13
5. Zusammenfassung. 15
6. Literatur 16
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1. Einleitung
Die Art der Geschichtsschreibung wirft auch stets ein Bild auf die Gegenwart, ja sie ist gar eine Reflexion dieser. Wie etwa über die DDR-Geschichte geschrieben wird, spiegelt die Gegenwart des vereinten Deutschland wider. Die amerikanische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts ist eine sehr unwissenschaftlich betriebene. Sie erzählt eher Geschichten als Geschichte, glorifiziert Einzelpersonen und Einzelereignisse, reißt Fakten aus den historisch-sozialen Zusammenhängen und ist damit also eher eine Geschichtsunwissenschaft als eine Geschichtswissenschaft.
Mit der Rationalisierung und 'Verwissenschaftlichung' der Welt im ausgehenden 19. Jahrhundert ändert sich dies. Es beginnt sich eine an wissenschaftlichen Kriterien ausgerichtete amerikanische Historiographie herauszubilden, die Progressive History.
In dieser Hausarbeit soll diese neue Art der Geschichtsschreibung vorgestellt werden. Zu diesem Zwecke werden in den ersten beiden Teilen der Hausarbeit zwei bedeutende Historiker mit ihren jeweils wichtigsten Arbeiten vorgestellt werden. Zum einen Frederick Jackson Turners Frontier-These, zum anderen Charles A. Beards ökonomische Interpretation der amerikanischen Verfassung. Beide werden eng an den Originaltexten vorgestellt werden, um eine möglichst exakte Darstellung der Theorien bieten zu können.
Im dritten Teil der Hausarbeit werde ich dann generell auf das Wesen der Progressive History eingehen und hinterfragen, welches Geschichtsverständnis ihr zugrundeliegt.
2. Die Frontier-These Frederick Jackson Turners
Seit der 'Entdeckung' Amerikas durch Columbus (eine Entdeckung war es ja wohl nur aus zeitgenössisch-europäischer Sicht) im Jahr 1492 und dem Beginn der europäischen Besiedlung des amerikanischen Kontinentes seit dem 17. Jahrhundert war eine zentrale Frage diejenige nach Gebieten der Zivilisation und jenen der Wildnis. Die europäische Besiedlung des nordamerikanischen Kontinentes erfolgte
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aus dem Osten heraus. Dabei galten die bereits von Europäern besiedelten Gebiete als Zivilisation, die unbesiedelten als Wildnis, unabhängig davon, daß eine indianische Zivilisation in dieser Wildnis lebte. Die Grenze zwischen europäisch empfundener Zivilisation und Wildnis wurde und wird als frontier bezeichnet. Als Reaktion auf die offizielle Erklärung im Jahre 1890, es gebe keine frontier mehr, begann Frederick Jackson Turner, sich Anfang der 1890er Jahre mit der Bedeutung der frontier für die US-amerikanische Geschichte zu befassen. Ergebnis dieses Prozesses ist der 1893 erschienene Aufsatz "The Significance of the Frontier in American History" 1 . Dieser Aufsatz stellt den ersten ernst zu nehmenden Versuch in der amerikanischen Historiographie dar, die amerikanische Geschichte unter geopolitischen Gesichtspunkten zu untersuchen; eben zu fragen, welche Einflüsse die enorme Weite des Landes, der Drang zur Expansion, die Notwendigkeit des Abringens von Land aus den Fängen der Wildnis auf die Geschichte der USA, aber auch deren Psyche, hatte.
2.1. Arten der frontier
Zunächst liegt es nahe, bei einer geopolitischen und geosozialen Untersuchung geographische Kriterien festzulegen. Es ist zu überprüfen, welche geographischen Gegebenheiten vorzufinden sind und inwieweit solche Erscheinungsformen das Besiedlungsverhalten der europäischen Einwanderer begünstigten, erschwerten, bzw. generell beeinflußten.
Verglichen mit den Heimatländern der europäischen Immigranten fällt in Bezug auf Nordamerika natürlich zunächst die enorme Weite des Landes auf. Noch heute empfinden es die Europäer als weite Distanz, wenn man von Boston nach Florida reist. In vorindustrieller Zeit müssen viele Reise- und Kommunikationswege geradezu als unüberbrückbar empfunden worden sein. 1789 fanden sich also 13 Staaten in einer Konföderation wieder, deren geographisches Ausmaß die damalige europäische Karte nicht kannte.
Nach der Besiedlung des Ostküstengebietes stellte sich den Europäern die erste physische Herausforderung entgegen, das Mittelgebirge der Appalachen. Diente es womöglich eine zeitlang als teilweiser Schutz vor den Ureinwohnern, war es doch
1 Turner, Frederick Jackson: The Significance of the Frontier in American History. In: Turner, Frederick Jackson, 1861-1932: rereading Frederick Jackson Turner: "The Significance of the frontier in American History", and other
essays. with commentary by John Mack Faragher. New York 1994. S.31-60.
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stets auch Hindernis bei der Eroberung des Landes. Waren die Appalachen erst einmal überwunden, standen die Weiten der amerikanischen Steppenzone zur Besiedlung offen. Hier existierten nur die großen Ströme als natürlich Barrieren, besonders der Mississippi als Nord-Süd-Barriere und der Missouri als Ost-West-Barriere. Als letzte, aber wahrscheinlich im wahrsten Sinne des Wortes höchste Hürde stellten sich die Rocky Mountains den Siedlern in den Weg. Waren sie erst überwunden, lag den Siedlern der Pazifik zu Füßen und die Besiedlung von Ost- zu West-Küste war erreicht. Zweifelsohne kann aber angenommen werden, daß später zunächst eine intensivere Besiedlung der Westküste stattfand und erst dann eine 'Zivilisierung' des westlichen Binnenlandes erfolgte. Neben geographischen Faktoren, die eine Grenze bildeten, gab es auch soziale Faktoren, nach denen man eine frontier beschreiben kann. Denn immer dann, wenn ein bestimmtes Gebiet von einer bestimmten sozialen Gruppe besiedelt war, kann man von einer sozialen frontier sprechen.
Die Besiedlung freien Landes, oder zumindest als frei empfundenen Landes, folgte einem bestimmten Schema, das hier im folgenden erläutert werden soll: Die Besiedlung von Land durch Angehöriger bestimmter Wirtschaftszweige wie Farmer, Jäger, Pelzhändler etc. richtete sich verständlicherweise nach natürlichen Gegebenheiten. Die Farmer suchten fruchtbares Land und die Jäger ergiebige Jagdgründe. Außerdem folgte die Besiedlung des Westens einem sozialem Muster nach Einkommensklassen.
Als erstes kamen Abenteurer, denen nicht viel an einem geregelten Leben in der 'Zivilisation' lag. Sie waren die Ersten, die das Land erkundeten und in Anspruch nahmen. Dann kam die Gruppe der 'pioneers'. Sie begannen, das Land im eigentlichen Sinne zu besiedeln. Dabei war es "quite immaterial whether he ever becomes the owner of the soil. He is the occupant for the time being, pays no rent, and feels as independant as the 'lord of the manor'." 2 Er baut sich eine Hütte, bestellt das Land, sammelt um sich andere, möglicherweise ähnlich gesinnte und wird somit vielleicht zum Zentrum einer neuen Stadt. Er behält immer seinen Planwagen. Denn wird es ihm zu eng, oder bietet ihm jemand Geld für das von ihm Geschaffene, so zieht er einfach weiter und beginnt die Westbesiedlung von neuem.
2 Turner: Frontier. S.45.
Arbeit zitieren:
Andreas Braune, 2002, American Progressive History - Beispiele zweier Vertreter (Beard, Turner), München, GRIN Verlag GmbH
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