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1. Einleitung. 1
2. Der Verlauf der Befreiungskriege 1813. 2
2.1. Die Vorbereitungsphase vom 30.12.1812 bis 27./28.02.1813. 2
2.2. Der Frühjahrsfeldzug 1813. 5
2.3. Dritte Phase: Diplomatische und militärische Vorbereitungen des weiteren
Krieges. 6
2.4. Der Herbstfeldzug 1813. 7
3. Die Befreiungskriege in der deutschen Historiographie und Öffentlichkeit. 9
3.1. Der liberal-reformerischer Ansatz. 9
3.2. Der radikal-demokratische Ansatz. 10
3.3. Der monarchisch-konservativer Ansatz. 12
3.4. Der marxistisch-leninistische Ansatz der DDR. 13
3.5. Der national-liberale Ansatz der BRD. 13
4. Fazit: Plädoyer für eine europäische Historiographie. 14
5. Literaturverzeichnis 15
1
1. Einleitung.
Wie definiert sich eine Nation selbst? Diese Frage steht seit geraumer Zeit im Raum und kann hier auch nicht endgültig beantwortet werden. Aber eine Herangehensweise ist hier relevant, nämlich, daß sich eine Nation u.a. auch durch die Abgrenzung nach außen, also gegenüber anderen Nationen definiert. Dies setzt aber eine Unabhängigkeit gegenüber anderen Nationen voraus, eine eigene Souveränität also. War dies nicht gegeben, so war es in der Geschichte üblich, sich diese Unabhängigkeit zu erkämpfen.
Nun, 1813 gab es bekanntlich keinen deutschen Nationalstaat und es sollte ihn auch für die nächsten 58 Jahre nicht geben. Jedoch scheinen diverse Faktoren, wie etwa der Umgang mit den Befreiungskriegen in der deutschen Geschichtsschreibung, dafür zu sprechen, daß die Befreiungskriege 1813 am Anfang der nationalen Entwicklung Deutschlands im modernen nationalstaatlichem Sinne stehen.
In dieser Hausarbeit soll es demnach weniger um die exakte Untersuchung des militärischen Verlaufs der Befreiungskriege gehen, als vielmehr um die Untersuchung der Entwicklungen vor ihrem diplomatischen, politischen und militärischen Hintergrund. Im zweiten Abschnitt soll es dann darum gehen zu untersuchen, wie die Befreiungskriege im Geschichtsbild der Deutschen weiterlebten, wie sie etwa gedeutet, instrumentalisiert, ja sogar mystifiziert wurden.
An dieser Stelle tritt die Frage nach der Qualität der bisher erschienenen Forschungsbeiträge auf. Hierbei eröffnet sich eine paradoxe Situation. Einerseits existiert eine Unmenge an Werken, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen, andererseits ist der Großteil dieser Arbeiten für eine objektive Auseinandersetzung mit diesem Thema wertlos. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zwar waren die Befreiungskriege bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts hinein ein äußerst beliebtes Feld von Historikern, doch weisen diese Arbeiten einen so national gefärbten Charakter auf, daß sie wenig brauchbar sind. In der BRD schwand dann zunehmend das Interesse an diesem Thema, nicht zuletzt wegen der Aussöhnung mit Frankreich. In der DDR waren die Befreiungskriege nationales Geschichtstum, eingespannt in die sozialistische Geschichtstheorie, deshalb auch wenig brauchbar, bis auf wenige exakte militärgeschichtliche Darstellungen, wie etwa von Helmert und Usczeck. 1 Auffällig ist auch, daß sich Aufsätze zu diesem Thema meist mit spezifisch militär-politischen oder strategischen, bzw. regional-geschichtlichen Bereichen befassen, aber sehr selten mit politischen, deshalb meist auch wenig nützlich sind.
1 Helmert, Heinz/ Usczeck, Hansjürgen: Europäische Befreiungskriege. 1808 bis 1814/15. Militärischer Verlauf. Berlin 1976.
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Als annähernd objektive Arbeiten können demnach nur die wenigen nach 1990 erschienenen Arbeiten gelten, die dafür aber eine erstaunliche Neutralität aufweisen, etwa Sellin, 2 Akaltin 3 und Brandt. 4
Zudem existieren noch eine Menge englischsprachiger Werke, wobei jenen aber für unseren Untersuchungsgegenstand anzulasten ist, daß sie sich meist auf den englisch-französischen Konflikt, etwa in Spanien, konzentrieren. Neuere Gesamtdarstellungen sind jedoch auch sehr nützlich, etwa Gates, 5 Esdaile 6 und Riley. 7
2. Der Verlauf der Befreiungskriege 1813.
Da ich mich auf die Befreiungskriege im Jahr 1813 konzentriere unterteile ich dieses Jahr in vier Abschnitte. Der erste ist der der Vorbereitung der Koalition mit der Konvention von Tauroggen am 30. Dezember 1812 8 bis zum preußisch-russischen Bündnis von Kalisch vom 27./28. Februar 1813. 9 Die zweite Phase umfaßt den Frühjahrsfeldzug, der mit dem Waffenstillstand von Pläswitz am 4. Juni 1813 endete. 10 Die dritte Phase endet mit dem Kriegseintritt Österreichs am 11. August 1813. 11 Die letzte Phase umfaßt den Herbstfeldzug, der mit dem Übergang der Alliierten über den Rhein in der Silvesternacht 1813/14 zum Feldzug auf französischem Boden wurde. 12
2.1. Die Vorbereitungsphase vom 30.12.1812 bis 27./28.02.1813.
Bekanntlich endete der Rußlandfeldzug für Napoleon in einem Debakel. Von einer Streitmacht von 600'000 Mann kehrten nur ca. 40'000 verzweifelte, verletzte, durch Frost verstümmelte Soldaten zurück. 13 Trotz dieser Katastrophe war es nicht die entscheidende Niederlage Napoleons. Innerhalb weniger Monate gelang es ihm, wieder eine beträchtliche Armee aufzustellen, die aber nicht in dem Maße schlagkräftig war wie seine vorherigen. Die
2 Sellin, Volker: Die geraubte Revolution. Der Sturz Napoleons und die Restauration in Europa. Göttingen 2001.
3 Akaltin, Ferdi: Die Befreiungskriege im Geschichtsbild der Deutschen im 19. Jahrhundert. Frankfurt am Main 1997.
4 Brandt, Peter: Die Befreiungskriege von 1813 bis 1815 in der deutschen Geschichte. In: Ders. (Hrsg.): An der Schwelle zur Moderne: Deutschland um 1800. Bonn 1999.
5 Gates, David: The Napoleonic Wars. 1803-1815. London/ New York/ Auckland u.a. 1997.
6 Esdaile, Charles J.: The Wars of Napoleon. London/ New York 1995.
7 Riley, Jonathan P.: Napoleon and the World War of 1813: Lessons in Coalition Warfighting.London/ Portland 2000.
8 Vgl. Sheehan, James J.: Das Ende der napoleonischen Hegemonie. In: Ders. (Hrsg.): Der Ausklang des alten Reiches. Deutschland seit dem Ende des Siebenjährigen Krieges bis zur gescheiterten Revolution 1763-1850. Frankfurt am Main,
Berlin 1994, S.285-297. hier: S.288.
9 Vgl. Sellin: Die geraubte Revolution. S.53.
10 Vgl. Akaltin: Die Befreiungskriege. S.29.
11 Vgl. a.a.O. S.30.
12 Vgl. a.a.O. S.46.
13 Vgl. Sheehan: Das Ende der napoleonischen Hegemonie. S.286/287.
3
Moral war desolat, besonders fehlte es an Ausrüstung und Pferden, von denen Napoleon in Rußland eine Menge verloren hatte, was sich als entscheidender strategischer Nachteil erweisen konnte, da die Kavallerie damals die Augen der Armee darstellte und eine hohe Beweglichkeit garantierte. 14
Für den Zaren stellte sich die Frage, ob er sich mit der Vertreibung des Feindes von seinem Territorium zufrieden geben sollte, oder ob er Napoleon verfolgen sollte. Gegen eine Weiterführung des Krieges sprach die Tatsache, daß das russische Heer auch stark gelitten hatte. Warum hätte der Zar einen Krieg führen sollen, weit entfernt von seinem Machtzentrum, mit langen Versorgungslinien also, der zudem mehr anderen, nämlich Preußen genützt hätte?
Es gab jedoch auch beachtlich Gründe, die dafür sprachen und die besonders der Freiherr vom Stein in seiner Funktion als Berater des Zaren fortlaufend betonte. Es wäre möglicherweise fatal gewesen, die Gunst der Stunde der Schwäche Napoleons nicht zu nutzen, denn es bestand durchaus die Gefahr, daß Napoleon einen zweiten Anlauf probieren könnte. Zudem hätte ein Sonderfrieden mit Frankreich die Unterstützung Großbritanniens aufs Spiel gesetzt.
Zudem gibt es noch zwei weitere Interpretationsansätze, die die Entscheidung des Zaren begründen wollen. Ersten sei seine Persönlichkeit entscheidend gewesen, da er aus einem Rachegefühl heraus seine Ehre wieder herstellen wollte, was in einer Selbstbetrachtung als schicksalsträchtiger Figur der Geschichte gipfelte, die dazu auserkoren sei, Europa vom französischen Joch zu befreien. Zweitens sollen besonders machtpolitische Interessen eine Rolle gespielt haben, denn es bot sich für den Zaren die einmalige Gelegenheit, nach ganz Polen zu greifen und sein Machtgebiet weiter hinein nach Europa zu verlagern. 15 Aus wahrscheinlich all diesen Gründen entschied sich der Zar Mitte Dezember 1812 zur Weiterführung des Krieges.
Für die preußische Führung unter König Friedrich Wilhelm war die Situation äußerst bedenklich. Eine preußische Neutralität wurde mit den Entwicklungen der ersten Wochen des Jahres 1813 immer unwahrscheinlicher. Preußen stand in der Zwickmühle zwischen weiterer Bündnistreue zu Frankreich oder einem Bruch zugunsten Rußlands. Scharnhorst schreibt hierzu am 9. Januar:"[...] so müssen wir für die Franzosen etwas tun, wenn wir uns die Dankbarkeit Napoleons erwerben wollen. Glaubt man etwa, die Russen würden unser Land
14 Vgl. Akaltin: Die Befreiungskriege. S.22/23.
15 Vgl. Sellin: Die geraubte Revolution. S.42-44.
Arbeit zitieren:
Andreas Braune, 2002, Die Befreiungskriege 1813 in der deutschen Geschichtswissenschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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