Gliederung
Einleitung
1. Ursprung und Definition des Begriffs Arbeit 1
2. Das traditionelle Normalarbeitsverhältnis 1
3. Die aktuelle Arbeitsmarktsituation 3
3.1. Arbeitslosigkeit in Deutschland 4
3.2. Die Arbeitsmarktreform der Bundesregierung 4
3.3. Der Abschied vom Normalarbeitsverhältnis 6
3.3.1. Gründe für den Wandel des Normalarbeitsverhältnisses 7
3.4. Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes 9
3.4.1. Formen von flexiblen Arbeitsmodellen 10
3.5. Der Arbeitskraftunternehmer 11
3.5.1. Bedeutung und Folgen für den Arbeitskraftunternehmer 12
4. Die neue Personalpolitik bei der Volkswagen AG 14
4.1. Das VW-Modell 5000 x 5000 15
4.2. Bewertung des Modells 5000 x 5000 17
5. Auswirkungen und Folgen der Flexibilisierung am Arbeitsmarkt 19
5.1. Bewertung der Flexibilisierung am Arbeitsmarkt 21
5.2. Aussichten und ein Blick in die Zukunft 23
II
Seit wir nicht mehr nur von Arbeit und Beruf an sich, sondern von einem ganzen Arbeitsmarkt sprechen, verändert dieser fortlaufend sein Erscheinungsbild, seine Ansprüche und den Charakter. Konnten nach dem Zweiten Weltkrieg alle deutschen Einwohner nur von dem Wirtschaftswunder profitieren und sich über Vollbeschäftigung, volle soziale Sicherung und allgemeinen Wohlstand freuen, so hat sich dies jetzt grundlegend verändert. Eine l ahmende Wirtschaft, strukturelle und demographische
Probleme und ferner veränderte gesellschaftliche Ansprüche lassen als Folge erkennen, dass sich das Normalarbeitsverhältnis als Element des Wohlfahrtsstaates allmählich verabschiedet. In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich über diese Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt berichten und die Entwicklung hin zum so genannten Arbeitskraftunternehmer beschreiben. Mein Ziel besteht darin, die Bedeutung des Wandels für Mensch und Beruf zu erfassen. Beispielgebend für den Arbeitsmarkt der Zukunft ist dabei das Projekt der Volkswagen AG 5000 x 5000, welches alle neuen Ansprüche des Arbeitsmarktes in sich vereint.
Ursprung und Definition des Begriffs Arbeit
Das Wort Arbeit unterliegt einem sehr komplexen Sachverhal t, ist Arbeit doch eines der meist gebrauchten Wörter, aber auch eines der „am wenigsten scharf abgrenzbaren Begriffe.“ 1
Das Wort Arbeit ist gemeingermanischen Ursprungs (arbeji ðiz) und beschreibt seit jeher den Aufwand, den Menschen aufbringen, um in Ihrer Umwelt zu überleben und ihre eigene Existenz zu sichern. Arbeit dient also dazu, bewusst seine Bedürfnisse zu befriedigen. Darunter zu verstehen sind sowohl körperliche als auch geistige Anstrengungen, die sich durch Ermüdung und Kräfteverbrauch messen lassen.
Der heutige Arbeitsbegriff hat sich mit dem Zeitalter der Industrialisierung vor ca. 200 herausgebildet. Arbeit nimmt nun die Gestalt der Lohnarbeit an und dient dazu das Kapital zu erhöhen. Arbeit wird hochgradig spezialisiert und geteilt, sie wird zur gesamtgesellschaftlichen Basis. Die Arbeitskraft wird im Zeitalter der Industrialisierung und des zunehmenden Kapitalismus neben den Betriebsmitteln und den Werkstof fen zu einem gleichen grundlegenden Produktionsfaktor in der Wirtschaft. 2 Erwerbsarbeit wurde lange Zeit nur von Männern verrichtet. Frauen kümmerten sich um nicht entlohnte Tätigkeiten wie Kindererziehung und Hausarbeit. Seit den sechziger Jahren beginnt sich diese starre Trennung in den westlichen Industrienationen jedoch rasch aufzulösen.
Das traditionell e Normalarbeitsverhältnis
Das so genannte Normalarbeitsverhältnis ist „der empirische Normaltypus unselbständiger Erwerbsarbeit.“ 3 Es bildete sich im 19. Jahrhundert insbesondere durch das Engagement von Gewerkschaften und durch Bemühungen der Arbeiterbewegung 4 heraus. Auch die Entwicklung des Wohlfahrtsstaates 5 trug maßgeblich zur Entwicklung des Normalarbeitsverhältnisses bei. Nach dem
1 Stengel, Martin: Psychologie der Arbeit. Weinheim 1997. S. 18
2 Vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2004
3 Nollert Michael: http://www.socialinfo.ch/cgi-bin/dicopossode/show.cfm?id=434
4 Die Arbeiterbewegung war eine Vereinigung von Arbeitern aus Industrie und Handwerk im 19. Jahrhundert,
die versuchten bestehende soziale, wirtschaftliche und politische Verhältnisse revolutionär zu ändern. Vor
allem wollten Sie der großflächig ausgebrochenen Verelendung in der Bevölkerung ein Ende setzen.
5 Der Wohlfahrtsstaat ist die Beschreibung eines modernen Staates, in welchem sich dieser weitgehend um die
Fürsorge seiner Bürger kümmert und diese Versorgung eines jeden Individuums von staatlichen Organen
getragen wird. Er beruht auf den eingeführten Versicherungssystemen von Bismarck, welches erstmals einen
1
Zweiten Weltkrieg wuchsen Industrie und Marktwirtschaft rasant, beide Faktoren verdrängten landwirtschaftliche und handwerkliche Produktion zunehmend. Damit brach die Hochzeit des Fordismus 6 an. Vollbeschäftigung, sowie Stabilisierung und relative Angleichung der Einkommen kennzeichnen diese Phase zu Zeiten des Normalarbeitsverhältnisses. Die Form des Normalarbeitsverhältnisses fand empirisch seine größte Verbreitung und ist fest im Gesetz, speziell im Arbeitsrecht, verankert. Rechtliche und tarifliche Normen regeln V ereinbarungen, Verträge und soziale Sicherung. Das traditionelle Beschäftigungsverhältnis bot immer auch einen Orientierungspunkt für die Verständigung und das Übereinkommen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Generell zeichnet sich das Normalarbeitsverhältnis durch die unbefristete Dauer der Anstellung und Vollzeitarbeit aus. Zumeist wird am Tage gearbeitet, wobei die Beschäftigten bei einem festen Arbeitgeber angestellt sind. Die Arbeitszeit ist standardisiert und unterliegt generell keinerlei Schwankungen. Organisatorisch ist der Arbeitnehmer fest in den Betrieb eingegliedert und an die Weisungsgewalt des Arbeitgebers gebunden. Meistens war und ist die Erwerbstätigkeit dieser Form die einzige existenzielle Basis des Arbeitnehmers und damit entwickelt sich eine starke Abhängigkeit vom Arbeitgeber. Das damalige Arbeitsverhältnis unterlag im Biografieverlauf nicht wie heute einer starken Konjunktur und vielen Unterbrechungen (siehe Figur 2), sondern war bestimmt durch Kontinuität und Gleichmäßigkeit (siehe Figur 1). Das Berufsleben erfuhr in diesem glatten Zyklus höchstens einige flüchtige Phasen von Arbeitslosigkeit, die aber immer nur von kurzlebiger Natur waren. Heute beobachten wir in Biografien zunehmend eine Verkürzung der Laufbahnzyklen und des Berufszyklus. Zu Zeiten des Normalarbeitsverhältnisses jedoch war der Karriereverlauf durch allgemeine Geradlinigkeit, Stabilisierung oder gar Verbesserung bestimmt.
Das Normalarbeitsverhältnis war, und ist eigentlich nach wie vor, institutionell geschützt und steht im Mittelpunkt von sozialen Schutzregelungen, auch die Vertragsfreiheit ist durch rechtliche Bestimmungen eingeschränkt. Kündigungen oder befristete Verhältnisse sind ebenfalls davon betroffen. Arbeitslosenunterstützung und Rente sind bis heute an gesetzliche Bestimmungen geknüpft. Sie sind das Ergebnis von Erwerbsdauer, Einkommen und geleisteten Beiträgen.
Zu bemerken bei der Betrachtung des bisherigen Normalarbeitsverhältnisses ist aber, dass sämtliche Beschäftigungsbedingungen zwar universell und für jeden gleichermaßen gelten sollten, es aber trotzdem auch Ungleichheiten gab. So waren Frauen beispielsweise weitgehend von materieller und sozialer Sicherung ausgeschlossen. Typisch war, dass der Mann einem Beruf nachging, während die Frau die Familie versorgte und ihre Aufmerksamkeit dem Haushalt zu schenken hatte. Sie war im Normalfall nicht zur Lohnarbeit verpflichtet. Damit setzte das traditionelle Modell eine enorme Stabilität der Ehe und der Arbeitsteilung in Familien voraus und sorgte dafür, dass die Frau immer stark abhängig vom Ehepartner war. Abschließend lässt sich aber sagen, dass das europäische Sozialmodell dieses Normalarbeitsverhältnisses den Arbeitnehmer in jedem Fall vor einer Vielzahl möglicher Risiken wie Alter oder Berufsunfähigkeit geschützt hat. Das Existenzrisiko war bei weitem nicht so hoch wie heutzutage. Arbeit hatte einen normativen und standardisierten Charakter.
Anspruch der Bevölkerung auf materielle Absicherung konstituierte.
6 Der Fordismus war eine Phase des Kapitalismus, gekennzeichnet durch massenhafte Fließbandproduktion und
Arbeitsteilung.
2
Die aktuelle Arbeitsmarktsituation
Dass sich das Normalarbeitsverhältnis aber zunehmend auflösen wird, liegt allem voran an der anhaltenden Strukturkrise in Deutschland. Seit dem Jahr 2000 befindet sich Deutschland in der längsten Stagnationsphase der Nachkriegszeit und schon seit Mitte der 90er Jahre bleibt das deutsche Wirtschaftswachstum jede s Jahr durchschnittlich zwei Prozentpunkte hinter dem der USA zurück. 7 Der Einzelhandel klagt über einen schwachen Konsum, immer mehr Betriebe müssen Insolvenz anmelden, immer mehr Unternehmen gehen Bankrott. Die Zahl der Arbeitslosen steigt unaufhaltsam, die Arbeitslosenquote lag Ende Januar 2004 bei rund 11 %, also bei fast 4,6 Mio. Arbeitslosen. 8 Immer weniger Jugendliche finden einen Ausbildungsplatz, geschweige denn einen Arbeitsplatz. Durch die Last eines solch verschuldeten Staates fehlt dem sozial en Sicherungssystem jegliche Luft zum Atmen, es droht zu kollabieren, nicht einmal mehr die Kosten im Gesundheitswesen können ausreichend gedeckt werden. „Deutschland ist ein Sanierungsfall geworden.“ 9 Die anhaltende Krise hat sich natürlich stark ins Gemüt der Bevölkerung eingeschlichen. Angst vor Arbeitslosigkeit, Steuererhöhungen und den angekündigten Reformen im Rahmen der Agenda 2010 verunsichern die Menschen zunehmend und wirken sich nicht zuletzt negativ auf ihr Konsumverhalten aus. Auch die Einführung der Praxisgebühr, höhere Zuzahlungen zu Medikamenten und steigende Benzinpreise erregen die Wut der Menschen, insbesondere der drohende Abschied von der bisher für jedermann geltenden sozialen Absicherung fällt wohl jedem mehr als schwer.
Gerade der Arbeitsmarkt ist von der gegenwärtigen Krise in Deutschland schwer getroffen. Welche Probleme entstanden sind, was die Regierung veranlasst um die Situation auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern und was die Entwicklung für den Arbeitnehmer in Deutschland bede utet , möchte ich im Folgenden ausführlich erörtern.
Arbeitslosigkeit in Deutschland
Die anhaltende Arbeitslosigkeit ist mit Sicherheit das derzeit größte Problem auf dem Arbeitsmarkt. Arbeitslosigkeit ist die vorübergehende oder dauerhafte Erwerbslosigkeit von arbeitsfähigen Personen. Volkswirtschaftlich betrachtet ist Arbeitslosigkeit eine Störung im Wirtschaftsablauf, wobei das Angebot der Arbeitsleistungen auf dem Markt die Nachfrage an Arbeitsleistungen übersteigt.
Während Arbeitslosigkeit häufig verursacht wird durch saisonale Engpässe, wie zum Beispiel die Arbeitslosigkeit von Bauarbeitern im Winter, oder darauf beruht, dass ein Arbeitnehmer seine Arbeitsstelle verlässt, ohne gleich eine neue Stelle anzutreten (trifft vor allem auf Mütter und Studenten zu), so beobachten wir in Deutschland aber zur Zeit vielmehr das Phänomen der Sockelarbeitslosigkeit. Sockelarbeitslosigkeit ist eine Form, bei der bereits ein so genanntes Arbeitslosenheer entstanden ist und welches mit der Zeit eher zunehmen statt abnehmen wird. 10 Das bedeutet, dass Arbeitslosigkeit heute längst kein Einzelschicksal mehr ist, sondern ganze Gruppen von Personen betrifft. Das Problem der Arbeitslosigkeit zählt heute zu den größten unserer Zeit und damit steht mehr Beschäftigung als ein gesamtgesellschaftliches Ziel stark im Vordergrund. Nicht nur soziale Verantwortung
7 vgl. http://www.csu.de/home/UploadedFiles/Dokumente/030108_Fuenf-Punkte-Plan_stoiber.pdf
8 Statistisches Bundesamt: Arbeitslosenquote Deutschland - http://www.destatis.de/indicators/d/arb210ad.htm
9 Regierungserklärung des Leiters der Bayerischen Staatskanzlei, Staatsminister Erwin Huber, vor dem
Bayerischen Landtag am 8. Juli 2003 - „Deregulierung und Entbürokratisierung in Bayern - Vorfahrt für
Unternehmergeist und Arbeitsplätze“
10 vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2004
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und staatsbürgerliche Pflicht determinieren dieses Ziel, auch volkswirtschaftliche Vernunft treibt das Vorhaben zu mehr Beschäftigung voran. 11 Neben der aktuellen Konjunkturkrise oder der Technisierung sind die Gründe für Arbeitslosigkeit natürlich vielfältig. Doch es soll nicht das Anliegen meiner Hausarbeit sein, diese zu erörtern, sondern es soll im Folgenden vielmehr darum gehen, wie sich der Arbeitsmarkt auch durch den Fa ktor Arbeitslosigkeit mehr und mehr verändert.
Die Arbeitsmarktreform der Bundesregierung
Die Arbeitsmarktreform der Bundesregierung ist der Versuch die Konjunkturkrise in Deutschland zu bewältigen. Sie ist Teil der Agenda 2010, einem Reformpaket, das sich auf Konjunktur, Haushalt, Arbeit und soziale Sicherung bezieht und all diese Bereiche gründlich umstrukturieren soll, um den Konsum, die Arbeit und Investitionen wieder zu steigern.
Die Arbeitsmarktreform ist in vier verschiedene Hartzpakete eingeteilt und geht damit auf Dr. Peter Hartz zurück, der seit 1993 Vorstandsmitglied bei der Volkswagen AG ist und aufgrund seiner dortigen personellen Innovationsfähigkeit den Vorsitz der so genannten Hartz-Kommission hat. Ihr eigentlicher Name ist Kommission „Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ und das Ziel besteht in erster Linie darin, die Arbeitslosenzahlen langfristig zu senken, Arbeitslose schneller wieder in eine berufliche Tätigkeit zu vermitteln und neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen.
Schon im ersten Hartzpaket wurde der Bereich von Personalserviceagenturen ausgebaut, welche in Form von Zeitarbeit Erwerbsmöglichkeiten anbieten und Arbeitskräfte an Unternehmen vermitteln, mit dem Ziel der dortigen dauerhaften Übernahme. Mit der Hartz II- Reform wurden die so genannten Ich-AGs eingeführt, wodurch Personen drei Jahre lang Zuschüsse zur Selbstständigkeit und Existenzgründung erhalten. Als weiteres wichtiges Kriterium ist die Änderung der Zumutbarkeitsregeln zu sehen. Grundsätzlich gilt jeder Job als zumutbar, zu dem eine Person körperlich und geistig in der Lage ist, solange er nicht sittenwidrig ist. Im Rahmen des zweiten Teils der Arbeitsmarktreform wurden Job-Center eingeführt, die seither Beratung und Hilfe zugleich bieten und einheitliche Anlaufstellen als Kundenzentrum für den Arbeitsmarkt darstellen. Das dritte Hartz-Paket diente der Umstrukturierung der Bundesanstalt für Arbeit hin zur Bundesagentur für Arbeit. Damit wird diese zu einem Kundenorientierten Dienstleister.
Das letzte Pake t der Hartz-Reform wird zu Beginn des Jahres 2005 in Kraft treten und sorgt schon jetzt in de Bevölkerung für gewaltige Aufruhe und massenhafte Demonstrationen. Demnach sollen dann Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II zusammengelegt werden. Arbeitslose unter 55 erhalten 12 Monate Arbeitslosengeld, diejenigen über 55 erhalten 18 Monate lang Arbeitslosengeld. Anschließend soll zur grundsätzlichen Bedarfsdeckung nur noch ein deutlich geringeres Arbeitslosengeld II als Grundsicherung ausgezahlt werden. Jeder Arbeitssuchende unter 25 Jahren erhält ab 2005 einen Rechtsanspruch auf eine Ausbildung, eine Arbeit oder Arbeitsgelegenheit. Damit verbunden ist jedoch die Forderung jeden als zumutbar geltenden Job anzunehmen. Bei Ablehnen des Angebots erhalten Jugendliche drei Monate keine finanziellen Leistungen. Bei Nicht-Jugendlichen kommt es zu Leistungskürzungen von 30 % des Regelfalls. 12
11 vgl. Gutmann Joachim: Flexibilisierung der Arbeit. Seite V
12 vgl. Informationen zur Arbeitsmarktreform: www.arbeitsmarktreform.spd.de
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Weiterhin im Gespräch ist die Einführung der Ein-Euro-Jobs. So können sich Empfänger durch gemeinnützige Zwecke etwas zum Arbeitslosengeldes II etwas dazu verdienen, wenn Ihnen Kommunen oder Sozialverbände etwa einen Euro pro Stunde dafür zahlen.
Die Hartz-Reform ist eines der markantesten Zeichen dafür, dass die Zeiten der sozialen Sicherung im Normalarbeitsverhä ltnis wohl bald der Vergangenheit angehören könnten. So ist es nicht verwunderlich, dass der Streit um die Hartz-Reform mittlerweile zum brisantesten Thema innerhalb Deutschlands geworden ist. Viele Menschen in der Bevölkerung bangen um ihre Existenz und sehen sich mit dem sozialen Abstieg konfrontiert. Doch ich sehe die Arbeitsmarktreform nicht als Motor für die Entwicklung des Arbeitskraftunternehmers, auf den ich im weiteren Verlauf konkret eingehen werde. Sie verursacht in meinen Augen auch nicht die Abkehr vom Normalarbeitsverhältnis, sondern unterstützt diese Entwicklung lediglich. Auf der einen Seite minimiert sie die soziale Sicherung der Bürger; und bietet nur noch einen geringen Schutz bei Arbeitslosigkeit. Andererseits schafft sie durch Personal serviceagenturen und Ich-AGs einen wesentlichen Rahmen für flexible Beschäftigungsmodelle. Dass sich aber beispielsweise ein Projekt wie das Volkswagenmodell 5000 x 5000 durchsetzen konnte und immer mehr Unternehmen Arbeitskraftunternehmer statt bloßen Arbeitskräften beschäftigen, ist vielmehr das Ergebnis von bereits jahrelang stattfindenden gesetzlichen Lockerungen und der Ausdifferenzierung von Tarifverträgen ,wie wir nun im Folgenden sehen werden.
Der Abschied von Normalarbeitsverhältnis
Seit den 80-er Jahren beginnt sich das Normalarbeitsverhältnis allmählich aufzulösen. Charakteristisch dafür ist der steigende Anteil von Erwerbsformen, die nicht dem Normalarbeitsverhältnis entsprechen. So ist der Anteil von Personen mit unbefristeten Vollzeitverträgen in Westdeutschland zwischen 1970 und 1995 auf fast 56 % aller abhängig Beschäftigten zurückgegangen. 13 Außerdem ist die Teilzeitbeschäftigung gerade bei Frauen stark angestiegen, insgesamt ist sie in Westdeutschland von 6 auf 23% angestiegen. 14 Des Weiteren steigen als Kennzeichen des erodierenden Normalarbeitsverhältnisses formell befristete Tätigkeiten an. So gewinnen Leiharbeit und öffentlich subventionierte Beschäftigungen immer mehr an Bedeutung. Das sichere Normalarbeitsverhältnis hat an Verbreitung eingebüßt, es bestehen immer mehr Beschäftigungsformen ohne Existenzsicherndes Einkommen und mit weniger aussichtsreichen Perspektiven. Auch der arbeits- und sozialrechtliche Schutz wird immer mehr eingeschränkt. In der Bevölkerung ergeben sich durch die allmähliche Abkehr vom traditionellen Arbeitsverhältnis wachsende Ungleichheiten. Eine älter werdende Generation, die lebenslang im Normalarbeitsverhältnis gearbeitet hat und volle soziale Sicherung genießen konnte, steht einer immer größer werdenden Gruppe gegenüber, die von reduzierter und unregelmäßiger Beschäftigung betroffen ist und auf eine stabile soziale Sicherung verzichten muss. Die Lockerung des herkömmlichen Beschäftigungsverhältnisses geschah nicht von selbst und auch die aktuelle Arbeitsmarktreform ist kein erstes Anzeichen dafür. Schon seit den 80er Jahren haben die jeweiligen Regierungsspitzen eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes vorangetrieben. So wurden die rechtlichen Spielräume für Leiharbeit und befristete Arbeitsverträge stetig ausgeweitet. Kündigungsschutz und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wurden eingeschränkt,
13 Hoffmann, Edeltraud/Walwei Ulrich: Längerfristige Entwicklung von Erwerbsformen in Westdeutschland. In:
IAB-Kurzbericht, Seite 4 (1998)
14 Hoffmann, Edeltraud/Walwei Ulrich: Längerfristige Entwicklung von Erwerbsformen in Westdeutschland. In:
IAB-Kurzbericht, Seite 4 (1998)
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Arbeit zitieren:
Eike-Kristin Wilinski, 2004, Die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt vom Normalarbeitsverhältnis zum Arbeitskraftunternehmer. Was bedeutet der Wandel für Beruf und Mensch? , München, GRIN Verlag GmbH
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