Inhalt
Abk ürzungsverzeichnis. 2
Verzeichnis fremdsprachiger Begriffe. 3
Abbildungsverzeichnis. 3
1. Einleitung. 4
2. Selbstwahrnehmung der Muslime in der Minsupala-Region. 5
2.1 Geschichtlicher und demographischer Hintergrund. 5
2.2 Die Filippinisierung der Muslime. 7
3. Die Mindanao-Politik der Regierung Marcos. 9
3.1 Die ersten Jahre der Präsidentschaft Marcos 9
3.2 Die Ilaga-Bewegung. 11
3.3 Das Jabidah-Massaker 12
3.4 Muslim Independence Movement (MIM) 13
3.5 Moro National Liberation Front (MNLF) 14
3.6 Die Ausrufung des Kriegsrechts. 15
4. Beschwichtigungspolitik der Marcos-Regierung. 17
4.1 Verbesserung der wirtschaftlichen Situation und Schaffung
religi öser Freiräume. 17
4.2 Politische Zugeständnisse 18
4.3 Gründe für das Scheitern der Beschwichtigungspolitik. 19
5. Schluss. 21
Abbildungen. 21
Literaturverzeichnis. 25
1
Abbildungsverzeichnis
Abb.2 Anteil der Minsupala-Region an der gesamtphilippinischen Produktion...22
Abb. 3 Die Oppositionsgruppen in der Marcos-Phase............................................23
Abb. 4 Übersichtskarte „Die Philippinen“...............................................................24
3
1. Einleitung
Bereits kurz nach Beginn der Regierungszeit von Ferdinand E. Marcos im Jahre 1965 brachen auf den Philippinen Konflikte zwischen der christlich geprägten Zentralregierung in Manila und der muslimischen Minderheit im Süden der Republik aus. Marcos wandelte sich im Laufe seiner Regierungszeit von einem demokratisch gewählten Präsidenten zu einem autoritär herrschenden Diktator. In dieser Phase war ein stetiger Anstieg der Gewalt zu verzeichnen, der schließlich nach der Ausrufung des Kriegsrechts im Jahre 1971 seinen Höhepunkt fand. Zentrale Fragestellung dieser Arbeit ist daher, ob der Konflikt zwischen Christen und Muslimen durch die Diktatur verschärft oder ausgelöst wurde.
Nicht behandelt werden soll hingegen der Konflikt zwischen der Marcos-Regierung und der nicht- muslimischen Bevölkerungsmehrheit auf den Philippinen. Zu Fragen, ob der Konflikt zwischen Christen und Muslimen ohne die Marcos-Dikatur nic ht ausgebrochen wäre, ist hypothetisch und soll deswegen ebenso nicht berücksichtigt werden.
In absoluten Zahlen erstreckt sich der Beobachtungszeitraum von der Wahl Marcos’ zum Präsidenten im Jahre 1965 bis zur People’s Power Revolution 1 1986. Zur Beschreibung der muslimischen Selbstwahrnehmung war es eingangs jedoch notwendig einen weiter gehenden geschichtlichen Rückgriff zu unternehmen. Geographisch lässt sich der zu beobachtende Raum auf die philippinischen Gebiete mit autochthoner muslimischer Bevölkerung, der Minsupala-Region 2 , eingrenzen.
Der Hauptteil der Arbeit wurde in drei Kapitel unterteilt. Das erste Kapitel widmet sich der Selbstwahrnehmung der Muslime und betrachtet vor diesem Hintergrund deren Geschichte und die unter dem Begriff „Filippinisierung“ bekannten Versuche der christlichen Mehrheit die muslimische Minderheit zu integrieren, beziehungsweise zu assimilieren. Das
1 „People’s Power Revolution“ ist die Bezeichnung für den 1986 von Corazon Aquino angeführten politischen
Umsturz, infolgedessen Präsident Marcos abgesetzt und wieder demokratische Verhältnisse auf den Philippinen
geschaffen wurden.
2 Das Akronym „Minsupala“ setzt sich aus den Bezeichnungen für die drei Inselgruppen mit muslimischen
Volksgruppen Mindanao, Sulu und Palawan zusammen. Der Mindanao-Konflikt ist genau genommen der
Minsupala-Konflikt, da sich die Autonomie-Bewegungen nicht auf Mindanao beschränken. Der Begriff
Mindanao-Konflikt hat sich jedoch im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt und soll hier deswegen und
aus Gründen der sprachlichen Variation synonym für alle Inseln mit angestammter muslimischer Bevölkerung
verwendet werden.
4
zweite Kapitel beschäftigt sich mit den politisch relevanten, geschichtlichen Ereignissen und den Reaktionen der beteiligten Akteure im Zeitraum der Marcos-Regierung, während sich das dritte Kapitel mit einer zentralen inhaltlichen Komponente der Mindanao-Politik Marcos‘ auseinandersetzt, für die ich den Begriff ‚Beschwichtigungspolitik‘ gewählt habe.
Als Quelle dient der Arbeit hauptsächlich englischsprachige Sekundärliteratur, da die Quellenlage in deutscher Sprache eher dürftig ist. Die Veröffentlichungen von Rainer Werning stellen hier eine löbliche Ausnahme dar. Zusätzlich wurden der MILF und der MNLF nahestehende Seiten im Internet als Quellen verwendet.
2. Selbstwahrnehmung der Muslime in der Minsupala -Region
2.1 Geschichtlicher und demographischer Hintergrund
Die Bevölkerungsgruppe der Muslime stellt etwa 5% der Gesamtbevölkerung der Philippinen dar. Sie ist nicht homogen, sondern setzt sich aus insgesamt 13 ethnolinguistischen Gruppen zusammen (siehe Abb. 1). Verbindendes Element einer gemeinsamen Identität ist neben der Religion die gemeinsame Geschichte, die im wesentlichen aus dem Widerstand gegen verschiedene Kolonisationsversuche besteht. Die Muslime Mindanaos hatten sich seit der Entdeckung durch Magellan im Jahre 1521 erfolgreich gegen jegliche Unterwerfungsversuche seitens der Spanier, der Amerikaner und der Japaner gewehrt (Filipinengroep 1978: 151). Aus Sicht der Muslime sind in diesem Zusammenhang auch die nicht- muslimischen Philippinos des Nordens aufzuführen: Zum einen hatten bereits die Spanier Bewohner der nördlichen Inseln als Söldner für ihre Streitkräfte rekrutiert, zum anderen wurden und werden Integrationsbemühungen der philippinischen Regierung in Mindanao als Kolonisationsversuche empfunden (Muslim 1994: 50; Molloy 1983: 2).
Um das Jahr 1280 fasste der Islam im Süden der Philippinen Fuß, nachdem bereits einige Jahrhunderte zuvor islamische S eefahrer zum Zwecke des Handels erste Kontakte hergestellt hatten. Durch die Kolonisierung seitens der Muslime entstanden bereits Jahrhunderte vor Eintreffen der spanischen Seefahrer feste gesellschaftliche Strukturen in der Minsupala-Region (Rodil 1993: 7-11). So existierten zwei Sultanate: das Sultanat auf
5
den Sulu- Inseln und das Cotabato-Sultanat. Bis heute prägt die Zeit der Sultanate das Selbstbewusstsein der Moro. Der U.S.-amerikanische Forscher Najeeb Saleeby konstatiert: „In times past sultanates of Sulu and Maguindanao were better organized than at present“ (zit n. Muslim 1994: 47). Auf der Internetseite der MNLF ist zu lesen:
„WE, BANGSAMOROS, WERE SOVEREIGN BEFORE THE ‚DISCOVERY‘ OF
THE PHILIPPINES. THE SPANIARDS, AMERICANS AND FILIPINOS WERE
COLONIZERS AN HAVE NO RIGHT TO GOVERN US! [Blockschrift im
Original, d. Verf.]“ 3
Von den spanischen Seefahrern erhielten die Muslime der Philippinen alsbald den Namen „Moro“. Die Spanier hatten durch die über 700 Jahre andauernde Besetzung der Iberischen Halbinsel durch die Mauren 4 weitgehend negative Erfahrungen mit dem Islam gemacht. Als die Spanier die nördlichen Gebiete der Philippinen bereits kolonisiert hatten, drangen sie in den Süden vor, wo sie auf eine muslimische Bevölkerung stießen, der sie ebenfa lls den Namen Moro gaben. Der Begriff hatte zunächst eine abwertende Bedeutung bis er durch die muslimische Studentenbewegung der späten 1960er Jahre um Nur Misuari 5 neu gedeutet wurde. Um sich von den christlichen Bewohnern der Philippinen abzugrenzen, na nnten sich die Muslime im folgenden selbst „Moro“ im Gegensatz zu den „Filipinos“, den Bewohnern der nördlichen Philippinen (Thompson 1995: 143). 6
Aufgrund der kulturellen Unterschiede zwischen dem muslimischen Teil der Philippinen und dem christlichen waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts von seiten U.S.amerikanischer Politiker mehrere Anläufe unternommen worden, um Mindanao aus dem philippinischen Staatenverbund herauszulösen. Sie alle scheiterten jedoch (Werning 1983: 43). Schließlich wurden die Philippinen 1946 in die Unabhängigkeit entlassen. Die unabhängige philippinische Regierung befand sich aber fast ausschließlich in christlicher Hand, was den Unmut der muslimischen Bevölkerung hervorrief. Bereits im Jahre 1950 erklärte Kumander Kamlon mit etwa 100 Gefolgsleuten in der Sulu Provinz der
3 Konsequenterweise wird die ‚Entdeckung‘ der Philippinen hier in Anführungszeichen gesetzt, da seitens der
Moro der Eindruck vermieden werden soll, dass eine ‚höhere‘ Kultur hier eine ‚minder-entwickelte‘ entdeckt
habe (http://mnlf.net/History.htm).
4 Weite Teile der Iberischen Halbinsel wurden von den nordafrikanischen Mauren, die muslimischen Glaubens
waren, von 711 bis 1492 besetzt (Muslim 1994: 37).
5 Nur Misuari unterichtete Politische Wissenschaft an der Universität Manila. Er war Mitglied der Muslim
National League und Mitherausgeber der Philippine Muslim News (Thompson 1995: 141).
6 Ich verwende den Begriff in dieser Arbeit in dem erklärten positiven Sinne.
6
Arbeit zitieren:
Karsten Dustin Hoffmann, 2003, Die muslimische Minderheit auf den Philippinen in der Phase der Marcos-Diktatur, München, GRIN Verlag GmbH
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