Inhalt
1. Einleitung 3
- der Gorgias und die Bedeutung der Gerechtigkeit bei Platon
2. Die Auseinandersetzung mit Gorgias und Polos 4
- vom Wesen der Rhetorik zur Frage nach der Gerechtigkeit
als Wesensfrage
3. Die Gerechtigkeit im Dialog mit Polos 6
- die Situation der menschlichen Existenz
zwischen Macht und Verantwortung
4. Die Gerechtigkeit im Dialog mit Kallikles 8
- Absage an das Naturrecht mit dem Guten als Ziel
des menschlichen Handelns
5. Schlussbetrachtung 11
- Geltung der Moral als normative Grundlage des
Mensch -seins in der Existenz
6. Zusammenfassung 14
7. Abstract 14
8. Literatur 15
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1. Einleitung - der Gorgias und die Bedeutung der Gerechtigkeit bei Platon
Die Gerechtigkeit ist für Platon die entscheidende Tugend, wenn es um die Aufrechterhaltung der Ordnung des Gemeinwesens ebenso wie der in der Seele des Menschen geht. So geht er der Frage nach der Bedeutung und der Verwirklichung der Gerechtigkeit in besonderem Maße nach, denn sie ist leitend für alle anderen Grundtugenden; Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit. In diesem Sinne ist sie die Grundlage für die Existenz von Gemeinschaft und somit vom Menschen. Solch eine Zentralität stellte sich in der Konfrontation zwischen Sophisten und Machtpolitikern einerseits und Philosophen andererseits am spannungsvollsten dar, wofür das zu untersuchende Werk vor allem im Bezug zur Kunst der Rhetoren steht. Untersucht werden soll also die Herausarbeitung der Bedeutung der Gerechtigkeit für die Gesprächspartner im vorliegenden Dialog, angeregt durch die Bedeutung des Themas im Seminar über Platons Werk „Politikos“. Hier wurden die Möglichkeiten des Politikers aufgezeigt, einen Staat von Dauerhaftigkeit zu schaffen, indem er die rechte gesellschaftliche Ordnung schafft. Diese Ordnung würde nur unter der Führung seiner Politik durch Gerechtigkeit gelingen. Im „Gorgias“ wird anhand einer Unterredung zum Thema Rhetorik die Moral der Rhetoren und Rhetorenpolitiker untersucht. Die Gerechtigkeit als Haupttugend ist Grundlage des moralischen Handelns und somit für Platon Bestand schaffend für Gesellschaft - für menschliche Existenz - und Prüfstein für die Richtigkeit jeglicher Tätigkeit. Die Unvollkommenheit der Rhetorik in diesem Punkt und somit in Bezug auf ihre Berechtigung, Bestandteil der Gesellschaft zu sein, soll durch das dialogisch verfasste Werk Platons - Schüler Sokrates’ - herausgestellt werden. Eine Datierung des Werkes „Gorgias“ ist bisher nicht gelungen, es wird in die späten Jugendjahre, bzw. in die Übergangsdialoge (393-388 v. Chr.), eingeordnet, also vor der ersten sizilianischen Reise. Der Dialog wird in der Literaturwissenschaft in die so genannten Sophistengespräche eingeordnet, gleichwohl er diese in der Ernsthaftigkeit, der Entschlossenheit, einen klaren Standpunkt zu vertreten und der sukzessiven Konsequenz der Schlussfolgerungen weit überragt und zu den bedeutendsten Werken Platons gehört. Die Gespräche finden zwischen Kallikles, dem aristokratischen Hausherren und wohlhabenden Politiker, seinen Gästen Gorgias, Polos, Chairephon und Sokrates statt. Gorgias ist ein damalig berühmter
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Rhetor gewesen, der vor allem für Prunkreden vor reicheren Gesellschaften bestellt wurde. Polos ist ein Schüler von ihm. Ebenso ist Chairephon Schüler des Sokrates. Interessant ist hier vor allem die Brücke des Platon zwischen geschichtlicher Situation und philosophischer Schöpfung. Denn die Teilnehmer sind historische Gestalten (Apelt, Anmerkungen), die zudem zu den „Weisesten“ in Athen gehören. Insofern ist die Frage nach der Gerechtigkeit im Gorgias eine Frage nach der Gerechtigkeit in Athen und fortgeführt in der gesamten Menschheit selbst.
2. Die Auseinandersetzung mit Gorgias und Polos - vom Wesen der Rhetorik zur Frage nach der Gerechtigkeit als Wesensfrage
Sokrates möchte zunächst auf das Wesen der Tätigkeit Gorgias’ eingehen, bekommt jedoch von dessen Schüler Polos in seiner überschwänglichen Art eine Lobrede auf die Kunst der Rhetorik, womit sich Sokrates nicht zufrieden gibt und so beginnt er im Dialog (nach gegenseitigem Einverständnis, keine ausschweifenden Reden zu halten) darzustellen, was die Rhetorik eigentlich ist. Es wird einvernehmlich festgestellt, dass sie sich mit der „Kunst des Redens“ beschäftigt. Besser gesagt; des Überredens. Denn der Rhetor muss nicht wissen, ob es wahr ist, was er spricht. Ebenso wenig muss er Erkenntnisse erlangt haben, die ihn zu dem führten, was er beschreibt, oder was er an Handlungen hervorgerufen haben möchte. Lediglich ist das Wissen erforderlich, wie man die Zuhörer dazu bringt, in den Worten Wohlgefallen (Melodik, Musik, Wortwahl oder Reim sind unterstützende Elemente hierfür) zu finden, wie auch Zustimmung zu bekunden. Dieses Wissen, aus der Erfahrung (empeiria) entstanden, ist das Wesen der Rhetorik. Somit ist die Rhetorik keine reine theoriebasierte Kunst (technē), sondern eine Anwendung der Erfahrungen, wie man Wohlgefallen erzeugen kann. So können Nichtwissende das Gefühl erlangen, über etwas mehr zu wissen als der Wissende, denn der wahrhaft Wissende versteht sich nicht so sehr wie der Redekünstler in der Fähigkeit, Wissen glaubhaft zu vermitteln. "Wenn man durch Worte zu überzeugen imstande ist, sowohl vor Gericht die Richter als in der Ratsversammlung die Ratsherren und in der Volksversammlung das Volk [...]. Denn hast du dies in deiner Gewalt, so wird der Arzt dein Knecht sein, der Turnmeister dein Knecht sein, und auch bei dem
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Bankier wird sich zeigen, dass er für andere erwirbt und nicht für sich, sondern für dich, der du verstehst zu sprechen und die Menge zu überzeugen." (452e) In dieser Aussage sieht man deutlich die Macht, die die Sophisten trieb. Sie sahen sich als diejenigen, nach denen sich alle richteten. Selbst der Politiker - der nach Sokrates’ Verständnis der Gesellschaft den Rhetor lediglich als Sprachrohr und Werkzeug (neben den Richtern und Wächtern) benutzt - lasse sich beeinflussen von der Rednergabe eines guten Rhetors. Somit sehen sie ihre Kunst als die höchste an. Für Sokrates stellt sich nun aber die Frage, wie die spezielle Kenntnis der Redner aussieht, denn das Überzeugen von Menschen bedarf schließlich besonderen Wissens um die Wirkung auf Menschen und deren Verhalten auf das Gesagte. Diese Kenntnisse setzen doch voraus, dass bekannt ist, was die Menschen als Recht und was als Unrecht ansehen. Die gefühlsmäßige Erfassung dieser Begrifflichkeiten und der praktische Umgang mit der Erzeugung der Ideen (dies führt zu einem Glauben, nicht zu Wissen) dieser Begriffe muss also in einem sehr besonderen Maße gekonnt sein. Gorgias stimmt dem zu, da er darin eine Lobpreisung seiner Künste sieht. Allerdings möchte er keine Verantwortung übernehmen für eventuelle Missbräuche dieses Wissens. Für Gorgias überwiegt also die positive Wirkung, Handlungen und Glauben zu erzeugen zum Vorteil der Zuhörer (Wohlbefinden und der Glaube, alles zu wissen) und des Redners (kann seine Ziele oder die des Auftraggebers durchsetzen) gegenüber der negativen, dem Missbrauch. Sokrates sieht darin jedoch einen unvereinbaren Widerspruch und im darauffolgenden Gespräch mit Polos stellt er dar, dass die Redekunst lediglich zur Befriedigung von Gelüsten dient, eine Geschicklichkeit „in der Hervorbringung einer gewissen Lust und eines Wohlgefallens“ (462c7), und nichts mit Wahrheit zu tun hat. Denn die Schmeichelei, wie er den Charakter der Rhetorik bezeichnet, kann auch falsches für die Menschen hervorrufen und die Menschen sich darin auch noch wohlfühlen lassen. Er stellt Vergleiche mit der Kochkunst an, die dem Gaumen schmeichelt, und dem Arzt, der heilen will und bessere Speisen verabreichen möchte. Die Redekünstler ‚vermengen’ jedoch Kochkunst und Heilkunst undurchschaubar, so dass Erkrankungen des Körpers entstehen können, obwohl sich der Mensch gesund fühlt.
So ist die Beziehung zwischen der Redekunst und dem, was gut für die Seele istnämlich der Gerechtigkeit. (die exakter vorgenommene Unterscheidung in
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Arbeit zitieren:
Robert Gabel, 2002, Gorgias - Existenz und Gesellschaftsentwürfe, München, GRIN Verlag GmbH
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