Inhalt
0 Vorwort 2
1 Externe Sprachgeschichte 3
1.1 Frühe Kolonialisierung und Einfluss der Jesuiten 3
1.2 19. Jahrhundert 5
1.3 20. Jahrhundert und heutige Situation 7
1.4 Zusammenfassung 8
2 Mögliche Einflüsse des Guaraní im Spanischen Paraguays 9
2.1 Phonetik/ Phonologie und Lexik 9
2.2 Morphosyntax am Beispiel der Besitzanzeige 11
3 Fazit 14
4 Quellen 15
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0 Vorwort
Der lateinamerikanische Sprachkontakt des Spanischen mit der Sprache der Indígenas findet im Fall Paraguay eine besondere Ausprägung. Der nicht ganz typische Umgang mit der Kultur und somit auch der Sprache der Guaraní schuf eine einmalige Situation, welche einige Autoren - allen voran Germán de Grandabesonders profund untersucht haben.
Die vorliegende Arbeit soll externe und interne Einflüsse auf den Sprachwandel gleichermaßen darstellen. Für die externe Sprachgeschichte ist es durchaus möglich, einen kurzen, aber umfassenden Abriss zu geben, ohne den Rahmen der Arbeit zu überschreiten. Für die innersprachlichen Wechselbeziehungen im Sprachkontakt Spanisch-Guaraní ist dies weitaus schwieriger, weshalb die Betrachtungen dazu an dieser Stelle nicht üb erblicks- sondern beispielartig angestellt werden sollen. Neben einem kurzen Anriss zu phonologischen und lexikalischen Einflüssen des Guaraní auf das paraguayische Spanisch soll ein morphosyntaktisches Phänomen durchaus tiefgründiger dargestellt werden.
Im Rahmen dieser Arbeit kann nur ein kleiner Überblick dieses viel umfassenden Themas möglich sein. Neben der Anregung, sich intensiver damit auseinanderzusetzen, soll sie vor allem aufweisen, wie vielschichtig die Frage nach dem Ursprung heutiger Normen - sprachintern wie -extern - sein kann.
Robert Krahl
Merseburg, im Januar 2005
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1 Externe Sprachgeschichte
1.1 Frühe Kolonisierung und Einfluss der Jesuiten
Die Bevölkerungsstruktur Paraguays ist heute geprägt durch eine nahezu vollständige Mestizisierung, deren Ursachen auch starke und in Lateinamerika fast einmalige Einflüsse auf die Sprachentwicklung ausübten.
Nach der Gründung Asuncións durch Juan Salazar y Espinosa im Jahre 1537 befand sich jener Landstrich bald in einer Randlage des Vizekönigreichs Peru. Ursachen hierfür war neben dem starken Gegengewicht konkurrierender Siedlungen wie Santa Fe (1573), Buenos Aires (1580) oder Corrientes (1588) vor allem die unsichere Lage; ein dauerhafter Handelsweg nach Peru konnte nicht gehalten werden, da die brasilianische Expansion und die Indianergefahr dessen Sicherheit gefährdeten. Eine Folge dieser Randlage war eine geringe Zuwanderung von Spaniern. Die spanische Oberschicht blieb somit recht klein. (cf. Dietrich 2003: 1045 ff.) Domingo Martínez de Irala betrieb des weiteren in den 1530er Jahren „eine forcierte Heiratspolitik zwischen den wenigen spanischen Beamten und Söldnern und den Frauen der bald verbündeten Guaraní [und schuf somit] die Grundlage für den [...] „mestizaje“ und damit auch für die Sprachentwicklung“ (Dietrich 2003: 1047). Diese Mestizisierung bewirkte eine weitere Verdrängung des ohnehin schon wenig präsenten Spanisch. Die Guaraní-Frauen waren einsprachig und erzogen dementsprechend ihre Kinder, welche mancebos de la tierra genannt wurden. Von jenen waren es vorwiegend die Söhne, welche mit dem Spanischen ihrer Väter in Kontakt kamen. Dieses Spanisch jedoch „zeichnete sich durch sektionale Verarmung und zahlreiche Archaismen aus“ (Dietrich 2003: 1047).
Der Gouverneur Irala, der selber „siebzig ihm ordentlich angetraute Frauen gehabt haben [soll]“ (Fasoli-Wörmann 2002: 21), wollte die Entstehung einer weißen Oberschicht bewusst verhindern, indem er Mestizen in hohe Ämter setzte. Diese Politik, aber auch die Institution der naboria - Kinder von Indígenas wurden in spanische Familien zur christlichen Erziehung und Arbeit gegeben - trugen dazu bei, dass es zu einer „relativ harmonische[n] beidseitige[n] Akkulturation“ (Fasoli-Wörmann 2002: 22) kam. Für spanische Regierungsbeamte „schien es selbstverständlich, Guaraníkenntnisse zu erlangen“ (Fasoli-Wörmann 2002: 23), obwohl das Spanische als Verwaltungssprache (bis heute) nicht in Frage gestellt
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wurde. Das Guaraní war zu dieser Epoche also die am weitesten verbreitete Sprache, die von allen beherrscht wurde (cf. Fasoli-Wörmann 2002: 24). Ab 1609 verstärkten die Jesuiten ihre Bemühungen im Gebiet Paraguays. Sie errichteten reducciones, in denen bis zu 10.000 Einwohner lebten. Es waren vor allem die Indígenas aus den von den brasilianischen Siedlern bedrohten Gebieten, welche in diese reducciones gebracht wurden. Diese Siedlungen unter der Aufsicht der Jesuiten wuchsen zu einem ernsthaften wirtschaftlichen Konkurrenten für die zivile Siedlung heran (cf. Dietrich 2003: 1047). Innerhalb der reducciones war das Guaraní die Umgangsprache, aber auch die Unterrichtssprache; so wurde der Katechismus ins Guaraní übersetzt und auch die padres verfügten über „weitreichende Kompetenz in Guaraní“ (Fasoli-Wörmann 2002: 26). Andererseits widmeten sich die Jesuiten dem Studium der fremden Sprache und Kultur. Die erste Grammatik entstand bereits vor 1629 und bis heute von Bedeutung ist der Tesero de la lengua Guaraní von 1639, welcher von Padre Antonio Ruiz de Montoya geschrieben wurde. Die wichtige Rolle der Arbeit der Jesuiten für den Erhalt des Guaraní scheint evident, ist jedoch nicht unumstritten. Nach der Ausweisung der Jesuiten (1776) und der damit verbunden Auflösung der reducciones strömten nur wenige Indios in die Wälder (cf. Dietrich 1995: 203) zurück oder siedelten als Ackerbauern. Ein großer Teil ging auch in die dichter besiedelten Gebiete um Asunción und Corrientes. Die Folge des etwa 150 Jahre langen Lebens in den „hermetisch abgeriegelt[en]“ reducciones (Fasoli-Wörmann 2002: 29) waren zwei Varietäten des Guaraní: ein jesuitisches und ein hispanisiertes. Die jesuitische Varietät assimilierte sich jedoch an die Umgangssprache. Auch wenn in der Folge sich die Kolonialregierung um eine Ausbreitung des Spanischen bemühte, blieb die Zahl der Spanischsprecher gering (cf. Fasoli-Wörmann 2002: 30 f.).
1.2 19. Jahrhundert
Die Region des heutigen Paraguays gehörte ab 1776 zum Vizekönigreich Río de la Plata. Das Gebiet um Asunción war wirtschaftlich unbedeutend und stand in hoffnungsloser Konkurrenz gegenüber Buenos Aires. Aus dieser Rivalität heraus kam es zur Schlacht von Tacuarí. Die Paraguayos siegten und lösten sich aus dem Vizekönigreich; 1813 erfolgte die Unabhängigkeitserklärung von Spanien. José
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Robert Krahl, 2004, Sprachkontakt in Paraguay, Munich, GRIN Publishing GmbH
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