Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Das Viktorianische Zeitalter. 4
2.1. Die Mode. 4
2.2. Die Gesellschaft 7
3. Fetischismus 8
4. Das Piano. 10
4.1. Inhaltsangabe. 10
4.2. Die Sprache der Kostüme. 10
5. Zeit der Unschuld 16
5.1. Inhaltsangabe. 16
5.2. Die Sprache der Kostüme. 17
6. Schlussbetrachtung. 20
7. Quellen 23
2
1. Einleitung
Ein Film wird wesentlich vom Kostümbildner geprägt, denn er entscheidet über das optische Erscheinungsbild jeder einzelnen Figur. Der Kostümbilder ist kreativer Künstler, aber auch Historiker. Kostüme im Film ordnen die Darsteller in eine Periode ein, machen ihre Zugehörigkeit zu einer Klasse, einem Land und ihr Geschlecht deutlich und geben dem Film Glaubwürdigkeit, so dass der Zuschauer in diese fiktive Welt eintauchen kann.
„Das Piano“ („The Piano“) und „Zeit der Unschuld“ („Age of Innocence“) spielen im viktorianischen Zeitalter, das als Synonym für Zensur, Prüderie und Unterdrückung von sexuellem Verlangen gilt. Der Reiz für die filmische Darstellung besteht darin eine Gesellschaft darzustellen, in der die noch so geringste Abweichung vom Regelkanon, etwa wie die Wahl der Farbe eines Kleides, eine Bedeutung zukommt, wie sie in der heutigen liberal organisierten Gesellschaft nicht vorstellbar ist.
Beide Filme erzählen tragische Geschichten von Menschen, die in einer von Konventionen geprägten Zeit an die Grenzen der gesellschaftlichen Tradition stoßen.
Hier ist die Kleidung nicht einfach nur Kostüm, Dekoration oder notwendige Requisite, um den Film echt erscheinen zu lassen, wie in den meisten Kostümfilmen. Den Autoren bzw. Regisseure ist es gelungen das (verbotene) Verlangen anders auszudrücken, als über das gesprochene Wort. Sie benutzen die Sprache der Kleidung, um dass zu vermitteln, was nicht offen ausgesprochen werden darf. Die Kleidung führt hier einen autonomen Diskurs. Sie drückt die seelische Verfassung, die Charaktereigenschaften eines jeden Protagonisten aus, prägt die Charaktere und wird zu wichtigen Bestandteilen des sexuellen Dialoges. Das Genre des Kostümfilms wird hier neu definiert.
3
2. Das Viktorianische Zeitalter
Die Regierungszeit von Königin Viktoria (1837-1901) von England in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wird als das viktorianische Zeitalter bezeichnet. Es war die Blütezeit des englischen Bürgertums. Wirtschaftlicher Aufschwung, ein festgefügtes Gesellschaftsbild, ausgerichtet an den Moralprinzipien des großen und mittleren Bürgertums und eine gefühlsmäßige Verankerung der Monarchie im Volk charakterisierten diese Zeit.
2.1. Die Mode
Der zunehmende Wohlstand ging mit immer eleganterer Kleidung Hand in Hand. Die Frauen zeigten sich zunehmend mehr in der Öffentlichkeit, wofür extra Straßenkleider entworfen wurden.
Das viktorianische Zeitalter war eine der großen Hochphasen des Korsetts. Das allgemeine Schönheitsideal bevorzugte die schmale weibliche Taille- je schmaler die Taille, desto attraktiver wirkte die Figur. Eines der wichtigsten Ziele einer Frau war damals, vor dem 21 Lebensjahr verheiratet zu sein - mit einem Taillenmaß (in Inches), das geringer war als ihr Alter. Um diesem Ideal zu genügen, wurden die Korsetts so eng geschnürt, dass Taubheitsgefühle im Unterkörper und in den Beinen ebenso üblich waren wie häufige Ohnmachten. Gleichzeitig wurde damit das Bild der Frau als fragiles, hilfloses Wesen geschaffen und untermauert. 1
In der ersten Hälfte der fünfziger Jahre blähten sich die Röcke durch eine große Anzahl von Unterröcken immer weiter auf und 1856 wurde schließlich die aus Stahlschienen bestehende Krinoline erfunden, so dass sich die Damen innerhalb dieses „Käfigs“ frei bewegen konnten. Die Krinoline wurde zum typischen Trachtenmerkmal der fünfziger und sechziger Jahre. Da die Beine auch weiterhin unsichtbar bleiben sollten, zogen die Frauen lange, spitzenbesetzte Pantalons an, die bis zu den Knöcheln reichten. Die Taille wirkte durch die weite der Krinoline schmal, so dass das Mieder nicht mehr so eng geschnürt wurde.
4
Die Mitte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit männlicher Vorherrschaft, und in so patriarchalischen Zeiten sind laut James Laver die Unterschiede in der Kleidung der beiden Geschlechter stets sehr krass. 2 Die Krinoline ist für den Modegeschichtler Laver ein symbolischer Ausdruck der Epoche. Sie symbolisiert für ihn einerseits die weibliche Fruchtbarkeit, durch die starke Ausweitung der Hüftpartie und andererseits sei sie ein Symbol für die vermeintliche Unnahbarkeit der Frau, doch in Wahrheit sei die Krinoline trotz ihrer festen und unbeweglichen Teewärmer- Form ein Mittel der Verführung gewesen.
„Wenn wir auf alten Stichen Damen mit Röcken sehen, die altertümlichen Teewärmer gleichen, muten uns diese Gebilde kompakt und unverrückbar an. Weit gefehlt! Von einer Seite zur anderen geworfen, war die Krinoline ständig in Bewegung, glich sie viel eher einem Fesselballon als dem Iglu der Eskimos, mit dem sie lediglich die Form gemeinsam hatte. Sie schwang einmal nach dieser, dann wieder nach jener Seite, richtete sich ein wenig auf, schwang vor und wieder zurück. Jeder Druck auf die eine Seite der Stahlreifen teilte sich durch deren Elastizität der anderen mit, was eine Art Aufwärtsschießen des Rockes zur Folge hatte- eben dieses war es vermutlich, was bei den Männern des Viktorianischen Zeitalters die Fußknöchelkomplexe erweckte und ganz gewiss auch einer neuen Schuhmode zur Blüte verhalf“ 3
Laver beschreibt die Krinoline hier als ein Fetischobjekt. Aus feministischer Sicht ist die Krinoline eine Metapher für die Unterdrückung der Frauen, eine Vorrichtung um ihre Bewegung zu behindern, die Frau ans bürgerliche Haus zu binden und ihr jegliche Selbständigkeit zu nehmen.
Die Krinoline blieb etwa 15 Jahre in Mode und unterlag starker Veränderung. Im Jahre 1859 hatte die Krinoline ihren Sinn als Statussymbol verloren, denn sie war nun für wenige Taler zu kaufen und konnten so auch von Dienstmädchen getragen werden. 1868 wurde die Krinoline verkleinert und nach hinten verlagert. Der Rock wurde im Laufe der sechziger Jahre vorn immer flacher, gleichzeitig wuchs er hinten in die Länge zu einer Schleppe, so dass die Damen die „Straße kehrten“.
Das große abendliche Dekolleté rahmte man weiterhin mit der „Berthe“, die oft mit Rüschen, Volants oder gar Edelsteinen verziert war. Zu den hochgeschlossenen Tageskleidern trug man in den fünfziger Jahren meist dreiviertellange Ärmel, die sich nach unten erweiterten. Handschuhe verdeckten dass letzte Bisschen Haut.
In den fünfziger und sechziger Jahren waren auch duftige Gewebe, die Frauen in eine Wolke aus spinnwebfeinen Stoffen hüllten, wie Musselin, Gaze und Taft sehr beliebt.
1 vgl. http://www.dessous-strumpfhosen.de/tipps/corsett4.htm 11.7.2007
2 vgl. Laver, J., S.184
3 vgl. Laver, J., S. 184
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Die Kleidung der ersten siebziger Jahre war üppig, luxuriös in hellleuchtenden Tönen aus verschiedenfarbigen Stoffen und verschiedenen Materialien. 4
Das Haar wurde in den fünfziger Jahren Haar in der Mitte gescheitelt und in einem sanften, die Ohren völlig bedeckenden Bogen nach hinten genommen und hier in einem kunstvollen, tief sitzenden Chignon, aus dem sich oft noch ein paar Haarlocken lösten, zusammengefasst. Als der Rock vorn zusammenschmolz und sich die Schleppe verlängerte, wurde das Haar ebenfalls strenger nach hinten gestrichen, während der Chignon höher auf den Hinterkopf hinaufrückte und voller und größer wurde. 5
Die Schute mit steifer, horizontaler Krempe, die das Gesicht seitlich umschloss, schränkten den Blick der Frau ein. Aus Hauben wurden Ende der sechziger kleine Hüte, die über die Stirn und auf einer jetzt zu einem enormen Knoten aus Zöpfen und Locken geformten Haarmasse thronten und den Kopf mehr schmückten als verhüllten. 6
Die Herrenmode veränderte sich in dieser Periode wenig. Zu dem Frack und dem langen Schoßrock kam 1850 das Jackett und 1867 das zweireihige Sakko hinzu. 7 In erster Linie ging es darum den Mann unauffällig zu kleiden, so beschränkte sich die Mode auf gedeckte Farben. Der Mann sollte und wollte in der Menge verschwinden. Man forderte von dem Gentleman, dass er sich zu jeder Stunde „richtig“ anzog. 8 Das breite, kunstvoll verschlungene Halstuch schmolz zu einem schmalen Krawattenbinder und der Zylinder eroberte alle Gesellschaftsschichten. 9 Zu Anfang des Jahrzehnts war er höher und steifer als je zuvor 10 , später wurde er niedriger.
Während die Frau nach außen den Reichtum verkörperte, stellt der Mann die Verkörperung des Geistes dar. Er bewegte sich in der Arbeitswelt, während die Frau überhaupt nichts tun durfte, um den gesellschaftlichen Rang deutlich zu machen und so nahmen die Kleider der Frau auch jede Bewegungsfreiheit. 11
4 vgl. Laver, J., S. 188f
5 vgl. Thiel, E., S. 346
6 vgl. Laver, J., S. 191
7 vgl. Boehn, M., S. 117
8 vgl. Boehn, M., S. 119
9 vgl. Laver, J., S. 168
10 vgl. Boehn, M., S. 124
11 vgl. Laver, J., S.172
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Arbeit zitieren:
Kristin Oetken, 2004, Sprache der Kleidung in Kostümfilmen am Beispiel von „Das Piano“ und „Zeit der Unschuld“, München, GRIN Verlag GmbH
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