Wirtschaftspolitisches Seminar: Altruismus, Fairness und Eigennutz
Gliederung
1 EINLEITUNG 2
1 DIE METHODE DER EXPERIMENTELLEN WIRTSCHAFTSFORSCHUNG 2
2 HISTORISCHE RÜCKSCHAU 3
3 GRÜNDE DES VERHALTENS 5
4 EXPERIMENTELLER NACHWEIS VON VERHALTENSPRINZIPIEN 7
4.1 Belohnen und Bestrafen 7
4.2 Reziprozität und die Rolle von Intention und Verfahren 8
4.3 Reziprozität in Gruppen 10
4.4 Reziprozität und Eigennutz 11
5 IMPLIKATION FÜR DIE WIRTSCHAFT 12
5.1 Steuermoral als bedingte Kooperation 12
5.2 Akzeptanz von sozialpolitischen Maßnahmen 14
6 ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSBEMERKUNG 15
7 ANLAGE 16
8 QUELLENVERZEICHNIS 18
Carsten Wacker 1
Wirtschaftspolitisches Seminar: Altruismus, Fairness und Eigennutz
1 Einleitung
Stellen sie sich vor, jemand bietet Ihnen 100 € an. Sie müssen nur entscheiden, wi e viel sie mit einer Anderen Person teilen wollen. Es gibt strenge Regeln. Es können keine Informationen ausgetauscht werden, und sie können nur ein Angebot machen. Der Andere kann das Angebot annehmen oder nicht. Wenn es nicht angenommen wird erhalten Beide gar nichts. Was würden sie tun? Würden sie 50% abgeben? Das wäre fair, nicht wahr? Oder versetzen sie sich in die Lage des Anderen; würden sie 10 € nehmen und den Anderen mit 90 € „davon kommen lassen“, oder 5 €? Immerhin besser als gar nichts? Und bedenken sie, es dürfen keine Absprachen gemacht werden. Was würden sie tun?
Dieses sogenannte Ultimatum-Spiel gehört zu einer wachsenden Disziplin der Wirtschaftswissenschaften, der experimentellen Wirtschaftstheorie. Es geht um die Frage, wie sich Menschen unter bestimmten Bedingungen als Wirtschaftssubjekt verhalten und was sie beeinflusst.
Clemenceau sagte einmal, dass der Krieg zu wichtig sei, um ihn den Generälen zu überlassen. Auch wenn es um Moral geht, sollte man diese Frage nicht den Philosophen überlassen. Besonders, wenn es um die Moralität der Märkte geht. In Zeiten, in denen Betriebsrenten kippen und Manager sich selbst bedienen ist die Frage nach Moralität eine sowohl brisante als auch sehr aktuelle. Handelt der Mensch nach dem bekannten Homo Oeconomicus Prinzip und ist nur auf sein eigenes Interesse bedacht, oder „...spielen auch soziale Motive wie Altruismus, Fairness, Reziprozität oder Neid eine Rolle? Durch die Entwicklung der experimentellen Wirtschaftsforschung ist es heute möglich, diese Frage systematisch zu untersuchen.“ (FALK, 2001a)
1 Die Methode der experimentellen Wirtschaftsforschung
Zu Beginn ist festzustellen, dass die Ökonomik nicht zu den als klassisch bekannten Wissenschaften gehört, in denen Experimente eine entscheidende Rolle spielen. Aus der Psychologie aber weiß man zum Beispiel, dass auch außerhalb der Naturwi ssenschaften Experimente zum Einsatz kommen.
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Beim Begriff „ökonomisches Experiment“ denkt man assoziativ eher an die Hartz Kommission oder die letzte Steuerreform, als an einen Laborversuch. Die Aufgabe der experimentellen Wirtschaftstheorie besteht darin, verschiedene Verhaltensweisen unter vorgegeben Bedingungen zu analysieren. Um dem ganzen Thema etwas Leben einzuhauchen, soll ein konkretes Beispiel betrachtet werden.
In Zeiten von eBay ist die Auktion kein Fremdwort mehr. Im ökonomischen Sinne wäre eine ideale Auktion, wenn es immer nur dann zu einem Handel kommt: „...wenn dadurch ein Effizienzgewinn erzielt werden kann, d.h. wenn es mindestens einen Bieter gibt, für den das zu versteigernde Gut einen höheren Wert besitzt als für den Verkäufer.“ ( WEIMANN, 2003, 9-15)
Eine Auktion sorgt außerdem dafür, dass das Gut an den Bieter mit der höchsten Zahlungsbereitschaft geht, weil der Effizienzgewinn dort sein Maximum erreicht.
So werden also z.B. Auktionen im Labor durchgeführt. Es gibt gewisse Spielregeln, welche in verschiedenen Experimenten modifiziert werden. Dies si nd die Bedingungen, unter denen nun die verschiedenen Verhaltensweisen analysiert werden.
Zu einem Experiment werden Gruppen von Teilnehmern eingeladen, welche im La-bor Anweisungen, den genauen Ablauf des Experiments und die Entscheidungs- und Auszahlungsregeln bekommen. Um sicher zu stellen, dass alle Teilnehmer die Regeln verstanden haben, müssen sie vor dem Experiment Testfragen beantworten. Wenn die Teilnehmer mit den Regeln vertraut sind, beginnt das eigentliche Experiment oder Spiel. Alle Teilnehmer bekommen gemäß der Auszahlungsfunktion tatsächliches Geld. Jede Entscheidung hat also Konsequenzen auf die Geldmenge der Teilnehmer. Dieser Faktor gibt dem Experiment auch einen wirtschaftswissenschaftlichen Charakter. Im Gegensatz zu Umfragen geht es hier nicht um mehr oder weniger wahre Behauptungen, sondern um reales Handeln mit all seinen Konsequenzen.
2 Historische Rückschau
Der Nobelpreis 2002 für Ökonomie wurde von der Schwedischen Akademie der Wi ssenschaft an Daniel Kahneman und Vernon Smith verliehen.
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Ihre grundlegende Arbeit auf dem Gebiet der experimentellen Wirtschaftsforschung war ein vorläufiger Höhepunkt einer kurzen Geschichte der wissenschaftlichen Methodik, die heutzutage nicht mehr wegzudenken ist. Die Frage nach dem Beginn di eser Epoche ist nicht ganz einfach und nach Weimann: „...vielleicht auch gar nicht nötig .“ (WEIMANN, 2003, 9-15). Einer der bedeutendsten Ökonomen auf dem Gebiet der experimentellen Forschung, AL Roth, hat die Suche nach dem Ursprung einmal mit der Entdeckung Am erikas verglichen. Denn Kolumbus war sicher nicht der erste, der die „Neue Welt“ entdeckte, aber er war der letzte, denn nach ihm war Amerika von so großer Bedeutung. Es war nicht mehr wegzudenken und konnte nicht noch einmal endeckt werden.
Somit stellt sich die Frage nach dem Kolumbus der experimentelle Forschung. Die Amerikaner verkünden (wie sonst auch), dass er aus ihren Reihen stammt und verweisen auf Edward Chamberlin und seine Publikation aus dem Jahre 1948. Davis und Holt weisen 1993 aber darauf hin, dass er in seinem Buch „The Theory of Monopolistic Competition“ seine Arbeiten nur in der achten Auflage mit einer kurzen Fußnote bemerkt. Das heißt, dass seine Publikation nicht nur von ihm weitestgehend unbeachtet blieb. Allerdings setzte er die Methode des Experiments in seinem Unterricht ein, was Folgen haben sollte. Denn unter den teilnehmenden Studenten war auch Vernon Smith, eben jener, der 2002 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Vernon Smith hat mit seinen ersten Arbeiten, die Ende der fünfziger Jahre entstanden sind, großen Anteil daran genommen, dass sich die experimentelle Wirtschafts-forschung durchsetzen konnte. Jedoch gab es auch in Deutschland Entwicklungen.
So legten Reinhard Selten und sein Lehrer Heinz Sauermann 1959 Berichte bezugnehmend experimenteller Studien über das Oligopolverhalten ab. Ein Vorwort Sauermanns in seinem Sammelband „Beiträge zur experimentellen Wirtschaftsforschung“ macht deutlich, dass es zu dieser Zeit bereits eine wachsende „Gemeinde“ von experimentellen Wirtschaftsforschern gab: „Der Weg zur experimentellen Wirt-schaftsforschung war nicht ohne Mühe. Als wir 1957 begannen, konnten wir nur auf einen, annähernd zehn Jahre vorher erschienenen Aufsatz von E. H. Chamberlin hinweisen. Von einer experimentellen Forschung auf breiter Basis konnte also damals auch im Ausland noch nicht die Rede sein.“ (SAUERMANN, 1967)
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Es ist also nicht übertrieben zu sagen, dass auch die Deutschen einen Anteil daran hatten, dass diese Disziplin nicht mehr vergessen wurde und sogar zu ihrer Entdeckung beigetragen hatten. Bis die experimentelle Wirtschaftsforschung aber breite Anerkennung fand, sollten noch ein paar Jahre vergehen. Anfang der sechziger Jahre gelang es den Arbeiten um Sauermann nicht, auch international Anerkennung zu finden. Man mag es amüsant finden, dass Reinhard Selten 1996 seinen N obelpreis für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Theorie und nicht für seine Leistungen auf dem experimentelle Gebiet bekam.
Auch Vernon Smith in Amerika war nicht sonderlich erfolgreich, weil niemand seine Arbeiten publizieren wollte. Er hatte gezeigt, dass Wettbewerbsmärkte sehr effizient sind, aber das war in der Wirtschaftstheorie nichts Neues.
Der Durchbruch ist vielleicht einer Disziplin zu verdanken, welcher die beiden Ökonomen Vernon Smith und Charles Plott nachgingen, wenn sie nicht gerade in die Forschung vertieft waren: dem Fischen. Während ihren gemeinsamen Angeltouren erzählte Smith seinem Freund von seiner bis dato nicht sonderlich erfolgreichen Arbeit. Diese Ideen haben Charles Plott dazu angeregt selbst Experimente durchzuführen. Plotts Arbeiten fanden nun aber Anerkennung. Im Folge dessen wurden auch Smiths A rbeiten wiederentdeckt. Somit waren Ende der sechziger Jahre ungefähr 100 Veröffentlichungen erschienen, die sich mit experimentleer Wirtschaftsforschung befassten. Den endgültigen Durchbruch aber sehe ich erst mit der Verleihung des Nobelpreises 2002. Das Thema „Experimentelle Wirtschaftsforschung“ wird auch in Zukunft die Ökonomik prägen und beeinflussen. Manche sprechen gar von einer Revolution und dem Sturz des „Königs“ Homo Oeconomicus. Man mag sich sein eigenes Bild darüber machen. Ich hoffe, meine Arbeit ist dabei von Nutzen.
3 Gründe des Verhaltens
Der bekannte Ökonom und Spieltheoretiker Werner Güth sagte einmal, dass wir von einer Theorie, die das ganze menschliche Verhalten erklärt, so weit entfernt sind, wie die Medizin davon, alle Krankheiten heilen zu können.
Das besagte Modell des Homo Oeconomicus, spielt in der ökonomischen Verhal-tenstheorie ein bedeutende Rolle, obwohl es nicht unbestritten ist.
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Carsten Wacker, 2004, Altruismus, Fairness und Eigennutz - Welche Faktoren bestimmen das Handeln des Menschen? , Munich, GRIN Publishing GmbH
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