André Bloemen, 29 06 05
Inhaltsverzeichnis
1. Deutschland - ein Land im Bildungsnotstand? S 3
2. Soziale Funktionen des Bildungssystems S 3
3. Bildungsexpans ion S 5
4. Die Pisa-Studie S 6
5. Die PISA-Studie im Hinblick auf soziale Ungleichheiten im Bildungssystem S 6
6. Primäre und sekundäre Ungleichhe iten S 8
7. Schlussreflexion S 10
8. Literaturverzeichnis
2
André Bloemen, 29.06.05
___________________________________________________________________________
1. Deutschland - ein Land im Bildungsnotstand?
In Zeiten einer deutschlandweiten Wirtschaftskrise, zunehmender Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit vieler Jugendlichen und einem unsicheren Blick in die Zukunft werden viele Vorschläge zur Gesundung unseres Landes von Politikern, Professoren oder Journalisten formuliert. Einen wichtigen Aspekt spielt dabei für viele Experten aus dem einst so rühmlichen Lande der „Dichter und Denker“ der gesamte Bildungssektor, der nicht erst seit der Diskussion um die Studiengebühren Gesprächsthema in der Öffentlichkeit ist.
Das deutsche Bildungssystem wies schon lange große Mängel auf. Allerdings rief diese Tatsache eigentlich keine hitzigen Diskussion hervor. Doch wohl spätestens seit der Veröffentlichung der so genannten PISA-Studie sind Politiker, Bürger und Journalisten schmerzhaft erwacht aus dem T raum, dass die Probleme des Bildungssystems weniger gravierend sind als man dachte. Die Aussage, dass in der Bundesrepublik Deutschland jeder - egal ob arm oder reich - die gleichen Bildungschancen besitzt, scheint von der vielfach zitierten PISA-Studie ad absurdum geführt worden zu sein. Doch welche Ungerechtigkeiten im Bildungssystem sind tatsächlich in der Bundesrepublik Deutschland existent?
Die folgenden Ausführungen befassen sich mit dieser Problematik. Dabei wird zunächst auf die sozialen Funktionen des Bildungssystems eingegangen. Danach wird erläutert, was unter dem Begriff Bildungsexpansion und den damit in Zusammenhang stehenden Folgen zu ve rstehen ist, um anschließend auf die PISA-Studie einzugehen. Auch soll anhand der PISA-Studie geklärt werden, ob es in der Bundesrepublik Deutschland einen Zusammenhang zwischen der Sozialschichtzugehörigkeit und der Bildungsbeteiligung gibt. In einer abschließenden Reflexion bewerte ich die dargestellten Ergebnisse, um schließlich dem deutschen Bildungssystem Vo rschläge für einen Weg aus der „Bildungsmisere“ zu unterbreiten.
2. Soziale Funktionen des Bildungssystems
Die Entwicklung der Sozialstruktur eines Landes ist auf verschiedenste Art mit der Entwicklung des jeweiligen Bildungssystems verbunden. Innerhalb einer Leistungsgesellschaft nimmt das Bildungssystem hauptsächlich zwei Funktionen wahr:
3
André Bloemen, 29.06.05
___________________________________________________________________________
Zum einen soll das Bildungssystem die Platzierungsfunktion erfüllen. Jeder Mensch kann sich über das „Sprungbrett“ Bildung in der sozialen Hierarchie nach oben arbeiten. Bestimmte Sonderrechte und Freiheiten - ohne Bildung auch soziale Nachteile - können über das Bildungssystem erreicht werden. Neue Lebensperspektiven werden über Bildung eröffnet. Der Soziologe Pierre Bourdieu prägte den Begriff des Bildungskapitals (Geissler, S.333).
Eine mit der Platzierungsfunktion eng in Verbindung stehende zweite Funktion von Bildungssystemen ist die Auslese- und Selektionsfunktion. Vom Grundprinzip her sollen Bildungssysteme nach Leistung selektieren. Die Realität zeigt jedoch, dass neben der Auslese nach Leistung auch immer eine Art soziale Auslese existiert. Ob es nun von den entscheidenden Personen (z.B. Lehrern) beabsichtigt ist oder nicht, auch die sozialen Merkmale des Einzelnen haben einen immensen Einfluss auf die jeweiligen „Bildungskarrieren“(Geissler, S.333). Zu den sozialen Merkmalen gehören unter anderem die soziale, ethnische und regionale Herkunft sowie das Geschlecht. Inwieweit die vertikale soziale Mobilität einer Gesellschaft ausgestaltet ist, wird vom Bildungssystem daher stark beeinflusst (Geissler, S.333).
Die soziale Auslese wird für eine Gesellschaft dann problematisch, wenn das im Grundgesetz verankerte Prinzip der Chancengleichheit nicht mehr erfüllt werden kann. Heranwachsende mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund, Stadt- und Landbevölkerung, Jungen und Mädchen sollen von der Grundidee her in der Bundesrepublik Deutschland die gleichen Chancen hinsichtlich sozialem Aufstieg, Beruf und Bildung haben Wird in einer Gesellschaft also zu sehr nach sozialen Kriterien und zu wenig nach leistungsorientierten Unterscheidungsmerkmalen selektiert, so ist keine Chancengleichheit mehr gegeben (Geissler, S.334).
Während in Westdeutschland das Prinzip der Chancengleichheit über ein leistungsbezogenes Konzept erreicht werden sollte, versuchte man in der ehemaligen DDR diesem Problem mit dem Proporz-Modell Herr zu werden. Diesem Modell zur Folge sollten alle Bevölkerungsgruppen einer Gesellschaft „entsprechend dem Anteil der Gruppe an der Gesamtbevölkerung in weiterführenden Bildungseinric htungen vertreten sein“(Geissler, S.334). Wie es um den derzeitigen Status der Cha ncengleichheit im deutschen Bildungssystem bestellt ist und wie der Begriff Bildungsexpansion in diese Thematik einzu-ordnen ist, sollen die weiteren Ausführungen darlegen.
4
Quote paper:
André Bloemen, 2005, Die dauerhafte soziale Ungleichheit der Bildungschancen in der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Gleiche Bildungschancen für alle – oder Abhängigkeit von der sozialen ...
Politics - Political Systems - Germany
Termpaper, 21 Pages
Ungleiche Bildungschancen in Deutschland
Wieso, Weshalb, Warum?
Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 26 Pages
Die Reproduktion sozialer Ungleichheit im und durch das deutsche Bildu...
Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
Das Hartz-Konzept - Eine armutspolitische Analyse über die Zusammenl...
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Sozialstruktur der Bundesrepublik - Ungleichheit, Armut und Mentalität...
Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification
Scholary Paper (Seminar), 13 Pages
Soziale Selektion und Ungleichheit im Bildungssektor
Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Betrachtung der Kinderarmut in Deutschland im Kontext sozialpädagogisc...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 36 Pages
Soziale Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem
Wie entscheidend ist die Herku...
Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Die Funktion der Maggie Pollitt in Tennessee Williams Cat on a Hot Tin...
Termpaper, 11 Pages
Bildungspolitik und soziale Ungleichheit - Warum das deutsche Schulsys...
Termpaper, 28 Pages
Vergleich der Schulsyteme der Niederlande und der BRD
Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Scholary Paper (Seminar), 37 Pages
Globalisierung und ihre möglichen Auswirkungen auf kulturelle Identitä...
Sociology - Culture, Technology, Peoples / Nations
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 29 Pages
André Bloemen has published the text Die dauerhafte soziale Ungleichheit der Bildungschancen in der Bundesrepublik Deutschland
André Bloemen has uploaded a new text
Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2009 / Design Award of the ...
Rat für Formgebung
Der Speigel: Aktuelle Themen in Der Bundesrepublik Deutschland
Anne Moss, Christoph Hauptmann
Berufsbildung in der Bundesrepublik Deutschland 1
Strukturprobleme und Ordnungsp...
Jörg Stender
Berufsbildung in der Bundesrepublik Deutschland 2
Reformansätze in der beruflich...
Jörg Stender
Europarechtliche Rahmenbedingungen für Investitionen aus Drittstaaten ...
Schwerpunktbereich: Internatio...
Patrick Gustave Dupalan
0 comments