Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Analyse des Gedichts 4
2.1 Analyse der äußeren Form 4
2.2 Analyse des Inhalts und der Sprache. 5
3. Einordnung in den Kontext der Entstehung 10
4. Das Ich in der modernen Lyrik 13
5. Schluss 14
6. Literaturverzeichnis 15
- 3 - 1.Einleitung
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit dem Gedicht „Nicht gesagt“ von Marie Luise Kaschnitz. „Nicht gesagt“ ist Teil des Gedichtbandes „Ein Wort weiter“, der 1965 erschien und wohl die bekanntesten und beliebtesten Werke der 1901 in Karlsruhe geborenen und 1974 in Rom verstorbenen Dichterin enthält. 1
Für die Interpretation, die im Rahmen dieser Arbeit zu erstellen ist, wurde zunächst eine Analyse des Gedichts vorgenommen. Zum einen gliedert sich diese in die Analyse der äußeren Form, bei der Strophenbau, Rhythmus, Reimschema und Besonderheiten der Interpunktion untersucht werden. Zum anderen enthält sie die Analyse des Inhalts und der Sprache. Hierfür werden der gedankliche Aufbau, die sprachliche Form und Stilmittel erfasst und auf ihren Zusammenhang hin mit der Thematik des Gedichts „Nicht gesagt“ geprüft. Zusätzlich fließen Interpretationsmöglichkeit en mit ein. Es bleibt nicht aus, dass bereits in der Analyse epochentypische Merkmale auftreten, deshalb folgt eine Einordnung des Gedichts in den Kontext seiner Entstehung. Dabei steht das Leben der Marie Luise Kaschnitz im Vordergrund. Denn gerade bei ihr, die das Wilhelminische Kaiserreich, die Weimarer Republik, die Wirren des 2. Weltkrieges und schließlich die Demokratie der BRD miterlebte, ist es wichtig, Zusammenhänge und Erkenntnisse zu konstatieren. In vielen ihrer Werke wurden diese Zeitereignisse verarbeitet, so auch in „Nicht gesagt“. Die Einordnung des Gedichts in die Zeit der modernen Nachkriegslyrik wirft unter anderem die Frage auf: Gibt es in modernen Gedichten das Ich noch? Denn es war die Rede von der ‚Entichung’, der Entpersönlichung, der Enthumanisierung der modernen Lyrik. 2
Diese recht prägnante Fragestellung bildet den roten Faden, der sich durch die gesamte Arbeit zieht und wird schließlich im 4. Kapitel beantwortet.
1 Anmerkung: In der Einleitung beziehe ich mich auf folgenden Aufsatz: Von Gersdorff,
Dagmar: Vom Tod der Liebe. In: Marie Luise Kaschnitz - Eine sensible Zeitgenossin. Hg. v.
Jan Badewien und Hansgeorg Schmidt - Bergmann. Karlsruhe 2002. S. 9-36.
2 Roßbach, Nikola: Mein Immernochda. In: Marie Luise Kaschnitz - Eine sensible
Zeitgenossin. Hg. v. Jan Badewien und Hansgeorg Schmidt - Bergmann. Karlsruhe 2002. S.
47- 72.
- 4 -Am Ende der Arbeit wird noch ein kurzer Ausblick gegeben, ob die Aussage des Gedichts an Aktualität eingebüßt hat oder ob es immer noch genauso relevant ist, wie zu Kaschnitz’ Zeiten.
2. Analyse des Gedichts
2.1 Analyse der äußeren Form
Für die Analyse der äußeren Form wird im Folgenden näher auf Strophenbau, Rhythmus, Reimschema und Interpunktion eingegangen. 3 Das Gedicht „Nicht gesagt“ ist insgesamt in fünf Strophen untergliedert. Die 1., 3., 4., und 5. Strophe bestehen jeweils aus vier Versen, wohingegen die 2. Strophe nur zwei Verse beinhaltet.
Wie die ganze deutschsprachige Nachkriegslyrik verzichtet Marie Luise Kaschnitz auf Metrum und Endreimbildung 4 . Freie Rhythmen herrschen vor. Auffällig sind auch die unterschiedlich langen Verse, der kürzeste Vers verfügt über zwei Worte, der längste über acht Worte: „Was von der Sonne zu sagen gewesen wäre“ (Vers 2).
Typisch für die Nachkriegslyrik ist auch die Spruchartigkeit eines Gedichts 5 . In „Nicht gesagt“ wird der Sprachfluss durch eine äußerst spärliche Interpunktion, die Zäsuren setzt, beeinflusst. Kommas fehlen gänzlic h, lediglich die 1. und die 3. Strophe werden durch einen Punkt beendet, in der 2. Strophe werden die zentralen Worte „Versuche. Gesuche.“ (Vers 5) durch Punkte abgegrenzt und dadurch nochmals betont. Zusätzlich bestimmen zahlreiche Enjambements in den Strophen wie z.B. „Nicht gesprochen vom Sämann/ Und nur am Rande vermerkt/ Den Hahnenfuß und das Veilchen.“ (Vers 8-10) den Sprachfluss.
3 Anmerkung: die Gliederungspunkte 2.1.1, 2.1.2,.2.1.3 und 2.1.4 werden hier im
fortlaufenden Text behandelt.
4 Kienecker, Friedrich: Es sind noch Lieder zu singen...- Beispiele moderner christlicher Lyrik
(Bd.24). Essen 1978. S.142.
5 Frey-Staiger, Eleonore, u.a.: Gott nicht gelobt - Über Dichtung und Glauben. Karlsruhe
1981. S.51.
- 5 - 2.2Analyse des Inhalts und der Sprache
In diesem Unterkapitel werden der gedankliche Aufbau, sprachliche Form und Stilmittel in ihrer Wechselwirkung zueinander untersucht. Dem Gedichttitel „Nicht gesagt“ kommt eine besondere Bedeutung zu, die durch die Wiederholung in der 1. Strophe noch verstärkt wird. Synonyme für die Phrase „Nicht gesagt“ ziehen sich durch den ganzen G edichttext: „Geschweige“ (Vers 4), „Weggelassen“ (Vers 7) oder „nicht gesprochen“ (Vers 8).
Betrachtet man den Ausdruck isoliert, ergeben sich mehrere Interpretationsmöglichkeiten. Zum einen kann es bedeuten, dass es nicht gesagt bzw. erwiesen ist, dass auf Grund einer Voraussetzung eine bestimmte Konsequenz zu erwarten ist. Zum anderen kann es ein Leugnen, ein Rechtfertigen einer Aussage bedeuten. Eine weitere Möglichkeit des ‚Nicht zu sagens’ ist das Verschweigen, entweder das bewusste Verheimlichen oder das ‚Nicht in der Lage zu sein’, etwas treffend zu formulieren. Letztere Bedeutung trifft auf den Titel „Nicht gesagt“ zu 6 . In der 1. Strophe, die den Gedichttitel nochmals aufnimmt, erkennt das lyrische Ich, das erst in der letzten Strophe ausdrücklich erwähnt wird, dass es zu einer vollständigen, den Gegenständen gänzlich gerechtwerdenden Beschreibung nicht fähig ist - trotz gegebener dichterischer Begabung. Marie Luise Kaschnitz greift nicht etwa auf Beschreibungsgegenstände zurück, über die noch nie ein Wort verloren wurde, im Gegenteil: „Sonne, Blitz und Liebe gehören für traditionelle Dichtungsart metaphorisch eng zusammen.“ 7 Sonnengesänge wurden in der Lyrik seit Jahrhunderten in vielfältigen Variationen praktiziert, ebenso wie der Blitz mannigfaltig beschworen wurde. Die klimaktische Aufzählung gipfelt in der Nennung der Liebe. Denn wie sollte von der Liebe etwas Richtiges gesagt werden, wenn schon Beschreibungsversuche von natürlichen Elementen, wie der Schönheit der Sonne oder der Gewalt des Blitzes, scheitern? Sonne, Blitz und Liebe werden noch besonders durch Inversionen und Ellipsen verdeutlicht: „Geschweige denn von der Liebe.“ (Vers 4)
6 Kienecker, Friedrich: Es sind noch Lieder zu singen.... S.141.
7 Ebd. S.143.
Arbeit zitieren:
Barbara Beierlieb, 2003, Interpretation des Gedichts "Nicht gesagt" von Marie Luise Kaschnitz, München, GRIN Verlag GmbH
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