1. Sachanalyse 3
1.1 Merkmale des Schwanks 3
1.2 Die Schildbürger 3
1.3 Herkunft und Entstehung der Schildbürger 4
2. Didaktische Analyse 5
2.1 Lehrplanbezug 5
2.2 Ziele der Stunde 5
2.3 Pädagogisch-psychologische Überlegungen 6
2.3.1 Exemplarität 6
2.3.2 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung: 6
2.3.3 Lernvoraussetzungen 7
2.3.4 Realisierbarkeit und Zugänglichkeit 7
3. Methodische Analyse 7
3.1 Einstieg 7
3.2 Erarbeitungsphase Hinführung 8
3.3 Erarbeitungsphase 8
3.4 Sicherung 8
3.5 Hausaufgabe 9
4. Verlaufsplanung 10
5. Anlagen: 11
5.1 Einstiegsbild 11
5.2 Text 12
5.3 Tafelanschrift 14
5.4 Schluss 14
5.5 Bild zum Schluss 15
6. Literaturangaben 16
2
1. Sachanalyse
1.1 Merkmale des Schwanks
„Schwankmotive sind an keine bestimmte literarische Gattung gebunden; sie können in den verschiedenen Formen der Erzählprosa, in der Ballade und auf der Bühne vorkommen. Der Schwank ist ein Handlungsplan, der durch die Figuren, die Situation, ein Wortspiel oder durch den Handlungsverlauf selbst bedingt ist. Sein Ziel ist ein lustiger und listiger ‚Schlagabtausch’. Jeder will den anderen übervorteilen oder austricksen. Der Plan kann sich aber manchmal auch gegen den Schelm selbst richten, und der Schelm steht am Ende als der Geprellte da. (...)“ 1
Im engeren Sinne versteht man heute unter Schwank eine kürzere lustige Erzählung mit einem Schwankmotiv, die zielstrebig eine überraschende Pointe anstrebt, ähnlich dem Witz. Der Schwank lebt von Gegensätzen, arm und reich, klug und dumm, und von einer komischen Situation, z.B. dass ein Sprichwort wörtlich befolgt wird. Das Publikum des Schwanks ist schadenfroh, wer den Schaden hat, wird häufig noch ausgelacht. 2
1.2 Die Schildbürger 3
Die sprichwörtlich gewordene Redensart vom Schildbürgerstreich beschreibt ein Verhalten, dessen komische Wirklichkeitsverfehlung durch den Widerspruch von vernunftwidrigem Handeln und praktischer Erfordernis entsteht, und das uns durch seine literarische Vermittlung in den Geschichten von den Schildbürgern vertraut ist. Die Geschichten der Schildbürger wurden unzählige Male nacherzählt u.a. von Gustav Schwab, Erich Kästner und Otfried Preußler; oft sind die Autoren aber gar nicht bekannt. Lesebücher beweisen, dass Schildbürgergeschichten nach wie vor fester Bestandteil der Schullektüre und auch des privaten Lesestoffs von Kindern sind.
1 Rötzer, H.-G.: Literarische Texte verstehen und interpretieren – Märchen, Sage, Götter- und Heldensage, Legende, Schwank, Fabel. München 1992. S. 192.
2 Nach Rötzer, S. 192.
3 Eigene Anmerkung: in den Punkten 1.2 ,1.3 und 1.4 beziehe ich mich auf folgende Quelle: Holzbauer, H. u.a.: Blätter für den Deutschlehrer – 23. Jahrgang. Berlin u.a. 1979. S. 97-105.
3
1.3 Herkunft und Entstehung der Schildbürger
Das 1598 veröffentlichte Buch „Die Schiltbürger“ ist eine Abwandlung des „Lalebuchs“, das in Straßburg 1597 erstmals erschien. Der Begriff „Lale“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet Schwätzer. Damit war die Beratertätigkeit der redegewandten Lalen an Fürstenhöfen gemeint. Später veränderte sich die Bedeutung zu hohlköpfiger Geschwätzigkeit.
Um ihrer Beraterpflicht zu entgehen, beschließen die Lalen, ihre Klugheit mit vorgetäuschter Dummheit zu überspielen. Sie verleugnen also ihre Wesensart und benehmen sich wider ihrer Natur. Dadurch sind sie von vornherein zum Scheitern verurteilt. Ihr Verhalten und ihre Narrheit steigert sich bis hin zum Chaos; die aus den Fugen geratene Welt endet mit der Zerstörung von Laleburg und dem Ausschwärmen der Lalen in die ganze Welt.
Dieses „Lalebuch“ wurde von Johannes Mercator zu den „Schiltbürgern“ umgearbeitet. Der Name „Schiltbürger“ leitet sich vermutlich von „schilt“, das „Wappen“ bedeutet, ab und heißt demnach Wappenbürger. Der Name ist als Anspielung auf die Unsitte zu verstehen, dass sich im Mittelalter jeder Bürger aus Überheblichkeit und Modenarrheit ein Wappen, das Symbol des Adels, zulegte. Zunächst war der Wohnort der Schildbürger Schilde in Misnopotamia, was soviel wie Schwätzerland bedeutete. Mit der Zeit ging aber diese Bedeutung verloren und im 18. Jahrhundert wurden die Schildbürger zu Bewohnern der Stadt Schilda in Meißen.
1.4 „Die Schildbürger bauen ein Rathaus“
Der Schwank „Die Schildbürger bauen ein Rathaus“ ist ein eigenständiger Schwank und kann ohne Kenntnisse weiterer Schildbürgerstreiche gelesen werden. Jedoch ist er eingebettet in die Schwanksammlung „Die Schildbürger“, die eine finale Ausrichtung der Gesamthandlung, nämlich den Niedergang Schildas und die Zerstreuung der Schildbürger in alle Welt, aufweist. Ein weiterer Unterschied zu anderen Schwänken wie z.B. Till Eulenspiegel, besteht darin, dass es keine einzelnen Schwankhelden gibt, sondern immer die Gruppe der Schildbürger.
Im Schwank „Die Schildbürger bauen ein Rathaus“ entschließen sich die Schildbürger, ein Rathaus in Eigenregie zu bauen. Es soll dreieckig werden, denn viereckige Häuser kann jeder bauen. Beim Bau bleiben natürlich auch die für die
4
Schildbürger typischen Pannen und Dummheiten nicht aus: so wird das Bauholz den Hang hinunter geschleppt. Als zufällig ein Baumstamm Hang abwärts rollt, werden alle Baumstämme wieder nach oben geschleppt, um sie runter rollen zu lassen, damit kein Zuschauer behaupten kann, die Schildbürger seien dumm. Fenster einzubauen vergessen die Schildbürger, sie versuchen daraufhin, mit Säcken etc. Licht einzufangen und in ihr Rathaus zu tragen. Ein Fremder gibt ihnen schließlich den Rat, das Dach abzureißen. Diesen Rat befolgen die Bauherren und reißen das Dach ab. Den ganzen Sommer über lang geht dies gut, doch als der Winter einbricht, müssen sie das Dach wieder aufbauen. Als endlich ein Schildbürger bemerkt, dass sie die Fenster beim Bau vergessen haben, wollen sie diese nachträglich einbauen, doch da jeder Schildbürger ein eigenes Fenster haben will, reißen sie fast das ganze Rathaus ein.
2. Didaktische Analyse
2.1 Lehrplanbezug
Das Thema „Freude am Lesen literarischer Texte verstärken: Einen Schwank lesen“ ist im Lehrplan für Realschulen in Bayern als Unterpunkt „Freude am Lesen literarischer Text verstärken“ von 5.4 „Mit Texten und Medien umgehen“ zu finden. Weitere Unterpunkte von 5.4 sind:
• Lesetechniken verbessern und sinnverstehendes Lesen üben
• Texte erschließen
• Mit unterschiedlichen Textsorten umgehen
• Das Angebot einer Bücherei kennen lernen
• Über den eigenen Medienkonsum nachdenken
2.2 Ziele der Stunde
Grobziele siehe Lehrplanbezug:
Freude am Lesen literarischer Texte verstärken
5
Quote paper:
Barbara Beierlieb, 2004, Freude am Lesen literarischer Texte verstärken: Einen Schwank lesen: Die Schildbürger bauen ein Rathaus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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