Heim , Ruetz Eine Gratwanderung - Bilanzen und Bilder SS 2005
INHALTSVERZEICHNIS
1. Controlling und Ästhetik 4
2. Bilder als Bestandteil einer neuen Controlling-Konzeption 8
3. Die Mächtigkeit / die Macht von Bildern 15
4. Die Metapher als Sprachbild 17
5. Resümee 20
Quellenverzeichnis 21
In unseren folgenden Ausführungen beziehen wir uns immer auf beide Geschlechter gle i-
cherma ßen.
2
Heim, Ruetz Eine Gratwanderung - Bilanzen und Bilder SS 2005
VORWORT
Im Rahmen des Controlling Aufbaukurses haben wir die Aufgabe zugeteilt bekommen eine Seminararbeit über ein vorher frei gewähltes Thema zu verfassen.
Die Informationen und Erläuterungen zu den einzelnen Themen fielen etwas spärlich aus und es wusste im Endeffekt niemand so genau, was uns erwarten wird. Nachdem wir nun also „die Katze im Sack“ gekauft hatten, hieß es die Katze aus dem Sack zu lassen, die Ärmel hochzukrempeln und mit der Arbeit zu beginnen.
Unser Thema „Controlling und Ästhetik“, in Anlehnung an den gleichnamigen Aufsatz von Prof. Kappler, versprach von Anfang an einerseits höchst interessant zu werden, würde uns aber andererseits auch einiges abverlangen.
Die Begriffe Bilder, Abbild, Wahrnehmung und Wirklichkeit spielen ein e wesentliche Rolle bei unserer Arbeit, wenngleich sie nicht nur einmal unsere Köpfe gehörig zum Rauchen brachten, weil uns der Link mit der Controlling-Wissenschaft nicht immer ganz klar gewesen ist.
Zur Gliederung der Arbeit lässt sich sagen, dass wir uns zwar an den vorgegebenen Artikel von Prof. Kappler angelehnt haben, aber dennoch unseren eigenen Ideen und Fragestellu ngen gefolgt sind und uns kreativ ein wenig ausgetobt haben.
Es sei noch erwähnt, dass wir uns nicht als Märchenerzähler verkleidet haben und versuchen alle Controlling-Fans mit einer neuartigen, einzigartigen (?) Theorie (Geschichte) des Controlling zu begeistern. Nein, unsere Mission ist es die Standpunkte der bisherigen Ergebnisse/Ermittlungen für die Leser in einer möglichst verträglichen und verständlichen Art und Weise darzustellen. Sollte uns dies mit der vorliegenden Arbeit gelungen sein, so ist unsere Mission erfüllt.
Innsbruck, April 2005
Heim, Ruetz Eine Gratwanderung - Bilanzen und Bilder SS 2005
CONTROLLING UND ÄSTHETIK
(STEFAN RUETZ)
Ästhetische Erfahrung kann als eine Art Schwellenerfahrung gesehen werden, die dem Einzelnen widerfahren kann, aber nicht muss. Ohne zwischen Ritual und Theater zu unte rscheiden, könnte man in beiden Bereichen solche Schwellenerfahrungen orten. Es wird dazu beschrieben, dass bei diesen Übergangserfahrungen bzw. -riten drei Phasen auftauchen 1 :
Die erste, die Trennungsphase, in der die zu Transformierenden aus ihrem Alltagsleben herausgelöst und ihrem sozialen Milieu entfremdet werden. In der zweiten Phase, in der Schwellen- oder Transformationsphase, in der die zu Transformierenden in einen Zustand zwischen allen möglichen Bereichen versetzt werden, der ihnen zum Teil völlig neue, ve rstörende Erfahrungen ermöglicht. In der dritten Phase, der Inkorporationsphase, werden die nun Transformierten wieder in die Gesellschaft aufgenommen und in ihrem neuen St atus, ihrer veränderten Identität akzeptiert 2 .
Diese Struktur lässt sich in den verschiedensten Kulturen beobachten, aber was hat sie mit Controlling zu tun?
Nun, eine neue Theorie des Controlling könnte so aussehen, dass sie offen für alle bisherigen Ansätze bzw. Konzeptionen ist und den Fokus auf die Wahrnehmung, auf die Ästhetik legt. Wenn man akzeptiert, dass eine Neutralität in der Beziehung zwischen Management und Controlling nicht herstellbar ist, dann kommt man zur alten Frage der Ästhetik, zur Frage nach dem Verhältnis zwischen Bild, Abgebildetem und den Abbildungsbedingu ngen. Controlling könnte einer offenen, ästhetischen Theorie zufolge diesem Verhältnis nachspüren, die Vagheit akzeptieren und so durch ihr Nach-Denken praktisch hilfreich und wirksam werden 3 .
Bezogen auf die anfangs beschriebene(n) Schwellenerfahrung(en) könnte eine Ästhetik neue, verstörende Erfahrungen bieten, zum Nach-Denken anregen, kreative Ideen und Ges-taltungsvorschläge herausbringen.
1 Vgl. Fischer-Lichte (2003), S. 138 ff..
2 Vgl. dies., S. 139.
3 Vgl. Kappler (2002), S. 377.
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Mögliche Eckpunkte dazu könnten sein, dass man sich an Entgrenzung hält, Konventionen und Heuristiken genauer betrachtet, die Unternehmung und ihre Bilder beleuchtet, sowie das Controlling als Konstrukteur ansieht 4 .
Zur Entgrenzung existiert beispielsweise eine Theorie in der Erwachsenenbildung: Wenn dieser zufolge traditionelle Erwachsenen- und Weiterbildungsinstitutionen nicht nur Bildungsaufgaben, sondern zudem auch arbeitsmarkt-, sozialpolitische und gesellige Aufgaben übernehmen, während andere Institutionen im Bereich der Kultur und Ökonomie sich für das Lernen Erwachsener und die Kultivierung von Personen engagieren, dann werden dadurch nicht nur die (äußeren) Grenzen dessen verschoben, was unter Erwachsenen - bzw. Weiterbildung verstanden wird. Vielmehr kommt es zu einem Unscharfwerden der Gre nzen dieser Bereiche an sich und damit zur Entgrenzung der Erwachsenenbildung, die sich mit anderen Bereichen und Praxisformen vermengt 5 . Beim Controlling, genauer gesagt beim strategischen Controlling kann eine Entgrenzung stattfinden, wenn man anstatt nur das Ziel im Auge zu haben, eine optimale Entfaltung der Erfolgspotentiale der Unterne hmung zu gewährleisten, öffnende Fragen stellt. Diese Fragen nach organisationalen Lern-und Entwicklungsprozessen sollen kritisch reflektieren und bei der Überschreitung des bisher Betrachtbaren nützlich sein. Gefragt wird hier nach dem vermeintlich Selbstverständlichen, nach Routinen, um diese wahrzunehmen und gegebenenfalls zu veränder n 6 .
Konventionen und Heuristiken in Unternehmen, im Controlling sollen angeschaut werden, es soll darüber nach-gedacht werden. Auf diese Reflexion begründen vor allem Pietsch/ Scherm ihren Ansatz eines reflexionsorientierten Controlling, wobei allerdings offen bleibt, wie sie die Möglichkeiten der Reflexion konkret erschließen wollen. Es geht nicht darum, dass dieses Nach-Denken sofortige Lösungen mit sich bringt, sondern darum, dass es u.a. die Tarnung uneingestandener Fehleinschätzungen und die unreflektierten Vorannahmen bzw. Prämissen der Beteiligten aufdeckt 7 . Es gibt unzählige Beispiele dafür, wie schwierig es für uns Menschen ist, vorgegebene Denkschemata hinter uns zu lassenein Beispiel aus wissenschaftlicher Sicht sind die frühen Anfänge der sy stemischen Psychotherapie, die wie die anderen Disziplinen noch lange nach der einen Ursache von ps ychischen Störungen suchte, die es nicht gibt und nicht gab.
4 Vgl. Kappler (2002), S. 381 ff..
5 Vgl. Kade, Seitter (2004), abgerufen am 30.03.2005.
6 Vgl. Kappler (2000), S. 300 ff..
7 Vgl. Kappler (2002), S. 381.
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Hier sieht man, wie sehr uns die Prämissen, auf denen unser Denken beruht, die Kategorien, welche wir vor unserer Wahrnehmung bereits entwickelt haben, uns auf eine Art und Weise beeinflussen, dass wir in ein paar Jahren das damals Geschriebene nur kopfschüttelnd bestaunen 8 . Ein gutes Beispiel hierfür ist auch die Drogenpolitik, ein (immer noch) Tabuthema, über das fast nur negativ berichtet wird (werden darf). Genau wegen dieser sehr einseitigen Berichterstattung scheint es aber als sinnvoll, hinter diese Vorannahmen zu schauen; denn wenn reflektiert wird, dann die negative Bewertung des Konsums, der meist mit einem krankhaften Ve rsuch, der Realität zu entfliehen, resultierend aus einem Fehlverhalten aufgrund von frühkindlichen Schädigungen, assoziiert wird. Es wird dabei einseitig reflektiert und die positiven Eigenschaften (ohne Schönfärberei zu betreiben) wie Heilmittelqualität, Realitätsbewältigung, Ritualcharakter oder symbolische Funktion von Drogen gänzlich vergessen 9 . Aber das ist immer die Gefahr: Reflexion kann von Nutznießern oder bestimmten Gruppen insofern diffamiert werden, dass diese Gruppe die für sie wichtigen Punkte hervorstreicht. Außerdem trägt Erkenntniserweiterung immer dazu bei, dass Scheinvertrautheiten aufgelöst werden und wir uns mit zunehmendem Wissen unsicherer fühlen, anstatt die Komplexität zu akzeptieren und zu nutzen 10 .
Controlling als Konstrukteur von Kennzahlen, Bildern etc. leistet nicht nur Reduzierung von Komplexität, sondern ist auch Bestandteil von neuer Komplexität. Die produzierten Kennzahlen, Instrumente und Verfahren müssen wiederum von den Anwendern versta nden, gedeutet, interpretiert, benutzt u.ä. werden. Eigentlich sollten durch das Controlling die Landkarten vereinfacht werden, oft ist dies aber nicht möglich und Komplexität wächst 11 . Dazu ist es interessant, dass der Konstruktivismus als erkenntnistheoretisch e Grundlage systemischen Denkens besagt, dass wir darauf angewiesen sind, Konzepte bzw. Landkarten über unsere Welt zu entwickeln, um uns das Zurechtfinden zu erleichtern. Die Frage stellt sich, ob es eigentlich eine Wirklichkeit gibt, wenn jeder diese subjektiv und anders erlebt bzw. sich diese selbst konstruiert, ob es nicht unsere Erfindung ist 12 . Umso wichtiger erscheint es, Landkarten und Orientierung zu haben in dieser Komplexität, die durch das Controlling noch vergrößert wird.
8 Vgl. von Schlippe/Schweitzer (2002), S. 18 f..
9 Vgl. Fromberg, Trautmann (2000), abgerufen am 26.04.2005.
10 Vgl. Kappler (2002), S. 381.
11 Vgl. ders., S. 382.
12 Vgl. von Schlippe/Schweitzer (2002), S. 87 f..
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Arbeit zitieren:
MMMag. Stefan Ruetz, Nicola Heim, 2005, Eine Gratwanderung: Bilanz(en) und Bild(er), München, GRIN Verlag GmbH
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