9.2. Steigerung der Mitarbeiterproduktivität Seite 21
10. Auswirkungen auf Verkehr und Umwelt Seite 21-22
11. Schlußbemerkung Seite 22
12. Literaturverzeichnis Seite 23
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1. Vorwort
Im Zusammenhang mit der seit Jahren intensiv geführten Diskussion über den Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft und den damit zu erwartenden Veränderungen, fand der Bereich Arbeit lange nur eine periphere Beachtung. Doch gerade in diesem Bereich sind die größten Umwälzungen und beträchtlichsten Folgen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu erwarten. Der Begriff Arbeit erhält durch die neuen Informations- und Kommu- nikationstechnologien (IuK-Technologien) und die weltweite Verknüpfung von Datennetzen eine völlig neue Dimension, da Arbeit erstmalig eine räumliche wie zeitliche Flexibilität bie- tet und dies schon heute zu Veränderungen in der gesamten Arbeitsorganisation führt.
Der genannte Wandel und die damit verbundenen bzw. daraus resultierenden Möglichkeiten der neuen IuK-Technologien schaffen eine ideale Grundlage zur verstärkten Einführung von Telearbeit. Telearbeit stellt eine Arbeitsform dar, die in Zeiten zunehmender Individualisie- rung, drohender Verkehrsinfarkte und eines, insbesondere in Westeuropa und Nordamerika, stark zunehmenden Energiebewußtseins, Vielen als ein zukunftsträchtiges Modell erscheint. Auch wenn Telearbeit schon seit Ende der 70er Jahre in simpler Ausprägung bekannt ist, a- vancierte sie aber erst in den letzten Jahren zu einer Arbeitsform, die zunehmend in den Mit- telpunkt des öffentlichen, aber auch des wissenschaftlichen Interesses gerückt ist. Belegt wird dieses Interesse nicht zuletzt durch eine Flut von wissenschaftlichen Publikationen, Gutach- ten, Initiativpapieren und empirischen Untersuchungen.
Ich möchte in meiner Arbeit erläutern, worum es sich bei Telearbeit im Einzelnen handelt und welche Chancen, aber auch Risiken für den Arbeitnehmer und Arbeitgeber daraus entstehen. Dazu gehören u.a., eine möglichst genaue Definition des Begriffes Telearbeit, das Aufzeigen seiner verschiedenen Erscheinungsformen und wo und wie die Kosten dieser Arbeitsform anzusiedeln sind. Ich werde mich dabei zu einem großen Teil auf eine Studie der Bundesre- gierung, die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom entstanden ist, beziehen. Sie trägt den Titel „Telearbeit im Mittelstand“. Dabei handelt es sich um eine Initiative zur Förderung und Erprobung von Telearbeit in Europa, an der ca. 400 Firmen aus verschiedenen Branchen teilgenommen haben.
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werde ich, trotz uneinheitlicher Terminologie, den Begriff Telearbeit verwenden, der dem amerikanischen Begriff des telecommuting am Nächsten kommt und sich in der deutschsprachigen Fachliteratur weitesgehend durchgesetzt hat.
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2. Definition und Formen von Telearbeit
Obwohl Telearbeit bei Unternehmen, Ministerien und Bevölkerung diskutiert wird, ist der Begriff wegen der Vielzahl der Varianten, Ausprägungen und Formen nur schwer zu fassen. Die verschiedenen Formen haben auch unterschiedliche wirtschaftliche und soziale Bedeu- tung. So kann ein Telearbeiter z.B. abhängig Beschäftigter oder Selbständiger sein, gelegent- lich oder stets von zu Hause aus arbeiten. Nachfolgend soll versucht werden den Begriff Tele- arbeit möglichst genau zu definieren. Anschließend werden die verschiedenen Telearbeits- formen dargestellt.
2.1. Definition
Unter Telearbeit versteht man im weitesten Sinne Arbeit, die zumindest zeitweise nicht in der Betriebsstätte des Arbeitgebers, sondern in den Wohnungen oder in der Nähe der Wohnorte der Arbeitskräfte unter primärer Nutzung der modernen IuK-Technologien durchgeführt wird. Hierbei ist es wichtig, daß es sich um eine regelmäßig ausgeführte Tä- tigkeit handelt.
Folglich ist die Telearbeit zum einen charakterisiert durch eine örtliche Trennung der A r- beitsverrichtung vom Firmen- bzw. Betriebssitz sowie die daraus resultierende Dezentrali- sierung und zum anderen durch die Nutzung von neuen IuK-Technologien als Hilfsmittel.
2.2. Formen von Telearbeit
Grundsätzlich lassen sich heute weltweit sechs Haupterscheinungsformen der Telearbeit präzise charakterisieren und in individuelle und kollektive Telearbeit unterscheiden. U n- ter individueller Telearbeit versteht man Arbeiten, die z.B. in der eigenen Wohnung, beim Kunden oder von unterwegs durchgeführt werden wobei die Arbeitskraft in kommunika- tiver Verbindung mit seinem Arbeitgeber steht (z.B. Teleheimarbeit, mobile Telearbeit und teilweise virtuelle Unternehmen). Im Falle der kollektiven Telearbeit erbringen A r- beitskräfte gemeinsam in einem Büro in der Nähe ihrer Wohnung Arbeiten für verschie- dene Arbeitgeber, entweder als abhängig Beschäftigte oder als Selbständige (z.B. Nach- barschaftsbüros, Telehäuser/-centren und teilweise virtuelle Unternehmen). Eine Misch- form stellt die alternierende Telearbeit dar.
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2.2.1. Teleheimarbeit
Die Wohnung ist bei der Teleheimarbeit, ähnlich wie bei der klassischen Heimarbeit, gleichzeitig auch Arbeitsstätte. Der Teleheimarbeiter nutzt an einem abgetrennten A r- beitsplatz seiner privaten Wohnung IuK-Technologien, d.h. beispielsweise PC und Mo- dem, und erledigt dort die ihm aufgetragenen Aufgaben. Bei den Aufgaben handelt es zum größten Teil um Datenverarbeitung oder Übersetzungsaufgaben, bei denen die Kenntnis innerbetrieblicher Strukturen nicht nötig ist.
Obwohl die Teleheimarbeit lange Zeit als die einzige Variante der Telearbeit galt, ist sie heute unter Erwerbstätigen mit Arbeitnehmerstatus kaum mehr vertreten. Dies liegt daran, daß die entsprechenden Tätigkeiten meist von den Unternehmen in außereuropäi- sche Niedrigstlohnländer ausgelagert werden können. In Deutschland handelt es sich bei Teleheimarbeitern somit meist um freie Mitarbeiter oder Selbständige.
2.2.2. Alternierende Telearbeit
Die alternierende Telearbeit findet in Deutschland die weiteste Verbreitung, da sie das breiteste Spektrum an Einsatzmöglichkeiten bietet. Hauptzielgruppe dieser Arbeitsform sind qualifizierte Mitarbeiter aus höheren Positionen der Unternehmenshierarchie u.a. aus den Bereichen Management, Forschung und Entwicklung, welche oftmals die alter- nierende Arbeitsform bereits praktizieren, ohne es zu wissen. Wie bereits erwähnt, han- delt es sich hierbei um eine Mischform aus der individuellen und der kollektiven Tele- arbeit, da sie flexible Möglichkeiten bietet, die Bürozeit und die Zeit zu Hause zu kom- binieren. Wie die zeitliche Aufteilung aussieht ist hier irrelevant; wichtig ist hierbei nur die regelmäßige Abwechslung zwischen den genannten Zeiten.
Der besondere Anreiz dieser Arbeitsform für den Mitarbeiter liegt u.a. im Mehr an per- sönlichem Entscheidungsspielraum und Individualität sowie im Mehr an Ruhe und e i- nem dadurch effizienterem Arbeiten in vertrauter Umgebung. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Berufs- und Familienleben besser miteinander zu vereinbaren, was vor allem für die weiblichen Mitarbeiter einen großen Anreiz darstellt. Ein weiterer Aspekt, der sich positiv auf ein stressfreies Arbeiten auswirken kann, ist die Reduzierung von Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz.
Die daraus resultierenden Vorteile für das Unternehmen l iegen auf der Hand, da sie zum
einen die Attraktivität für die Mitarbeiter steigern und somit das Humankapital besser
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nutzen und fördern, und zum anderen können sie so Bürokosten etc. einsparen. Letzeres wäre z.B. beim „Desk Sharing“ der Fall, wo sich mehrere Mitarbeiter einen Arbeitsplatz im Unternehmen teilen. Darauf wird später noch etwas genauer eingegangen. Außerdem bringt die alternierende Arbeitsform durch das Mehr an Konzentration der Mitarbeiter, ein Mehr an Effizienz und kann somit zu einer Produktivitätssteigerung führen. Stark diskutiert wird auch der Aspekt der Umweltentlastung. Wissenschaftler sind sich in die- ser Hinsicht allerdings nicht ganz einig, weshalb auch dieser Punkt später noch mal auf- gegriffen wird. Weiterhin kommt die häufig von Gewerkschaften angeführte Kritik, T e- learbeit würde soziale Isolation hervorrufen, bei dieser Variante kaum zum Tragen, da mit der regelmäßigen Anwesenheit im Betrieb der Kontakt zum Arbeitgeber bzw. A r- beitskollegen gewährleistet ist.
2.2.3. Nachbarschaftsbüros und Telehäuser / Telecentren
Diese, besonders in den skandinavischen Ländern sowie Großbritannien und Frankreich weitverbreiteten Formen der Telearbeit, sind in Deutschland zur Zeit noch kaum b e- kannt und bilden daher hierzulande lediglich eine Randerscheinung.
Beim Nachbarschaftsbüro nutzen mehrere Unternehmen gemeinsam ein Bürozentrum in oder am Rande von Wohngebieten, zu dem sich die Mitarbeiter täglich begeben, um dort ihre Arbeit zu erledigen. Ein solches Bürozentrum liegt in der Regel verkehrsgüns- tig und wird entweder von den Unternehmen oder aber der Gemeinde eingerichtet. Die Vorteile für den Mitarbeiter sind vor allem die Nähe zur Wohnung, eine größere zeitli- che Flexibilität, der Kontakt zu anderen Mitarbeitern und eine gute technische Ausstat- tung. Für die Unternehmen lassen sich aufgrund dieser Arbeitsform Kosteneinsparungen für Büroräume und weitere Dienstleistungen verzeichnen und die Gemeinden verhin- dern dadurch ein Abwandern von Arbeitskräften in strukturstärkere Regionen.
Fast identische Vorteile bestehen auch im Bereich der Telecentren bzw. Telehäuser, die ebenfalls ihre Hauptverbreitung in Skandinavien finden. Es handelt sich hierbei um eine abgewandelte Form der Teleheimarbeit, kombiniert mit der Idee der Nachbarschaftsbü- ros. Ein solches T elehaus stellt die technische Infrastruktur und bietet besonders in strukturschwachen Regionen die Möglichkeit, das Abwandern des Humankapitals zu verhindern (sog. Braindrain). Aufgrund der Tatsache, daß die räumliche Entfernung keine Rolle spielt, kann ein solches Telehaus national wie international flexibler arbei- ten. Der Hauptunterschied zum Nachbarschaftsbüro liegt darin, daß ein solches Tele-
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centrum selbständig arbeitet und in keiner direkten Abhängigkeit von einem Unterneh- men steht.
2.2.4. Satellitenbüros
Von Satellitenbüros spricht man, wenn ein Unternehmen Arbeitsstätten an einen ande- ren Ort (auch Ausland) auslagert und mit Hilfe von IuK-Technologien (ISDN, Video- konferenz, Internet etc.) an die Zentrale bindet. Man kann ganz einfach auch von einer Filiale sprechen, die als Unter- oder Nebeneinheit relativ selbständig arbeitet. Diese Zweigstellen bleiben somit in die Unternehmensstruktur eingebettet, und daher ist diese Variante besonders geeignet für expandierende Firmen, die ihre alten Firmengebäude behalten möchten. Da bei dieser Erscheinungsform kein räumlicher Zusammenhang notwendig ist, spart das Unternehmen, wie auch bei den anderen geschilderten kollekti- ven Arbeitsformen, erheblich an Bürokosten. Auch hier wird dem Arbeitnehmer die Möglichkeit geboten, die häufige Diskrepanz zwischen Arbeitsort und Wohnort zu u m- gehen und Fahrtzeiten einzusparen. Weiterhin profitieren die strukturschwachen Regio- nen von dieser Arbeitsform, da durch sie auch hier ein Abwandern von Arbeitskräften in strukturstärkere Regionen verhindert werden kann.
2.2.5. Mobile Telearbeit
Die wohl älteste Form der Telearbeit ist die mobile Telearbeit. „Immer schon arbeiteten Handelsvertreter, Banken in ländlichen Regionen, u.ä. ohne ständige Anwesenheit an einem festen Arbeitsplatz.“ (Drücke; Feuerstein; Kreibich, 1986, S.72) Allerdings wird die Tätigkeit von unterwegs, beim Kunden und von zu Hause durch modernste IuK- Technologien (Notebook, Handy, Modem etc.) verbessert und rationalisiert. Außen- dienstmitarbeiter, Servicetechniker, Journalisten, Handelsvertreter und viele andere B e- rufsgruppen nutzen diese flexible Arbeitsform, die Kundenbezogenheit und selbstbe- stimmte Arbeitsweise fördert und räumliche Mobilität und zeitliche Flexibilität opti- miert.
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Arbeit zitieren:
Nina Wilken, 2001, Telearbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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