Philipps-Universität Marburg
Institut für Erziehungswissenschaft
Studienbegleitende
Hausarbeit
im Vorgriff auf das Diplom
Mediation
in der Schule
vorgelegt von:
Anna Fellechner
Abgabedatum: 09.06.2005
Gliederung
1. Einleitung 3
2. Der Begriff der Mediation 4
2.1. Konflikte 4
2.2. Mediation – eine andere Art der Konfliktlösung 5
2.3. Geschichte der Mediation 6
2.4. Anwendungsfelder 7
2.5. Das idealtypische Verfahren, seine Ziele und Akteure 7
3. Mediationsverfahren in der Schule 9
3.1. Schule als Sozialisationsinstanz 9
3.2. Mentalitätswandel 10
3.3. Peer-Groups 10
3.4. Konflikte im schulischen Bereich 11
3.5. Peer-Mediation 11
3.6. Etablierung von Mediation an Schulen 12
3.6.1. Besonderheiten der Peer-Mediation an Schulen 14
3.6.2. Unterstützung und Begleitung 14
3.6.3. Auswahl der Peer-Mediatoren 15
3.6.4. Ausbildung der Peer-Mediatoren 15
3.6.5. Grenzen der Peer-Mediation 16
4. Schlussbetrachtung 17
Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
Pädagogen werden in ihren Arbeitsfeldern auf vielfältige Art mit den verschiedensten Konflikten konfrontiert. Sie sind gefordert, mit ihnen umzugehen, sie zu lösen oder die Konfliktparteien bei der Umsetzung von Lösungen anzuleiten. Unter den vielen Möglichkeiten mit Konflikten umzugehen, ist Mediation eine, die auf der Annahme eines positiven Konfliktbegriffs basiert. Konflikte werden dabei als Chance zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit durch zielgerichtetes, lösungsorientiertes Verhalten in den konfliktbehafteten Situationen angesehen.
Da die Anwendungsfelder der Mediation sehr vielschichtig sind, können im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht alle Felder behandelt werden. In dieser Arbeit soll daher die Umsetzungsmöglichkeit der Mediation im schulischen Bereich dargestellt werden. Die Sozialisation in der Schule legt sowohl für das Leben in demokratischen Gesellschaftsstrukturen wie für den späteren Umgang mit Konflikten im Erwachsenenleben wichtige Grundsteine in Bezug auf Einstellung und Verhalten. Hierbei kommt der Schule eine wichtige Rolle bei der Bildung sozialer Kompetenzen zu.
Im konkreten Konfliktfall kann Mediation als Maßnahme zur Intervention angewandt werden. Die vorliegende Arbeit soll die Möglichkeiten beleuchten, mit Hilfe von Mediation eine langfristige, nachhaltig wirksame Verhaltensänderung zu implementieren. Ziel dieser Änderung im schulischen Bereich wäre die Etablierung von Peer-Mediatoren als Anfang einer neuen Konfliktlösungskultur.
Dadurch stellt Mediation auch eine Maßnahme der Prävention dar. Ihre Anwendung in der Schule kann Kindern und Jugendlichen zeigen, dass eine andere Form des Umgangs miteinander möglich ist und dass Konflikte zur Zufriedenheit der beteiligten Parteien gelöst werden können. Im Kern kann das Mediationsverfahren Dinge bewegen, die dem ureigensten Ziel der Pädagogik, wie auch der Sozialpsychologie entsprechen Das Selbstbild, das Selbstbewusstsein und die Sozialkompetenz zu stärken, den Umgang mit den eigenen Stärken und Schwächen zu erproben, die Bereitschaft zu mehr Selbstverantwortlichkeit zu induzieren und Möglichkeiten der Selbstbildung aufzuzeigen.
Einleitend wird ein kurzer Abriss über die Entstehung und die verschiedenen Arten von Konflikten gegeben, sowie über den häufig zu beobachtenden Umgang mit ihnen. Schließlich wird Mediation als eine andere, konstruktive Art der Konfliktlösung vorgestellt. Des Weiteren wird ein Blick auf Geschichte, Anwendungsfelder, Ziele und Akteure der Mediation geworfen. In Kapitel 3 wird auf die Diskrepanz zwischen den geforderten Lernzielen von Demokratie und Konfliktlösungsverhalten und dem tatsächlichen Zustand in Schulen hingewiesen und auf den Mentalitätswandel, der sich in Deutschland vor allem seit der Veröffentlichung der Ergebnisse der PISA-Studie bemerkbar macht, eingegangen. Es soll gezeigt werden, dass durch Peer-Mediation Konflikte im schulischen Bereich langfristig und nachhaltig gelöst werden können und die mit Mediation erlernten Kompetenzen zu einem Leben in demokratischen Gesellschaften befähigen. Das Konzept der Peer-Mediation soll definiert werden und es soll auf dessen Möglichkeiten und Grenzen hingewiesen werden.
2. Der Begriff der Mediation
2.1. Konflikte
Der Mensch ist ein soziales Wesen und verbringt den größten Teil seiner Zeit in Interaktion mit seinen Mitmenschen.1 Diese Interaktion kann auf vielfältige Weise gestört sein. Hält die Störung längere Zeit ohne gelöst zu werden an oder ist sie besonders ausgeprägt, so kann sich ein schwerwiegender Konflikt entwickeln.2 Jede Konfliktpartei will ein bestimmtes Ziel oder Ergebnis erreichen und sieht die Austragung des Konfliktes als Mittel zur Durchsetzung ihrer Ansprüche an.3
Bei der Entwicklung von Konflikten nimmt man neun verschiedene Stufen bzw. Grade der Eskalation an, die methodisch jeweils unterschiedliche Interventionsansätze erfordern.4 Im allgemeinen Verständnis wird der Konflikt als schädlich, schlecht und unproduktiv wahrgenommen, er lässt normale Beziehungen zwischen Menschen nicht mehr zu und kann zu Gewalttätigkeiten führen.5
Die in dieser Arbeit berücksichtigten Konfliktbereiche sind die der sozialen Konflikte und darin insbesondere die in zwischenmenschlichen Beziehungen vorkommenden intrapersonalen (endogenen) und interpersonalen (exogenen) Konflikte.6
[...]
1 aus Krech, S.13
2 Vergleiche hierzu Retter, S.375-392
3 Imbusch, S.73
4 Mehta, S.103/104, 289 ff.
5 Imbusch, S.69, auch weitergehend zu soziologischen Konflikttheorien
6 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Konflikt#Sozialer_Konflikt
Quote paper:
Anna Fellechner, 2005, Mediation in der Schule, Munich, GRIN Publishing GmbH
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