Im qualitativen Interview gelten mehrere Punkte als wichtig zu Beachtende (vgl. Heinze, S. 154 ff):
• Bei einem offenen Interview findet kein „echtes Gespräch“ statt. Vielmehr wird der Befragte ausgehorcht.
• Das Interview muss eine maximale Reichweite haben was bedeutet dass die Befragten die Möglichkeit haben sollten, so viel wie möglich mitzuteilen wobei man ihn nic ht unterbrechen sollte, auch wenn man das Gehörte nicht sofort kategorisieren kann. Dieses Kriterium ist vor allem dann unabdingbar, wenn es um die Erschließung von Lebenswelten geht.
• Auch das Kriterium „Spezifität“ ist wichtig. Das bedeutet, dass man nicht auf zu schnell zusammenfassenden Urteilen kommen sollte. Auch auf Einzelfragen sollte man näher eingehen.
• Kurz erwähnen möchte ich auch die Regeln der Interpretation, auf welche ich jedoch später intensiver zu sprechen kommen werde.
• Die Lebenswelten zu verstehen ist deshalb sehr schwierig, weil dem Interviewer diese Lebenswelt davor nicht bekannt ist und fordert viel Geschick beim qualitativen Interview seitens des Interviewers.
• Auch das qualitative Interview geht von Verallgemeinerungen aus – hierfür werden auch bereits vor der Untersuchung Hypothesen erstellt. Diese müssen im Laufe der Forschung dann verdifiziert (bestätigt) oder aber falsifiziert (widerlegt) werden.
• Außerdem sollte der Interviewer bei einem qualitativen Interview über ein besonderes Maß an fachlicher und persönlicher Kompetenz verfügen. Dabei ist wichtig dass er die Forschungsziele kennt, dass er flexibel sein sollte was beinhaltet das er die Probleme des Befragten nicht innerhalb seines eigenen Bezugsrahmen sehen sollte. Zudem sollte er auch der Spannung zwischen Taktgefühl und Zurückhaltung, Nachfragen und Vertiefen etc. gewachsen sein.
Mir war es wichtig nur ein paar Punkte aus dem qualitativen Interview im Allgemeinen zu erwähnen, da man dabei vielleicht eher Rückschlüsse auf meine eigentliche Fragestellung – nämlich zum Experteninterview ziehen kann:
Bei einem Experteninterview handelt es sich um die Befragung von „Experten“ zu einem bestimmten Thema. Im Gegensatz zu den anderen Interviewformen bildet nicht die Person, sondern das Wissen derer den Gegenstand der Analyse. Demnach wird der Experte also als Repräsentant einer bestimmten Gruppe in die Untersuchung mit einbezogen.
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Zur begrifflichen Klärung des „Experten“ habe ich im Internet aus einer Diplomarbeit von Malte Schophaus folgende Definition finden können:“ Als Experten angesehene Personen zeichnen sich als `Fachleute` durch `Fachwissen` aus oder verfügen als Beteiligte an einem bestimmten Prozeß oder Ereignis über exklusives Ereignis- oder Fallwissen. Weiters bezieht sich Kompetenz auf die `Sachlichkeit` in der Begründung des Wissens und die Fähigkeit des Experten, diese unter Abstraktion persönlicher Wertung zu vermitteln und ggf. für praktische Zwecke nutzbar zu machen“ (Schophaus zit. nach Deeke 1995, S. 9).
Ein Experte ist also jemand, der/die aufgrund einer langjährigen Erfahrung über bereichsspezifisches Wissen oder Können verfügt. „Daher sollte man beim Experteninterview darauf achten, dass man nicht lediglich Personen befragt, die zu der zu erforschenden Thematik eine Meinung haben, sondern auch eine gewisse Erfahrung aufweisen können.“ (vgl. Mieg, S. 6)
Es geht dabei um den Kontext von organisatorischen und institutionellen Zusammenhängen, die mit den Lebenszusammenhängen der interviewten Person nicht identisch sind. Beim Interview bezieht man sich hier auf Wirklichkeitsausschnitte wobei weiterführende und insbesondere private Erfahrungen dazu ausbleiben sollten.
Das Hauptinteresse liegt darin Strukturzusammenhänge (zum Beispiel von einer Institution) in Erfahrung zu bringen.
„Das Motiv beim Experteninterview ist die sachliche Interesse welche der Forscher verfolgt. Auch die Motivation des Forschers ist beim Experteninterview lediglich die „Sachmotivation“ wobei es beispielsweise beim journalistischen Interview die „Meinungsäußerung“ wäre, welche den Forscher interessiert. Außerdem ist ein konstruktives Vorgehen beim Experteninterview von großer Wichtigkeit gekennzeichnet, was bedeutet, dass Sachzusammenhänge erhellt werden sollten – dies darf jedoch nie gegen den Willen des Befragten geschehen. Der Forscher sollte in jedem Fall eine nötige Kompetenz aufweisen dieser Art der Befragung gewachsen zu sein.“ (vgl. Mieg, S. 8) Weiteres erscheint es mir wichtig zu erwähnen, dass das Experteninterview der Öffentlichkeit dient und „der Journalist sozusagen als Sprachrohr der Öffentlichkeit wirkt und ein öffentliches Interesse vertritt, um über aktuelles Geschehen aus Wirtschaft, Politik und Kultur zu informieren“ (Mieg, S. 8)
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Der Vorbereitungsprozess für ein Experteninterview:
Möchte man ein Experteninterview durchführen bedarf es jedoch schon zuvor einer gründlichen Vorbereitung dafür:
- Wie bereits erwähnt, sollte der Forscher sich mit dem Fachgebiet vertraut gemacht haben – insbesondere die Fachausdrücke sollten im Wortschatz des Interviewers vorhanden sein.
- Zudem ist es aber wichtig, dass sich der Forscher über seine Fragestellung und der Erkenntnisinteresse welcher er verfolgt im Klaren ist.
- Da ein Experteninterview anhand eines Leitfadens geführt wird, muss der Forscher schon davor einen konkreten Interviewleitfaden erstellen. (vgl. Mieg, S.9) „Von Nutzen könnte auch ein „Vortest“ des Leitfadens sein. Man „spielt“ dabei das Interview beispielsweise mit einem Bekannten durch. Der Vorteil dabei ist, dass man hier auch Fehler machen, und davon lernen kann. Außerdem hat man dabei noch die Möglichkeit überflüssige Fragen zu streichen und zusammengehörige Fragen in eine Struktur zu bringen.“ (vgl. Mieg, S. 14) „Der Leitfaden sollte vom Forscher relativ auswendig gekonnt werden, da er ansonsten während des Interviews ständig nachblättern müsste und damit sich – und dem Experten die Orientierung im Interview erheblich erschweren würde.“ (vgl. Mieg, S. 17)
- Hat der Forscher seine Forschungsfrage bzw. sein Forschungsziel klar formuliert, würde der nächste Schritt darin liegen, Hypothesen davon abzuleiten. „Hypothesen sind gewissermassen noch unüberprüfte Antworten darauf, wie der gesuchte Sachverhalt aussehen könnte. Als forschungspraktisch sinnvoll erweit es sich, die Hypothesen in die gebräuchliche Form: „Wenn....., dann....“ oder „Je...., desto....“ zu bringen.“ (Mieg, S. 11)
- Bei der Wahl des „Experten“ sollte man beachten, dass ein Experteninterview nicht lediglich auf Fachwissen aus ist, sondern der Experte auch einen gewissen Erfahrungswert in diesem Bereich bzw. dem beruflichen Feld haben sollte. „Normalerweise ist das theoretische und Faktenwissen in Lehrbüchern oder Ähnlichem kodifiziert, und es ist meistens nicht besonders interessant, Experten nach dem Faktenwissen ihres Faches zu fragen. (...) Aber meist ist es viel interessanter, viel ergiebiger, nach dem Know-how des Experten zu fragen“ (Legewie, S. 19). Dieses erwähnte Know-how erhält man jedoch nicht allein durch Fachwissen sondern vor allem durch den Erfahrungswert in diesem Feld.
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Wesentliche Aspekte zum „Leitfaden“:
Nun möchte ich aber doch noch einige Worte zum Leitfaden anmerken:
Ein Leitfaden ist eine mehr oder weniger grob strukturiertes Frageschema, welches dem Interviewer als Gedächtnisstütze dienen sollte.
Der Leitfaden gliedert sich in drei Teile (vgl. Mieg, S. 13):
1) Durch „Einstiegsfragen“: Der Einstieg beinhaltet natürlich die Intervieweröffnung mit der damit verbundenen Begrüßung des Experten. „Die Eröffnungsfrage kann sehr weit gefasst sein und durchaus auf persönliche Erfahrungen des Experten gerichtet sein“ (Mieg, S. 13). Die Einstiegsfrage dient auch dazu eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Zumeist führt dies dann auch rasch in das Thema bzw. in die Fragestellung.
2) Durch den „Hauptteil mit Frageblöcken zu Themen und Unterthemen“: Hier geht es darum, passend zum Thema – und zu den Hypothesen welche man im Vorhinein erstellt hat, geeignete Fragen zu stellen. Dabei sollten die wichtigsten Fragen bzw. Themenblöcke relativ weit vorne im Leitfaden stehen – und gestellt werden. Dies dient dem Forscher als Sicherheit, da man sich auch bei einem Experteninterview nie sicher sein kann, dass das Interview auch wie vorgesehen zum Ende führen wird. „Im Hauptteil ist es auch wichtig, dass man sich als Forscher die zu erwartenden Antworten zu jeder formulierten Frage überlegt. Würde nämlich eine Antwort welche von Wichtigkeit gekennzeichnet ist ausfallen, müsste der Forscher diese Frage neu formulieren, weil sie ansonsten keinen Wissensgewinn verspricht.“ (vgl. Mieg, S. 14) Harald Mieg zitiert in seiner Arbeit auch Kvale (1996) welcher gebräuchliche Fragetypen für das Experteninterview erstellt hat. Diese möchte ich nun gerne anführen (vgl. ebd. S. 14):
- Die direkten Fragen: Diese dienen dazu, zentrale Themen aufzugreifen.
- Die spezifizierenden Fragen: Sie sollen helfen, pauschale Aussagen zu konkretisieren. Es geht hier um das genauere Nachfragen zu der Antwort welche man erhalten hat. Hilfreich dabei könnten dem Forscher dabei die klassischen W-Fragen sein (wer, was, warum, wann, wie....).
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Quote paper:
Simone Strasser, 2005, Das Experteninterview, Munich, GRIN Publishing GmbH
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