INHALT
Einleitung S. 3
1. Ideologische Basis und Organisationsstruktur 4
2. HAMAS und PLO 5
2. 1. 1987-1991: Islamismus als Alternative 5
2. 2. 1992-1996: HAMAS zwischen den Fronten 6
2. 3. 1996-2000: Spirale der Gewalt 7
2. 4. ab 2000: Intifada und kein Ende 8
3. HAMAS und die Palästinenser 8
4. Wie kann man HAMAS bekämpfen? 13
Fazit S. 14
Literatur S. 15
Quellen S. 15
2
Einleitung
Seit Beginn der zweiten Intifada im September 2002 vergeht kaum eine Woche, in der nicht von blutigen Selbstmordanschlägen in Israel berichtet wird, zu denen sich HAMAS bekennt. Die israelische Antwort folgt auf den Fuß - mit Kampfflugzeugen und Hubschraubern werden Raketen auf Fahrzeuge und Gebäude in denen HAMAS-Aktivisten vermutet werden abgefeuert, Wohnhäuser von Familienangehörigen der Attentäter fa llen Bulldozern und Abrißbirnen zum Opfer. Den Toten dieser Aktionen wird öffentlich die letzte Ehre erwiesen. Zu Märtyrern stilisiert, wird ihr Leichenzug von hunderten begleitet. Die zum Teil vermummten und oft schwer bewaffneten Männer, drücken neben ihrer Trauer vor allem eins aus: Hass gegen Israel und den Willen, diesen Staat mit allen Mitteln zu bekämpfen. Diese Eskalation zwischen Palästinensern und Israelis schließt immer mehr eine friedliche Konfliktlösung im Nahen Osten aus. Und das ist ganz im Sinne von HAMAS, deren Hauptziel ein Palästina in den historischen Grenzen ist.
In dieser Arbeit soll nun dargestellt werden, worin die Stärken von HAMAS liegen und wie man diesen entgegnen könnte. Nach einer kurzen Einführung zur ideologischen Basis und Organisationsstruktur, wird die Entwicklung der Organisation und ihr Verhältnis zur PLO gezeigt. Dem folgt eine Auswertung empirischer Befunde 1 , welche die öffentliche Meinung der Palästinenser widerspiegeln. Der darauffolgenden Teil sollen klären, wie man HAMAS bekämpfen könnte.
Veröffentlichungen zur HAMAS haben vor allen seit dem wachsenden Interesse an terroristischen Vereinigungen durch den 11. September 2001, aber auch durch eine erneute Eskalation des israelisch-palästinensischen Konflikts stark zuge nommen. Eine wichtige Grundlage bilden die Texte 2 des International Policy Institute for Counter-Terrorism, welche einerseits ein Organisationsprofil enthalten und andererseits aktuelle Aktivitäten analysieren. Weiterhin bietet Memri 3 mit Übersetzungen arabischer Zeitungsartikel und Analysen zu aktuellen Lage die Möglichkeit, sich einen Überblick über die Stimmungslage im Nahen Osten zu informieren. Gilles Kepel beschäftigt sich in seinem Buch "Schwarzbuch des Dschihad." 4 ausführlich mit dem Aufstieg der HAMAS als islamistische Vereinigung und Alexander Flores gibt in seinem Sachlexikon "Die arabische Welt" 5 eine kurze, aber sehr informative Übersicht zu dieser Organisation.
1 Quelle: Jerusalem Media & Communication Centre. Public Opinion Polls zu finden unter:
http://www.jmcc.org/publicpoll/results.
2 zu finden unter: http://www.ict.org.il.
3 The Middle East Media Research Istitute zu finden unter: http://www.memri.org.
4 Kepel, Gilles: Schwarzbuch des Dschihad. Aufstieg und Niedergang des Islamismus. München 2002.
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1. Ideologische Basis und Organisationsstruktur
Die Wurzeln dieser Organisation findet man in der Muslimbruderschaft, einer 1928 in Ägypten gegründeten Vereinigung. Im Vordergrund ihrer Tätigkeit standen zu Beginn vor allem soziale und karitative Aufgaben. So beschäftigte sich die Muslimbrüder hauptsächlich mit der Errichtung von Schule n, Kindergärten, Moscheen und Musterfarmen und genossen dadurch vor allem in den ärmeren Gesellschaftsschichten sehr bald ein hohes Ansehen. 6 Doch dienten diese Einrichtung nicht nur wohltätigen Zwecken, vielmehr entstanden sie aus dem Bestreben heraus, die Gesellschaft durch eine die Werte des Islam betonende Erziehung zu erneuern und den Kampf für einen unabhängigen Nationalstaat zu fördern. 7 Ganz in diesem Sinne agierten sie auch in den ab 1967 besetzten Palästinensergebieten. 1973 gründete Scheich Ahmed Yassin in Gaza das Islamische Zentrum. Durch soziale Arbeit und die Einrichtung von Kindergärten, Schulen und später einer Universität, stiegen gleichsam Ansehen und Einfluß dieser Organisation. Im Zuge der allgemeinen Mobilisierung der Palästinenser und der daraus resultierenden ersten Intifada (1987-1992) änderte sich die Grundhaltung der Vereinigung, neben der passiven Arbeit sollte nun auch aktiv am Widerstand teilgenommen werden. Am 15. 12. 1987 wurde die HAMAS gegründet, deren Ziel in der am 18. 08. 1988 veröffentlichen Charta fest geschrieben worden. Die wesentlichen Eckpunkte ihrer Ideologie basieren auf der Idee der Gründung eines Gottesstaates auf dem Gebiet Palästinas, die nur durch die komplette Vernichtung des Staates Israel verwirklicht werden kann. Um dies zu erreichen, berufen sie sich auf die koranische Pflicht aller Muslime, sich am Djihad in diesem Fall gegen die Juden zu beteiligen. Absolute Kompromisslosigkeit gegenüber Israel dominiert diese Charta. So steht in Artikel 13:
"Friedensinitiativen oder das was man friedliche Lösungen - wie etwa die internationalen
Konferenzen zur Lösung des Palästina-Konfliktes - nennt, stehen im Widerspruch zu der
Doktrin des islamischen Widerstands. Denn der Verzicht auf einen Teil von Palästina ist
folgerichtig eine Preisgabe eines Teils des Islam [...]
Außer mit dem Mittel des Djihad gibt es keine Lösung für Palästina. Internationale
Konferenzen sind lediglich Zeitvergeudung." 8
Diese neue Grundkonzeption spiegelt sich auch in der Organisationsstruktur wider. Neben einem starken politischen Flügel der HAMAS, der sich vor allem mit Öffentlichkeitsarbeit und Wohlfahrtspflege beschäftigt, wurden 1991 die Brigaden des Izzendin al-Quassem
5 Flores, Alexander: Die arabische Welt. Ein kleines Sachlexikon. Stuttgart 2003.
6 Vgl. http://www.verfassungsschutz.niedersachsen.de/master/0,,C806292_N808071_L20_D0_I541,00.html.
7 Vgl. Reissner, Joachim: Die militant-islamischen Gruppen. In: Ende, Werner/Steinbach, Udo (Hg.): Der Islam
in der Gegenwart. München 1996. S. 632.
8 Tibi, Bassam: Der religiöse Fundamentalismus im Übergang zum 21. Jahrhundert. Mannheim 1995. S. 94.
4
gegründet, der militärischen Flügel der Organisation. Desweiteren verfügt HAMAS über eine Art Geheimdienst, der Operationen koordiniert und überwacht. Dem ganzen liegt eine hierarchische Kommandostruktur zugrunde, die durch den sogenannten Konsultationsrat geführt wird.
HAMAS finanziert sich durch Spenden, die sie über sogenannten "Wohlfahrtsorganisationen" im Ausland sammelt und unterhält dadurch auch intensive Kontakte nach Ägypten, Saudi-Arabien, dem Iran, Jordanien, Syrien, in den Sudan und in die USA.
2. HAMAS und PLO
2. 1. 1987-1991: Islamismus als Alternative
Mit dem Ausbruch der ersten Intifada im Dezember 1987 wuchs in den palästinensischen Gebieten immer mehr der Einfluß islamistischer Bewegungen. Sie boten mit ihrer klaren Zielsetzung, der Befreiung ganz Palästinas, eine echte Alternative zur PLO und wurden somit zum stärksten Konkurrenten der Nationalisten. Seit Beginn des Jahres 1988 unter dem Namen HAMAS operierend, gelang es der Organisation um Scheich Yassin immer mehr, die Wut der aufständischen Jugendlichen zu kanalisieren und sie als Anhänger zu rekrutieren. Ein regelrechter Konkurrenzkampf zwischen Nationalisten und Islamisten entbrannte. Im Sommer 1988 wurden zwei verschiedenen Zeitpläne mit Streik- und Arbeitstagen veröffentlicht und HAMAS verbuchte den ersten Erfolg, als sich die Mehrheit - und somit l etztlich auch die Anhänger der PLO - ihrem Plan anschloss. Dem folgte die Veröffentlichung der HAMAS-Charta am 18. August, die vor allem die Verbundenheit zur Muslimbruderschaft, die Befreiung des gesamten historischen Palästinas und den Aufruf zum Djihad propagierte. Damit unterschied sie sich deutlich von der bis dahin einzigen palästinensischen Grundsatzerklärung der PLO.
Auf einer Sitzung des Palästinensischen Nationalrates in Algier am 15. November 1988, proklamierte dieser einen unabhängigen Palästinenserstaat und erkannte das Existenzrecht des Staates Israel an. Damit bot sich der HAMAS ein weiterer Angriffspunkt, sie versuchte den von Seiten der PLO eingeschlagenen Weg der Verhandlungen zu torpedieren. Aufgrund wachsender Armut der Bevölkerung stiegt der Einfluß der Islamisten, die neben Kampf gegen Israel vor allem soziales Engagement zeigten. Zudem lehnte 1989 Israel das Verhandlungsangebot der PLO ab, was zu einer weiteren Radikalisierung führte. Die israelische Regierung reagierte besorgt und es kam zu ersten repressiven Maßnahmen gegen die palästinensischen Gebiete. Scheich Yassin und zweihundert führende Aktivisten wurden
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Arbeit zitieren:
Katharina Reimann, 2004, Hamas. Sargnagel des Friedens?, München, GRIN Verlag GmbH
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