Testkonstruktion „Finanzielle Risikobereitschaft“
Inhaltsverzeichnis
1. Theorieteil
1.1 Konstruktdefinition
1.2 Anwendungsbereich
2. Pretest
2.1 Beschreibung der Itemzusammensetzung
2.2 Merkmalsanalyse
2.3 Itemkennwerte und Reliabilitäten
2.4 Faktorstruktur
2.5 Itemselektion
3. Endform
3.1 Beschreibung des Fragebogens
3.2 Stichprobenbeschreibung
3.3 Itemkennwerte und Reliabilitäten
3.4 Faktorstruktur
3.5 Normalverteilung
4. Anwendung
4.1 Berechnung der kritischen Differenzen
4.2 Berechnung des Normalbereichs
5. Validität
6. Fehler im Konstruktionsprozess
7. Literaturliste
2 MS
Testkonstruktion „Finanzielle Risikobereitschaft“
1. Theorieteil 1.1 Konstruktdefinition
Der Test „finanzielle Risikobereitschaft“ soll Risikoakzeptanz bei finanziellen Entscheidungen, sowie risikorelevante Zukunftseinstellungen messen. Die Versuchspersonen werden dabei auf einer bipolaren Skala mit zwei Risikoextremen platziert: Extrem „Finanziell risikofreudiger Spieler“ Charakterisierung: Finanzielle Risikoeinstellungen
Bereitschaft zum höheren Zukunftsrisiko durch geringere finanzielle Absicherung Geringe Bereitschaft zu Konsumverzicht in der Gegenwart zu Gunsten zukünftiger finanzie ller Versorgung 2. Entscheidungsverhalten
Bei finanziellen Entscheidungen mehr chancen- als risikoorientiert Bereitschaft in Situationen, deren Ausgang nur zum Teil von eigenem Verhalten abhängt, finanzielles Risiko einzugehen (Bsp. leistungsabhängige Bezahlung) 3. Investitionsverhalten
Bereitschaft bei hoher Renditeaussicht sich hoch zu verschulden Abneigung gegen Investitionen in langfristige, sichere Anlagen mit niedriger Rendite Tendenz zu Investitionen in kurzfristige, riskante Anlagen mit hoher Rendite 4. Strategisches Spielverhalten
Bereitschaft in Situationen, deren Ausgang vollständig von externen Faktoren (z.B. Glück) abhängig ist, finanzielles Risiko einzugehen
Extrem: „Finanziell vorsichtiger Sparer“
Charakterisierung: 1. Finanzielle Risikoeinstellungen Tendenz sich für die Zukunft finanziell abzusichern
Bereit zu Konsumverzicht in der Gegenwart zu Gunsten zukünftiger finanzieller Versorgung 2. Entscheidungsverhalten
Bei finanziellen Entscheidungen mehr risiko- als chancenorientiert Sicherheitsdenker: Keine Bereitschaft in Situationen, deren Ausgang zum Teil von beei nflussbaren Faktoren abhängt, finanzielles Risiko einzugehen (Bsp. leistungsabhängige Bezahlung) 3. Investitionsverhalten
Selbst bei hoher Renditeaussicht kaum Bereitschaft sich hoch zu verschulden Tendenz zu Investitionen in langfristige, sichere Anlagen mit niedriger Rendite; Abneigung gegen Investitionen in kurzfristige, riskante Anlagen mit hoher Rendite 4. Strategisches Spielverhalten
Keine Bereitschaft in Situationen, deren Ausgang vollständig von externen Faktoren (z.B. Glück!) abhängig ist, finanzielles Risiko einzugehen
Testkonstruktion „Finanzielle Risikobereitschaft“
1.2 Anwendungsbereich
Ausprägungsrelevante Variablen der finanziellen Risikobereitschaft sind folgende Punkte:
- Alter
Je älter, desto geringer ist die finanzielle Risikobereitschaft ausgeprägt. Finanzielle Verlu ste bezogen auf die Lebensspanne können mit fortschreitendem Alter schlechter ausge glichen werden.
- Soziale Verantwortung
Je mehr soziale Verantwortung (Ehepartner, Kinder, zu pflegende Familienangehörige), desto geringer ist die finanzielle Risikobereitschaft ausgeprägt. Entscheidungen mit neg ativen finanziellen Folgen, betreffen auch nahestehende Personen.
- Höhe des zur Verfügung stehenden Einkommens
Je größer das zur Verfügung stehende Einkommen, desto größer die finanzielle Risikob ereitschaft, da sich die Höhe des finanziellen Einsatzes an den „Reserven“ relativiert.
- Höhe des frei zur Verfügung stehenden Vermögens
Je größer das frei zur Verfügung stehende Vermögen, desto größer die finanzielle Risik obereitschaft. Die Höhe des finanziellen Einsatzes relativiert sich ebenso an den „Rese rven“.
Auf der Basis dieser Variablen soll der Test für folgende Zielpopulation gelten:
- Alter 20 bis 30 Jahre
- Soziale Verantwortung
Ledig, keine Kinder, keine zu pflegenden Verwandten
- Einkommen (Geld von Eltern, BAFöG, eigenes Einkommen) Weniger als 1000 Euro pro Monat
- Frei zu Verfügung stehendes Vermögen (Nur kurzfristig verfügbares Geld; keine Bausparverträge, Wertpapier, o.ä.) Weniger als 5000 Euro, nicht mehr als 500 Euro Schulden
Die finanzielle Risikobereitschaft der Zielpopulation - sie besteht vor allem aus Studenten - wird als relativ konstant und gut vergleichbar angesehen. Vor allem die soziale Situation der Studenten ändert sich in dieser Zeit in der Regel nicht, was die Vergleichbarkeit erhöht. Ein möglicher Anwendungsbereich des Test „Finanzielle Risikobereitschaft“ wäre die Evaluation des Anlegertyps der Getesteten. Auf dieser Basis könnten z.B. Bankberater Ihren Kunden individuell abgestimmte Finanzprodukte anbieten.
Arbeit zitieren:
Martin Schilling, 2002, Psychologischer Test: Finanzielle Risikobereitschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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