Inhaltsverzeichnis
1. Anmerkungen zur Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes 1
2. Fachwissenschaftliche Analyse 2
2.1 Begriffsdefinition und dogmatische Aspekte 2
2.2 Die Theodizeefrage in der Gegenwart 4
2.2.1 Theologische Aspekte und Modelle zum Leiden 4
2.2.2 Philosophische Überlegungen zum Thema ,Leid’ 5
2.2.3 Humanwissenschaftliche Aspekte 6
2.2.3.1 Die Bedeutung von Leid in der Psychologie 7
2.2.3.2 Die Soziologie und das Leid 7
3. Fachdidaktische Analyse 8
3.1 Die Bedeutung des Leides im Leben der Schüler 8
3.2 Lernziele - Reichweite und Zielstufen 9
3.3 Dimensionierung der Lernziele 11
4. Methodische Überlegungen 12
4.1 Allgemeine Kennzeichen von Unterrichtsmethoden 12
4.2 Artikulation des Unterrichts 13
4.3 Methodische Verlaufsplanung der geplanten Unterrichtseinheit 14
5. Literaturverzeichnis 20
1. Anmerkungen zur Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes An dieser Stelle erfolgt bei der (schriftlichen) Ausarbeitung einer Unterrichtsstunde bzw. -einheit üblicherweise eine Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes. Diese umfasst die ,,Analyse der konkreten, sozio-kulturell vermittelten Ausgangsbedingungen einer Lerngruppe (Klasse), des/der Lehrenden sowie der unterrichtsrelevanten (kurzfristig änderbaren oder nicht änderbaren) institutionellen Bedingungen, einschließlich möglicher oder wahrscheinlicher Schwierigkeiten bzw. ,Störungen’ (Peterßen 6 2001, S. 87) und soll eine fundierte Planung von Unterricht ermöglichen.
Da in dieser Hausarbeit keine bestimmte Klasse im Blickpunkt der Beobachtungen ist, die es zu betrachten gilt, soll in diesem Zusammenhang nur die für die folgende Unterrichtseinheit entsprechende (mögliche) Jahrgangsstufe genannt werden. So kann die Thematik ,,Leid bei uns und in der Welt“ beispielsweise in der vierten Klasse behandelt werden. Es sei noch darauf hingewiesen, dass das Thema nicht konkret im Lehrplan genannt, sondern eher als implizierter Aspekt verschiedener anderer Bereiche erscheint. Dazu zählen u .a. die Passionsgeschichte Jesu Christi im Fach (evangelische) Religionslehre und die Behandlung von Tod und Sterben in der gegenwärtigen Gesellschaft.
Selbstverständlich kann das Thema ,Leid’ auch in anderen Jahrgangsstufen, v. a. aber mit älteren Schülern, die gut bereits erlebte negative Erfahrungen reflektieren können, besprochen werden. Gerade in diesem F all ist mit Blick auf die Sensibilität der Thematik eine vorherige Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes durch die Lehrkraft von entscheidender Bedeutung.
2. Fachwissenschaftliche Analyse
Da sich die Unterrichtseinheit mit allgemeinem Leid befasst, soll in den folgenden Teilkapiteln ein Überblick über theologische, philosophische und humanwissenschaftliche Aspekte zu diesem Thema gegeben werden.
2.1 Begriffsdefinition und dogmatische Aspekte
Der Begriff des Leidens wurde im 17. Jahrhundert von dem Philosophen Leibnitz erstmals durch den Terminus ,Theodizee’ charakterisiert: Es handelt sich dabei um ,,die Rechtfertigung Gottes angesichts des Übels und Bösen in der Welt” (Sauer 1986, S. 36).
Leibnitz unterscheidet zum einen zwischen dem metaphysischen Übel, das die geschöpfliche Unvollkommenheit beschreibt, sowie dem physischen Übel, das Fehlen eines eigentlich von Natur aus vorhandenen Merkmals. Zum anderen existiert noch die Vorstellung vom sittlichen Übel, das durch einen freien Entschluss eintritt, also verhindert werden könnte. Außerdem ergänzt Marquard noch das sog. erkenntnismäßige Übel, das im Irrtum bezüglich eines vorbildhaften Lebens liegt (vgl. Sauer 1986, S. 34).
Der folgende Abschnitt soll einen Überblick über dogmatische Perspektiven zum Thema ,Leid’ im christlichen Glauben geben.
Im Kontext des christlichen Glaubens ist grundsätzlich kein leidfreies Dasein möglich: Leid gehört somit zu jedem Leben und ist unvermeidbar, auch wenn es dafür keine einleuchtende Begründung gibt.
Des Weiteren muss einerseits zwischen von Menschen verursachtem und nicht verursachtem Leid differenziert werden; andererseits ist es möglich, Leid, welches man beenden kann von solchem zu unterscheiden, dessen Beendigung nicht in Menschenhand liegt.
Für den Ursprung des Leids gibt es verschiedene Erklärungen: Zum einen besteht die Möglichkeit eines ,,metaphysischen Dualismus” (Lachmann u.a. 1999, S. 220). Dabei geht man von zwei die Welt beherrschenden Mächten aus: das Gute, vertreten durch Gott, und das Böse, als personifizierter
Teufel. Daraus ergibt sich jedoch die Frage, ob Gott überhaupt in der Lage ist, etwas gegen das Böse in der Welt zu unternehmen. Zum anderen kann Leid auch als sichtbares Zeichen von Gottes dunkler S eite interpretiert werden (vgl. Lachmann u.a. 1999, S. 220-221).
Des Weiteren ist es möglich, Leid, wie bei Augustin geschehen, auch recht trivial als ein Mangel an Gutem zu interpretieren: ,,Das Übel ist ein Abfall von Wesen und Natur der Dinge, es ist ein Mangel, eine Beraubung des geschuldeten Guten [...]” (Sauer 1986, S. 38). Eine andere These besagt, dass Gott das Leid nicht explizit verursacht, sondern nur zulässt. Sein Wille führt somit dazu, dass er entweder selbst aktiv handelt oder etwas passiv zulässt. Weit verbreitet ist auch die Behauptung, dass Leid als Strafe für sündiges Verhalten oder als Prüfung für Glaubenstreue Einsatz findet. Schließlich bietet noch die Evolution eine mögliche Erklärung für das Theodizeeproblem: Die ständige, flexible Weiterentwicklung der Menschheit wird auch von negativen Aspekten begleitet. So führte beispielsweise die Erfindung der Atombombe zu einer der größten Bedrohungen der Menschheit im 20. Jahrhundert (vgl. Sauer 1986, S. 44-48).
Darüber hinaus spielt der Begriff der ,,Gottesthematik” (Lachmann u.a. 1999, S. 221) eine entscheidende Rolle. Im Spannungsfeld zwischen dem liebenden, gnädigen Gott und der Erfahrung des Leides gerät der Mensch in die prekäre Situation, keine Erklärung für die Geschehnisse zu finden.
Der Umgang mit dem Thema ,Leid’ birgt jedoch auch gewisse Risiken: Leid kann fälschlicherweise als Zeichen der Erwähltheit durch Gott gedeutet werden. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass man Leid als ein zu duldendes Schicksal, in das der Mensch sich zu fügen habe, interpretiert. Auch der Missbrauch der Leidthematik zu vermeintlich pädagogischen Zwecken ist nicht akzeptabel.
Ein Blick auf andere Religionen zeigt, dass Leiden dort oftmals als eigentlicher Lebenssinn gesehen wird. So setzt beispielsweise der Buddhismus das Leben mit Leiden gleich; nur eine absolute Abkehr vom Leben kann zu einer Befreiung vom Leid führen.
Junge Menschen kommen heute früh mit Leid in Berührung; dies geschieht entweder durch die relativ leicht zugänglichen Medien wie Fernsehen und Zeitungen, die das Leid der Welt ins Wohnzimmer bringen bzw. durch persönliche Erlebnisse in diesem Bereich. Dies geschieht bereits ,,von den ersten Regungen an” (Sauer 1986, S. 16). Dabei sei nur auf Beispiele wie Krankheit oder Tod, nicht nur von nahestehenden Menschen, verwiesen (vgl. Lachmann 1999, S. 221-222).
2.2 Die Theodizeefrage in der Gegenwart
2.3
In der geschichtlichen Entwicklung des Theodizeeproblems im 20. Jahrhundert werden zwei grundlegende Aspekte deutlich:
Zum einen gewinnen von Friedrich Nietzsche ausgehende Überlegungen zum Nihilismus an Bedeutung. Als Ausgangspunkt dafür gelten die ,,politischen und moralischen Katastrophen” (Sparn 1980, S. 247) unserer Zeit wie z. B. die beiden Weltkriege, die unendliches Leid über die Menschheit gebracht haben. Diese und andere schreckliche Erfahrungen haben dazu geführt, dass Gott und seiner Macht eine völlig irrelevante Position zugesprochen wird. Das ,,Ideal der Ideale” (Sparn 1980, S. 247) hat sein Leben verloren, denn es erklärt weder die vernichtenden Geschehnisse auf der Welt noch erfolgt eine Rechtfertigung dafür. Zum anderen schränkt Luther die Theodizeefrage ein; er postuliert deutlich die Forderung, dass die christliche Religion nicht dafür zuständig sein soll, der Welt plausible Erklärungen für das Leid zu liefern (vgl. Sparn 1980, S. 247). In den folgenden Teilkapiteln sollen der theologische und philosophische Umgang mit dem Leid sowie ausgewählte humanwissenschaftliche Beiträge dazu vorgestellt werden.
2.2.1 Theologische Aspekte und Modelle zum Leiden
Eine der ursprünglichen Funktionen der Theologie bestand darin, den Menschen Erklärungen für Leid und Elend zu geben. In der modernen nachchristlichen
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Susanne Klemens, 2004, Ausarbeitung einer möglichen Unterrichtseinheit zum Thema ,,Leid bei uns und in der Welt', Munich, GRIN Publishing GmbH
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