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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis .................................................................................................... 2
1 Vorwort 3
2 Vor der Interpretation: Mindfuck Movies: Ein neues Genre 5
3 David Lynch ein Künstler der Gemeinheiten 7
4 Produktion von Mulholland Drive 9
5 Mulholland Drive verstehen 10
5.1 Mulholland Drive Chronologie: Traum Vergangenheit und Realität 10
Realität-Vergangenheit: 11
Realität-Gegenwart 11
Traum: 11
Realität- Gegenwart: 11
Realität- Vergangenheit: 11
Realität- Gegenwart: 12
5.2 Das Leben der Diane Selwyn 12
6 Schauspiel einer Träumenden 19
6.1 Betty Elms : Und Erklärung der anderen Traumfiguren 19
Diane ist von einem schlechten Gewissen geplagt sie ließ Camilla töten Im Traum
wünscht sie sich alles wäre nicht passiert und sie könnte noch einmal neu anfangen
Camilla erneut kennen lernen 19
6.2 Der blaue Schlüssel : Und Erklärung der anderen Traumsymbole 25
7 Schlussbetrachtung: Ist Mulholland Drive einem Genre zuzuordnen 29
7.1 Film Noir 30
7.2 Satirischer Blick auf Hollywood 32
8. No hay banda 33
Anhang 1: Produktionsnotizen zu Mulholland Drive 34
Produktionsnotizen zu Mulholland Drive 34
Anhang 2: Biographie Filmgraphie von David Lynch 35
Biographie 35 NA
Filmographie 35 NA
Anhang 3: 10 Hinweise von David Lynch 36
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1 Vorwort
Vorab: Ich würde keine so umfassende Interpretation schreiben, wäre ich nicht selbst ein bekennender Mulholland Drive Fan.
Aufmerksam auf den Film wurde ich, als ich 2002 neben dem Studium in einer Videothek gearbeitet habe und die DVD doch eher zufällig in die Hand bekam. Wirklich Zufall?
Nun, lassen wir das Mystische zunächst einmal beiseite, später genug davon. Wie kein zweiter fesselte mich der Film von Anfang an und anschließend wollte ich unbedingt wissen, was das Geheimnis hinter Lynchs neuem Film ist. Denn verstanden hatte ich ihn noch lange nicht.
Auf der Suche nach der Logik und nach vielen „Puzzlestunden“ gelang mir dann auch eine erste Interpretation. Schließlich war ich so überzeugt davon, dass ich begann, den Film zu empfehlen, nicht immer zur Freude meines Chefs. Denn nachdem „verwirrte Mieter“ die Leihgabe zurückbrachten, wollten sie an der Verleihtheke diskutieren, was für einige „Blockbusterkunden“ eine längere Wartezeit zur Folge hatte und somit nicht verleihförderlich war. Auch die Arbeit in der Videothek kann, besonders an Wochenenden, zur Fließbandarbeit werden.
Oft war zu beobachten, dass Mulholland Drive mit einigen Tagen Verspätung seinen Weg zurück in die Regale fand, nur zu verständlich! Nicht selten war zu hören, man habe mit Mulholland Drive gar nichts anfangen können und einen enttäuschenden Filmabend erlebt. Nicht jeder hatte Zeit und Muße, sich länger diesem Film auseinander zu setzen.
Ich jedoch hatte sie, und das in überzeugter, hoffentlich auch überzeugender Weise. So machte ich mit dieser Darstellung Mulholland Drive auch zum Bestandteil meiner Magisterprüfung im Studium der Medienwissenschaften an der Universität Osnabrück.
Der Film wurde auch in meinem Freundeskreis immer beliebter und sorgte für abendfüllende Diskussionen. Einige meiner ganz schlauen Freunde machten es sich gleich mit Bleistift und Papier für eigene Notizen auf dem Sofa gemütlich, nicht ahnend, dass auch das nicht helfen würde.
Es wurde also Zeit für eine allumfassende Interpretation.
Es gibt zwar einige Bücher über David Lynch und seine Filme, doch über Mulholland Drive im Speziellen ist zumindest in Deutschland noch nichts publiziert worden.
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Sie stützt sich ausschließlich auf meine eigenen Gedanken zum Film, so wie auf Diskussionen mit meinem „Testpublikum“ und anderen Begeisterten in verschiedenen Internetforen.
Obwohl ich natürlich von meiner eigenen Sichtweise überzeugt bin, wäre es „grob fahrlässig“ sie als richtig zu deklarieren. Mir ist ebenso bewusst, dass es andere komplett in eine andere Richtung gehende auch sehr schlüssige Meinungen gibt. So möchte ich mit meiner Arbeit nicht nur Verwirrten und Interessierten eine Erklärung liefern, sondern vielmehr auch zu eigenen Auslegungen anregen. Das letzte Geheimnis wird der Regisseur selbst in sich tragen und dieses wahrscheinlich bis in sein Grab, denn erklären will er nach seinen Angaben Mulholland Drive nicht.
Es wäre empfehlenswert, wenn der Leser dieser Interpretation den Film zumindest einmal gesehen hätte, denn eine Inhaltsangabe, die auch nicht das eigene Rezipieren ersetzen kann, ist nicht Bestandteil der Arbeit.
Ein erneutes Anschauen nach dem Lesen dieser Arbeit kann ganz neue Blickwinkel eröffnen.
Bevor ich nun anfange zu entschlüsseln, möchte ich zunächst erklären, was ein „Mindfuck“ ist und warum Mulholland Drive als ein Mindfuck- Movie anzusehen ist. Es folgt eine kleine Einführung in Lynchs Art zu arbeiten und eine knappe Schilderung der Entstehungsgeschichte zu Mulholland Drive. Spezifische Produktionsdetails sind in Anhang 1 zu finden.
Dann wird es Zeit, die Straße der Finsternis zu erleuchten.
Abschließend versuche ich, Mulholland Drive noch mit besonderen stilistischen Merkmalen des „Film Noir“ und der Satire zu akzentuieren.
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2 Vor der Interpretation: Mindfuck Movies: Ein neues
Genre?
Kritiken zu aktuellen Kinofilmen zu lesen, ist neben der „Mund- zu Mund- Propaganda“ immer noch die beliebteste Art, sich diejenigen Filme auszuwählen, die dem persönlichen Geschmack entsprechen.
Am häufigsten wählt man nach dem betitelten Genre aus.
Man muss filmästhetisch nicht besonders geschult sein, um zu wissen, mit welcher Stimmung man in einem Kinosaal zu rechnen hat, schaut man sich einen Thriller, eine Komödie oder einen „Horrorstreifen“ an. Neben dem Western und dem Liebesfilm sind das die klassischen Filmgenres.
In den letzten Jahren konnte man in Filmkritiken immer öfter eine Beschreibung wie etwa: „Ein Film in der Machart von David Lynch“, oder „Mysteriös wie Mulholland Drive“ lesen.
Es ist schwer, so umschriebene Filme einem Genre zu zuordnen. Dennoch gibt es gerade für diese Auszeichnung eine große Fangemeinschaft, nicht selten entstehen hier neue Kultfilme, aber auch nicht selten werden sie ihrem Prädikat überhaupt nicht gerecht.
Kann man bei diesen Filmen von einem Genre sprechen? Wie soll man es nennen? Gibt es genug stilistische Gemeinsamkeiten? Und was bedeutet das eigentlich wenn man „Lynchmäßig“ liest?
In Amerika hat sich längst ein neuer Begriff für Filme dieser Machart durchgesetzt. In letzter Zeit weist man aber auch hier zu Lande entsprechenden Filmen immer häufiger das Genre „Mindfuck“ zu.
Der Clou und die Gemeinsamkeit eines jeden Mindfucks: Der Regisseur will seinem Publikum einen Streich spielen! Durch eine völlig unerwartete, überraschende Wendung, meist am Schluss, schafft er es, den Zuschauer so sehr zu verwirren, dass dieser an seinen eigenen Sinnen zweifelt und sich, bevor er den Zusammenhang begreift, ärgert, einer filmischen Lüge beigewohnt zu haben.
Typisch für ein solches Mindfuck- Movie ist, dass nicht nur die Zuschauer, sondern auch der Protagonist selbst die Wahrheit nicht kennt und ebenso überrascht oder schockiert ist. Genau das ist der Unterschied zum klassischen Thriller, in dem der
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Mörder von vornherein weiß, dass er der Mörder ist. Nur das Publikum tappt im Dunkeln.
Wird am Ende Klarheit geschaffen, so stellen sich bestimmte Szenen meist als unwahr heraus. Der Protagonist merkt, dass alles nur ein Traum, ein Spiel, eine Halluzination war oder er gar schizophren ist.
Lässt man den Film später Revue passieren oder schaut ihn sich ein zweites Mal an, erscheint oft alles völlig klar und man kann nicht fassen, dass man aufs Glatteis geführt wurde.
Oftmals gibt der Regisseur Hinweise, die auf die richtige Deutung des Films hinweisen, die aber vom Zuschauer nicht bemerkt oder als unwichtig beiseite gelegt werden. Je mehr Hinweise der Regisseur in den Film stecken kann, ohne dass jemand diese auffallen, desto genialer hat er gearbeitet.
Es gibt aber auch Mindfuck-Movies, die am Schluss scheinbar nichts erklären und dem Publikum selbst die Interpretation in die Hand legen. Man bekommt eine Fülle von Spielräumen für eigene Deutungen. Mindfuck-Movie-Fans lieben es, nach Theorien für ihre eigenen Analysen zu suchen.
Ich selbst teile die Mindfucks in Typ A und B ein. Während A den Zuschauer zwar völlig durcheinander bringt, am Schluss aber die Erklärung liefert, auch wenn diese auf den ersten Blick noch schwer zu begreifen ist, ist B ein wahres Filmpuzzle. David Lynchs typischen Mindfucks entsprechen eindeutig diesem Typ B. Frühe Mindfuck- Movies waren beispielsweise Brazil (1985, Terry Gilham), Jacob´s ladder (1990, Adrian Lyne), Die üblichen Verdächtigen (1995, Bryan Singer). Es gibt einige Regisseure die bevorzugt Mindfuck- Movies produzieren. Allen voran die „Three Davids“. Das sind:
David Lynch (Mulholland Drive, 2002; Lost Highway, 1999, Twin Peaks Series, 1991), David Fincher, auch gerne “Master Meanie” genannt (The Game, Fight Club, 1999), David Cronenberg (Existenz, 1999; Naked Lunch, 1991). Ein junger Regisseur, der sich dazu gesellt, ist M. Night Shyamalan (The Village, 2004; Unbreakable, 2002; The Sixth Sense, 1999).
Von einem noch jüngeren Regisseur, Richard Kelly, der mit seinem ersten Film „Donnie Darko“ tatsächlich bereits einen gewissen Kultstatus erreicht hat, ist in dieser Richtung noch einiges zu erwarten.
Bevor ich zu interpretieren beginne, sei noch ein wichtiges Detail zu den Mindfucks erwähnt:
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Im Sinne der Idee, sollte man einen Film nicht als Mindfuck ankündigen. Denn verständlicher Weise wird damit so gleich die Überraschung, ebenso der gewünschte Effekt geschmälert, wenn nicht sogar zerstört.
3 David Lynch, ein Künstler der „Gemeinheiten“
Kein Regisseur wurde wohl so kontrovers diskutiert wie der 1946 in Montana geborene Autorenfilmer David Lynch. Halten ihn viele Fans für den unangefochtenen Meister des „postmodernen Kinos“, werfen ihm „böse Zungen“ vor, stets vorsätzlich unverständliche Filme zu produzieren, mit der Intention, sich selbst darüber zu amüsieren, wie Zuschauer versuchen, in seine Abstraktionen einen Sinn zu bekommen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass sich eben diese Kritiker bei der Reflexion nicht wirklich mit der Absicht des „Verstehens“ bemühen, damit aber auch nicht Zielgruppe des Machers sind.
Um Sinn und Tiefgründigkeit von Lynchs Mindfucks zu verstehen, ist es unabdingbar, diese mehrmals zu schauen.
Genau das soll den Reiz an den Lynchfilmen ausmachen: Zum Puzzeln antreiben! Lynchs Filme sind kein vorgekautes „Popcornkino“, sondern einzigartige Filmkunst. Er will seine Fangemeinde nicht durch einen leichten Film unterhalten (Die große Ausnahme bildet hier wohl sein Film „The Straight Story“, 1999), sondern sie zum Mitdenken, Reflektieren und Analysieren anregen.
Lässt man sich auf diese Art des Film-Sehens ein, so hat man nicht nur die üblichen 100 Minuten Spielfilmfreude, sondern gewinnt weit darüber hinaus eine filmische Faszination.
Oft sind es gar nicht vordergründig die Dialoge seiner stets akribisch ausgewählten Schauspieler, die die Geschichten erzählen. Vielmehr versteht er es in Bildern, Symbolen und Metaphern zu schreiben.
Seine Filme sind der Stoff aus dem die Träume sind. Hier erzählt das Unterbewusstsein, werden Ängste, Wut, Freude und Sexualität in Bildern ausgedrückt.
Lynch spielt mit Licht und Schatten, legt großen Wert auf exakteste Kameraführung und stimmigen Soundtrack.
Für letzteren Punkt hat er fast schon einen „Exklusiv-Vertrag“ mit dem Filmkomponisten Angelo Badalamenti.
Quote paper:
Christian Hardinghaus, 2004, Die "Mulholland Drive" Entschlüsselung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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