Einleitung 3
1. Brants Einstellung zu Kirche und Humanismus 4
1.1. Konservatismus und „äußerlicher“ Humanismus 4
1.2. Brants Geisteshaltung im Narrenschiff 5
2. Die Holzschnitte im Narrenschiff 6
2.1. Das Zusammenspiel von Text und Holzschnitt 6
2.2. Der Anteil Brants an den Holzschnitten 8
2.3. Die Schöpfer der Holzschnitte 9
2.4. Die Frage nach dem „Hauptmeister“ der Holzschnitte 10
2.5. Die künstlerische Gestaltung der Holzschnitte 12
3. Die Schiffsmetapher in Text und Bild im biblischem Zusammenhang 14
3.1. Die Bedeutung der Schiffsmetapher für die christliche Lehre 14
3.2. Die Schiffsmetapher als Rahmenhandlung des Werkes 15
3.3. Das Titelblatt und dessen Holzschnitte 16
3.4. Die Schiffsmetapher und deren biblische Bezüge in der Vorrede und in den einzelnen Kapiteln 19
Abschließende Betrachtungen 22
Literaturverzeichnis 23
3
Einleitung
War Brant ein fortschrittlich gesinnter Humanist oder eher ein rückwärts gewandter Verfechter der alten politischen und religiösen Ordnung? Ist in diesem Zusammenhang Brant und sein Werk noch dem Mittelalter oder bereits der Neuzeit zuzurechnen? Welche Rolle spielen die Holzschnitte in seinem Werk Das Narrenschiff? Was beabsichtigte er mit ihrer Verwendung? Wer waren die Schöpfer der Holzschnitte und welchen Einfluß hatte Brant auf ihre Gestaltung? Richtete sich der Text nach dem Holzschnitt, oder der Holzschnitt nach der Textvorlage und in welchem Verhältnis stehen diese beiden Werkkomponenten in ihrer Wirkung zueinander? Alle diese Fragen sollen Gegenstand der nachfolgenden Ausführungen sein. Die vorliegende Arbeit ist so konzipiert worden, daß drei Schwerpunkte gebildet wurden, die thematisch aufeinander aufbauen. Die Ergebnisse der Abschnitte eins und zwei sollen im dritten und letzten Abschnitt zusammengeführt und auf ein konkretes Textbeispiel angewandt werden. So ist verständlicherweise natürlich zunächst einmal unter anderem die Frage nach dem geistigen Hintergrund Brants zu klären, wie auch die Frage nach der generellen Bedeutung der Holzschnitte für das Narrenschiff, bevor man sich der Frage nach den biblischen Bezügen sowohl in Text, als auch im Bild anhand eines praktischen Beispiels, hier der Schiffsmetapher, zuwendet. Somit stellt sich ein komplexer
Untersuchungsgegenstand dar, bei dem es vielfältige Faktoren und Aspekte, von unterschiedlichen Ausgangspunkten ausgehend, zu berücksichtigen gilt. Sind dann die Voraussetzungen dazu geschaffen worden, rücken Fragen in den Vordergrund, wie: Welche Rolle nimmt die Schiffsmetapher im Narrenschiff ein? Wo ist die Schiffsmetapher im Werk zu finden? Wie äußert sie sich in Text u nd Holzschnitt? Welche biblischen Bezüge lassen sich herstellen? Welche Wirkung will Brant mit der Verwendung der Schiffsmetapher erzielen? Mit der Beantwortung dieser Fragen soll die Arbeit dann abgeschlossen werden. Als Grundlage wurde aus Verständnisgründen nicht der Narrenschiff- Text im Originalwortlaut, sondern die Übertragungsversion herangezogen.
4
1.Brants Einstellung zu Kirche und Humanismus
1.1. Konservatismus und „äußerlicher“ Humanismus
Um die Problematik der Bedeutung der Bibelbezüge im Zusammenhang mit Text und Bild im Narrenschiff nachvollziehen zu können, ist es notwendig, Brants Position einerseits gegenüber dem Humanismus und andererseits gegenüber der Kirche darzulegen. Deshalb seien zunächst einige Betrachtungen diesbezüglich vorangestellt. Brants Verhältnis zum Humanismus ist durchaus als ambivalent zu bezeichnen, denn sein Humanismus kann nicht als umfassend und alles durchdringend bezeichnet werden. Er äußerte sich vielmehr in Äußerlichkeiten, so daß die Bezeichnung „konservativer Humanist“ für Brant als zutreffend erscheint. In vielem war Brant rückwärts gewandt. 1 Andererseits war er aber ebenso ein Wegbereiter des Humanismus am Oberrhein. Aufgrund dieser Ambivalenz läßt sich Brant auch weder dem ausgehenden Mittelalter noch der frühen Neuzeit klar zuordnen. Er stand vielmehr auf der Schwelle zwischen diesen beiden Epochen. 2 Dieser Sachverhalt spiegelt sich auch in seinen Texten wieder. Sie zeugen zumeist von einer konservativen, mittelalterlich geprägten Grundhaltung und ist klar zu unterscheiden von der freieren Geisteshaltung eines Konrad Celtis oder Erasmus von Rotterdam. Dagegen ist die äußerliche Gestaltung der Texte eher als ein Zeugnis für eine neu anbrechende Zeit zu sehen. So sind die Gedichte, die vor allem in den neunziger Jahren des 15. Jahrhunderts entstanden und größtenteils in den Carmina von 1494 und den Varia Carmina von 1498 enthalten sind, in ihren Inhalten durchweg von einem spätmittelalterlichen Geist erfüllt, zeigen sich aber der Form nach elegant und humanistisch. 3 Auch kann als Merkmal eines solchen „äußerlichen“ Humanismus seine Handschrift angesehen werden. 4
1 WILHELMI, S. 21.
2 Ebenda, S. 21 f.
3 Ebenda, S. 26 f.
5
Bereits in jungen Jahren bemühte sich Brant um eine moderne Schrift, eine elegante Humanistenkursive. Ist in seinem ersten Kollegheft diese Schrift noch wenig ausgeprägt, läßt sich bereits im zweiten Kollegheft ein Wechsel zur Humanistenkursive feststellen. In den Handschriften der achtziger Jahre ist diese gut lesbare Schrift in noch ausgeprägterer Form anzutreffen. 1 In diesem Zusammenhang ist auch Brants Einstellung gegenüber der Reformation von Bedeutung. Obwohl Brant zeitlebends Katholik blieb, ließ er die Anhänger der Reformation in Straßburg gewähren. So konnten beispielsweise Matthias Zell und andere ungehindert öffentlich auf dem Marktplatz predigen und die Straßburger Drucker reformatorische Schriften in großer Zahl herausgeben. Brant hätte in seiner Funktion als Stadtschreiber ohne weiteres die Möglichkeit gehabt, in den Jahren 1517 bis 1521 alle reformatorischen Aktivitäten in Straßburg zu unterbinden, was er auffälligerweise nicht tat. 2
1.2. Brants Geisteshaltung im Narrenschiff
Das Narrenschiff ist durch Zitate und Anspielungen besonders Schriftstellern der klassischen römischen Antike wie Ovid oder Seneca, aber auch der Bibel verpflichtet und steht zugleich beim Umgang mit antiken und biblischen Schriften auf dem Boden der Morallehren patristischer Theologie. Wie sehr sich Brant Kirchenvätern wie Ambrosius oder Augustinus verbunden fühlte, wird unter anderem an seiner unermüdlichen Tätigkeit a ls Editor ihrer Schriften für Basler Drucker deutlich. 3 In dem Werk herrscht ein einheitlich pessimistischer Grundton vor, der zutiefst im Weltverständnis des ausgehenden Mittelalters verwurzelt ist. Am Wendepunkt vom Mittelalter zur Neuzeit hat Brant die bildmächtigsten Motive seiner Zeit zusammengestellt und unter das Leitbild des Narrentums gestellt.
4 Ebenda, S. 23.
1 WILHELMI, S. 23.
2 Ebenda, S. 33.
6
Dabei handelt es sich um Motive, in denen sich ein ganzes Zeitalter gedeutet und die Frage nach dem Sinn des Lebens in weltfeindlicher, jenseitsbezogener Rigorosität beantwortet fand. 1 So verwundert es auch nicht, daß in der neueren Forschung das Narrenschiff häufig als eines der letzten Werke dieser Epoche angesehen und betont wird, daß Brant in seiner ganzen Geisteshaltung nach noch dem ausgehenden Mittelalter angehört und nur bedingt dem Humanismus zugerechnet werden kann, da seine Zeitkritik und Zeitklage auf eine Rückkehr zu den Verhältnissen der Vergangenheit abzielt. 2 In einer Zeit, in der sich große geistige und soziale Umbrüche andeuteten, sind Brants Weltanschauung und Denkweise stets mittelalterlich geblieben. So suchte er die katholische Kirche und ihre Herrschaft zu stützen und zu stärken, zeigte sich kirchlichen Mißständen gegenüber in seiner Kritik zaghaft, bisweilen sogar furchtsam, brach eine Lanze für Heiligen- und Reliquienkult und verteidigte die damals heftig umstrittene unbefleckte Empfängnis. 3 In diesem Zusammenhang ist deshalb auch das Narrenschiff zu sehen. Es ist weitgehend eine Kompilation, eine Zusammenstellung von Lesefrüchten unter anderem aus biblischen Schriften. 4 Demnach verwundert es auch nicht, daß der bekannte Straßburger Prediger Johann Geiler von Kaisersberg 1498/99 im Münster einen Zyklus von mehr als hundert Predigten hielt, die das Narrenschiff auslegten, als handele es sich um ein kanonisches Buch der Kirche. 5
2. Die Holzschnitte im Narrenschiff
2.1. Das Zusammenspiel von Text und Holzschnitt
Brant war einer der ersten, der in der Verbreitung des Buchdrucks und in der Verwendung der Holzschnitte eine der großen Möglichkeiten der Verbreitung lehrhafter Dichtung erkannte, indem er sich bewußt an die naive Schaufreude
3 RUPP, S. 10.
1 MÄHL, S. 478 f.
2 Ebenda, S. 479.
3 LEMMER, S. 122.
4 Ebenda, S. 123.
5 MÄHL, S. 463.
Arbeit zitieren:
Ruben von der Heydt, 2002, Überlegungen zur Bedeutung von Text und Bild für die Schiffsmetapher und ihre biblischen Bezüge in Sebastian Brants Narrenschiff, München, GRIN Verlag GmbH
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