Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. „Erster Schwabenzug“ unter Karl VI. 4
2.1. Die Eroberung des Banats durch Prinz Eugen 5
2.2. Graf Claudius Florimund Mercy und das Kolonisationswerk im Banat 6
3. „Zweiter Schwabenzug unter Maria Theresia 8
4. „Dritter Schwabenzug unter Joseph II. 10
5. Die Sathmarer Kolonisation als Beispiel einer privatherrschaftlichen Siedlung
12
6. Schlussbemerkungen 15
7. Literatur 16
1. Einleitung
Die gegenwärtige Arbeit beschäftigt sich mit der deutschen Auswanderung in den Donauraum im 17. und 18. Jahrhundert. Besonderes Augenmerk wird auf die sog. Schwabenzüge gelegt, die unter Karl VI., Maria Theresia und Joseph II. Eingang in die Geschichte gefunden haben.
In Ungarn bildeten sich vier große deutsche Siedlungsgebiete heraus. Die ersten drei, nämlich: 1. der mittlere Teil des Landes (Komitate Pest, Wesprim/ Veszprém, Gran) mit dem Zentrum Budapest, 2. das südöstliche Transdanubien (Komitate Tolnau/ Tolna, Braunau/ Baranya, Schomodei/ Somogy, die sog. „Schwäbische Türkei“) und 3. Ostungarn (Komitat Sathmar/ Szatmár) waren im Grunde Gebiete privater, herrschaftlicher Siedlungsunternehmen, die zwar planmäßig waren, deren Planmäßigkeit aber aus partikulären Interessen stark in ihrer Geltung beeinträchtigt war. Das vierte große Siedlungsgebiet, Südungarn (Batschka/ Bácska, Banat/ Bánság), war das Werk der staatlichen Kolonisationspolitik.
Geographisch behandelt dieser Aufsatz das Banat, das sich am südöstlichen Rand der Großen Pannonischen Tiefebene (Alföld) zwischen mittlerer Donau, unterer Theiß, Marosch und den Ausläufern der Südkarpaten zu verorten ist. „Ban“ hieß bei den Südslawen und Ungarn ein hoher Regierungsbeamter. Sein Machtbereich erstreckte sich auf eine Banschaft oder ein Banat, vergleichbar in etwa mit einem Fürsten- oder Herzogtum. Im Mittelalter gab es mehrere Banschaften im südosteuropäischen Raum, doch nur eine einzige blieb unter dieser Bezeichnung (bis ins 18. Jahrhundert hinein Temeswarer Banat, später nur noch Banat) bestehen.
Im Rahmen der in östliche und südöstliche Richtung voranschreitenden magyarischen Machtausbreitung wurde dieser Landstrich in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts in das ungarische Königreich eingegliedert. Mit dem Zerfall des Stephansreiches nach der Niederlage bei Mohács im Jahr 1526 fielen die niederungarischen Gebiete 1552 an das Osmanische Reich. Der missglückte Versuch der Türken, Wien zu erobern und ihre Vorherrschaft nach Mitteleuropa auszuweiten (1683) leitete einen von beträchtlichen territorialpolitischen
2
Verschiebungen begleiteten Machterweiterungsprozess des Habsburgerreiches ein. Seit dem Friedensschluss von Passarowitz (Pozarevac) 1718 wurde die neu erworbene, aus dem Königreich Ungarn verwaltungspolitisch ausgegliederte und als Temeswarer Banat bezeichnete kaiserliche Kammerdomäne den zentralen Wiener Regierungsstellen unterstellt. Von den zentralen staatlichen Entscheidungsträgern - Hofkriegsrat und Hofkammer - wurden raumwirksame Maßnahmen im Bereich der Verwaltung, Bevölkerungs-, und Raumordnungspolitik eingeleitet, die sowohl das kulturlandschaftliche Gefüge als auch die Lebensformen der in der Region lebenden Bevölkerung prägten. Insbesondere die Wiener Hofkammer betrieb mit dem Ziel des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und der Herrschaftskonsolidierung eine intensive Siedlungspolitik der Provinz. Steuerkräftige Siedler sollten die Wirtschaftskraft des Landes stärken und an der südöstlichen Peripherie des Habsburgerreiches stabile demographische und politische Verhältnisse schaffen. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Banat zu einem der wichtigsten kontinentaleuropäischen Migrationsräume der Neuzeit, in dem Wanderungsströme aus den angrenzenden Gebieten unter osmanischer Herrschaft als auch aus West- und Mitteleuropa zusammenliefen. Die staatliche Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik verstärkte den seit der ungarischen Landnahme bestehenden multiethnischen Charakter des Gebietes.
Der Wiener Hof betrieb eine intensive Wiederbesiedlung der völlig zerstörten und weitgehend entvölkerten Provinz. Arbeitstüchtige und steuerkräftige Siedler sollten die Wirtschaftskraft des Landes stärken und an der Südostgrenze des Habsburger - Reiches stabile politische Verhältnisse schaffen. Die Neubesiedlung des Banats mit deutschen Einwanderern erfolgte in drei Abschnitten, den bereits erwähnten drei Schwabenzüge.
Karl VI. leitete das habsburgische Siedlungswerk im Banat ein; Schwerpunkt der ersten Siedlungsperiode (1772 bis 1726) war die militärpolitisch wichtige Donaulinie.
Maria Theresia setzte nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges die Kolonisation in größerem Umfang fort. Ihren Höhepunkt erreichte die Einwanderung im sog. Zweiten Schwabenzug (1763 bis 1772), aus dem die Banater Heide als geschlossenes deutsches Siedlungsgebiet hervorgegangen ist. Als Folge des von Joseph II. veranlassten Entschlusses, große Gebiete des Staatsbesitzes in Güter aufzuteilen und an private Grundherren zu verkaufen,
3
wurde das Banat 1778 Ungarn angegliedert. Nur die Militärgrenze, die einen Schutzgürtel gegen die Osmanen und gleichzeitig einen Sanitätskordon gegen Seuchengefahr bildetet, wurde im Gegensatz zum Hauptteil des Banats, welcher von der Wiener Hofkammer verwaltet wurde, nicht an Ungarn übergeben, sondern blieb bis zu seiner Auflösung 1872/73 weiterhin dem Wiener Hofkriegsrat unterstellt. 1
Von 1779 an verlief die Besiedlung des Banats zweigleisig: Neben die staatliche Ansiedlung auf Kameralbesitz mit dem dritten, dem josephinischen Schwabenzug (1782 bis 1786) als Höhepunkt, trat die Kolonisation der Grundherren auf Privatbesitz. Beide Kolonisationsformen wurden in den ersten drei Jahrzehnten des folgenden Jahrhunderts weitergeführt, doch fiel die Zuwanderung aus Deutschland im Vergleich zur Binnenwanderung zahlenmäßig nicht mehr merklich ins Gewicht. Zunächst wurden nur katholische Ansiedler im Banat zugelassen; erst unter Joseph II. wurde die konfessionelle Bindung aufgeschoben. 2
In dieser Arbeit wird, wie schon erwähnt, das Hauptaugenmerk auf die staatliche Ansiedlung im Rahmen der Schwabenzüge behandelt, doch im 5. Kapitel wird anhand des Beispieles vom Sathmarer Komitat eine privatherrschaftliche Siedlung vorgestellt.
2. „Erster Schwabenzug“ unter Karl VI.
Unter Karl VI. (1711 - 1740) setzte in den Jahren von 1718 bis 1737 die erste schwäbische Siedlungswelle ein, die unter dem Begriff „Karolinische Ansiedlung“ in der Literatur bekannt ist. 3
Die Rechtsgrundlage für die (Wieder)Besiedlung der entvölkerten ungarischen Gebiete bildeten die von Kaiser Karl VI. sanktionierten Gesetzesartikel des ungarischen Landtages von 1722/ 23. Diese Artikel besagen, dass die Ansiedlung von ausländischen Kolonisten ohne die Einwilligung bzw. die „wohlwollende Unterstützung“ des Wiener Hofkriegsrates und der Hofkanzlei möglich wird.
1 Paikert, Geza C.,The Danube Swabians. German populations in Hungary, Rumania and Yugoslavia and Hitler`s impact on their patterns, Den Haag 1967, S. 13 - 18.
2 Reingraber, Gustav, Das Toleranzpatent, in: Südostdeutsches Archiv, 24./25. Band, Jahrgang 1981/1982, S. 106 - 117.
3 Paikert, The Danube Swabians, S. 13.
4
Arbeit zitieren:
Orsolya-Maria Paszkan, 2005, Die deutsche Auswanderung in den Donauraum unter Karl VI., Maria Theresia und Joseph II. unter besonderer Bezugnahme auf das Banat, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Fahrrad. Von seiner Geburtsstunde bis hin zum Massenfortbewegungsm...
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 20 Seiten
Methodik und Didaktik des Zweitsprachenunterrichts Deutsch
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Schiller, Friedrich von - Kabale und Liebe - Die Vaterfigur im Drama
Hausarbeit, 22 Seiten
Sprachförderung in Deutsch als Zweitsprache in der Sekundarstufe I
Am Beispiel des Berliner Koope...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Examensarbeit, 69 Seiten
Schiller, Friedrich - Kabale und Liebe - Vergleich mit Emilia Galotti
Referat / Aufsatz (Schule), 10 Seiten
Lernen durch Lehren - Lernstile und Lerntypen
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Hausarbeit, 16 Seiten
Portfolioarbeit in der Grundschule - Selbst- und Fremdbeurteilung mit ...
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Examensarbeit, 127 Seiten
Charakteristik psychischer Belastung im Wettkampf - Darstellung möglic...
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Portfolios als alternative Form der Leistungsbewertung: Vor – und Nach...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit, 15 Seiten
Niklas Luhmann: "Liebe als Passion"
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Intraorganisationeller Wissenstransfer - Wie der Prozess des Wissenst...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 23 Seiten
Exegese aus dem Mainzer Reichsfrieden von 1235
Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte
Hausarbeit, 24 Seiten
Unterrichtsentwurf für die 10. Klasse zur Ganzschrift Homo Faber
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 10 Seiten
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 20 Seiten
Bewegung des NS-Regimes zum italienischen Vorbild bis 1934
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Seminararbeit, 13 Seiten
Orsolya-Maria Paszkan hat den Text Die deutsche Auswanderung in den Donauraum unter Karl VI., Maria Theresia und Joseph II. unter besonderer Bezugnahme auf das Banat veröffentlicht
Orsolya-Maria Paszkan hat einen neuen Text hochgeladen
Deutsche Geschichte 06. Ein Versuch, Bd. 6
Friedrich der Große, Maria The...
Herbert Rosendorfer
Karl Rahner y Joseph Ratzinger : tras las huellas del concilio
J. Santiago Madrigal Terrazas
0 Kommentare