Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Wahl des Selbst-Entwurfs und das Bewusstsein 4
3. Widerstand durch Gegebenes 5
3.1 Faktizität: Das Gegebene 5
3.2 Faktizität: Die eigene Vergangenheit 6
3.3 Faktizität: Die Anderen 6
4. Freiheit und Verantwortung 7
5. Fazit 8
6. Literaturverzeichnis 10
2 NA
1. Einleitung Ich will mit der Beschreibung einer Szene anfangen, wie ich sie kenne und wie sie vermutlich auch andere kennen. Von dieser werden ich ausgehen und auf das kommen, was Sartre in diesem Zusammenhang wichtig ist. Als ich ein Kind war, sagte mir meine Mutter oft ich solle aufräumen. Also stapfte ich missmutig in mein Zimmer, verbrachte dort eine endlose Zeit damit irgendwelche Spielsachen von der einen Ecke in die andere zu legen, war unendlich langsam und fing oft an mit den Sachen zu spielen, anstatt sie wegzuräumen. Wenn meine Mutter dann manchmal herein kam, um nach mir zu sehen, schaute sie mich an, schaute das Zimmer an und sagte etwas ähnliches wie: ich solle mir doch Lust machen aufzuräumen und eine schöne Kassette anmachen, die mich motiviert. Damals verstand ich gar nichts von dem was sie sagte, aber jetzt, während meiner Vorbereitungen zu diesem Referat, musste ich daran denken.
Tatsächlich kennt jeder von uns das eine oder andere Beispiel, das meinem ähnlich ist. Von Bekannten hörte ich oft, wenn man erstmal damit anfinge, dann ginge es schon, man müsste sich nur dazu zwingen. Man hat einer Sache gegenüber eine bestimmte Haltung und manchmal schafft man es diese Haltung zu verändern und „sich Lust zu machen“, manchmal aber auch nicht. Es kann auch sein, dass man sich etwas sehr fest vornimmt und dann doch wieder von einem Tag auf den anderen verschiebt oder aber es sehr halbherzig macht wie mein Beispiel zeigt.
All diese Dinge haben eines gemeinsam, die Fähigkeit sich von dem Gegebenen (im Beispiel hier: der Lustlosigkeit und Unmotiviertheit) lösen zu können. Meine Mutter war der Überzeugung, wenn ich mir vorstelle wie schön es sein könnte aufzuräumen, wenn ich mich auf diese Vorstellung einlasse, dann könnte es auch tatsächlich schön werden. Ich sollte mir vorstellen, dass es auch schön sein könnte das Zimmer aufzuräumen. Schöne Musik und das Ziel eines aufgeräumten Zimmers vor Augen sollten es mir leichter machen Gefallen daran zu finden. Ich fand es aber nur langweilig und wollte mich von dem Gedanken, dass es langweilig sei, nicht lösen und mich nicht auf die neue Vorstellung einlassen. Ich wählte es das Aufräumen als langweilig anzusehen und empfand diese ganze Situation als Qual.
Sartre geht es nun genau darum, dass wir eine Wahl haben mit dem Gegebenen umzugehen. Ich mache mir zunächst einen Entwurf von mir selbst, davon, was oder wie ich sein könnte, d.h. ich stelle mir vor, ich würde jetzt mit Freude mein Zimmer
3
aufräumen. Um dieser Möglichkeit eine Chance zu geben sich zu entfalten, wäre es notwendig sich von der Gegenwart (nicht aufräumen zu wollen) loszureißen und somit das Bisherige nicht als Bestimmendes zulassen. Dieses Losreißen bezeichnet Sartre als Nichtung.
2. Wahl des Selbst-Entwurfs und das Bewusstsein Diese Wahl in meinem Beispiel ist eine bewusste Handlung. Ich sollte mich als Kind ja bewusst dazu entscheiden meinen Selbstentwurf zu ändern. Das Zimmer aufräumen sollte nun etwas positives sein. Für Sartre ist diese Wahl aber keine bewusste Handlung, keine Willensentscheidung. Durch die Wahl meines Selbstentwurfs sind auch alle unbewussten Handlungen eingeschlossen, meine Weltansicht, meine Gefühle usw. Gerade weil die Wahl des Selbstentwurfs mein Bewusstsein bildet, hängt jeder willentliche Entschluss (z.B. das Zimmer aufräumen zu wollen oder nicht) bereits von der Wahl unserer selbst ab, daher könne die Entscheidung des Selbstentwurfs kein willentlicher Entschluss sein.
Sartre entzieht sich einer weiteren Analyse, wie die Wahl stattfinden kann und wie es denn sein kann, dass wir im Alltag aber sehr wohl willentlich unseren Selbstentwurf neu wählen. Er legt fest, dass die Wahl des Selbst-Entwurfs (also die Verwirklichung dessen) und das Bewusstsein ein und dasselbe sei. Man könne auch sagen, die Wahl sei das Bewusstsein selbst. Ich könne nur sein, weil ich mich ständig entwerfe und diesen Selbst-Entwurf dann wähle. Daher würden wir auch kein auch kein analytisches und detailliertes Bewusstsein davon besitzen können. Ich würde dem soweit zustimmen, dass wir im allgemeinen keine bewussten Gedanken über die Wahl unserer selbst haben, dass dies aber sehr wohl möglich ist, wie mein Beispiel zeigt.
Sartre unterscheidet weiterhin den Bewussten und den reflektierten Willen. Der reflektierte Wille des Kindes beabsichtigt das Zimmer aufzuräumen, der bewusste Wille jedoch steht im Dienste der grundlegenden Wahl das Aufräumen als langweilig anzusehen und fängt immer wieder an sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Wenn man da Kind fragen würde: „Warum räumst du nicht zügigier auf, willst du kein aufgeräumtes Zimmer?“ Dann wird es einen nur angucken und keine Antwort wissen, denn der reflektierte Wille strengt sich an das Zimmer aufzuräumen. Das Kind wird diesen Vorwurf deswegen nicht verstehen können, da ihm nur der reflektierte Wille zugänglich ist. Das Kind hat keine bewussten
4
Quote paper:
Kalina Seekatz, 2003, Sartre - Freiheit und Verantwortung, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
"Zur Freiheit verurteilt" - Eine Untersuchung von Sartres Fr...
Philosophy - Philosophy of the Present
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
Der Existentialismus als Humanismus?
Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Scholary Paper (Seminar), 29 Pages
Die existentialistische Begründung der Freiheit in Jean-Paul Sartres W...
Existentialismus und Freiheit
Philosophy - Philosophy of the Present
Scholary Paper (Seminar), 26 Pages
Jean Paul Sartre 'Das Sein und das Nichts' - Selbstkonstitutio...
Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Scholary Paper (Seminar), 13 Pages
Der Begriff der Freiheit bei Jean-Paul Sartre
Philosophy - Philosophy of the Present
Examination Thesis, 76 Pages
Akrobatik – „Zug und Gegenzug": Methodische Erarbeitung der „Stuh...
Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Lesson Plan, 16 Pages
Der Angstbegriff bei Kirkegaard, Heidegger und Sartre
Philosophy - Philosophy of the Present
Scholary Paper (Seminar), 27 Pages
Akrobatik - Erarbeiten und Darstellen von Menschenpyramiden
Lesson Plan, 24 Pages
Anarchismus als Idee der herrschaftsfreien Gesellschaft
Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 32 Pages
Erarbeitung und Präsentation von akrobatischen Bewegungskunststücken ü...
Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Lesson Plan, 5 Pages
Unterrichtsstunde: Vertiefung des Innenseitstoßes / Doppelpass
Lehrprobe Sport; Fußball, Klas...
Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Lesson Plan, 13 Pages
Ist die Freiheit noch zu retten? Lösungsvorschläge zur Vereinbarkeit v...
Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Scholary Paper (Seminar), 28 Pages
Zu: "Von Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben" von...
Philosophy - Philosophy of the 19th Century
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Unterrichtsstunde Akrobatik: Selbstständige Gestaltung und Darbietung ...
Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Lesson Plan, 31 Pages
Kalina Seekatz has published the text Sartre - Freiheit und Verantwortung
Kalina Seekatz has uploaded a new text
Mantik, Schicksal und Freiheit im Mittelalter
Unter redaktioneller Mitarbeit...
Loris Sturlese
Erziehung zur Freiheit. Die Pädagogik Rudolf Steiners
Bilder und Berichte aus der in...
Frans Carlgren
Freiheit und Verantwortung im Management
Eine kritische Betrachtung auf...
Sieglinde Scharnowske
Jetzt oder nie - Freiheit und Verantwortung
Wie wir leben. Wie wir leben k...
Osho, Rajmani Müller
Zum Verhältnis von Verantwortung und Kritik in der Pädagogik
Versuch einer Neubefragung in ...
Katharina Schmidt
0 comments