Inhaltsverzeichnis
1 Einführung 3
2 Einführung in den Begriff des Stereotyps 4
3 Die stereotype Vorstellung über den Morgen 6
4 Das Bedürfnis nach Dissonanzreduktion 9
5 Das Bedürfnis nach Rationalisierung und Rechtfertigung 12
6 Stereotype im Zusammenhang mit kognitiver Dissonanz und
Selbstrechtfertigung 13
7 Zusammenfassung 15
8 Literaturverzeichnis 17
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1 Einführung
Die unumstrittene und bekannte Eigenschaft von Stereotypisierungen ist das Benennen von Gruppeneigenschaften. Das wird in meiner Arbeit weniger eine Rolle spielen. Hier soll die These sein, dass die Funktion der Stereotype darin liegt, eine schnell greifbare Möglichkeit zu haben, sich selbst gegenüber emotionale Verhaltensweisen zu rationalisieren und anderen gegenüber zu rechtfertigen. Grundsätzlich ist das dann der Fall, wenn mindestens zwei Einstellungen (Kognitionen) vorliegen, die miteinander unvereinbar sind. Häufig sind das Selbstbilder, Neigungen oder internalisierte gesellschaftliche Vorstellungen. Widerstreben die Kognitionen entsteht ein unangenehmes Gefühl der Spannung. Zur Wiederherstellung eines emotionalen Gleichgewichtes werden die Stereotype herangezogen.
Um meine These zu untermauern werde ich zunächst anhand des Stereotyps über „die Polen“ erklären, was Stereotype sind und welche Eigenschaften sie haben. Besser als an diesem Beispiel kann jedoch anhand des stereotypen Wissens über „den Morgen“ erläutert werden, wie individuelle Neigungen und gesellschaftlich gewachsene, internalisierte Vorstellungen über den idealen Morgen zu widerstrebenden Einstellungen führen können. Einerseits will man bestimmte Dinge tun, aus Neigung und möchte doch auch gleichzeitig etwas anderes, um sich damit so zu verhalten, wie es von anderen (und - durch die Internalisierung - sogar einem Teil seiner selbst!) erwartet wird.
Wie diese Spannung unter Rückgriff auf Stereotype aufgelöst werden kann, wird hier eingehender geschildert werden, bevor ich zum Eingangsbeispiel zurückkehren werde. Denn sowohl bei dem positiv bewerteten Idealbild über „den“ Morgen als auch dem negativen Stereotyp über „die Polen“ wirken ein und dieselben Mechanismen.
In einem letzten Schritt werde ich noch einmal im allgemeinen, ohne Rückgriff auf meine beiden Beispiele, den Zusammenhang von Stereotypen und kognitiver Dissonanz darstellen.
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2 Einführung in den Begriff des Stereotyps
Wenn man an Polen denkt, hat man unter anderem sofort den Gedanken „Die Polen klauen Autos“. Verkörpert wird das oft durch das Sprichwort „Heute gestohlen, morgen in Polen“. Diese Dinge sind Ausdruck eines Stereotyps. In Stereotypen werden Eigenschaften oder Verhaltensweisen einer bestimmte Gruppe (oder bestimmter Objekte) benannt. Sie sind wertend und werden bei hoher emotionaler Betroffenheit angewendet (vgl. Gredig 1994: 12, 17; Bierhoff 1998: 251). Man kennt das Stereotyp über „die Polen“, aber erst wenn z.B. das eigene Auto gestohlen wurde, wird man anfangen über „die Polen“ zu reden. Es macht hilflos und wütend, dass man kein Auto hat, weil es gestohlen wurde und man versucht dies mit Aggression zu überspielen.
Allerdings steht aggressives Verhalten im Gegensatz dazu, dass wir als Kinder dazu erzogen wurden auf andere Rücksicht zu nehmen und nicht böse zu sein. Wenn man aber jemanden oder eine Gruppe herabsetzt, sie als böse und schlecht darstellt, dann ist es gerechtfertigt wütend auf sie zu sein. So ist es möglich, dass Menschen anderen gegenüber höchst grausam, zerstörerisch und verletzend sind, ohne sonderliche Skrupel zu empfinden, ein schlechtes Gewissen zu haben. Die Zielgruppe wird abgewertet und die eigene Gruppe aufgewertet (vgl. Aronson 1994: 224ff, 319ff, 329ff). Die Abwertung der anderen Gruppe muss mit großer Gewissheit geschehen, denn wenn man an Herabsetzung des anderen zweifelt, zweifelt man auch an der Richtigkeit des eigenen Verhaltens. Stereotype haben immer die Form von Urteilen und Überzeugungen (vgl. Gredig 1994: 13, 17), weil ihre Funktion darin besteht emotional bedingte Verhaltensweisen zu rechtfertigen und rationalisieren. Die Stereotype können negativ, aber auch positiv sein. Angewendet werden sie, wenn man in einer Situationen keine ausreichende Rechtfertigung in unmittelbarer Nähe hat. Wenn man ein negatives Stereotyp hat, kann man es anwenden, um eigene Hilflosigkeit zu überspielen. Dies geschieht unbewusst, da man sich eine solche Verwendung oft nicht eingestehen kann. Man greift auf das allgemein bekannte und akzeptierte das Stereotyp zurück, weil sonst die eigene Verhaltensweise nicht zu rechtfertigen wäre (vgl. Aronson 1994: 323; Bierhoff 1998: 251;
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Stroebe 1992: 419). Bei positiven Stereotypen ist es ähnlich, aber darauf werde ich im nächsten Kapitel zu sprechen kommen .
Für die Rechtfertigung ist es nicht notwendig, dass sie den Tatsachen entspricht. Deshalb spielt es auch nicht so eine große Rolle, ob Stereotype objektiven Prüfungen nicht standhalten oder gegenteilige Erfahrungen gemacht werden (vgl. Gredig 1994: 11, 18). Es ist aber notwendig, dass sie von anderen akzeptiert werden. Wenn man sich rechtfertigen will, ist es gut, wenn man sich auf ein allgemein vorhandenes Wissen bezieht.
Damit im Zusammenhang steht auch, dass Stereotype und die dazugehörigen Überzeugungen durch die Wahrnehmung bestimmter Symbole ausgelöst werden (vgl. Gredig 1994: 16, 17; Bierhoff 1998: 251). Es reicht ein Wort zu nennen z.B. „die Polen“ oder „die Neger“ um ein stereotypes Bild vor Augen zu haben. Erklärt werden muss nichts mehr. Es sind vielmehr kollektiv geteilte Überzeugungen, die durch schnelle Wahrnehmung eines Symbols aktiviert werden. 1 Stereotype werden im Gegensatz zu Vorurteilen ganz ohne eigene Erfahrung gebildet (vgl. Gredig 1994: 13). Grundlage eines Vorurteils kann der Diebstahl eines Autos sein, bei dem erwiesen wurde, dass es ein Pole war. Er könnte dann seine Erfahrung generalisieren und behaupten, dass alle Polen Autos stehlen und somit ein Vorurteil gegenüber Polen aufbauen. Stereotype werden aber nicht in diesem Sinne aufgebaut, sie werden übernommen. Sie sind allgemein bekannt und werden ohne weitere Prüfung in das Wertesystem übernommen.
Ein Vorurteil kann dazu dienen emotionale Verhaltensweisen vor sich selbst zu rechtfertigen, aber vor anderen kann es unter Umständen schwierig sein, weil es ihnen wohlmöglich nicht plausibel erscheint. Angenommen das geklaute Auto wäre rot gewesen und ein Pole hätte es gestohlen. Man könnte theoretisch ebenso zu der Überzeugung kommen, dass der Diebstahl vermeidbar gewesen wäre, wenn das Auto nicht rot gewesen wäre. Das ebenfalls mögliche Vorurteil gegenüber roten
1 Es handelt sich dabei allerdings nicht einfach um Reaktionen auf einen Reiz im Sinne der
klassischen Konditionierung. (vgl. Gredig 1994: 16, 17).
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Arbeit zitieren:
Kalina Seekatz, 2002, Verwendung von Stereotypen zur Rechtfertigung emotionaler Verhaltensweisen, München, GRIN Verlag GmbH
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