Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Was ist Gewalt überhaupt? Wo tritt sie auf? 2
3. Ursachen von Gewalt - verschiedene Theorieansätze 3
3.1. Anomie-Theorie 3
3.2. Lernpsychologische Theorie 4
3.3. Trieb- oder Hydrauliktheorie 6
3.4. Subkulturtheorien 7
3.5. Kommentar S.10
4. Schluss S.11
Anlage : Literaturverzeichnis
1. Einleitung
„Wir haben eine Gruppe von fünfzehn Leuten, die nur mit Raub zu tun hat. Wir nennen sie Cash-Mafia, da kommt aber nicht jeder rein. Den Namen haben wir uns gegeben, da wir uns eines Tages sagten, wir müssen uns nicht nur als Schläger, sondern auch als Räuber einen Namen machen. Wir machen alles mögliche. Überfälle auf Läden, Taschenraub von alten Damen, Besoffene und schwule Säue, Autos.“ 1
Dieses eindrucksvolle Zitat habe ich als Einstieg in meine Hausarbeit gewählt, da es ohne Scham und Einschränkungen die Situation vieler Jugendlicher heutzutage in modernen Gesellschaften zeigt. Statt beruflicher Aus- und Weiterbildung machen sie Gewaltkarrieren, statt durch gewissenhafte ehrliche Arbeit Prestige zu erlangen, lassen sie Fäuste sprechen und setzen sich das Ziel irgendwann einmal „Rudelführer“ zu werden und allen anderen so richtig zu zeigen „wo’s langgeht“.
Harte Worte, aber die triste Situation von zu vielen Kindern und Jugendlichen sollte man nicht schönreden. Viel zu oft kommt es vor, dass Heranwachsende kriminell werden, sich prügeln, Lehrer und Mitschüler bedrängen und erpressen, klauen, randalieren, öffentliches Eigentum beschädigen oder vernichten und alles in allem nach dem simplen Darwin’schen Grundsatz leben: „Nur der Stärkste überlebt“. Unverständlich, wo man doch meinen sollte, dass Dank technischem Fortschritt, funktionaler Differenzierung und zivilisierter Gesellschaft alles berechenbar, planbar und kontrollierbar ist. Und genau das ist der Punkt, an den meine Arbeit anknüpft. Ich möchte mich im Folgenden damit beschäftigen verschiedene Theorien, die versuchen die Gewaltentwicklung zu erklären, vorzustellen. Das Angebot in dieser Hinsicht ist groß, da anscheinend unzählige Faktoren Einfluss auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen nehmen, und es fast so scheint, als würden die Folgen der Flut von Reizen und Einflüssen, die tagtäglich in großer Anzahl in unserer modernen Gesellschaft auf jeden einwirkt, zu komplex sein um sie wirklich durchschauen, berechnen und kontrolliert ändern zu können. Ich möchte mich von daher auf die wichtigsten und anerkanntesten Theorien beschränken.
1 Farin, Klaus / Seidel-Pielen, Eberhard 1993 S. 141
1
2. Was ist Gewalt überhaupt? Wo tritt sie auf?
Im Allgemeinen wird Gewalt in der Gesellschaft als körperliche Verletzung oder als Überwältigung eines Menschen verstanden. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass es auch subtilere Formen der Schädigung eines Anderen gibt, z.B. psychische Verbrechen und Quälereien.
Es gibt jedoch noch eine weitere Unterscheidung. So gibt es die Auffassung, dass Gewalt nur im engeren Sinn als solche zu verstehen ist, also wenn es zu körperlichen Verletzungen kommt.
„So etwa die Gewaltkommission der Bundesregierung, die Gewalt definiert als die ‚zielgerichtete, direkte physische Schädigung von Menschen durch Menschen’. Ferner müsse man, dem Gewaltverständnis in der Bevölkerung folgend, den ‚körperlichen Angriff auf Sachen’ einbeziehen.“ 2
Demgegenüber steht eine Gewaltform, die als solche sehr oft nicht wahrgenommen wird: die der „strukturellen Gewalt“. Der Begriff wurde in den sechziger Jahren formuliert und beschreibt den Tatbestand, dass Menschen sich nicht in der Art und Weise entwickeln, verhalten oder entfalten zu können, wie es auf Grund der gegebenen Umstände eigentlich möglich sein sollte.
„Wenn also Menschen an Hunger sterben, obwohl die Menschheit imstande ist, genügend Lebensmittel zu produzieren, Menschen an Krankheiten leiden, obwohl die notwendigen Medikamente vorhanden sind, sie aber nicht zu den Kranken kommen, dann liegt (...) strukturelle Gewalt vor. Der (...) Gewaltbegriff überschneidet sich mit dem der sozialen Ungerechtigkeit.“ 3
Da es zur strukturellen Gewalt jedoch keine Ursachen-Theorien gibt, da sie eine „Gewalt ohne Täter“ 4 ist, möchte ich mich im Folgenden auf die unmittelbare, körperliche Gewalt konzentrieren. Sie tritt bei Jugendlichen in der Regel in diesen fünf Situationen auf:
2 Büttner, Christian / Ostermann, Änne / Nicklas, Hans (1997) S.13
3 Büttner, Christian / Ostermann, Änne / Nicklas, Hans (1997) S. 13
4 Büttner, Christian / Ostermann, Änne / Nicklas, Hans (1997) S. 13 zit. n. Galtung 1975
2
1) der Täter löst durch Gewalt einen Konflikt (z.B. im Streit um ein Revier oder ein Mädchen)
2) in Form instrumenteller Gewalt, d.h. dass durch sie bestimmte Ziele oder Güter erlangt werden (z.B. wenn ein Opfer zusammengeschlagen wird, weil die Täter die Lederjacke oder Turnschuhe oder ähnliches haben wollen)
3) der Täter hat einfach Lust zu randalieren (= expressive Gewalt) 4) man will auf sich aufmerksam machen und benutzt zu diesem Ziel das Mittel der Gewalt (=symbolische Gewalt) 5) Jugendliche versuchen ihre Grenzen auszutesten und auszureizen, was man als explorative Gewalt bezeichnet 5
Nachdem nun hiermit die Randbedingungen und Auftrittsformen der Gewalt geschildert sind, möchte ich mich nun mit den Theorien beschäftigen, die versuchen zu erklären, warum es überhaupt zu Gewalt, welcher Form auch immer, kommt und vielleicht auch kommen muss.
3. Ursachen von Gewalt - verschiedene Theorieansätze
3.1. Anomie-Theorie
a nomos (griech.): ohne Gesetz
Die Anomie-Theorie sieht den Ursprung der Gewalt darin, dass Güter, die in einer Gesellschaft als erstrebenswert gelten, von bestimmten Personen nicht erreicht werden können. Aus diesem „Nicht-Erreichen“ heraus entstehen Stress, Aggression und Wut, welche sich in Form von Gewalt versuchen zu neutralisieren. Was man auf legalem Wege nicht erreichen kann, sei es aus gesellschaftlichen oder Gründen aus dem Umfeld bzw. der Herkunft wie beispielsweise Armut, holt man sich eben auf illegalem Wege, man handelt „ohne Gesetz“ bzw. missachtet es. Bei Kindern und Jugendlichen ist einer der Hauptauslöser für die Enttäuschung und Wut, die der Anomie-Theorie zu Grunde liegt, oft ein Versagen in der Schule.
5 vgl. Büttner, Christian / Ostermann, Änne / Nicklas, Hans (1997) S. 14f
3
Arbeit zitieren:
Jessica Götz, 2004, Jugendgewalt und ihre Ursachen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Jugendgewalt: Ursachen und Folgen
Psychologie - Forensische Psychologie, Strafvollzug
Examensarbeit, 201 Seiten
Geschlechterdifferenzen in der Aggression und im aggressiven Verhalten
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 17 Seiten
Jugendgewalt und Jugendkonflikte
Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Seminararbeit, 29 Seiten
Jugend und Gewalt - abweichendes Verhalten von Jugendlichen
Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Hausarbeit, 37 Seiten
Erklärungsansätze abweichenden Verhaltens mit besonderem Augenmerk auf...
Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Adoleszenz - Gewalt bei Jugendlichen
Soziologie - Kinder und Jugend
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Störungen des Sozialverhaltens im schulischen Kontext - Intervention u...
Soziologie - Kinder und Jugend
Wissenschaftliche Studie, 32 Seiten
Gewaltpräventive und bedürfnisorientierte sozialpädagogische Förderung...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 37 Seiten
Die Bildungstheoretische Didaktik nach Wolfgang Klafki
Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge
Seminararbeit, 20 Seiten
Die Südafrikanische Stadt im Kontext der Apartheid und der Postaparthe...
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Hausarbeit, 19 Seiten
Tanztherapie nach Trudi Schoop
Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung
Hausarbeit, 36 Seiten
Ausserschulische Lernorte im Geographieunterricht
Geowissenschaften / Geographie - Didaktik d. Geographie
Diplomarbeit, 106 Seiten
Schwere Aggression in der Adoleszenz unter besonderer Berücksichtigung...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Studienarbeit, 20 Seiten
Die Position Gregors VII. im Investiturstreit mit Heinrich IV.
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 19 Seiten
Devianz - Ausdruck misslungener Sozialisation
Erörtert und diskutiert am Bei...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 12 Seiten
Jessica Götz's Text Jugendgewalt und ihre Ursachen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Jessica Götz hat den Text Jugendgewalt und ihre Ursachen veröffentlicht
Jessica Götz hat einen neuen Text hochgeladen
Jugendgewalt und Rechtsextremismus
Soziologische und psychologisc...
Klaus Boehnke, Daniel Fuß, John Hagan
Buch über die Ursachen und den Hervorgang von allem aus der ersten Urs...
Liber de causis et processu un...
Albertus Magnus, Henryk Anzulewicz, Maria Burger, Silvia Donati, Ruth Meyer, Hannes Möhle
Wachstumsschmerzen beim Übergang vom Startup zum professionell geführt...
Ursachen und Lösungsansätze
Christian Witt
Kausalitätsprobleme, Determinismus und Indeterminismus. Ursachen und I...
Kausalitätsprobleme, Determini...
Matthias Varga von Kibed
0 Kommentare