M
it dem Begriff Mittelalter bringen wir heute fast ausschließlich Negatives in Verbindung. Diese Epoche wird oft als finster und grausam angesehen (bezeichnend dafür auch die englische Bezeichnung „the dark ages“, also das „dunkle Zeitalter“) und mit den Schlagwörtern Pest, 100jähriger Krieg, Hexenverfolgung oder Kreuzzüge charakterisiert. Dabei war das Mittelalter eine bedeutende politische und kulturelle Entwicklungsstufe für Europa. So bildete sich im Mittelalter zum Beispiel das Schulwesen heraus. Schon frühzeitig entstanden die ersten Klosterschulen. Im zwölften Jahrhundert kamen die Domschulen hinzu, und ab etwa 1200 wurden die ersten Universitäten gegründet. Außerdem prägen zahlreiche mittelalterliche Erfindungen (z.B. der Kompaß) und Bauten (v.a. Dome und Kirchen) noch heute unser Weltbild. Im Mittelalter hat sich der Feudalismus als Herrschafts- und Gesellschaftssystem herausgebildet. Mit ihr kam auch die Lehnsordnung, die die mittelalterliche Gesellschaft in drei Stände in Form einer Pyramide aufspaltete. An der Spitze stand als oberster Lehnsherr ein König oder später ein Kaiser. Ihm untergeordnet waren alle geistlichen und weltlichen Fürsten. Zu dieser zweiten Ständeklasse gehörten außerdem der niedere Adel und das Rittertum. Auf der untersten Stufe der Gesellschaft stand die Masse von unfreien Menschen, die die gesamte mittelalterliche Güterproduktion übernahmen. Die Kirche hatte in dieser Zeit ihre größte Machtposition überhaupt. Sie bestimmte wie keine andere Institution das gesellschaftliche Leben. Die Menschen des Mittelalters waren nicht frei, da sie den kirchlichen Zwängen unterlagen. Auch die Dreiteilung der Gesellschaft mußte von ihnen als von Gott gegeben hingenommen werden. Das Leben im Mittelalter war außerdem sehr von der Angst vor Pest, Mißernten, Seuchen, Kriegen und Überfällen geprägt. Diese Angst wurde von der Kirche durch die Verbreitung von Aberglauben und durch die Aufhetzungen gegen Juden, Ketzer und Hexen verstärkt.
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n der hochmittelalterlichen Literatur spielt die Frau fast ausschließlich eine passive Rolle. Sie agiert nicht, sondern reagiert nur u nd trägt deshalb wenig zum Handlungsverlauf bei. Diese Erscheinung verdeutlicht die Stellung der Frau in der mittelalterlichen Gesellschaft. Die Frau hatte darin eine sehr eingeschränkte Position. Sie definierte sich ausschließlich über ihren Mann, half ihm bei der Arbeit und kümmerte sich um die Hausarbeit. Ihre einzige Aufgabe bestand darin zu heiraten, Kinder zu bekommen und sie großzuziehen. Von den Bereichen der Politik und der Kultur war sie ausgeschlossen, Frauen war es zum Beispiel verboten, als Schriftstellerin zu arbeiten. Dieser Beruf blieb auch in den folgenden Epochen ausschließlich Männersache. Diese Ungleichbehandlung zeigte sich auch im Bildungswesen. Frauen genossen eine schlechtere Bildung als Männer. Man förderte nicht ihre geistigen Kenntnisse, sondern brachte ihnen vor allem praktische Arbeiten für den Haushalt bei. Durch diesen Bildungsnachteil war ein gesellschaftlicher Aufstieg so gut wie unmöglich und selbst bei Frauen der mittleren Schicht sehr selten.
In der Literaturepoche Mittelalter gab es drei Hauptgattungen: Das Heldenepos, die höfische Dichtung und das höfische Epos.
Das Heldenepos entstammte aus den germanisch-heroischen Liedstoffen. Die Hauptcharaktere sind fast ausnahmslos Männer, meist Ritter, die darin große Abenteuer bestehen. Doch gerade in dieser männerdominierten Gattung, in der ganz auf Männerwelt orientierten Epik des Mittelalters, gibt es interessanterweise ein Gegenbeispiel. Im bekanntesten Heldenepos des Hochmittelalters, dem um 1200 entstandenen „Nibelungenlied“, ist eine Frauengestalt die zentrale Figur. Innerhalb der gesamten europäischen mittelalterlichen Literatur ist dieses Werk einzigartig, in keinem anderen Heldenepos gibt es eine weibliche Protagonistin. Der unbekannte Autor des „Nibelungenlied“ bearbeitete die berühmte germanische Siegfried-Sage und die Sage über den Untergang der Burgunden. Schon in den ersten Strophen des ersten Aventiures wird Kriemhild als die große, alles Geschehen verbindende Hauptheldin der Dichtung vorgestellt und als eine schöne und mächtige Frau charakterisiert. In den folgenden Aventiuren wirbt Siegfried - in den Traditionen des ritterlichen Ideals - um Kriemhild, die beiden werden nach anfänglichen Hindernissen ein Paar. Nachdem Siegfried ermordet wird, wandelt sich die zunächst liebende und von Leid betroffene Kriemhild und handelt erbarmungslos grausam und tötet zahlreiche Menschen, um den Mord ihres ersten Mannes zu rächen.
Eine weitere Heldin dieses Heldenepos ist Brünhild. Auch sie wird als sehr mächtig und schön, aber auch als linkisch und hinterhältig beschrieben. Der Dichter zeigt im zehnten Aventiure, daß sie den Männern sogar körperlich überlegen ist. Ihr Mann König Gunther erweist sich als unfähig, seine Frau zu bezwingen, die ihn zusammenbindet und als Symbol der Lächerlichkeit über ihrem Bett aufhängt. Beide Frauengestalten scheinen der Männerwelt geistig und sogar körperlich überlegen zu sein, leiten Heere und bezwingen und töten Männer. Diese Erscheinung gibt es nach dem „Nibelungenlied“ literarisch nie wieder. Erstmals wird hier die Entwicklung einer weiblichen Figur in einem literarischen Werk beschrieben, „die Grausamkeit ihrer Erniedrigung und ihres Leides, wachsende Zerrissenheit zwischen der Sehnsucht nach Heimat und jüngeren Brüdern und der schließlich alles überwuchernde Wunsch nach
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Rache.“ 2 Kriemhild und Brünhild werden den ritterlichen Tugenden für die Rolle der Frau, nämlich jungfräulich, zurückhaltend und vornehm zu sein, nicht gerecht. Der Autor erhellt mit diesem Werk die Kluft zwischen Ideal und Realität in der Zeit um 1200. Es gab trotz der Unterdrückung und Benachteiligung und trotz des Zwanges, die Idealvorstellungen des Mittelalters zu erfüllen, immer wieder Frauen, die sich aus der gesellschaftlichen Enge befreien konnten, die kein Schattendasein hinter ihren Männern führten, wie zum Beispiel die wohl berühmteste Frau des Hochmittelalters Eleonore von Aquitanien. Das Heldenepos „Nibelungenlied“ zeigt, daß es schon im Mittelalter Ansätze für die gesellschaftliche, literarische Gleichberechtigung der Frau gab. Kriemhild wird zu einer der bedeutendsten Frauengestalten der Weltliteratur, was beweist, daß dies tatsächlich ein literarischer Wendepunkt ist, der die Aufwertung der Frau in der Literatur mitsichbrachte. Da es sich bei dem „Nibelungenlied“ eher um eine Ausnahmeerscheinung handelte, macht es deutlich, daß sich die literarische und auch gesellschaftliche Emanzipation der Frau gerade in den Anfängen befand.
Während das Heldenepos noch germanische Züge zeigt, wendet sich das daraus entstandene höfische Epos ganz dem mittelalterlichen Rittertum zu. In dieser Literaturgattung stehen die ritterlichen Tugenden, wie zuht und mâze, êre, truive und milte, im Mittelpunkt. Das Ritterideal wird in keiner anderen Gattung so hervorgehoben wie im höfischen E pos. Nach seinem französischen Vorbild entfaltete sich etwa zwischen 1180 und 1220 auch im deutschsprachigen Raum der höfische Roman. Hier waren es hauptsächlich drei große Dichter, Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg, die in ihrer mittelhochdeutschen Sprache eine Weiterentwicklung und Vertiefung des höfischen Epos bewirkten. Das bekannteste Werk dieser Gattung wurde der Entwicklungsroman „Parzival “. Nach dem Vorbild des „Perceval“ von Chrétien de Troyes reflektiert Wolfram von Eschenbach mit seiner Neufassung, die um 1200 entstand, Leitbilder der ritterlichhöfischen Lebensweise im Hochmittelalter. Er liefert neben herausragenden Tugenden eines Ritters auch interessante Aspekte über die damalige Rolle der Frau in der Literatur. Viele Textstellen weisen darauf hin, daß der Mann - besonders aber der Ritter - die Frau ehren und respektieren sollte; so sagt zum Beispiel Trevrizent zu Parzival im 6. Kapitel:
„Willst du ein Leben in hohen Ehren und rechter Würde führen, so darfst du den Frauen nie Feindschaft zeigen. Es ist aller Welt bekannt, daß Frauen und Priester sich nicht wehren können,...“ 3
Im letzten Teil des Zitates wird besonders deutlich, daß die Frau als sehr schwach galt. Dies ist besonders bezeichnend für das wenig ausgeprägte Selbstbewußtsein der Frau. Sie war oft nur Repräsentantin ihres Mannes, wie ein Zitat in Zeile 85 zeigt:
„Und haltet stets die Frauen hoch - so steigt ein junger Mann im Rang“ 3
Auch wenn das eigentliche Kernstück des ritterlichen Tugendideals die Minne ist - also die Beziehung des Ritters zu einer Frau - und der Ritter des höfischen Epos sich bis zum
2 aus „Der Helden minne, triuwe und êre“, Verlag Volk und Wissen, Berlin 1990
3 aus „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach, Philipp Reclam jun. GmbH & Co, Stuttgart 1990
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Äußersten in den Dienst einer Dame stellt, so zählt am Ende mehr „der Ruhm, die Liebe“ (Zeile 91), also die Liebe zum Zwecke der ere. Die Frau wird so in der mittelalterlichen Literatur nur reduziert als Objekt der Minne. Auch Wolfram von Eschenbach weicht davon nicht ab. Alle Hauptfiguren in „Parzival“ sind männlich. Frauen spielen nur eine passive Rolle. Die einzige Ausnahme stellt das erste Buch dar. Hier greift die Mutter Parzivals in das Handlungsgeschehen ein. Allerdings erfüllt sie auch hier nur das Klischee der mittelalterlichen Rolle der Frau, ihre Hauptaufgabe liegt darin, ihr Kind großzuziehen. Ungewöhnlich ist nur, daß sie ihn in christlicher Tradition erzieht, nicht in der ritterlichen Tradition. Alle anderen Frauengestalten, wie zum Beispiel Herzeloyde, treten immer nur hintergründig auf und tragen nicht zur Weiterführung der Handlung bei. Dies zeigt, daß sich die Aufwertung der Frau überhaupt noch nicht ausgeprägt war.
Eng mit dem höfischen Epos verbunden ist die höfische Dichtung. Die Rolle der Frau in der Literatur wird besonders in der Hauptform höfischer Lyrik, dem Minnesang, deutlich. Hierbei handelt es sich um eine hochstilisierte Kunstform ritterlich-adeliger Selbstdarstellung. Der Minnesang war nicht so sehr individuelle Liebeslyrik, sondern eine Literaturform, die zur Unterhaltung einer anspruchsvollen, höfisch gebildeten Gesellschaft diente. Die Minnesänger kamen aus allen Kreisen des hohen, mittleren und niederen Adels. Der „Frauendienst“ wurde zu ihrem Lebensinhalt. Sie zogen von Hof zu Hof und boten der Herrin ihren Minnedienst an. Der Minnesänger hatte die Aufgabe, als Untergebener seiner Herrin, die immer verheiratet und meist tatsächlich höhergestellt war, alle Liebe und Verehrung in kunstvoll gestalteten Liedern darzustellen, Hoffnung auf Erfüllung auszudrücken mit dem Bewußtsein, sie niemals zu erhalten. Diese Form des Frauenlobs an den adligen Höfen wurde als „hohe Minne“ bezeichnet, die nicht mehr als ein Dienst ist, für die der Sänger und Dichter bezahlt wurde. In dieser Ausprägung ging es nie über die Lobpreisung hinaus, die Herrin durfte niemals darauf eingehen. Während für den Mann ein Ehebruch meist ohne Folgen blieb, bedeutete dies für die Frau den Tod, da es eine Verletzung der Ehre des Mannes darstellte. Auch hier zeigt sich die Ungleichbehandlung der Frau gegenüber dem Mann.
Literarisch betrachtet, steht die Frau im Mittelpunkt. Sie wird in der Minne vollkommen idealisiert und als höchste Vollkommenheit betrachtet, sie ist die höhergestellte Minneherrin, der Mann ihr Diener. Durch diese Darstellung könnte man meinen, die Frau würde auch tatsächlich höherstehen, aber meiner Meinung nach ist dies nicht unbedingt der Fall. Wie oben beschrieben wird die Frau reduziert als ein Objekt, sie bleibt vollkommen passiv. Für den Minnesänger war sie kein individuelles Wesen, sondern die Verkörperung aller Frauen. Dies ist auch darin erkennbar, daß die beschriebenen Damen meist abstrakt genug gehalten wurden, daß sich viele angesprochen fühlten. Wir können vom Minnelied noch nicht einmal darauf schließen, ob die angesprochene Frau nun besonders klug oder hübsch war, weil die Minne eine Kunstform und nicht das echte Gefühl ist. Die „hohe Minne“ ist nicht allein Lobpreisung der Frau, sondern vor allem Selbsterhöhung des Minnesängers, indem er sich selbst verleugnet.
Walther von der Vogelweide,
der herausragendste Minnesänger seiner Zeit, war sich dieses Problems bewußt. Er erkannte, daß die Frau nur im Lied verklärt und idealisiert wurde, und daß sie ohne Dichter keine Bedeutung haben würde: „Sterbe ich, so ist sie tot.“
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4 zitiert nach „Spektrum der Kultur in Wort, Bild und Ton“, Band I, Bertelsmann Lexikothek Verlag, Gütersloh 1992
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Daher trat in seiner Dichtung, nachdem er die „hohe Minne“ zu höchster Vollendung führte, immer mehr das wahre Gefühl in den Vordergrund.
„Minne muß gut tun, tut sie weh, ist es nicht Minne, ein Herz allein, kann Minne nicht enthalten“ 5
Am Ende seines Lebens wollte er die vergebliche Werbung um die Herrin bei der „hohen Minne“ ganz aus der Lyrik verbannen. Diese Unzufriedenheit über die Verleumdung des wahren Gefühls und über die Ignoranz gegenüber der Frau in der Literatur wird besonders in dem folgenden Gedicht deutlich:
minne-credo 6 (Entstehungsjahr unbekannt)
vnde giht des einen das es iht von herzen ge
wandim wart von rehter liebe nie weder wol
der vertrvge minen sank was ihm lieb einbrächte wäre auf mein lied erpicht Minne ist ein gemeines wort vnd doch vngemeine mit den werken dest Liebe ist in aller mund
minne ist aller tvgende ein hort ane minne wirdet niemer herze rehte vro
mih mvt sol min trost zergan
sonst zergeht die hoffnung bald Min gedinge ist der ich bin
5 zitiert nach Aufzeichnung im Deutschhefter, Walther von der Vogelweide, weiteres nicht bekannt
6 zitiert nach „Walther von der Vogelweide - Gedichte“, übertragen von Hubert Witt, Rütten & Loening, Berlin 1984
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Wiste si den willen min liebes vnde gvtes des wurde ich vor ir Säh sie tief in mich hinein
wie mohte aber das nv sin sit man valscher minne mit so svssen
das ein wib niht wissen mac
tut mir manigen sweren tac meint - wie schmerzlich machts mich kalt und machts mich heiß Der dv wib alrerst betrog der hat beide an mannen vnd an wiben
in weis was du liebe trog sit sich frunt gegen frunde niht vor valsche
mich den grvs verschvlden
der an frundes herzen lit.
So schuf er eine neue Form der Minne, und damit ein neues Frauenbild. Er setzte der „hohen Minne“ die Forderung auf Gegenseitigkeit entgegen. „Er entwirft das Bild eines weiblichen Partners, dessen Wert nicht in seinem Stand liegt, sondern in seiner menschlichen Essentialität: ,Wîp muoz iemer sîn der wîbe hôhste name’ (Frau sollte immer der Frauen höchstes Wesen sein)“ 7 Diese neue Minneform ist heute als „niedere Minne“ bekannt. Dabei stehen nicht adelige sondern unverheiratete Frauen im Mittelpunkt des dichterischen Begehrens; daraus konnte sich dann eine gegenseitige, wahre und unerfüllte Liebe entwickeln. Bei dieser Form der Minne wird die Frau tatsächlich höhergestellt. Obwohl sie auch hier nur passiv wirkt, wird sie nicht nur auf äußerliche Merkmale reduziert, wie ihren Stand, sondern auch in menschlichen Werten beschrieben. Dies stellt auf jeden Fall eine Weiterentwicklung des Frauenbildes dar. Die Gedichte der „niederen Minne“ zeigen echtes Gefühl, und die so dargestellte Frauengestalten sind mehr als bloße Objekte der Minne zur Selbsterhöhung des Mannes.
Abschließend ist noch zu sagen, daß sich Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ und das „Nibelungenlied“ nur auf die Dame des adligen Standes beschränkt. Es bietet daher nur
7 aus „Deutsche Dichter“, Band I - Mittelalter, Philipp Reclam jun. GmbH & Co, Stuttgart 1989
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hintergründige und authentische Beschreibung für das mittelalterliche Rittertum und sein Frauenbild. Die untere Schicht ist in dieser Literatur des Mittelalters kaum vertreten. Die von Walther von der Vogelweide weiterentwickelte „niedere Minne“ geht auch auf die Frauen der unteren Schicht ein, weil sich wahres Gefühl nicht durch Stände beschränken läßt.
Die Literaturepoche Hochmittelalter hat dazu beigetragen, daß sich die Emanzipationsbewegung der Frau in der Literatur herausbildet. Erstmals treten hier überhaupt Frauengestalten auf, die allerdings meistens auf Klischees beschränkt sind. Die mittelalterliche Literatur wird von der ritterlich-höfischen Männerwelt dominiert, Frauengestalten bilden eher eine Ausnahmeerscheinung. Das „Nibelungenlied“ ist dabei das außergewöhnlichste Beispiel, das in seiner Ausprägung aber einzigartig für die Literaturwelt des Mittelalters ist und deshalb nicht als allgemeiner Maßstab für die Stellung der Frau im Mittelalter gelten kann. Trotzdem wurde hier die Grundlage für die Aufwertung der Frau in der Literatur für die folgenden Literaturepochen geschaffen. Der Wandel in der Literatur im bezug auf das Frauenbild muß sich aber vor allem erst einmal gesellschaftlich vollziehen, denn die Gesellschaft schafft die Grundlagen der Literatur.
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Arbeit zitieren:
Johannes Jarchow, 2001, Das Frauenbild in der Literatur vom Mittelalter bis zur Romantik, München, GRIN Verlag GmbH
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