Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Darstellung der Analyse von Kaempfer und Lowenberg 4
2.1 Die wirtschaftswissenschaftliche Analyse von 4
Handelssanktionen
2.2 Auswirkungen auf den politischen Prozess 5
2.3 Appropriation von Renten und Umgehung von Sanktionen 6
2.4 Implikationen der Analyse: Folgerungen und Probleme 7
3. Kritische Diskussion der Vorgehensweise und Ergebnisse 8
der Arbeit
4. Schlussbemerkung 10
2
1. Einleitung
Die bisherige Forschung über internationale Sanktionen, sowohl wirtschaftswissenschaftliche als auch IB-Literatur, betrachtete Staaten meist als einheitliche, rationale Akteure und kam so überwiegend zu dem Ergebnis, dass die von sanktionierenden Staaten verfolgten Ziele eher durch multilateral als durch unilateral verhängte Sanktionen erreicht werden können. Ausgehend von diesen Resultaten entwickeln Kaempfer u. Lowenberg in ihrem Artikel ein Modell zur Analyse der innenpolitischen Prozesse in den sanktionierten Staaten, um damit die relative Effektivität von unilateralen gegenüber multilateralen Sanktionen zu prüfen und zu erklären. Dabei ist die Unterscheidung zwischen den wirtschaftlichen und den politischen Auswirkungen von Sanktionen besonders wichtig.
Dem Modell liegt ein Public Choice-Ansatz zugrunde, also eine ökonomische Theorie zur Erklärung politischer und bürokratischer Entscheidungsprozesse unter Berücksichtigung individueller Sonderinteressen.
Zwar liefern die Autoren in der vorliegenden Arbeit keine klar abgrenzende Definition der beiden Sanktionsbegriffe; dennoch soll von ihrem Verständnis ausgegangen werden: danach sind an der Verhängung unilateraler Sanktionen nur einer oder wenige Staaten beteiligt, während, „as the number of sanctioning countries increases“ 1 , multilaterale Sanktionen vorliegen.
Die Autoren stützen sich bei ihrer Analyse auf die jeweils kurze Erläuterung einiger exemplarischer Fälle der Verhängung von Sanktionen in jüngerer Zeit, ohne eine eigene empirische Untersuchung durchzuführen; dadurch wird die Generalisierbarkeit der Ergebnisse eingeschränkt. Als Schwerpunkt wählen sie die in den 80er Jahren von den USA gegen Südafrika und die in den 90er Jahren vom UN-Sicherheitsrat gegen Jugoslawien und den Irak verhängten Sanktionen.
Das Ziel dieser Arbeit ist nun erstens die zusammenfassende Darstellung der Analyse von Kaempfer u. Lowenberg und zweitens die kritische Diskussion ihrer Vorgehensweise und der präsentierten Ergebnisse.
1 Vgl. Kaempfer/Lowenberg (1999: 43)
3
2. Darstellung der Analyse von Kaempfer und Lowenberg
2.1 Die wirtschaftswissenschaftliche Analyse von Handelssanktionen
Mit Hilfe eines einfachen Zwei-Güter-Modells stellen Kaempfer u. Lowenberg die Ergebnisse der wirtschaftswissenschaftlichen Sanktionsforschung dar. Ausgehend von zwei progressiv steigenden Angebotskurven, der des sanktionierten Staates und der aller anderen Staaten, zeigen sie, dass die Ausweitung des Außenhandels die terms of trade aller Staaten verbessert und damit ihre Wohlfahrt steigert. Die terms of trade eines Staates geben das Verhältnis der durchschnittlichen Preise seiner Exportgüter zu denen seiner Importgüter an. Auf der Ordinate sind die Exporte des sanktionierten Staates abgetragen, von denen angenommen wird, dass sie gleich den Importen der sanktionierenden Staaten sind; umgekehrt auf der Abszisse. Der Schnittpunkt der beiden Kurven stellt somit das internationale Gütermarktgleichgewicht dar. 2 Um die Konsequenzen einer multilateralen Sanktion so einfach wie möglich darzustellen, gehen die Autoren von einem totalen Handelsembargo aus, d.h. die Situation aller Staaten gleicht zunächst der der Autarkie, da das Exportgut des sanktionierten Staates von diesem komparativ am günstigsten angeboten wird. Das bedeutet, dass sich die terms of trade sowohl des sanktionierten als auch der sanktionierenden Staaten insgesamt drastisch verschlechtern. Durch eine unilaterale Sanktion wird dagegen das Angebot für den sanktionierten Staat lediglich (um das Exportangebot des sanktionierenden Staates) vermindert. Folglich verschlechtern sich seine terms of trade in geringerem Maße, denn der Handel mit allen anderen, nicht an den Sanktionen beteiligten Staaten, bleibt unberührt. Die Konsequenzen für den sanktionierenden Staat sind die gleichen wie unter multilateraler Sanktion; sein Wohlfahrtsverlust kann deshalb sogar größer sein als der des sanktionierten Staates. 3 Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wohlfahrt eines sanktionierten Staates, im Sinne der terms of trade, durch multilaterale Sanktionen stärker beeinträchtigt wird als durch unilaterale Sanktionen.
2 Vgl. Kaempfer/Lowenberg (1999: 41)
3 Vgl. ebd., S. 41ff
4
Arbeit zitieren:
Christina Zimmer, 2000, Unilateral Versus Multilateral International Sanctions: A Public Choice Perspective, München, GRIN Verlag GmbH
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