Pluralbildung von Substantiven Deutsch Englisch Niederländisch
Inhaltsverzeichnis Seite
Einleitung 3
1 Flexionsmorphologie 4
1.1 Das Substantiv 4
1.2 Der Plural 4
1.2.1 Unregelmäßiger und regelmäßiger Plural 5
1.2.1.1 Unregelmäßiger Plural 5
1.2.1.2 Regelmäßiger Plural 6
2 Die Pluralbildung des Substantivs im Englischen 9
2.1 Morphologie 9
2.1.1 Unregelmäßiger Plural 9
2.1.2 Regelmäßiger Plural 10
2.2 Phonologie 11
2.3 Geschichte 12
3 Die Pluralbildung des Substantivs im Niederländischen 13
3.1 Phonologie 13
3.2 Morphologie 14
3.2.1 Unregelmäßiger Plural 14
3.2.2 Regelmäßiger Plural 14
3.3 Geschichte 17
4 Die Pluralbildung des Substantivs im Deutschen 19
4.1 Phonologie 19
4.2 Morphologie 20
4.2.1 Flexionssysteme 21
4.2.2 Flexionstypen 22
4.2.3 Numerus versus Kasus 24
4.2.4 Der Artikel als Numeruskennzeichnung 25
4.2.5 Suffigierung als Mittel der Pluralbildung 25
4.2.6 Die Pluralformen 26
4.2.6.1 Deklinationsklassen 27
4.2.6.2 Zu den einzelnen Pluralformen 28
4.2.7 Das einzige reguläre deutsche Pluralsuffix ist gleichzeitig der Default-Plural 31
4.2.8 Umlautung 34
4.2.9 Die Pluralbildung von Entlehnungen 36
4.2.10 Hymonyme 37
4.3 Geschichte 38
5 Ist der s-Plural im Niederländischen ein Default-Plural wie im Deutschen 42
6 Resümee zum deutschen Flexionssystem 44
7 Vergleich der Flexionssysteme der drei Sprachen 47
Abstract 49
Literaturverzeichnis 50
2
Pluralbildung von Substantiven Deutsch, Englisch, Niederländisch
__________________________________________________________________________________________ Einleitung
Zur Beschreibung der konkreten Aufgabenstellung dieser Arbeit ist es notwendig, zuerst einige grundsätzliche Begriffe zu definieren.
In Sprachen synthetischen Sprachbaus werden die syntaktischen Verhältnisse im Satz, mindestens zum Teil, durch Affigierung ausgedrückt. Zu diesem Sprachtyp zählen agglutinierende Sprachen, die durch die Ankettung von Affixen, die meist nur Träger einer einzelnen grammatischen Kategorie sind, an den Wortstamm gekennzeichnet sind. Außerdem flektierende Sprachen, die durch die enge Verbindung beziehungsweise teilweise Verschmelzung von Wortstamm und Affix, das in der Regel mehr als eine grammatische Kategorie vertritt, gekennzeichnet sind. Alle drei der in der vorliegenden Arbeit behandelten Sprachen gehören zu den flektierenden Sprachen.
Da die Pluralbildung unter anderem auf morphologischen Aspekten beruht, im Deutschen kann gar gesagt werden sie würde davon determiniert, soll der Begriff hier eingehend definiert werden. Morphologie ist das Studium der Formen der Wörter und der Wortbildung. Sie ist eine handhabbare Bestimmung von "Wort", die in der Grammatik von Schriftsprachen für die gesprochene und geschriebene Sprachform Geltung hat. Aufgabe der Morphologie ist es, die Form der Wörter in syntagmatischen Verbindungen zu beschreiben und die Regeln aufzudecken, die das Auftreten einzelner Wortformen an einer bestimmten syntaktischen Position und Gegebensein bzw. Nichtgegebensein ihrer gegenseitigen Ersetzbarkeit in dieser Position steuern.
In der neueren Forschung wird unterschieden zwischen der sogenannten Paradigmen- Morphologie, nicht-prozeduralen Analysen sowie prozeduralen Analysen, denen zufolge Grundformen durch geeignete Operationen in Wortformen überführt werden. Zum Beispiel: Tisch durch das Pluralsuffix -e in Tische.
(vgl. CD-ROM Metzler Lexikon Sprache, Digitale Bibliothek, Stuttgart 2000)
Das hier zu erörternde Problem steht daher im direkten Zusammenhang mit der letztgenannten Analyseform. Es soll im Einzelnen beleuchtet werden, unter welchen morphologischen und phonologischen Aspekten die Pluralbildung von Substantiven in der deutschen Sprache erfolgt. Dies soll wiederum im Vergleich zur Vorgehensweise im Englischen und Niederländischen erfolgen.
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Pluralbildung von Substantiven Deutsch, Englisch, Niederländisch
__________________________________________________________________________________________
1 Flexionsmorphologie
1.1 Das Substantiv Die Flexionsmorphologie unterscheidet zwei Arten von Flexion: Konjugation und Deklination. Deklination, also die Beugung (Flexion) des Substantivs, aber auch von Adjektiven, Pronomina, Artikeln und Numeralia, ist die morphologische Abwandlung der genannten Wortformen entsprechend seiner paradigmatischen Funktion im Satz. Die Flexionskategorisierung, die im Deutschen in diesen Abwandlungen ausgedrückt werden, sind beim Substantiv im speziellen Kasus und Numerus.
Das Substantiv, auch Gegenstandswort, Dingwort, Nennwort etc. genannt, das neben der morphologischen Einordnung in syntaktischer Hinsicht durch die Fähigkeit, Kern einer Nominalphrase zu sein beziehungsweise als Objekt, Prädikativ oder Subjekt fungieren zu können, gekennzeichnet ist, soll Protagonist dieser Arbeit sein.
(vgl. Metzlers Lexikon Sprache, Digitale Bibliothek, Stuttgart 2000)
1.2 Der Plural Die Subkategorie Plural (Mehrzahl), als Indikator des Numerus und als Opposition zum Singular (Einzahl), ist lexikalisch nicht festgelegt. In allen dreien, der in der vorliegenden Arbeit behandelten Sprachen, erfolgt die Pluralbildung des Substantivs grundsätzlich durch Suffigierung.
"Die Entstehung neuer Suffixe steht in stetiger Wechselwirkung mit dem Untergang alter. Wir dürfen sagen, dass ein Suffix als solches untergegangen ist, sobald es nicht mehr fähig ist zu Neubildungen verwendet zu werden." (Zitat Paul, 1920, Seite 349)
Neben dem aufzählenden/summativen Plural, der indiziert, dass von einem Substantiv mehr als eins vorhanden ist (Beispiel: die Katze = Einzahl - die Katzen = Mehrzahl), gibt es andere Substantive, die nur als Singularform vorkommen, das sogenannte Singularetantum. Bei einer solchen Bezeichnung einer Mehrheit ist der Plural nicht durchweg erforderlich. Hierzu gehören:
1. Kollektiva (collective nouns), als zusammenfassende singularische Bezeichnungen für
Mehrheiten. Beispiele hierfür sind: Polizei, audience (engl.: Publikum), vee (ndl.: Vieh).
2. Stoffbezeichnungen (mass nouns). Beispiele hierfür sind: Milch, gold (engl.: Gold), boter
(ndl.: Butter).
4
Pluralbildung von Substantiven Deutsch, Englisch, Niederländisch
__________________________________________________________________________________________
3. Abstrakta (abstract nouns). Beispiele hierfür sind: Rat, information (engl.: Information),
trouw (ndl.: Treue).
(Anmerkung: Mit Ausnahme vom englischen information, zu dem es im Deutschen die Pluralform Informationen gibt, gilt für alle genannten Beispiele dasselbe für ihre jeweilige Übersetzung in die anderen beiden Sprachen.)
Außerdem gibt es Substantive, zu deren Pluralform keine Singularform existent ist. Ein solches Substantiv heißt Pluraliatantum. Hierzu gehören geographische Eigennamen (die Anden), Krankheitsbezeichnungen (die Röteln), Zeitbestimmungen (Ostern) und Kollektiva (Beispiel: Leute, dessen Englische Übersetzung people sowie dessen Niederländische Übersetzung lieden teilen dasselbe Schicksal). Ein weiteres Beispiel ist das Wort Jeans. Das – s könnte hier als Pluralindikator gelesen werden, das Wort *Jean, was dann die Singularform wäre, gibt es jedoch nicht.
1.2.1 Unregelmäßiger und regelmäßiger Plural 1
"Wörter werden im mentalen Lexikon nicht als willkürliche Bündel von Informationen gespeichert, sondern in einem Standardformat, das man Wurzel nennt." (Zitat Pinker, 2000, Seite 202). Unregelmäßige Formen sind daher im Gedächtnis gespeicherte Wortwurzeln.
Regelmäßige Formen hingegen müssen 'berechnet' werden. Das erfolgt immer dann, wenn das Gehirn nicht mit einer anderen gespeicherten Form aufwarten kann beziehungsweise durch Analogiebildung auf eine unregelmäßige gespeicherte Form zurückgegriffen werden kann. Das heißt, eine erlernte Regel zur "Weiterverarbeitung" muss hier angewendet werden.
1.2.1.1 Unregelmäßiger Plural
Neue unregelmäßige Formen entstehen, wenn eine Regel durch eine geänderte Aussprache undurchsichtig wird oder schlicht veraltet ist. Die Sprecher prägen sich den früheren Output der Regel nun als unregelmäßige Formen ein. Beispiel: Englisch: foot – feet. Es handelt sich um eine regelgeleitete Verschiebung der Aussprache von oo, die ursprünglich von einem nun
1 Auch wenn in der Fachliteratur, auch der deutschen (vgl. Wegener, 1999), mit den Begriffen regulär und
irregulär gearbeitet wird, verwende ich, in Absprache mit Prof. Dr. H. Weydt, die Begriffe regelmäßig und
unregelmäßig.
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Pluralbildung von Substantiven Deutsch, Englisch, Niederländisch
__________________________________________________________________________________________ verschwundenen Pluralsuffix –i (feti) ausgelöst wurde. Feet muss im mentalen Lexikon als irreguläre Form gespeichert werden. Siehe hierzu auch Punkt 2.1.1.
1.2.1.2 Regelmäßiger Plural
Nachfolgend eine Übersicht der nach Pinker (2000) regelmäßig zu pluralisierenden Substantive.
a) Wurzellose Wörter Besteht also, wie oben beschrieben, zu einem Wort k e i n Eintrag im mentalen Lexikon, ist dieses Wort wurzellos. Da kein Eintrag vorliegt, auf den zurückgegriffen werden kann, springt eine der erlernten Regeln ein, mit deren Hilfe der Plural gebildet werden muss. Als wurzellose Substantive können betrachtet werden:
1. Lautmalereien. Beispiel: Schrei bei der Achterbahnfahrt: "Mit vielen uuuaaahhhs... brachte
er seine Achterbahnfahrt zu Ende."
2. Pluralisierte Namen. Beispiel: Familie Mann - die Manns, *die Männer (als der im
mentalen Lexikon gespeicherte irreguläre Plural von Mann).
3. Lehnwörter. Beispiel: Latte macchiato – Latte macchiatos.
4. künstlich erzeugte Wörter, sogenannte Akronyme, die sich aus den jeweiligen
Anfangsbuchstaben mehrerer zusammengehöriger Wörter ergeben. Beispiel: United Nations Organisation, kurz UNO. Die Bezeichnung UNO wird genauso als Substantiv behandelt, so ein solches Akronym erst einmal zu einem gebräuchlichen Wort geworden ist und würde damit ebenfalls der regelmäßigen Pluralbildung unterliegen, so es denn mehr als eine UNO geben würde. Diese wäre dann UNOs. (vgl. Pinker, 2000, Seite 36 f)
5. Konversionen aus einer anderen Wortart. Beispiele: die Wenns und Abers, die
Dreikäsehochs.
6. Abkürzungen, Kurzwörter. Beispiele: Lastkraftwagen = LKW = LKWs, Automobil = Auto
– Autos.
b) Kopflose Wörter "Regeln fügen Wörter oder Teile von Wörtern nicht wahllos zusammen; sie bilden ein Schema, in dem sich die Eigenschaften der neuen Kombination aus den Eigenschaften der Teile und der Art ihrer Anordnung berechnen lassen. Eine Kombination, die auf diesem Schema beruht, hat einen sogenannten Kopf." (Zitat Pinker, 2000, Seite 202).
6
Pluralbildung von Substantiven Deutsch, Englisch, Niederländisch __________________________________________________________________________________________ Daraus ergibt sich, dass einem kopflosen Wort demzufolge die 'Berechnungsgrundlage' für die Kombination und Anordnung des Wortes, die wir in Form von Regeln im Gedächtnis gespeichert haben, fehlt beziehungsweise diese nicht anwendbar ist. Der Plural kopfloser Wörter wird ebenfalls regelmäßig gebildet. Als kopflose Substantive gelten:
1. Eponyme. Das sind Nomen, die sich aus Namen herleiten. Beispiel: Zeppelin (Fluggerät,
benannt nach dem gleichnamigen Erfinder) –
Zeppelins
2
.
2. Bahuvrihi-Komposita. Das ist ein Wortzusammensetzung, die auf nichts referiert. Ihre
Bedeutung wird nicht durch das am weitesten rechts stehende Wort repräsentiert. Es referiert vielmehr auf etwas anderes und das andere hat oder tut etwas mit dem am weitesten rechts stehenden Wort, es ist es aber nicht. Es verliert daher seinen Kopf. Beispiele:
lowlife
-
lowlifes
(keine Art von Leben, sondern Leute, die ein
low life
führen)
*lowlives,
als
irregulär gespeicherte Pluralform zu
life.
talisman (keine Art Mann, sondern ein Glücksbringer) - talismans *talismen, wobei hier men die unregelmäßige Form zu man wäre. In diesem Falle muss der Informationskanal, der angibt, dass es sich eigentlich um eine unregelmäßige Form handelt, blockiert werden und es wird auf den Defaul-Plural 3 zurückgegriffen.
(vgl. Pinker, 2000)
In der Auswertung einer von Kim, Prince, Prasada und Pinker 4 erhobenen Fragebogen- erhebung zu unregelmäßigen Verben stellte sich heraus, dass die als kopf- und wurzellos erkannten Verben regularisiert werden. Pinker zufolge lässt sich dies analog auch auf ebensolche Substantive anwenden. Das heißt im Umkehrschluss: Nimmt man ein Wort also n i c h t als kopf- oder wurzellos wahr, geht auch dessen Unregelmäßigkeit n i c h t verloren. Ein von ihm genanntes Beispiel sind im Englischen die Schwarzfußindianer, die The Blackfeet genannt werden und nicht *The Blackfoots. (vgl. Pinker, 2000, Seite 224 f.)
3. Wird ein komplexes Wort mit einer regelmäßigen Wurzel als Kopf gebildet, wird auch
dessen Plural regularisiert. Beispiel: carseat (Autositz) – carseats. Seat ist eine regelmäßige Form und gleichzeitig Kopf der Komposition, da die Bedeutung des Gesamtwortes durch das
2 Vgl. Punkt 4.2.7
3 Dazu eingehend unter Punkt 4.2.7.
4 Kim, J.J. u.a. (1991): "Why no mere mortal has ever flown out to centre field." In: Cognitive Science. 15: 173- 218.
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Pluralbildung von Substantiven Deutsch, Englisch, Niederländisch
__________________________________________________________________________________________ am weitesten rechts stehende Wort, also seat, repräsentiert wird, da es sich bei der Zusammensetzung um eine bestimmte Sorte eines Sitzes handelt. Daher handelt es sich um eine regelmäßige Form, welche zur Pluralbildung die Suffigierung mit –s zur Folge hat. Genauso verhält es sich bei dem deutschen Wort Feuerwehrauto – Feuerwehrautos.
Eine solche Bildung ist aber auch andersherum möglich. Ein komplexes Wort kann ebenfalls mit einer unregelmäßigen Wurzel als Kopf gebildet werden. In diesem Falle bleibt auch die Unregelmäßigkeit des Kopfes erhalten. Beispiele: snowman – snowmen *snowmans, Schneemann – Schneemänner *Schneemanns.
Daraus ergibt sich, dass alle Substantive, die in der vorgenannten Aufzählung nicht erschienen oder die nicht als irreguläre Liste zu speichern sind, ebenfalls regelmäßig zu pluralisieren sind.
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Pluralbildung von Substantiven Deutsch, Englisch, Niederländisch
__________________________________________________________________________________________
2 Die Pluralbildung des Substantivs im Englischen
2.1 Morphologie
Die synthetische Flexion englischer Substantive erfolgt, wie im Deutschen und Niederländischen, grundsätzlich durch Suffigierung. Entgegen der Verfahrensweise im Deutschen steht hierfür lediglich das Pluralsuffix –s zur Verfügung. Das heutzutage vorherrschende System ist Ergebnis einer Reorganisation, die etwa bei der Entstehung des Neuenglischen im 17. Jahrhundert einsetzte. Zuvor war das Pluralsuffix –s immer mit Vokal ausgesprochen (und geschrieben) worden, und dass nicht nur bei Nomen, die auf s oder z endeten, wie beispielsweise horses. Unklar ist jedoch, warum heute sowohl –es (Beispiel: masses) als auch nur –s (Beispiel: maps) zulässig sind.
2.1.1 Unregelmäßiger Plural
Das Englische Sprachsystem hält, wie auch im Deutschen, regelmäßige und unregelmäßige Formen bereit. So auch bei der Pluralbildung des Substantivs. Im Gegensatz zum Deutschen bilden unregelmäßige Formen im Englischen jedoch die Minderheit.
Folgende unregelmäßige Formen sind zu nennen:
1. Nomen, drei Stück an der Zahl, die zur Pluralbildung auf die Verwendung des Pluralsuffix
–en zurückgreifen. Diese Nomen sind: child – children, ox – oxen und brother – brethren. Die beiden letztgenannten gehören mit dieser Art der Pluralbildung jedoch nicht dem standardsprachlichen Dialekt an. Im Standarddialekt werden beide ebenfalls mit –s suffigiert (oxes, brothers).
2. Nomen, sieben an der Zahl, die ihren Plural durch Vokaländerung bilden: man - men,
woman - women, foot - feet, goose - geese, tooth - teeth, mouse - mice, louse – lice.
3. Bezeichnungen für verschiedene Herdentiere sind im Singular und Plural identisch. Es
erfolgt somit morphologisch gesehen keine Pluralisierung des Wortes. Man könnte dies mit dem Null-Plural 5 im Deutschen vergleichen. Beispiele: fish, sheep, shrimp, herring.
4. Dazu kommen Nomen aus dem wissenschaftlichen Bereich, die gemeinsam mit ihrem
jeweiligen Plural direkt aus der Fremdsprache entlehnt wurden und die somit als
5 vgl. dazu Punkt 4.2.6.2
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Pluralbildung von Substantiven Deutsch, Englisch, Niederländisch
__________________________________________________________________________________________ unregelmäßige Liste zu speichern sind. Sie sind nach wie vor nicht in der Englischen Sprache integriert und bilden ihren Plural daher nicht mit –s.
(Ich bin eigentlich der Auffassung, dass die laufende Nummer 4 in die nachfolgende überfließt, da die wissenschaftlichen Begriffe wohl auch dem Lateinischen entstammen. Da Pinker aber zwischen diesen Gruppen von Wörtern unterscheidet, werde ich dies auch tun.)
5. Des Weiteren umfasst die Gruppe der unregelmäßigen Substantive Familien von Nomen
mit lateinischen Pluralformen. Beispiele: alumnus - alumni, genus - genera, alga – algae, datum - data, appendix - apendices. Hierzu gehören ebenfalls zwei Wortfamilien mit griechischer Pluralform: analysis – analyses (zwar Plural-s, aber aufgrund der Kappung des Singularsuffixes; nicht aufgrund des Anhängens des Plural-s), criterion – criteria. (vgl. Pinker, 2000)
Eine Besonderheit, im Vergleich zu den beiden anderen Sprachen, bildet die sogenannte consonant mutation. Die Pluralbildung des Substantivs erfolgt hierbei zwar genauso durch Suffigierung, hinzu kommt jedoch eine Konsonantenveränderung des letzten stimmlosen Konsonanten zu einem stimmhaften. Hierzu gehören 13 auf –f auslautende Nomen, bei denen dieser Wechsel zwingend erfolgt. Beispiele: leaf – leaves, knife – knives. Andere Substantive, die auf –f, –ff, -fe oder –ffe auslauten, lauten nicht um beziehungsweise können zwischen Umlautung und Nichtumlautung wählen. Beispiel: beef – beefs oder beeves.
(vgl. Lehmann, 2000 in Verbindung mit Paproth, 1992)
Bei der Entstehung neuer Nomen kann es zur unregelmäßigen Pluralbildung kommen und zwar bei der Komposition mit unregelmäßigem 'Input'. Wie bereits im allgemeinen Teil erörtert, haben solche Wörter eine unregelmäßige Wurzel als Kopf 6 , die dann zur Unregelmäßigkeit des Gesamtwortes führt. Beispiele: superman - supermen, milktooth – milkteeth.
2.1.2 Regelmäßiger Plural
Wie bereits beschrieben ist die Pluralbildung von wurzel- und kopflosen Wörtern regelmäßig, dass heißt im Englischen mit Suffix –s. Alle Substantive, die nicht unter die unter Punkt
1.2.1.1 aufgeführten Kategorien der unregelmäßigen Pluralbildung fallen, werden im
Englischen auf regelmäßigem Wege gebildet. Beispiel: mother – mothers, sister – sisters.
6 vgl. Punkt 1.2.1.1
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Pluralbildung von Substantiven Deutsch, Englisch, Niederländisch
__________________________________________________________________________________________ Zu beachten ist, dass Nomen, die auf -y enden, dieses bei der Pluralbildung gegebenenfalls in –ie- umwandeln. Das geschieht immer dann, wenn vor dem -y ein Konsonant steht. Beispiel: babies aber jerseys. Ausnahmen sind neuere Wortschöpfungen auf –by endend sowie einige Eigennamen, bei deren Pluralbildung das y erhalten bleibt. Beispiel: standbys, Bloody marys. (vgl. Paproth, 1992)
Genau wie im Deutschen ist auch im Englischen zu unterscheiden, ob es sich bei Substantiven, die auf –s enden, tatsächlich um –s als Pluralindikator handelt. Neben den Verben der 3. Person Singular erscheint auch bei den Possessivformen, sowohl im Singular als auch im Plural, -s am Ende des Wortes. Entscheidend ist die Zeichensetzung. Beispiel: the dog's blanket als Possessivform des Singular, the dogs' blankets als Possessivform des Plural und the dogs als Plural. (vgl. Pinker, 2000)
2.2 Phonologie
Im Gegensatz zum Deutschen, wo die Pluralbildung durch die Morphologie determiniert wird, ist sie im Englischen stark von der Phonologie bestimmt. Diese befasst sich, als Teildisziplin der Linguistik, unter anderem mit dem Lautsystem einer Sprache.
Das englische Pluralsuffix –s kann nach Pinker (2000, Seite 45) phonologisch wie folgt unterschieden werden.
1. Endet das Nomen auf einen stimmlosen Konsonanten, so wird das Plural-s auch wie s
gesprochen. Beispiel: hawks.
2. Das Plural-s wird wie iz gesprochen, wenn das Nomen auf einen Sibilanten (s, z, sh, zh, j,
ch) endet. Beispiele: horses, dishes.
3. Bei allen übrigen Nomen wird das Plural-s wie das deutsche z gesprochen. Beispiel: dogs.
Wie bereits erwähnt, kann es bei der irregulären Pluralbildung passieren, dass der stimmlose letzte Konsonant des Stammes stimmhaft wird. Hierzu gehören auch die Nomen, die der sogenannten consonant mutation unterliegen. Insgesamt handelt es sich um etwa zwanzig Wörter. Beispiele: mouths, clothes usw.. Ursache hierfür ist, dass der stimmhafte Konsonant z neben einem stimmlosen erscheint und einer von beiden nachgibt, damit sich ein konsistentes cluster bildet (vgl. Pinker, 2000, Seite 69).
11
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Corinna Schücke, 2005, Die Pluralbildung von Substantiven im Deutschen im Vergleich zum Englischen und Niederländischen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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