Inhalt:
1. Einleitung 3
2. Immanuel Kant (1724-1804) 6
2.1 Grundgedanken über eine staatliche Erziehung 6
2.2 Die Stufen der Erziehung. 10
2.3 Zwang und Freiheit. 19
3. Literaturverzeichnis 21
2
1. Einleitung
Erziehung findet tagtäglich in unserer Gesellschaft statt. Wir verbinden mit dem Begriff Institutionen wie Kindergärten, Schulen, Heime oder auch Strafanstalten (für straffällig gewordene Jugendliche). Das Wort bedeutet einen Versuch auf den Menschen so einzuwirken, dass er gewisse vorher festgelegte Normen der Gesellschaft internalisiert. Dabei sind die Normen und die dazu abgeleiteten Ziele stets im Wandel, und darum von Zeit zu Zeit gegebenenfalls neu zu bestimmen. 1
Wenn wir den Begriff Erziehung verwenden, spielt dabei oft auch Bildung eine große Rolle. So wird in der institutionalisierten Erziehung zumeist auch gebildet. Bestes Beispiel hierfür ist die Schule. Ausgehend vom Wort bezeichnet Bildung den Prozess einer Formung nach einem Bild. Dieses Bild beinhaltet z. b. Sprache, Literatur, Wissenschaft und Kunst. Welchen Stellenwert die Erziehung und Bildung der Heranwachsenden in unserer heutigen Gesellschaft besitzt, zeigt folgender Auszug aus dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland:
„Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ 2 Des Weiteren heißt es: „Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.“ 3
Die Notwendigkeit einer planmäßigen Erziehung hat bereits Platon um 350 v. Chr. mit seinem berühmten Höhlengleichnis bekräftigt: Die Menschen sind Bewohner einer dunklen Höhle. In dieser sitzen sie gefesselt mit dem Gesicht zum Höhleninneren. Hinter ihnen brennt ein Feuer, welches sie unwissend für das Tageslicht halten, da sie dieses nicht kennen. Die Aufgabe der Erziehung ist es nun, die Menschen aus ihrer Situation zu befreien und sie dem Licht vertraut zu machen.
Das Ziel lautet die Wahrheit und Wirklichkeit vom Schein und Irrtum zu unterscheiden. Damit dieses aber allen gelingt, sollen die Befreiten ihre Mitmenschen zu gleichen Erfolg verhelfen.
Damit stellt die Erziehung einen außerordentlich wichtigen und notwendigen Auftrag an die Gesellschaft dar. Man könnte bereits von einem Gesellschaftsvertrag sprechen. Platons Höhlengleichnis zeigt zudem, dass er ein Erziehungsideal vor Augen hat, in dem ein Subjekt (Erzieher) auf ein Objekt (Heranwachsender) einwirkt. Die Teilnehmer einer
1 Vgl. Fend, 1972, S. 148 ff.
2 Grundgesetz für die BRD, 1949, Art. 6 Abs. 2.
3 Ebd., Art. 7 Abs. 1.
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erzieherischen Interaktion sind also ungleichberechtigte Partner. Diese Thematik wird später bei Immanuel Kant erneut aufgegriffen und vertieft.
Max Scheler, ein Vertreter der philosophischen Anthropologie, bezeichnet Bildung als eine notwendige Voraussetzung, damit der von Natur aus triebhafte Mensch zu einem individuellen geistigen Mitglied einer Gesellschaft werden kann. Der Mensch kommt also nicht gebildet auf die Welt, sondern muss sich Bildung erst erwerben. 4
Die Pädagogik hat sich in den letzten Jahrhunderten stark verändert. Es bildeten sich Institutionen heraus, die die Erziehung und Bildung zu ihren Aufgaben gemacht haben. Die Wiege dieser Wissenschaft liegt, wie wir bereits gesehen haben, im alten Griechenland. Die entscheidende Phase auf dem Weg zu einer umfassenden Menschenbildung, wie sie der Philosoph und Pädagoge Pestalozzi forderte, war jedoch das 18. Jahrhundert. Um 1700 herrschte in weiten Teilen Europas eine von Armut und Not geprägte Agrargesellschaft. Nicht die persönliche Leistung, sondern der Geburtsstand war für das Leben der Menschen entscheidend.
Seit dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts begann ausgehend von der Philosophie und den neue n Naturwissenschaften eine geistige Bewegung, die vor allem von den gebildeten Ständen (Ärzte, Lehrer, Pfarrer) getragen wurde: Die Aufklärung.
Im Mittelpunkt steht hierbei der Gebrauch der Vernunft als Eckstein menschlichen Handelns. Der Mensch soll sich, so Immanuel Kant, aus der passiven Rolle eines trägen und feigen Zuhörers befreien. Es wird deutlich, dass er selbst für seine Lage verantwortlich ist: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ 5 Er soll mündig werden in dem Sinne, dass er seinen eigenen Verstand benutzt. Kant sah sich und seine Umwelt noch nicht in einem aufgeklärten Zeitalter, „aber wohl in einem Zeitalter der Aufklärung.“ 6 Deswegen mussten infolge dieses neuen Zeitgeistes zwangsläufig bestehende Bedingungen und Beschränkungen in allen Lebensbereichen, wie auch in der Pädagogik, zur Disposition gestellt werden. (Hat es mit Rückblick auf Platon, der Mensch etwa nicht geschafft aus der Höhle zu “kriechen“?)
Erziehung wurde bis zu diesem Zeitalter kaum als ein eigener Lebensbereich angesehen und galt in der Öffentlichkeit und Wissenschaft ohne große Bedeutung. 7 Dieses änderte sich rasch, „als die geistige Elite schon die Position der Aufklärung zum Teil verlassen hatte“ 8 und „sich
4 Vgl. Verlag Dr. Kovac, 2005, http://www.verlagdrkovac.de/3-8300-0860-0.htm.
5 Kant, 1996, S. 9.
6 Ebd., S.15.
7 Vgl. Gudjons, 2003, S. 81.
8 Wehrmann, 1981, S. 144.
4
der Blick der aufklärerischen [sic] Reformer auf den gewöhnlichen Landmann und Handwerker und deren Familien richtete“. 9
Die Erziehung der Kinder wurde zur Voraussetzung des Fortschritts erklärt, und damit die geburtsständische Gesellschaft zugunsten einer liberalen Wettbewerbsgesellschaft abgelöst. Auch sah man in der Jugend die Chance auf eine bessere Zukunft, und sorgte sich deswegen um diese Hoffnungsträger der Gesellschaft. 10
Wie diese Erziehung auszusehen habe, d azu äußerte sich beispielsweise Jean-Jacques Rousseau in seiner Schrift „Emile - oder über die Erziehung“: Er sah einen Menschen, der von Natur aus gut, aber auch hilfsbedürftig ist. Die Erzieher stünden in der Pflicht diesem nachzukommen, allerdings nur in dem Maße, der nicht schädlich für das Kind sei. Rousseau erkannte eine Gefahr der Abhängigkeit und Verweichlichung. Die Erwachsenen sollten zudem lediglich eine geeignete pädagogische Situation und Umwelt herbeiführen, in der das Kind selbstständig seine Erfahrungen mit der Welt sammelt. Ganz entscheidend ist hierbei die neue Sichtweise: „Erziehung kann das Kind als Kind (nicht nur als kleinen Erwachsenen) sehen.“ 11 Der Heranwachsende wird also vom Objekt zum Subjekt.
Allgemein lässt sich folgendes neues Verständnis von Erziehung und Bildung während der Aufklärung ausmachen:
Die Menschen sind für die Erziehung ihrer Nachkommen selbst verantwortlich und dazu verpflichtet. Es liegt eine Notwendigkeit an Erziehung vor, die eine allgemeine Schulpflicht fordert.
Zum anderen verstand man unter Bildung nicht mehr nur das stumpfe, unmenschliche Auswendiglernen von Weltwissen. Pestalozzi forderte deshalb: „Allgemeine Menschenbildung hat vor aller Berufs- und Standesbildung zu stehen.“ 12 Entscheidend war zu guter Letzt, dass man den Einfluss der Kirche auf die Bildung und Erziehung kritisch hinterfragte.
Nachdem nun grob die “Folgen“ der Aufklärung für die Pädagogik thematisiert worden sind, stellt sich jetzt im Anschluss Immanuel Kant vor, der sich ebenfalls um die Fragen der Erziehung Gedanken gemacht hat.
9 Ebd.
10 Vgl. Herrmann, 1993, S. 46.
11 Gudjons, 2003, S. 81.
12 Ebd., 2003, S. 86
5
2. Immanuel Kant
2.1 Grundgedanken über eine staatliche Erziehung
Der Königsberger Philosoph Immanuel Kant (geboren am 22. 4. 1724, gestorben am 12. 02. 1804) ist uns, wie schon erläutert, vor allem als Protagonist der dt. Aufklärung bekannt. In den Hintergrund geraten, sind leider seine Gedanken und Bemühungen um die Pädagogik, deren Wissenschaft ihn wiederum nicht würdigte und als Pädagogen mehr oder weniger bis heute nicht beachtet.
Allerdings hat er seine Wirkung auf die moderne Pädagogik nicht eingebüßt: So „sind es Theodor Litt, Alfred Petzelt, Theodor Ballauff, Wolfgang Ritzel - um nur einige der inzwischen Verstorbenen oder über 70-jährigen zu nennen -, deren pädagogische Arbeiten mit Kants Werk in einer unübersehbaren Beziehung stehen“. 13 Am deutlichsten jedoch wird seine Kraft, die er auf die Pädagogik ausstrahlt, am Beispiel des Neukantianismus erkennbar.
Es ist der Nachwelt wenig Schriftliches über Kants Pädagogik erhalten geblieben. „Immanuel Kant über Pädagogik“ ist 1803, ein Jahr vor seinem Tod, in seiner Geburts- und Heimatstadt Königsberg erschienen und mehr oder weniger die einzige Quelle, die seine Gedanken zur Erziehung und Bildung preisgeben. Allerdings streitet sich die Wissenschaft um die Echtheit dieser Schrift, die darüber hinaus unter dem Einfluss Kants früheren Kollegen Friedrich Theodor Rink gestanden hat. Der Orientalist und Theologe edierte nämlich Kants viermal gehaltene und stark besuchte Vorlesung.
Wolfgang Fischer, ein Interpret Kants, geht sogar noch einen Schritt weiter und lässt kein gutes Haar an dem Werk: „Sie [die Schrift] ist mit Sicherheit, was man schon seit langem wissen kann, nicht nur eine mißglückte [sic] Kompilation aus Notizen, Exzerpten, Vorlesungsbruchstücken, die Rink überlassen worden waren, sondern zudem deren kühne redaktionelle Bearbeitung, die auch vor stilistischen Änderungen und inhaltlichen Ergänzungen nicht zurückschreckte.“ 14
Trotz dieser Vorbehalte gegen eine wissenschaftliche Verwertung des Textes stütze ich meine Arbeit aus folgendem Grund auf dieses Werk: Traugott Weisskopf hält nach einer genauen Untersuchung wesentliche Teile der Schrift für authentisch und hat dieses auch beweisen können. 15
13 Fischer, 1998, S. 126.
14 Bockow, 1984, S. 124.
15 Vgl. Weisskopf, 1970
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Arbeit zitieren:
Jan-Bernd Stahmann, 2005, Immanuel Kant: Pädagogik im Sinne der Aufklärung, München, GRIN Verlag GmbH
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