Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Leben des Erasmus von Rotterdam 4
3. Die Situation der Juden zur Zeit des Erasmus 8
4. Erasmus und die Juden 10
4.1 Erasmus und der Pfefferkorn Reuchlin Streit 12
4.2 Die Briefe des Erasmus 14
4.3 Äußerungen über Juden in anderen Werken 18
5. Erasmus und die Juden in der Sekundärliteratur 20
6. Schlußbemerkung 23
7. Bibliographie 24
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1. Einleitung
Im Rahmen des Seminars „Luther und die Juden“ wurden verschiedene Schriften Luthers gelesen. Dies veranschaulichte die Situation der Juden im 15. und 16. Jahrhundert. In dieser Arbeit wird nun die Einstellung einer anderen großen Persönlichkeit der damaligen Zeit, des Erasmus von Rotterdam, zu Juden und Judentum untersucht werden.
Vor allem aus persönlichen Briefen läßt sich Erasmus’ Haltung zu Juden und Judentum erschließen. Aber auch in einigen anderen Schriften kommt seine Einstellung zum Ausdruck.
Im folgenden zweiten Kapitel beschäftigt sich die Arbeit mit dem Leben und Wirken des Erasmus von Rotterdam.
Im dritten Kapitel wird die Situation der Juden in Deutschland und Europa zur Zeit des Erasmus erläutert.
Das vierte Kapitel bildet den Hauptteil der Arbeit und untersucht anhand von Briefen und Äußerungen in anderen Werken des Erasmus von Rotterdam seine Haltung zu Juden und zum Judentum. Vor allem an der Bücherinquisition des Johannes Pfefferkorn soll das verdeutlicht werden.
Abschließend sind Meinungen aus der Sekundärliteratur zusammengetragen, die sich ebenfalls mit dem Thema „Erasmus und die Juden“ beschäftigen.
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2. Leben des Erasmus von Rotterdam 1
Erasmus von Rotterdam wurde am 28. 10. 1466 oder 1469 in Rotterdam als Gerard Gerard geboren. Sein Vater war Priester und seine Mutter eine Arzttochter. Sie waren nicht verheiratet. Erasmus besuchte Schulen in Gouda und Deventer. Die Schule in Deventer war eine Schule der Brüder vom gemeinsamen Leben. Hier verband sich eine neue innerlich und persönlich ausgerichtete Frömmigkeit mit dem Interesse für die Wissenschaften. Sie war von entscheidender Bedeutung für den Lebensweg des Erasmus.
Als er 14 Jahre alt war, starben seine Eltern an der Pest. Erasmus und sein Bruder wurden für zwei Jahre in ein Konvikt in Herzogenbusch geschickt. Danach trat er in das Augustinerkloster Steyn ein, denn das war für ihn die einzige Möglichkeit sich weiterzubilden. Hier studierte er das klassische Altertum und Patristik. Bereits 1490 begann er mit der Arbeit an seinem Werk Antibarbari. Dieser Aufsatz beschäftigt sich mit der wechselseitigen Abhängigkeit von caritas und scientia. Erasmus richtete sich gegen Bildungsfeindlichkeit und Bildungsferne, die es nach seiner Meinung auch im Kloster gab. Hieraus entstand zudem seine Forderung an den Staat, die Sorge für die Bildungsmöglichkeiten aller, besonders der Kinder wirtschaftlich Schwacher, zu übernehmen. Von der Kirche erwartete er, dass sie ihren Reichtum auch dafür nutzbar mache. Erst 1520 wurde der Antibarbari in Druck gegeben.
Im Jahr 1492 wurde Erasmus zum Priester geweiht, kurz darauf wurde er zum Sekretär des Bischofs von Cambrai ernannt. Dieser ermöglichte ihm 1495 das Studium an der Universität von Paris. Ab 1496 nannte er sich neben Erasmus auch noch D esiderius. Er studierte bis 1499 in Paris Philosophie, spätscholastische Theologie, Griechisch und Hebräisch, wobei ihm Hebräisch am wenigsten zusagte. Zugleich arbeitete er an der Abhandlung De conscribendis epistolis (Über das Briefeschreiben), die aber erst 1522 gedruckt wurde. Auch beschäftigte er sich mit seiner persönlichen Situation als Mönch in De contemptu mundi (Über die Weltverachtung). Letztendlich entschied er sich gegen ein Leben im Kloster. Während seines Aufenthalts in Paris war er im College Montaigue untergebracht, wo ihn aber die grausam-strenge Art der Mönche störte bzw. abschreckte, denn es
1 W. Welzig (Hg.), Erasmus von Rotterdam, Ausgewählte Schriften, Bd. III: In Novum
Testamentum Praefationes, Darmstadt 1967, S.X; A.J. Gail, Erasmus von Rotterdam – In
Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Hamburg 8 1999.
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war eine Drillanstalt für Theologen und Mönche, in der Askese großgeschrieben wurde, Hygiene jedoch nicht. Erasmus wurde krank und verließ Paris für kurze Zeit. In das Kolleg kehrte er nicht wieder zurück.
Durch seine Abwendung vom Klosterleben verlor er auch die finanzielle Unterstützung durch den Bischof von Cambrai. Zum Broterwerb übte er eine Art Tutorentätigkeit aus, die ihn dazu veranlasste, über die Pädagogik nachzudenken, vor allem über Methoden des Studiums und die Formung des Verhaltens im Sinne einer kultivierten Menschlichkeit.
In dieser Zeit entstand sein Werk Adagia. Es war eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit der Antike, die dem Leser mundgerecht dargeboten wurde. Die Adagia beinhalteten zunächst ca. 800 Aussprüche antiker Autoren und der Bibel. Als vielbewunderter Meister der lateinischen und griechischen Sprache verband er Geist und Ethos der klassischen Antike mit der Morallehre Jesu zu einer Philosophia Christi, mit der er in geistreicher Zeitkritik die Überheblichkeiten der kirchlichen und weltlichen Hierarchien angriff. Er ergänzte und verbesserte die Sammlung immer wieder. Jede neue Ausgabe fand schnelle Verbreitung. 27 Ausgaben erlebte das Werk in nicht ganz vier Jahrzehnten bis zum Tode des Erasmus. Er arbeitete ungefähr 33 Jahre an der ständigen Erweiterung und Vervollkommnung. Das Werk ist eine immense philologische, antiquarische und literarhistorische Leistung durch das Aufspüren und Zusammentragen, Sichern und Übersetzen von Texten. Es diente lange als Nachschlagewerk und Zeugnis der Sicherung der antiken Tradition. Selbst die Jünger des Ignatius von Loyola haben Erasmus lange als Schulautor passieren lassen. Ähnliche Sammlungen, die Bildungsstoffe bekanntmachen sollten, waren Parabolae (1514), Apophthegmata (1531), De duplici copia verborum ac rerum (1512), De conscribendis epistolis (1522).
Vor allem der Buchdruck unterstützte seine Bestrebungen, originale Dokumente des Glaubens und des Wissens zugänglich und dem Leser verständlich zu machen. 1499 reiste er nach England, wo er die Humanisten John Colet und Thomas Morus kennenlernte, mit denen ihn eine tiefe Freundschaft verband. 1503 entstand sein Enchiridion militis christiani, das Handbüchlein des christlichen Streiters. Das Werk wandte sich gegen die offizielle Theologie und gegen die materialistische Volksfrömmigkeit. Erasmus meinte, dass erst precatio und scientia die wahre Frömmigkeit begründeten. Wissen war für ihn eine notwendige
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Waffe des Christen gegen den religiösen Materialismus. In den folgenden Jahren reiste er noch mehrfach nach England, wo er viele Ideen sammelte.
Die Jahre 1506-09 verbrachte er dann in Italien, arbeitete dort als Erzieher und Mitarbeiter in einem Venezianischen Verlag. Am 4. September 1506 erwarb er außerdem in Turin den Doktorgrad in Theologie. Italien war für ihn reizvoll, da er Werke unbekannter Autoren und unbekannte Werke bekannter Autoren entdecken, übersetzen und Handschriften vergleichen und auswerten konnte. In Italien wurden auch die Grundlagen für sein berühmtestes Werk „Lob der Torheit“ gelegt, das 1511 erschien.
Das „Lob der Torheit“ war die Summe seines bisherigen Lebens und Schaffens. Er widmete das Buch Thomas Morus (Moriae enkomium = stultitiae laus). Es richtete sich gegen die Dummheit und den Machtwahn, mit dem die Kirche regierte und die Frömmigkeit verdreht wurde. Auch dieses Werk lebt von dem Hang zur Satire, die voll von beißendem Hohn ist. Von allen Werken des Erasmus hat das „Lob der Torheit“ ihm den dauerhaftesten Ruhm erworben.
In den folgenden Jahren lebte Erasmus in Basel und den Niederlanden, reiste immer wieder nach England und schrieb unter anderem ein Pamphlet gegen Papst Julius II. mit dem Titel Julius exclusus e coelis.
Im Jahr 1516 veröffentlichte er auf der Höhe seines Ruhmes in Basel die erste kritische Ausgabe des griechischen Neuen Testaments mit lateinischer Übersetzung, Novum Instrumentum, welche später auch Luther als Grundlage seiner deutschen Übersetzung diente. Erasmus hatte den Urtext des Evangeliums mit philologischer Sorgfalt revidiert und allen zugänglich gemacht. Außerdem versuchte er, mit Anmerkungen und Paraphrasen jedermanns Verständnis des Neuen Testaments zu fördern. Daneben edierte er später auch die alten Kirchenväter.
1516/17 löste der Papst ihn von seinem Gelübde als Augustinerchorherr. Zwischen 1517 und 1521 lebte er in Löwen in den Niederlanden, war Hofrat des späteren Kaisers Karl V. und unterstützte die Einrichtung des Collegium trilingue, des Dreisprachenkollegs.
Bereits 1516 hatte er die Institutio principis christiani verfasst. Der Fürst sollte nicht herrschen, sondern verwalten, denn Herrschaft setzt Knechtschaft voraus, aber Knechtschaft ist unmenschlich, d.h. er sah den Fürsten als eine Art
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Arbeit zitieren:
Annett Rohde, 2002, Erasmus und die Juden, München, GRIN Verlag GmbH
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