Superlearning. Hält es, was es verspricht?
Superlearning.
Hält es, was es verspricht?
Lernen ohne Hausaufgaben, ohne leidiges Auswendiglernen, ohne Anstrengungen, das ist wohl der Traum eines jeden Schü- lers. Nicht nur Schulkinder empfinden so. Sicherlich hat sich auch schon jeder Erwachsene bei diesem Wunsch ertappt, wäh- rend sie oder er vergeblich versuchte, sich Vokabeln, mathema- tische Formeln oder Grammatikregeln einzutrichtern. Für viele Menschen, egal ob Alt oder Jung, ist Lernen immer noch eine leidvolle Erfahrung. Oft haben sie bereits die unterschiedlichsten Lernmethoden ausprobiert – aber umsonst. Und so träumen sie mit vielen anderen, scheinbar vergebens vom stressfreien, ange- nehmen, aber effektiven Lernen...
Doch es soll tatsächlich eine Lernmethode geben, die sie ihrem Traum ein Stück näher bringt. Die Wurzeln hierzu liegen in Bul - gariens Hauptstadt Sofia. Der Landsmann, Arzt, Psychologe und Psychotherapeut Prof. Dr. Georgi Lozanov beanstandete dort 1967 die uns geläufige Art des Lernens .
Es ist allgemein bekannt, dass das menschliche Gehirn aus zwei Hälften besteht. Die linke Gehirnhälfte arbeitet eher logisch, li- near und rational, während die rechte Hälfte für das kreative, assoziative Denken zuständig ist. Lozanov kam zu der Erkennt- nis, dass bei uns bekannten, herkömmlichen Lernverfahren, wie dem Auswendiglernen aus einem Buch, nur die linke Gehirnhälfte angesprochen wird. Die rechte, kreative Gehirnhälfte bleibt dabei größtenteils ungenutzt. Lozanov kritisierte, dass man versuchen wolle, den grauen Zellen vorzuschreiben, wie sie zu funktionieren haben. Effektiver und gesünder wäre es jedoch, den Lernprozess den Anforderungen des Gehirns anzupassen und nicht umge- kehrt.
Superlearning. Hält es, was es verspricht?
Nachdem Lernen folglich nur eine halbe Sache war, benutzte Lo- zanov den ganzen Kopf und entwickelte ein ganzheitliches, ge- hirnfreundliches Lernverfahren an der Universität in Sofia. Unter dem wissenschaftlichen Namen „Suggestopädie“ entstand eine Lernmethode, die dem biologischen Aufbau und der natürlichen Funktionsweise des Gehirns gerecht werden sollte. Durch eine harmonische Verknüpfung von Sprache und Musik, dem soge- nannten Lernkonzert, sollen sowohl die linke, als auch die rechte Gehirnhälfte angesprochen werden. Lernen muss sich nicht nur auf ein Medium beschränken. Ein Buch mag vielleicht der linken, logischen Gehirnhälfte gefallen, aber der kreativen, rechten Ge- hirnhälfte sagt es nicht zu. Musik soll die vernachlässigte, künst- lerische Gehirnhälfte erreichen und demzufolge auch die Welt der Träume, Bilder und Fantasien. Und nicht zuletzt, beherbergt die rechte Gehirnhälfte auch das Langzeitgedächtnis. Durch das Verfahren der Suggestopädie kann ein weitaus größerer Teil des geistigen Potenzials genutzt werden.
Lozanovs vielversprechendes Lernverfahren fand nicht nur in den Ländern des Ostblocks Anklang. Auch in Deutschland und den
USA stieß der Bulgare mit seinen im Grunde genommen simplen,
aber doch logisch klingenden Erkenntnissen auf offene Ohren. Seine Methode wurde weiterentwickelt und aus dem wissen- schaftlichen Terminus „Suggestopädie“ prägte sich rasch der po- pulärwissenschaftliche Begriff „Superlearning“. Und dies ist wohl auch der geeignetere Name für ein Lernverfahren, das der natür- lichen Funktionsweise des Gehirns entsprechen soll. Schließlich bedeutet das Wort Suggestion, das sich von Suggestopädie ab- leitet, so viel wie „Willensbeeinflussung“. Willensbeeinflussung muss sicherlich nicht immer einen negativen Aspekt haben, al- lerdings ist der Begriff nicht geeignet, um eine natürliche Lern-
Superlearning. Hält es, was es verspricht?
methode zu umschreiben. Aber was auch immer sich Georgi Lo- zanov bei der Namensgebung gedacht hatte, sein Lernverfahren kam an und wurde in den USA und Deutschland weiterentwickelt. Heute wird Superlearning besonders zum Sprachtraining einge- setzt. Große Firmen wie Siemens, BMW und Mercedes nutzen Superlearning zur industriellen Aus- und Weiterbildung ihrer Mit- arbeiter.
Aber wie kann man sich Lernen mit Superlearning nun vorstel- len? Theoretisch gliedert sich eine Lektion Superlearning in drei Phasen. Die erste Phase ist die Entspannungsphase. Teilnehmer einer Superlearning-Stunde müssen alle Anspannungen durch eine Art autogenes Training, auch Tiefenentspannung genannt, hinter sich lassen. Dadurch soll sich ihr Geist optimal auf die nächste Phase, die Präsentationsphase vorbereiten. In der Prä- sentationsphase erfolgt die Aufnahme des Lernstoffes in einem der bereits erwähnten Lernkonzerte, einer Mischung aus Sprache und Musik. Es gibt zwei Arten von Lernkonzerten. Während eines aktiven Lernkonzerts verfolgen die Teilnehmer den Stoff in ihrem Lehrbuch und lesen ihn leise mit. Im passiven Lernkonzert wird mit Hilfe von Imaginationsübungen der Lernstoff verankert. Nun ist es Zeit für die letzte der drei Superlearningphasen, die Akti- vierungsphase. Der während des Lernkonzerts aufgenommene Stoff wird schließlich in Praxisübungen aktiviert und trainiert. Danach soll die Hörerschaft des Kurses tatsächlich in der Lage sein, den Stoff ohne weiteres Lernen oder gar Hausaufgaben an- zuwenden. Das alles klingt zwar vielversprechend, wirklich traumhaft, aber viel zu schön um wahr zu sein. Kann denn eine kreative, rechte Gehirnhälfte tatsächlich Gefallen an Entspan- nungs-, Präsentations - und Aktivierungsphasen finden?
Quote paper:
Andrea Rohlmann, 2004, Superlearning (Suggestopädie). Hält es, was es verspricht?, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Nationaler und internationaler Kreuzfahrtmarkt im produktpolitischen V...
Diploma Thesis, 112 Pages
Wichtige Themen im Bereich frühes Fremdsprachenlernen
German - German as a Foreign Language / Second Language
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Der topologische Begriff des Zusammenhangs und seine Anwendung in der ...
Examination Thesis, 95 Pages
Instrumente zur Sicherung der Geschäftsbeziehung des FRANKFURTER BRAUH...
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Deutsche Sicherheitspolitik nach dem 11. September 2001
Politics - International Politics - Topic: German Foreign Policy
Examination Thesis, 124 Pages
CRM - Customer Relationship Management
Communications - Public Relations, Advertising, Marketing
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Lyrik und Musik. Gedichtinterpretationen dreier Werke der Gruppe "...
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Anlegen eines Druckverbandes (Unterweisung Arzthelfer / -in)
Instructor Plans: Health / Medicine / Sports / Social Topics
Instruction, 17 Pages
Die Sinustypologie als Instrument der Marktsegmentierung - Darstellung...
Business economics - Marketing, Corporate Communication, CRM, Market Research
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Instrumente der strategischen Unternehmensanalyse - Darstellung und Kr...
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Scholarly Research Paper, 41 Pages
Klassenrat und Streitschlichtung - Zwei Konfliktlösungsmethoden im Ver...
Psychology - Social Psychology
Termpaper, 31 Pages
English - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Scholary Paper (Seminar), 21 Pages
Andrea Rohlmann has published the text Superlearning (Suggestopädie). Hält es, was es verspricht?
Andrea Rohlmann has uploaded a new text
Superlearning 2000: New Triple Fast Ways You Can Learn, Earn, and Succ...
Lynn Schroeder, Sheila Ostrander, Nancy Ostrander
Föderalismus - Hält er noch, was er verspricht?
Seine Vergangenheit, Gegenwart...
Hans Herbert von Arnim, Gisela Färber, Stefan Fisch
Individuelle und kollektive Freiheit im Arbeitsrecht
Gedächtnisschrift für Ulrich Z...
Thomas Dieterich, Martine Le Friant, Luca Nogler, Katsutoshi Kezuka, Heide Pfarr
Gestaltendes Wissensmanagement und Transdisziplinäre Wissenschaft
Grundlagen, Konzept, Vorgehens...
Arnim Bechmann
Strategien - Methoden - Fallbe...
Matthias Bellmann, Helmut Krcmar, Tom Sommerlatte
0 comments