Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis. 2
1. Einleitung und Problemstellung. 3
2. Die Sicherheitsstrategien der USA und EU 5
2.1 USA: Die National Security Strategy (NSS) 6
2.1.1 Unter Clinton. 6
2.1.2 Unter Bush. 7
2.2 EU: Solana-Strategie und ESVP. 9
2.2.1 „Bush light“ aber „Solana tight“ 12
2.2.2 Hintergrund: eine Verfassung für Europa. 13
2.3 Vergleich der beiden Strategien. 14
3. Auswirkungen auf die Entwicklungspolitik. 16
3.1 Multilateralismus vs. distinct american internationalism. 18
3.2 Transatlantische Arbeitsteilung und politische Spezialisierung. 19
3.3 Auswirkungen auf Global Governance. 21
4. Schlussbetrachtung. 23
5. Literatur- und Quellenverzeichnis 25
Anhang: Die Europäische Sicherheitsstrategie
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: : Definitionen und Wechselwirkungen der acht zentralen Weltprobleme nach Messner/Scholz 2005 (modifiziert)
Quelle: Messner/Scholz (Hrsg): Zukunft der Entwicklungspolitik, Baden Baden 2005
Abb. 2: Der Zielkatalog der National Security Strategy de r Bush-Administration (eigene Darstellung, aus dem Englischen übersetzt)
Quelle: The National Security Strategy of the United States of America, September 2002
Abb. 3: Der Sicherheitsbegriff: Komponenten und Ursachen
Quelle: Hippler, Jochen: USA und Europa. Unterschiedliche Sicherheitspolitiken, S. 300, in: Hauchler/Messner/Nuscheler (Hrsg): Globale Trends 2004/05. Fakten-Analysen-Prognosen, Frankfurt 2003
Abb. 4: Vergleich der US- und EU-Sicherheitsstrategie in Hinblick auf sechs zentrale Punkte (eigene Darstellung)
Abb. 5: Absolute ODA 2003 und ODA/BSP in US$
Quelle: http://www.oecd.org/topic/0,2686,en_2649_34447_1_1_1_1_37413,00.html
Abb. 6: Beiträge der Entwicklungspolitik zur Stabilisierung von Krisen- und Konfliktländern
Quelle: Messner/Faust: Entwicklungspolitik und internationale Sicherheit. Die EU-Sicherheitsstrategie als Herausforderung für die Entwicklungspolitik, Baden-Baden 2005
3
1. Einleitung und Problemstellung
Die verschärften Herausforderungen, die zunehmende Transnationa lisierung territorialer Konflikte und Bürgerkriege sowie Interdependenzen der Weltprobleme 1 nach Ende des Kalten Krieges an die Internationale Gemeinschaft stellen, sind mittlerweile auch von kritischen Autoren aus dem (neo)konservativen Lager anerkannt worden. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben die aktuelle Sicherheitsstrategie der USA und auch ihr europäisches Pendant, die so genannte Solana-Strategie, maßgeblich beeinflusst und aufgezeigt, dass eine effiziente Sicherheitspolitik nur in Allianz mit einer effizienten Entwicklungspolitik et vice versa möglich ist. Das ehemals auf die klassische Entwicklungspolitik beschränkte Schlagwort „Konfliktprävention“ hat nun sowohl in die USamerikanische als auch in die Europäische Verteidigungs- und Sicherheitspolitik (ESVP) Einzug gehalten. Das heißt jedoch nicht, dass die Strategien vom entwicklungspolitischen Standpunkt aus vorbehaltlos angenommen werden können, denn in beiden Fällen läuft die Entwicklungspolitik Gefahr, von der Sicherheitspolitik verschluckt zu werden und in ihr aufzugehen. Eine These dieser Arbeit ist, dass Sicherheits- und Entwicklungspolitik, aber auch die Außenpolitik, eigenständige Politikbereiche bleiben müssen. Nur durch eine effiziente geographische und politische Arbeitsteilung und Spezialisierung, für welche die Kohärenz zwischen den politischen Ressorts auf regionaler Ebene als auch die Koordination auf internationaler Ebene zu verbessern ist, können die gemeinsamen Ziele verwirklicht werden. Diese Ziele heißen nicht nur D emokratisierung, Freihandel und Wahrung der Menschenrechte, sondern vor allem auch die schrittweise Annäherung an eine globale Weltordnung. Im ersten Kapitel nach dieser Einführung werden zunächst beide Strategien getrennt voneinander vorgestellt und anschließend miteinander verglichen. Im zweiten Kapitel wird die Bedeutung der Entwicklungspolitik in den Strategien selbst, insbesondere aber die Auswirkungen der Strategien auf die Entwicklungspolitik analysiert und unter Aspekten von Global Governance eingeordnet. Dazu sollen einleitend die Begrifflichkeiten von Global Governance und Globalisierung geklärt werden und kurz auf die Diskussion rund um den neuen alten Begriff der Souveränität im Hinblick auf die EU verwiesen werden: • Unter Global Governance ist im weiten Sinne das Regieren ohne Regierung, im engen Sinne Prozesse und Strategien zur Lösung grenzüberschreitender und globaler Probleme 2 zu verstehen. Global Governance hat mit einer ganzen Reihe von Legitimationsproblemen zu kämpfen, allen voran dem Problem der demokratischen Legitimation. Voraussetzung für demokratische Global Governance Strukturen sind demnach demokratische Nationalstaaten. Die Industrieländer müssen also daran interessiert sein, weltweit Demokratie zu fördern und zu stärken, weil internationale Regelwerke und Institutionen in einer globalisierenden Welt unverzichtbar werden. Messner/Scholz schreiben dazu: „Aus dieser Sicht stellt das auf dem klassischen Souveränitätsprinzip basierende one country-one vote-Prinzip der Generalversammlung der Vereinten Nationen nur eine schwache Legitimationsbasis für Global Governance dar, solange eine große Zahl der dort vertretenen Regierungen nicht mit einem Minimum an demokratischer Legitimation ausgestattet sind“. 3
1 definiert als Armut, Bevölkerungsexplosion, Zerfallende Staaten, „Neue Kriege“/Terrorismus, globale
Wasserversorgung, Klimawandel und Fragilität der Ökosysteme, Instabilität der Finanzmärkte, regionale wirtschaftliche Marginalisierung, nach MESNNER/SCHOLZ 2005: 20 (vgl. auch MDG der UN)
2 vgl. MESSNER/SCHOLZ 2005: 24
3 ebd.: 2005: 29
Abb. 1: Definitionen und Wechselwirkungen der acht zentralen Weltprobleme nach Messner/Scholz 2005 (modifiziert)
Marginalisierung von Regionen
7 Instabilität der Internationalen Finanzmärkte
6 Globaler Klimawandel/ Instabilität Weltökosysteme
• Auch bei der Definition des Begriffes Globalisierung gibt es theoretische Abgrenzungsprobleme. Globalisierung ist nicht etwa ein neues Phänomen, sondern genauso alt wie der Kapitalismus selbst. Die ihr innewohnenden Prozesse jedoch sind komplexer, schneller und dichter geworden, weshalb eine begriffliche Fassung des „neuen“ Phänomens notwendig geworden ist, um nicht im wahrsten Sinne sprachlos zu werden. Gesellschaftlicher und politischer Wandel ist eng mit der Sprache verknüpft und wird erst über die Wandlung der Worte und Begriffe fassbar gemacht. 4 Klaus Müller schreibt hierzu, dass nicht - wie der teils immer noch populäre neoliberale common sense propagiert - entfesselte Märkte, sondern die Diffusion von Demokratie und deren prekäre institutionelle Voraussetzungen der Angelpunkt für eine erfolgreiche Teilnahme an Globalisierungsprozessen sind. 5 • Souveränität ist der Begriff, der im Laufe der Ze it vielleicht die meisten Verständnis-Metamorphosen der politischen Begriffe, die noch aus der Antike stammen 6 , durchlaufen hat und quasi in seiner Bedeutung recycelt wurde 7 . Barbato stellt fest: „Wenn heute ein Staat souverän genannt wird, assoziiert man nicht mehr die uneingeschränkte Unterwerfung unter den Leviathan. Die unterschiedlichste Kritik hat den Souveränitätsbegriff nicht verabschiedet, sondern gewandelt und neu geformt.“ 8 Für die EU bedeutet dass, den Gegensatz zwischen nationalstaatlichen Besitzansprüchen und europäischer Handlungsfähigkeit durch einen gewandelten Begriff von Souveränität aufzulösen und dem entstehenden Neuen einen Namen zu verleihen.
4 vgl. ZEHFUß 1998: 109-137
5 vgl. MÜLLER, 2002: 17
6 Demokratie, Monarchie, Diktatur, Hierarchie etc.
7 vgl. BARBATO 2003: 17
8 ebd.
2. Die Sicherheitsstrategien der USA und EU
In der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik hat, ausgelöst durch die Terroranschläge vom 11. September 2001, eine Abkehr von der klassischen Kalten Kriegs-Strategie der Abschreckung (deterrence and containment) hin zu einer militärisch betonten
neoklassischen Strategie der Vorbeugung Intervention“
Sicherheitsstrategie (Solana-Strategie) orientiert sich im Wesentlichen an der US-Strategie. Die militärische Komponente ist allerdings weniger stark als in der amerikanischen Vorlage ausgeprägt und dafür die Verzahnung von klassischer Entwicklungspolitik und klassischer Sicherheitspolitik stärker betont. Die Anerkennung, dass „typische“ entwicklungspolitische Handlungsfelder und Ziele wie das der Konfliktprävention für die Sicherheitspolitik von unmittelbarer Bedeutung sind (und umgekehrt sicherheitspolitische für eine effiziente Entwicklungspolitik) stellt in beiden Strategien ein Novum dar, wobei nicht vergessen werden darf, dass es sich bei der EU-Sicherheitsstrategie um die erste ihrer Art handelt. Im wissenschaftlichen Diskurs herrscht innerhalb der verschiedenen Schulen Uneinigkeit darüber, ob das europäische Äquivalent zur US-Sicherheitsstrategie wirklich als solches betrachtet werden kann, oder ob es sich bei der so genannten Solana-Strategie nicht eher um ein „Solana-Paper“ handelt, sprich lediglich um ein sicherheitspolitisches Konzept. Da die EU ob noch fehlender Ratifizierung der europäischen Verfassung und damit einer wesentlichen f ehlenden Definitions- und Legitimationsgrundlage de facto ein Verbund von Nationalstaaten, aber keinesfalls ein souveräner Staatenverbund mit nationalstaatlichen Kompetenzen ist, könne es auch keine Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) und keine militärischen Streitkräfte in Form und Sinne einer „europäischen NATO“ geben. Zudem fehlte eine ausführliche sicherheitspolitische Analyse. Dieser allgemeinen Kritik an der mangelnden Kohärenz innerhalb der EU sowie der gezielten Kritik an der EU- und US-Sicherheitsstrategie soll in diesem Kapitel nachgegangen werden. Des Weiteren werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von EU- und US-Sicherheitsstrategie vorgestellt und die Bedeutung der Entwicklungspolitik und Global Governance in den Strategien selbst, als auch die Auswirkungen der Strategien auf die Entwicklungspolitik und Global Governance analysiert.
2.1 USA: Die National Security Strategy (NSS)
In der Foreign Affairs wurde 1947 erstmals die nationale Sicherheitsstrategie der USA öffentlich erwähnt und diskutiert. In Zeiten des Eisernen Vorhanges avancierte selbige dann zum Eckpfeiler der US-Außenpolitik. Die Nixon-Administration veröffentlichte ihre Sicherheitsstrategie erstmals regelmäßig im jährlich erscheinenden „State of the World“ Report. Seit 1986 ist jeder US-Präsident laut Goldwater-Nichols Department of Defense Reorganization Act 9 verpflichtet, dem Kongress und dem Volk eine nationale Sicherheitsstrategie per annum vorzulegen. Eine neue Regierung ist darüber hinaus verpflichtet, innerhalb der ersten fünf Monate nach Amtsantritt ihre Sicherheitsstrategie zu veröffentlichen. Diese Deadline wurde weder von der Clinton- noch der Bush-Administration eingehalten.
9 vgl. The National Security Strategy, in CFR 2003: 103 (Appendix) vgl.: www.whitehouse.gov/nsc/nss1.html
Die Clinton-Regierung veröffentlichte in ihrem letzten Jahr gar keine Sicherheitsstrategie und die Bush-Regierung ihre erste im September 2002, also 20 Monate nach Amtsantritt. Die aktuelle US-Sicherheitsstrategie ist somit das erste sicherheitsstrategische Dokument seit 1999, und beansprucht darüber hinaus aufgrund der Ereignisse vom 11. September 2001 einen Sonderstatus, der potentielle vorherige Sicherheitsstrategien mit großer Wahrscheinlichkeit hätte obsolet werden lassen. 10 E.-O. Czempiel konstatiert, dass mit dem Regierungswechsel von Clinton auf Bush Jr. ein ähnlich radikaler Umschwung in der Regierung und vor allem in Innen-, Außen- und Sicherheitspolitik stattgefunden habe wie von Carter (1977-1981) auf Reagan (1981-1989), und auch die politischen Programme von Carter/Clinton und Reagan/Bush sich ähnelten. 11 Es lohnt sich daher, die beiden Regierungsstile und ihre jeweiligen nationalen Sicherheitsstrategien gegenüberzustellen und zu vergleichen.
2.1.1 Unter Clinton
Die letzte Sicherheitsstrategie unter Clinton wurde im Dezember 1999 veröffentlicht und darin drei hauptsächliche Ziele zum Schutze der nationalen Sicherheit identifiziert. Als erstes Ziel wurde allgemein die Gewährleistung der nationalen Sicherheit, durch die klassische Strategie von deterrence and containment, benannt. Zweitens sollte die US-Wirtschaft angekurbelt und gestützt (innenpolitisches Ziel), und drittens Demokratie und Menschenrechte weltweit proklamiert und forciert werden (außenpolitisches Ziel). Militärische Gewalt wurde im konkreten Falle einer nationalen Bedrohung als notwendig ane rkannt, allerdings nur als lender of last resort, d.h. wenn alle diplomatischen Mittel ausgeschöpft, Kosten und Risiken (Soldaten!) annehmbar sowie der militärische Einsatz im Einverständnis mit der Internationalen Gemeinschaft ausgeführt würde. Präsident Clinton betonte die moralische Verantwortung der USA im Hinblick auf das dritte Ziel, der Demokratisierung der Welt und Proklamation der Menschenrechte. Für dieses Ziel sprach sich Clinton zwar grundsätzlich gegen humanitäre Interventionen aus (s.u.), aber für eine coercive diplomacy, also die Durchsetzung politischer Veränderungen in autoritären Systemen durch Androhung militärischer Gewalt. Coercive diplomacy wurde zum Markenzeichen der amerikanischen Interventionspolitik Clintons´ und brachte ihr den Beinamen „Clinton-Doktrin“ bei, da sie sich von der bisherig gültigen „Weinberger-Powell-Doktrin“ distanzierte, in welcher der Einsatz des Militärs zu Demokratisierungszwecken praktisch ausgeschlossen wurde. 12 Die Clinton-Regierung unterschied dabei Staaten, die „vitale“, d.h. amerikanische Interessen bedrohten wie Nordkorea oder Irak, und Staaten, in denen „humanitäre“ Interessen bedroht seien, wie in den Bürgerkriegsregionen Ruanda oder Bosnien. Im Falle der „vitalen“ Interessen herrschte ein breiter politischer Konsens sowie weitgehende Akzeptanz und Legitimation militärischer Einsätze, auch in der amerikanischen Öffentlichkeit. Das erklärt die relative inneramerikanische Kritiklosigkeit am „Stillen Krieg“ gegen den Irak seit der Operation „Desert Storm“ im Dezember 1998, den die USA bereits damals ohne explizites und völkerrechtlich legitimiertes UN-Mandat führten.
10 vgl. CFR 2003: 13:“ ...And even if we had met the congressionally mandated deadline and released your NSS in June 2001, the events of September 11 would have made that report obsolete to some degree.“
11 CZEMPIEL 2002: 94 ff.
12 Vgl. Rudolf/Wilzewski, Beharrung und Alleingang: Das außenpolitische Vermächtnis William Jefferson Clintons, Aus Politik und Zeitgeschichte (Das Parlament), keine Jahresangabe http://www.bpb.de/publikationen/Y8I6Z8,3,0,Beharrung_und_Alleingang%3A_Das_au%DFenpolitische_Verm %E4chtnis_William_Jefferson_Clintons.html
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Simone Lankhorst, 2005, Auswirkungen der aktuellen Sicherheitsstrategien der EU und USA auf die klassische Entwicklungspolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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